Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 31 (29.7.1836)
- Date
- 1836-07-29
- Page
- Spalte 243-244 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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24Z 244 eure Söhne Frauen und eure Töchter gebet Männern, daß sie gebaren Söhne und Töchter, und vermehrt euch dort, und mindert euch nicht. Und strebet für das Wohl der Stadt, dahin ich euch vertrieben, und betet für" sie zum Herrn, denn in ihrem Heile wird euch Heil.« *) Jene- Znrückstoßen und Beschränken in den Bahnen des Lebens also nicht wesentliche Bedingung des Goluß; vielmehr Pflicht, so viel nur immer möglich, sich dem Staate anzubürgeru, der uns ausgenommen; deS Staates Zwecke zu fördern und das eigene Wohl nicht getrennt von des Staates Wohl zu achten. — Dieses Auschließen überall an die Staaten ja auch, dem Geiste des Judenthums unbeschadet, möglich; denn Jenes frühere selbstständige Staatcnleben war ja auch nicht Wesen und nicht Zweck der Bolksthümlichkcit Israels, war ja auch nur Mittel zur Lösung seines geistigen Berufs. Nie war Land und Boden sein Einigungsband, sondern die gemeinsame Aufgabe der Thora; darum ja auch eine Einheit noch, wenn auch fern vom Lande, — und d'rum noch Einheit, wenn auch überall in der Zerstreuung angebürgert; (nenne man diese Einheit, hebr. ä,m und 607, nicht deutsch »Volk«, wenn man von diesem deutschen Worte das Merkmal gemeinsamen Bodens nicht zu trennen vermag); bis sie einmal Gott auch äußerlich als Volk auf einem Boden vereinigen und die Lehre der Thora wieder als Princip eines Staates dastehen werde, zum Muster und zur Offenbarung Gottes und des Menschenberufs. — Eine Zukunft, die als Ziel des Goluß gesteckt, verheißen ist, aber ja nicht thätig von uns gefördert werden darf **), nur erhofft; und zu der wir erzogen werden, daß wir dann im Glücke besser "Israel" darstellen mögen, als das erste Mal; eine Zukunft, die ja Hand in Hand gehet mit Erhebung der Allmenfchheit zur A l l Verbrüderung unter Gott, dem AVemen! Eben dieser rein geistigen Natur der -) Jrremia 29. 5—7. —) Thal«. Katbuboth 111. Bolksthümlichkeit Israels halber ist es darum auch überall zum innigen Anschluß an Staaten fähig; nur darin sich vielleicht scheidend, daß während Andere etwa die Güter, die der Staatszwrck sichert, Besitz und Genuß in weitester Bedeutung als das Höchste achten möchten, es sie selber stets nur als Mittel zur Erfüllüng des Menschenberufs betrachten ck-nE"^- Und denke« Sie sich einmal da- Bild solcheunter Völkern sreiwohnenden, sein Ideal erstrebenden Israels! Jeder Jsraelssohn geachteter, weitwirkender Beispielspricster der Gerechtigkeit und Liebe; — nicht Jsraelthum — was ihm verboten, — aber reines Menschthum unter den Völkern verbreitend! Welcher Hebel zum Fortschritt der MenschheitSerziehung, welche Leuchte und Stab in deS Mittelalters nächtigen Tagen, wenn Israels Sünde und der Völker Wahn dieses Bild des Goluß nicht zurückgedrängt; wenn in Mitte einer nur Gewalt und Besitz und Genuß erstrebenden und vergötternden, nicht selten von Wahn umdunkelten Menschheit, still und offen Menschen gelebt hätten, die in Besitz und Genuß nur Mittel sahen, Gerechtigkeit und Liebe gegen alle Welt zu üben, deren Geist, von der Lehre Wahrheit und Weisheit erfüllt, nur menschlich gerade, vernünftige Ansichten gehegt und in lebendigem Thatsymbol für sich und Andere verewigt hätte! — Aber es scheint, daß erst durch die herbe Seite des Goluß Israel zu dieser mildern erzogen werden soll. — Wenn erst Goluß so aufgefaßt und hingenommcn, wie es soll, wenn in Leiden Gott und Thora als alleinige Aufgabe des Lebens gefaßt, und äußere Fülle nur als Mittel geschätzt, und auch im Elend Gott gedient; — dann, — wie vom Standpunkt der Völker immer, — vom Standpunkt des Judenthums, — dann vielleicht reif für die noch größere Prüfungsschule de- Glücks und der Milde in der Zerstreuung. — Daher auch keine Frage. Wie uns geboten Erwerbung der äußern Mittel als Bringung des Daseyns und Lebens, so auch gewiß jedem Einzelnen Pflicht, jede auf rechtlichem Wege offenstehende Erleichterung und Vermehrung dieser Mittel nicht zurückzuweifen; denn je mehr Mittel, je mehr D. ».