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Das Füllhorn · 1836-05-13 · 20 (13.5.1836) · p. Spalte 159-160

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Journal
Das Füllhorn
Volume
II (1836)
Issue
20 (13.5.1836)
Date
1836-05-13
Page
Spalte 159-160 (sequence 4)
Language
German
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ISS 160 dote, wie sie uns der Hr. verf. erzählt, wiederzugeben. Der Hr. Derf. beginnt mit folgenden Motten: »Ob Hartmann auf Ihre "Briest" wohl antworten wird?" ftagtm mich meine Freunde, nachdem sie dieselben gelesen, geprüft und in bewährten kritischen Blättern ein lobendes Uttheil darüber vernommen hatten. Sonder Zweifel! erwkedette ich. Jene behaupteten daS Gegentheil, ich widersprach; sie schlugen eine Wette vor. Ich nahm sie nicht an, weil ich meiner Sache zu gewiß war. Wollen Sie unS Ihre Gründe nicht mittheilen? fragten sie. Recht gern, warm«, ne Antwort und erzählte ihnen folgende wahre Anekdote auS meinen Schulmeistersahren, die ich in D. (Dessau) verlebte. Dort hatte ich unter meinen Schülern und Zöglingen «neu Knaben auS dem Mecklenburgischen , der auf die Mineralogie ganz wie besessen war. Keine Wissenschaft zog ihn mehr an, wie diese. Seine Erholungsstunden, seine Ferien, ja den größten Thril seiner Schuljahre benutzte er, um — Steine zu sammeln, und zwar mit einer Geduld und Ausdauer, die in Erstaunen fetzte. In de« begränzten Kämmerchen, das der Knabe bewohnte, fand man Töpserthon, Feuersteine, Alaunschiefer, Grünstein, Katzensilber, Specksteine, Kalkspath und Lhn« liche Produtte aufgehäust und mit dem größten Wohlbehagen betrachtete, ordnete und classificirte der Knabe seine Reichthümer. DaS wäre alles sehr gut gewesen und hätte einen tüchtige« Mineralogen erwarten lassen; allein der junge Mensch, der nachgerade zum Jüngling heranwuchs, hielt alle diese gemeinen Steine für — Edelgestein. Und, so sehr ich mich auch bemühete, ihm seinen Jrrthum zu benehmen, er beharrte darauf, und mit zunehmendem Alter nahm auch der Jrrthum zu. Der Jünge redete sich'ein, er wäre — steinreich und seine Schatzkammer enthielte nicht-, wie Ehrysolithe, Smaragde und Sapphire; seinen grünen Flußstach hielt er für Smaragd, den rothen für Rubin, und als er einmal «zählen hörte, daß der Großmogul de« schönsten Diamant hätte, groß wie ein Tauben«, so lächelte er selbstzufrieden und schielte vergnügt nach, Gott weiß, welchem Umfangsreichen Stein in seinem Bijou, und wie klein dünkte ihm jetzt der große Mogul sammt seinem großen Diamanten. Ich fing an, für den kleinen Mecd lenburger zu fürchten, denn es kam Mir vor, als sei ein dem obersten Stockwerk nicht ganz richtig. Doch der Arft beruhigte mich. Der junge Mensch, sagte er mir,' hat nun einmal einen wichtigen Theil seine- Lebens auf diese Sammlung verwendet und lange in dem Wahn gestanden, im Besitze groß« Kostbarkeiten zu sein. Und nun soll « diese Arbeit vergebens unternommen und statt Edelgestein nicht-, wie Staub und Sand haben? An diesen Gedanken kann « sich so leicht nicht gewöhnen; darum hält er seine früher« Ideen fest, so lange eS ihm irgend nur möglich ist. Lassen Sie ihn dabei! Sie brauchen keine traurigen Folgen zu fürchten. ES giebt der eingebildeteu Reichen sehr viele! — Und nun, lieben Freunde! sagte ich ihnm, Lar »ppliostio, d« He« Professor Hartmann hat zwanzig Jahre auf die rabbinkschen Wissenschaften verwendet, hat abgeschrieben und ercerpkrt, gesammelt und geordnet und große Dorräthe aus Manuscripten und Büchern all« Art zusammengetragen. Und alle diese Schätze, sammt dem Fleiß und Schweiß, den sie gekostet, sollten sich nun in Nichts aufiösen, nichtanderS sein, als Glimmer und Katzensilber? Da kennt ihr den Menschen überhaupt, den Gelehrten insbesondere sehr schlecht, der läßt damühsam Erworbene nicht so leicht fahren. Ihr sollt fthen, Hr. Prof. Hartmann kommt, ehe man sich dessen versieht und schleppt andere Steine, ähnlichen WettheS wie die frühem, auS seinem Magazin herbei, «och größere und schwer«-, als die ersten, und — wirst sie d« Wahrheit an dm Kopf." (Fortsetz«,, folgt.) Rrdigirt von Rabbiner v. W. Rosenfeld. — Gedruckt in der Fr. Hnmaun'sche» vuchdrnckrrei.

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