Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 47 (19.11.1835)
- Date
- 1835-11-19
- Page
- Spalte 393-394 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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und bürgerlicher Beziehung gewirkt. Freilich kann ernste, Beschauer nur bedauern/ daß Ge- ^etz«,^fo uqpUenv sie auch die Leit uüd.deren unaufhaltsamer Fortschritt macht oft durch Miß« Verhältnisse stabil bleiben, und daß ste dabei die -erschien Ansprüche der längst schon mündigen Enkrt mit den eiostig etwa erbetenen und gnädig erchejsten Erleichterungen und Begünstigungen y^r noch, theilweisen uanrüledigen Ahnen in einer Wagschaale wägen.' Doch da- Gute reift auch hier nur langsam/ und geben wir unS der frohen Hoffnung hin, um so segenreicher. Daß solche Hoffnung nicht immer bloeitel sei, haben mehr oder weniger sowohl Deutsche (Hessen, Würiemberg rc. re.), alS auch auswärtige Staaten (so Holland, Belgien, Luxemburg, insbesondere'in neuester Zeit Frankreich, daalle Rechte gleichheitlich jeden seiner Bürger, ohne Rücksicht auf Konfession ertheilt,) gezeigt. — Daß an solchen Fortschritten und gerechten Akten von Seiten der Regierungen nicht dloS deren richtigere Einsicht, daß diese Rechte auch mit Recht den JSraeliten gebührten, immer und einzig Schuld war, sondern daß auch die Israeliten selbst recht viel dazu beitrugen, sich solcher Rechte verdient und würdig zu machen, wird Jeder eingestehen, der nicht mit Gtivair die Augen verschließen mag. — Früher war der Thalmud daeinzige Palladium und auch der einzige Lentralpunkt alles literarischen . Strebender Israeliten gewesen, und man mochte wahrlich auch aus ihn aüwenden, was Cicero so sehr schön von den Wissenschaften sagt: „Diese- Studium nährte die Jugend, ergözte das „Alter, schmückte im Glücke, gewährte im Unglü- „cke Zuflucht und Trost, ergözte zu Hause, störte „unS draußen nicht, durchwachte mit uns die „Nächte,' reiSte mit uns, arbeitete mit uns." (Lic. oral, pro Xrcki» pokls, c»p. 7) — Aber später^da^n-Israeliten di« gelehrten Schulen der Christen nicht mehr versperrt waren, da löschten die WissenSdürstigen auch ihren Durst an den Quellen klassischer Bildung, und sie gewannen auch fremde, wenigstenihnen bisher fremde Stühlen lieb. Die Rabbi«- machten freilich frühe* strenge über das benannt^ Palladium und Vepb ßotzerunwar wirklich da- Geringste, .wa- „den Reosytea der neuere« und ocridentalischen Bildung" bevorstand; aber, spreche ich mit De. Maier (Rabbiner in Stuttgart, in s. Antritt-, rede: ,-Schonung und Gerechtigkeit dßn älteren. „Radvinen; den» P< gehören einer Zeit an, die „weder dem Geiste noch dem Lichte günstig war; „Achtung, hohe Achtung ihrem Karakter; denn „ihr Wandel warin der Krrcht de- Herra." — Aber-eben de- Geisteleiser Geisterschritt »er, mochten sie nicht zu vernehmen, sie besaßen aber auch nicht die Macht, diesen Geist der neueren Zeit mehr zu bannen. Unbedingte und ungeheuchelten Achtung den Rabbinea zur Zeit deS Schlüssedevorigen Jahrhundert-, alS deren Matadoren wir vorzüglich eioeu R. Ezechiel Landau in Prag und einen R. Jonathan Eibeschütz in Hamburg (Altona) hervorheben; aber wie gesagt, sie waren Kolosse, die aber nur von der Kraft der Dorwelt zeigten, nicht aber hie Mitwelt erhalten konnten. Ringum sie und später besonsonders ward von Laien so manches Licht angezündet, und wena auch ein und daandere so unvorsichtig zündete, daß eS auch Mancheverbrannte, so war doch de- Guten immer mehr worden. Daß aber auch ein Rabbiner, ein warmeS, biedere-, deutsches Wort für seinen Glauben und Glaubensgenossen sprechen und schreiben durfte und konnte, bewies in Bayern (dawahrlich in der Bildung der Israeliten kaum irgend einem andern Lande nachsteht,) und zuerst Rosenfel d, der nach dem schönen Motto in einer seiner Schriften zuerst für „den Stummen (Hilfeflehenden) den Mund öffnete" und für die gerechten Ansprüche seiner Glaubensbrüder wacker vnd edel sprach. *) Auch fernerber schallte für andere Angelegenheit, nämlich für Reformen im Kultus, eine wohlklingende Stimme, di« de- Oberrabb» Aron Chor im au-Arad in Ungarn, dessen An- *) Wir konnten den -rn. Verfasser diese« Aufsatzes zur Wezlaffun, dieser Stelle nicht «erm!«en. D. Red.