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Das Füllhorn · 1836-07-01 · 27 (1.7.1836) · p. Spalte 211-212

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Journal
Das Füllhorn
Volume
II (1836)
Issue
27 (1.7.1836)
Date
1836-07-01
Page
Spalte 211-212 (sequence 2)
Language
German
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' 211 Israel und seine heilige Schrift. («u» Herder» „Briefe» da« Studium der Theologie betreffend.") Sie wollen, daß ich Sie auf jene Gotteshöhe, sämmtliche Bücher des alten Testaments zu überschauen, führe; aber, Freund, wenn auch die sieben Altäre da und ihre Opfer bereit stünden, wo ist der Gott, der mir begegne und mir seine Gesichte über dies Volk, den Sohn seines Eigcnthums, zeige? »Ich schaue ihn, aber nur von ferne."- Die Hauptsache, der Grund von Allem'ist, ob die Geschichte.dieses Volks wahr? das ist, mit andern Worten, ob dies Volk Israel sey oder je gewesen? Mich dünkt, nur Frechheit oder Verzweiflung könne dieläugnen. Es war und ist das ausgezeichnetste Volk der Erde; in seinem Ursprünge und Fortleben bis auf den heutigen Tag, in seinem Glück und Unglück, in Vorzügen und Fehlern, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so einzig', so sonderbar, daß ich die Geschichte, die Art, die Existenz des Volks für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schriften halte, die wir von ihm wissen und haben. So etwas läßt sich nicht dichten, solche Geschichte mit allem, was daran hängt und davon abhängt, kurz, solch ein Volk läßt sich nicht erlügen. Seine noch unvollendete Führung ist daS größeste Po«m der Zeiten, und geht wahrscheinlich bis zur letzten Entwicklung des großen, noch unberührten Knotens aller Erdnationen hinaus. — Ist dies Faktum bewährt; kann niemand als Falschheit erweisen, daß Gott einen Abraham, aus der Familie, aus dem Geschlecht der Vorväter, von der Höhe Asiens allmälich ins niedre Palästina, bis in das noch tiefere Aegypten geführet, sein Geschlecht durch einen Joseph dahin kommen, durch einen Moses wieder heraus führen, lange in der Wüste umherziehn, zuletzt Palästina, wiewohl unvollkommen, erobern, daselbst wohnen, seine mancherlei Haushaltung treiben, endlich es gefangen führen, wieder kommen, sie neu einrichten, nach mancherlei Einflechtungen fremder Völker es zuletzt in den Zustand stürzen lassen, 212 wo wir's noch jetzt sehen; ist dies alles, noch ohn' alles Wunderbare, nur schlicht-historisch, wie jede andere Geschichte wahr; mich dünkt, so ist Alles gesetzt. Allezugegeben, was wir wollen, ein Wunder der Zeiten. So sind auch die Schriften wahr, die die Geschichte dieses Volkes so Naturvoll, aufrichtig, simpel einzig beschreiben, in jeden Zeitraum, fast möchte ich sagen, jeden Winkel derselben in seinem Licht zeigen, die mit den Ereignissen selbst nur so schlicht hinabgehen, wie der Spiegel mit der Person, die er darstellt. So ist endlich auch der Geist dieser Schriften wahr, denn er ist nur Geist des Volks und seiner Geschichte. Der Gott, der Israel so erwählte, so führte; mußte auch so zu ihm sprechen, mußte auch also von ihm schreiben. Die Geschichte beweiset die Schrift, die Schrift die Geschichte. So eine unbändige Lüge es wäre, zu sagen: das Volk habe nicht eristirt und eristirt nicht, so unbändig ist's, zu sagen: die Schriften haben nicht eristirt, und sind (vom Pri« ster etwa, den Salmanassar in's Land schickte, vom armen Esra oder gar von einem Juden der dunkelsten Jahrhunderte) erdichtet worden. Harduin's Hypothese ist Gold gegen diese Staubeinwürfe. Man kann in manchem Bettacht viel eher Griechen nnd Römern (geschweige Chaldäern, Aegyptern) ihre Werke, Schriften und Thaten, als die Begegniffe und Schriften dieses Volks abläugnen: denn die Geschichte und Poesien der Römer sind zum Theil weit minder na« tional geschrieben, als die Geschichte und Poesien dieses Volkes. So abstehend in Jahren, Inhalt und Absicht sie sind, so ganz sind sie in Einem Geist, im Geist seines Gottes und seiner Geschichte verfasset. Das sonderbarste Volk hat die sonderbarsten Bücher, ein Volk, dessen Religion und Geschichte ganz von Gott abhängt und dahin weiset, hat auch Bücher der Art, des Geistes; jene Dinge sind aus diesen, diese aus jenen entstanden, und Alles ist im Grunde nur Eins. Ein Gepräge, Ein Charakter, Eine Beurkundung der Zeiten: ihr Name ist, daS Volk des Ewigen,'-wie dort der Name von Ezechiel- Stadt und Tempel: der Ewige daselbst. lSchluff folgt.)

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