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Das Füllhorn · 1836-05-27 · 22 (27.5.1836) · p. Spalte 175-176

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Journal
Das Füllhorn
Volume
II (1836)
Issue
22 (27.5.1836)
Date
1836-05-27
Page
Spalte 175-176 (sequence 4)
Language
German
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Ändern, «o ihnen die Gesetzgebung die bürgerlichen Rechte bereits zuerkauut, derselben unwürdig gewacht- O, nein! In den Nordamerikauischeu Staate», in Holland, in Frankreich, in England, in Preußen, in Würtemberg und,Hessen, haben die Juden durch die That bewiesen, daß sie verdienen, Bürger zu heißen, ju seyn, denn Juden treiben bürgerliche Gewerbe mit dem besten Erfolge; Juden beschäftigen sich mit Viehzucht und Ackerbau; Juden verthridigen das Vaterland mit ihrem Blute; Jude« füllen den ihnen in verschiedenen Dicasterien angewiesenen Platz würdig auS, und das Wohl deö Vaterlandes zu befördern, ist die heiligste Angelegenheit ihres. Lebens. Also auf Ihre Frage: «Darf eine völlige Gleichstellung in staatsbürgerlichen Rechten sämmtliche« Juden schon jetzt bewilligt werden?" antworten die Erscheinungen der Zeit, antworten die Erfahrungen derZeit rin lauteS Ja!! Wo liegen denn nun die "Schwierigkeiten," die die Juden »dem Staate bereiten, und welche «die Christen so wenig kennen," daß Sie erst, aus purer Humanität, kommen müsse«, um sie "auszudecken?" (Fortsetzung folgt.) Hamburg, 28. April. Dem Hrn. vr. Riesser, der mit seiner Familie für immer unsere Stadt verläßt, um sich im Churfürstenthume Hesse« niederzulassen, .haben die hiesigen Israeliten gestern. eine goldene Denkmünze von LooS in Berlin verfertigt, Zeichnung von Professor Oppenheim ip Frankfurt, — überreicht, und demselben ei« glänzendes Abschiedsfest gegeben. Der Eindruck, den diese Feier bei allen Anwesenden hervorge- 'bracht, war unbeschreiblich; jeder fühlte, wadie jüdische Gemeinde an vr. Riesser verliert. Dieses Geatzt der Wrhmuth gab de« Feste eiue besondere Kei- «lichkeit und einen Ernst,, -er noch gehoben wuzrde durch folgende Porte, welche vr. Messtr auf eiuen, gus seine.AeAnHeit gleich, bei« Beginne dep Tafsl Redigtk/ von Rabdmer S. W. Rosenfeld. — ausgebrachte« Toast erwiederte: "Meine Herren! de» Danke gegen Sie sollte meist erstes Wort,.das ich zu Ihnen rede, gewidmet seyn. Doch ist eS mir, alS hatte ich «och einen qndern Dank zu bringen, und zugleich ein Lerfäumniß gut zu machen, über daS ich freilich am wenigsten klagen darf, weil Ihre Liebe zu mir deren Ursache ist. Ihre Güte hat meiner eher gedacht, als der guten Sache, der ich Alles, waS ich bin, der ich Ihre Liebe, der ich das Wohlwollat so vieler Edlen, der ich dieses schöne Fest verdanke. Jsi der That, meine Herren, ich verdanke der guten Sache, der Gewissensfreiheit, bisher weit mehr, alS sie mir ver, dankt, und eS muß noch viel geschehen, biö die Rech-- nung des DankeS nur zwischen uns ausgeglichen ist. Möge mein glückliches Loos, mein heiteres, blumenbckränztes Märtyrthum, Manchem eine Lehre seyn, daß man, auch ohne Schaden für das eigene Wohlsey«, auf manches äußere Gut, welches der herrschende Glaube sich Vorbehalten hat, verzichten kann und höhere Güter in dem Kampfe, für eine heilige Sache gewinnen. Wie gesagt, es ziemt mir nicht, die verletzte Rangordnung zwischen der Freiheit und ihre» Verehrer, zwischen der Göttin und ihrem Anbeter za tadeln, da Ihre Liebe zu mir die Quelle der Verletzung ist. Erlauben Sie mir, dieselbe gut zu machen so viel an mir liegt, indem ich Sie bitte, mit mir ia den folgenden Toast einzustimmen, der unsere ganze heutige Feier zusammen faßt: »Politische und religiöse Freiheit über den ganzen ErhkreiS; die bürgerliche Gseichstellung der Juden in unserm ganzen deutschen Vaterlandl" MitEnthusiaSmus stimmten alle Anwesenden in diesen Toast ein, und es belebte diese ernste und würdevolle Stimmung daS ganze Fest, da- bis spät in die Nacht dauerte. Schriften über Juvest' und HübestlhUm, 'welche zur Vstermrsse 1836 stMenest sind. 1 ' - (FMsetziMg) ' Kol»»»«««: ve.lT.. d»Mch« veNNeaN«»«. Toni«. §atio»«.r«d«G« «tt -Ze« liteiaitch« Benennungen. Berlin., ,lür,«chnle» y. iy P-rttnen. 1)4 Ttzlr^ (Fortsetzung folgt.) Gedruckt in der Fr. Humann'schen Buchdruckerei.

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