Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 8 (19.2.1836)
- Date
- 1836-02-19
- Page
- Spalte 63-64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4889117-4929679-4929837--313-4889378- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
63 64 Mittelpunkts der. Zivilisation, zur Zeit noch schmachten? (Den Ausnahmsgesetzen im staatsbürgerlichen und bürgerlichen Leben, die wir erröthen herzuzähten, aus Scham für die Bedrückten, wie für die Bedrücker.) Warum' also daS ganze Maß der Menschenliebe und edler Theilnahme nur ganz fernen Leiden zuwenden? Warum fällt nicht ein Brosamen dieses empörten Rechtsgefühls auch den Juden zu? Weil, wie oben gesagt, es viel leichter ist, Andere zum Edelmuth auftufordern, als selbst edel zu seyn; weil man leichter Opfer fordert, als sie bringt und weil endlich die meisten Leser dieser Journale selbst noch Sklaven sind, in den Fesseln alter Borurtheile schmachten, und man selbst frei seyn muß, um Unfreie nicht «eben sich ertragen zu können. Zur Tagsgeschichte, vr. Menzel trägt bei der jetzigen Ständcrversammlung 'in Würtemberg auf die Fortsetzung des glücklich begonnenen Werkes der Emanzipation der Israeliten an. Man darf sich wohl im Voraus der frohen Hoffnung einer glücklichen Vollführung des begonnenen Werkes hingcben; denn ein edler Mann spricht für eine edle Sache, und — das Recht hat schon stüher große Schritte gethan, und darf konsequent nur die betretene Bahn verfolgen. Literatur. "Jggeroth Zafon (Briefe aus Norden). Neunzehn Briefe über das Judenthum. Als Voranfrage wegen Herausgabe von »Versuchen" desselben Verfassers »über Israel und seine Pflichten», herausgegeben von Ben Usiel. Altona, I. F. Hamwerich'sche Derlagshandlung. 1838.» S. 111 gr. 8. Eine merkwürdige Schrift. Die Ansichten, welche der Verfasser sowohl vom Judenthum überhaupt, als auch von dm einzelnen Diöciplincn desselben, von Israels Bestimmung (feinem Beruf), seiner Geschichte, seinen Schicksalen in den einzelnen Geschichtsepochen, von Emancipation und Reform aufstellt—sind höchst originell. Originell ist überhaupt Alles in demBuche, originell der Styl« der, geistreich und körnigt, oft Redigirt von Rabbiner S. W. Rosenfeld. — an Härten leidet, originell die Uebersetzung der eingeschobenen, oft langen Bibelstellen originell endlich sogar die Art, hebräische Wörter deutsch zu schreiben, von welcher der Verfasser in der Nachschrift zum zweiten Briefe sagt: »ich schreibe sie nach der bei uns üblichen Aussprache, die, wenn nur nicht durch Nachlässigkeit verunstaltet, und nur grammatisch richtig (?) gehalten, keineswegs der sogenannten portugiesischen nachstehen dürfte» Für 2ere schreibt der Verfasser et. für ebolem au u. s. w. So bedauernswürdig auch die heute in Israel sich kundgebende Spaltung und Zerrissenheit in religiösen Ansichten seyn mag und so sehr auch jeder für die wichtigsten Angelegenheiten seiner Glaubensbrüder sich intcressirende Jsraelite eine baldige Annäherung und Aussöhnung der Partheien durch Ausgleichung, Verschmelzung oder Durchdringung der Ansichten wünschen muß; so wenig hält Referent den Verfasser, der sich wohl diese Aufgabe gestellt hat, für geeignet, diese Versöhnung zu. vermitteln. Viele seiner (oft nur angedcuteten) Ansichten, so erhaben und tief sie mitunter auch seyn mögen, und so geistreich und konsequent er sie auch aus seinen Prämissen entwickelt, dürsten nicht überall Anklang finden. Moses BenMaimon und Moses Ben Menachem (Mendelssohn), diese beidm großen Reformatoren des Judenthums, an deren Fackeln tausende von Edeln ihr Licht anzündeten und anzünden, — haben nach der Meinung des Verfassers in den ersten Principien des Judenthums geirrt. Es ist hier nicht der Ort, dem Verfasser in das Detail seiner Entwickelungen zu folgen, und ich beabsichtige mit dieser Anzeige nur, die Leser dieser Blätter aus diese Schrift aufmerksam zu machen, die gewiß mit großem Interesse auch von Solchen wird gelesen werden, die vielen der darin aufgestellten Hypothesen nicht bei, stimmen können. Ich halte einen sehr bekannten norddeutschen Rabbiner für den Verfasser. S. Stetnhard. In der Offizin des jüngst verstorbenen Buchdruckers Carl Tauchnitz in Leipzig ist eine neue sehr verbesserte Ausgabe der jetzt selten gewordenen hebräi, schen Bibelkonkordanz Burtorf's im Werke, wovon schon viele Bogen in Folio gedruckt sind. jedruckt in der Fr. Humannsschen Buchdruckerei.