Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- II (1836)
- Issue
- 5 (29.1.1836)
- Date
- 1836-01-29
- Page
- Spalte 39-40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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39 40 Übcrdieß wußte man, daß in andern Orten Verträum erweckende Rabbiner und Lehrer gewählt sind, und daß bei ähnliche« christlichen Versammlungen ja auch nicht jeder Geistliche anwesend ist. — , Daß aber übrigens in der Gemeinde Sch-^-ch nicht der sie bezüchtigte, niedere Geldsinn, vielmehr ein aufgeklärter, Schul/ und Kirchenwcsen trefflich fördernder Sinn herrscht, hat dieselbe, ausser in vieles andern Fällen, unläugbar dadurch bethätigt, daß sie (schon im I. 182S) die Besetzung ihrer Rabbinerstelle, nicht wie viele andere Gemeinden, Jahre lang zu verzögern gesucht, sondern selbst auf dieselbe und zwar mit einem gesetzlich gebildeten Subjekte hohem Ortes drang; daß sie nach dem Tode ihres Religiönslehrers unverzüglich den Elementarunterricht mit dem Religionsunterricht, im Gegensatz zu so vielen Gemeinden, vereinigte; daß sie freiwillig ein neues Schulhaus bauete, obschon sie sich mit einem weniger zweckmäßigem hätte behelfen können, und daß sie sich schon im I. 1832 bei dm damals allgemein, «^verlangten Gutachten, .für Errichtung eines israelitischen Consistoriums und somit auch für die Tragung des sie treffenden KostesithejlS (denn von dieser Geldsache kann sich's bei der bevorstehenden Krcisvcrsammlung nur handeln,) unbedingt ausgesprochen hat. Wo solche Thatsachen sprechen, da muß die Verleumdung verstummen und die verletzte Eigenliebe darf dm Mund nicht auphun. *) A. - K. Notizen über die. Israeliten in Jerusalem. Nach dem Berichte eines reisenden Juden aus Jerusalem,, befinden sich gegenwärtig in dieser Stadt der Beschuldigungen, die der Inkonsequent hervorruhehen, wenn in dieser Gemeinde in einem Jahr« Hurch radbjnische Utase die sogenannten freiten Hauben restaurirt und in einem andern, Jahrhunderte lang eingeführte x Gebete x. m. abgeschafft werden? — «) tz< kann dem Hrn. Einsender dieß versichert werden, daß der besprochene Artikel keine-weg« von einer betheilig. ten Person autging; daß derselbe vielmehr lediglich einrm i» fälligen Gerüchte seine Entstehung verdanke. . .... D. Red. RLigirt von Rabbiner S. W. Rosenfeld. — 16,000 Israeliten. Dieselben genießen, seitdem der Pascha von Egypten die Stadt im Besitze hat, alle bürgerliche Freiheiten. Man heirathet sehr frühe, zu 15,16 Jahren. Der Morgengottesdienst beginnt, selbst an den Sabbath- und Festtagen, gleich nach Tages- Anbruch. Piutim werden nicht gesagt, ausser am Neujahrs- und Versöhnungstage. Dahingegen wird Vieles gesungm, so daß der Gottesdienst doch lange währet. Die Tobten werden zur Nachtzeit beerdigt, Die Ärzte machen ihr Studium in Venedig, wohin sie auf Kosten der Gemeinde gesandt werdm. Es sind derm nie weniger als sechs. Sie find gewöhnlich sehr geschickt und geschätzt, so daß sie auch von dm Mahomedanem fleißig gebraucht werden. — Der Übertritt zu anderen Konfessionen ist äußerst selten, so daß man oft in Jahrzchmden auch nicht Einen solchen Fall hört. Die Sprache der Juden ist gewöhnlich die spanische; indeß sprechen sie auch arabisch und hebräisch. AuS dem Schreiben eines bayerischen Auswanderers dahin geht hervor, daß die Ansäffigmachung dortselbst, selbst in Bezug auf Fremde, gar keiner Schwierigkeit unterliege. Der besagte Auswanderer, ein lediger junger. Mann aus Floß im Obermainkreise, kam dahin Mitte April's 1833, um auf dem heiligen Boden der Väter ein ftommes asketisches Leben zu führen, und schon am Anfänge des darauffolgenden Mai's wurde derselbe mit einer 14jährigen Jungfrau ehelich getraut. Es scheint, daß die Obrigkeit gar keine Kenntniß von den Verehelichungen nehme. Die Juden in Jerusalem bilden, wie der Schreiber ferner berichtet, zwei Gemeinden: eine Aschkenasische und eine Sphardische. Zu den Erstem gehören die Einwanderer aus Polm, Rußhrnd und Deutschland rc. Am Freitag Nachmittag gehen die Meisten an. die Stelle, wo der heilige Tempel stand, um da ihr Münch «gebet zu verrichten. Mehrere thun dieß täglich. R—d. D i e E h r e. Rabbinisch. Läufst der Ehre du nach, so flirtet sie vor dir, die Spröde; Aber sie läuft dir nach, wenn du bescheiden sie fliehst. _S. Steiohard. Gedruckt in der Fr. Humannsschen Buchdruckerei.