Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 40 (30.9.1836)
- Date
- 1836-09-30
- Page
- Spalte 315-316 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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315 X Über Profezeiungen. rc. rc. (Fortsetzung.) Und nun, mein Freund, prüfe genau, wie sich diese große Verheißung sttts fort bis auf den heutigen Tag bewahrheitet hat, obschon eS eine höchst befremdende Sache ist und gan; verschieden von den Ereignissen anderer Völker. Alle früheren Völker kamen unter zufällige Herrschaft, bald erhoben, bald erniedrigt, bald siegend über ihre Feinde, bald von ihnen besiegt, bald in andere Länder schweifend, um zu rauben und zu plündern, bald vom Feinde gefangen in fremde Länder abgeführt; aber die Araber, als Abkömmlinge Zstnael's blieben stets in ihrer Verfassung, unabhängig von jeder Ration. Die Ägypter konnten ihnen nicht bei; denn so bezeugen die Geschichtschreiber, daß der König Sesostris (etwa der König S ch ischak, I. Könige 11, 40?) eine Heereslinie von Hetiopolis bis Pelusium aufstellte, um die Araber, welche Raubzüge in die Gränzen Ägypten's machten, abzuhalten; Assyrien und Babylonien vermochten nichts gegen sie; DariuS, König von Persien, der den ganzen Orient beherrschte, erbte vom König Cyrus auch die Provinz Arabien; aber es gelang ihm nicht, die Araber zu unterjochen; Alexander, König von Makedonien, bezwang das ganze Perscrreich, baute Schiffe, und sammelte ein großes Heer, um auch auf seinem Zuge die Provinz Arabien zu bezwingen; er starb aber in der Blüthe seiner Jahre, ohne seinen Vorsatz auszuführen; die Römer, die doch fast den ganzen Erdkreis beherrschten, vermochten nichts gegen die Araber, und bezwangen sie nie; die Moslemin (Türken) und selbst die großen Eroberer, die dabin kamen, als Saladin, Dschengischan, Tamerlan u. A. eroberten nie die arabischen Wege, und beugten nie ihre Freiheit; noch sind die Araber bis auf heute frei und ihre eigene Herren, wie sie es schon vor 3000 Jahren waren, ohne Sitten, Tracht und Gebräuche zu ändern, noch in der Wüste zügellos lebend, ihre Hand gegen Alle; denn sie plündern jeden Wanderer, und Aller Hand gegen sie; denn alle Herrscher bemühen sich, sie zu beherrschen; aber umsonst; denn der Araber wohnt stets in seinem Lande »vor allen seinen Brüdern», die seine Wohnstätte wünschen, die er aber nicht fürchtet. — Ist dieß nun nicht ein großes Wunder, wie es die Geschichte keines Volkes aufstellt? Und wie wußte Moses, was in den spätesten Tagen bis auf unsere Zeit sich ereignen wird, und schrieb diese Verkündigung in der Thora nieder, wenn nicht der göttliche Geist auS ihm sprach? — Die zweite Profezeiung ist die bei Jesaia und Jeremia befindliche über das babylonische Reich, dessen Ereigm'sse ganz genau und einzeln, wie nirgendsonst, aufgezählt werden; denn ausser der Mittheilung von dem Falle und der Zerstörung der Stadt, wäh, rend sie noch mächtig groß, eine Residenz und die Freude des ganzen Landes war, erzählen die Profeten auch viele Einzelheiten, die erst nach ihrer Zerstörung eintrcffen «erden. So verkündigt Jesaia, Gott werde - über Babylon Medien ausrrizen, um eS zu zerstören, daß cs wie Sodom und Amorah verwandelt sei, daß es nimmermehr erbaut. und bewohnt werde, und nnr der Aufenthalt wilder Thiere, daß aus Babylon jeder Überrest vernichtet und nur Sitz lichtscheuer Thiere sei. (Jesaia 13.) Jeremia spricht: Durch den Zorn des Ewigen wird es nicht bewohnt und völlig öde sein; kein Überrest bleibe ihm, Niemand wohne, kein Mensch weile dort; nicht nehme man aus ihm einen Eck- oder Grundstein; denn es bleibe ewige Wüste, Babel sei ein Steinhaufen, eine Wohnung der Drachen (Jeremia 50 u. 51). Würden nun diese Verwüstungen und Erniedrigungen BabeNs nur im Allgemeinen profezeiet worden sein, so ließen sich etwa noch immer Zweifel gegen die Wahrheit erheben; allein augenscheinlich trafen nach Babel's Zerstörung Dinge ein, deren Möglichkeit selbst vorauszudenken nicht im Menschenverstände lag'; denn wer hätte'so kühn Voraussagen können, daß Babel nach seinem Falle nimmermehr werde auferbaut werden? Wer konnte bestimmen, daß eS nur Wohnung der Drachen und Auf-. enthalt von Ungethümen sei? Aber Gotte» Wort ging in Erfüllung, und seit Babel aufgehvrt hat, »ine Stadt