Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 7 (12.2.1836)
- Date
- 1836-02-12
- Page
- Spalte 55-56 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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55 56 kommen, das Predigen nicht mehr blos als eine zur neuen Mode gehörige Sache, sondern als nothwendiges Requisit des festtäglichen Gottesdienstes anzusehen und zu erheischen. In mehreren größeren Gemeinden, wo eigene Prediger angestellt sind, wie in Wien, Pesth, Hamburg, in neuerer Zeit Offenbach, Karlsruhe, und in ganz neuester Zeit Prag, ist man schon zu dieser Ansicht gelangt; doch nähert man sich auch da, wo der Rabbiner zügleich Prediger ist, immer mehr derselbe». Dieses bat min die Veranlassung gegeben, daß auch die gedruckten Predigten sich häuften, weil sie überall Eingang fanden. Zu den ausgezeichnetesten in dieser Art gehören die des ve. Salomo«, De. Kley, Mannheimer, Itr. Wolf; (auch De. Auerbacher, der Prediger in Leipzig zur Messezeit, soll ausgezeichnet sein); weniger Beifall und Empfehlung verdienen die des ve. Formstecher, die sich nicht sehr über gewöhnliche Predigten erheben; eben so wenig die des vr. Auerbacher, Rabbiners in Darmstadt; (über Salomon Psesiner's, zur Zeit einzeln erscheinende Predigten, war scho« früher in diesen Blättern die Rede.) Ja es erscheint sogar schon ein Predigt- (und Schul-) Magazin. von Nr. PhilippSson in Magdeburg, das nebst andern guten, oft gediehenen Aussätzen, bald mehr bald weniger gute Predigten enthält. — An die Reihe derjenigen, die als Rabbiner zugleich anch Prediger find, schließt sich nun auch der bemeldetr Rabiner Koh« an. (Er hat seine rabbinische und klassische Bildung in Prag an den öffentl. Anstalten genossen, und Referent hatte dort öfter Gelegenheit, mit ihm zusammen;»kommen, und fand in ihm einen wiffenschaftlich^ebildctei», tirfgelrhrten jungen Mann.) Über seine Predigten spricht er selbst in der Vorrede sich dahin aus, »daß sie im Ganzen mehr belehrend, als ermahnend und erbauend sind, und daher der Ton derselben bisweilen in den der Abhandlung fällt.» »Ich folgte hierin (fährt der Vers, in sehr beherzkgenswer- »hen Worten fort,) »meiner Überzeugung, nach welcher eine gründliche Belehrung über daS Wesen der Re, ligion, unfern Glaubensgenossen am Meisten Roch chut, «eil der Unterricht derfelben so lange vernachlässigt oder verkehrt ertheitt worden ist. Daher kommt es, daß Religion vielen Israeliten nichts anderes ist, als eine Sammlung von Versagungen, Gebräuchen und Gewohnheiten, die sie ihren Vätern abgesehen haben, und denen sic, so unsinnig und unheilig dieselben auch sein mögen, starr anhängen, und daß andere, deren Sinnlichkeit oder Bequemlichkeitsliebe jene Einschränkungen nicht züsagen, oder deren höherem Streben bloße Gebräuche nicht genügen, entweder die Religion, deren Wesen und heilbringende Kraft sie nie erkannt haben, ganz verwerfen, und sich einem blos thierischcn Sinnenlebcn hingeben, oder Jndifferentisten werden, und nur, um den Skandal zu vermeidenhin und wieder eine religiöse Handlung mitmachen." Worte, die nicht nur für den Kreis des Vers., sondern auch überall durch traurige Beispiele sich bewähren. Nach diesem Vornehmen des Vers, sind also diese Predigten nicht sowohl auf Herz und Gemüth einwirkend, als mehr eine belehrende Unterhaltung mit seinen Zuhörern. Freilich läßt sich die ausgesprochene Ansicht des Vers, nicht ablängnen; doch möchte auch Herzlichkeit mit Belehrung wohl zu verbinden fein und wir verweisen auf die ciccronische Regel: vt äooest, mögest, äelectet. Aber der fromme Geist, der sich in diesen Predigten überall aussprzcht, ist nicht zu verkennen. Der Vers, hat diese 6 Predigten (1. der göttliche Segen; 2. das Gebet; 3. die Kraft des Glaubens; 4. Wichtigkeit und Bedeutung des Sabbaths! S. die Wohlthätigkeit; 6. Israel ein von Gott erwähltes Dolft) nur als Proben erscheinen lassen, und wartet nur die günstige Aufnahme beim Publikum ab, um mehrere folgen zu lassen. Es wäre immerhin zu wünschen. *)— Die Sprache ist einfach und populär; doch dürste sic sich etwas mehr erheben und, wie gesagt, auch als belehrend herzlicher sein. Einige unpassende Ausdrücke: als das einige Male wirderkehrende Herz bersten, stutzen, heimlich (für heimisch), feierig (für feierlich),schwache Erdenwürmer firrMenschen,wären hinwegzuwünschen. Übrigens Dank auch für diese zur Zeit geringe Gabe! »Ob viel, ob wenig, wenn es nur in reiner frommer Absicht geschah!» — Die Ausstattung in Druck und Papier ist sehr gut. — Josef Klern. *1 Schade nur. dadie Sensur oft sehr schöne, »ahrbaft erhebend« Stellen gestrichen, obgleich st« durchaus frei von aller Politik sind, wie wir aus mancher von det Aerf's.Hanb beigrschriebe. nen Stelle in einem Hremrlare bemerken konnten. (Warumf) Redrgrrt von Rabbiner S. W. Rosenfeld. — Gedruckt in der Fr. Humann'schen Buchdruckerei.