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Das Füllhorn · 1835-10-01 · 40 (1.10.1835) · p. Spalte 337-338

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Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
40 (1.10.1835)
Date
1835-10-01
Page
Spalte 337-338 (sequence 3)
Language
German
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S87 ner Regierung sagen würde, wenn sie diejenigen Staatsangehörigen, welche freie Institutionen und gleichmäßige Behandlung von ihr verlangten, mit der Antwort abfettige, wenn eihnen nicht so gefalle, so sollten fle eben auSwandern. Bitterer Tadel wurde mit Recht die Folge eines solchen Verfahrensein. Lr stimme für da- Begehren der Petition. — DUttlinger: Indem ich für die Emanzipation mich erkläre, wünsche ich dabei dreierlei Beschränkungen: 1) in Beziehung auf da- Linwandern in so lange, alS die Israeliten in den andern deutschen Staaten nicht auch ganz emanzipitt sind, indem natürlich ohne diese Beschränkung die Besorgnis sehr gegründet wäre, daß wir durch den Zudraog von Einwanderern sehr belästigt^vürden. S) In Beziehung der lleberstedlung von Israeliten in Gemeinden, worin sich bis jezt gar keine solche befinden, und S) Rückpchtlich der Nothhändler gleich der Beschränkung in dem kurhessischen Gesetz. Ich hätte sehr gewünscht, daß die theologische Abhandlung im Kommiffionsbericht nicht vorgrkommen wäre, indem dieselbe nach meiner Anficht ein Konglomerat von Jrtthümern und Vorwürfen ist, di« den Juden schon hundertmal von christlichen Schriftstellern gemacht, aber auch hundertmal siegreich wiederlegt wurden. Wenn man auf solche Weise Ketzereien in den Büchern steht, so muß ich mich im Sinne de- 0r. Franklin aussprechen, welcher sich anheischig machte, in einer Stunde aus den sieben Bitten unseres Vaterunsers sieben Dutzend Ketzereien nachjuweisen. — Bader spricht sich ebenfalls ausführlich für die Emanjipation auS. — Gerbel: Wenn man den Israeliten vorwirft, sie hätten dwauf dem leztenkandt-ge gewünschte Versammlung ju Besprechung der fraglichen Angelegenheit verhindert, so ist dieS unrichtig. Sie selbst sind unschuldig, denn die Regierung hat eben diese Versammlung nicht anjuordnen für gut gefunden, was allerdings auf das Gutachten des OberrathS geschehen ist; allein auch dieser ist nicht berufen, über die ganze Judenschaft abzusprechen. Lr hat sich übrigens auch blos gutächtlich dahin geäußert, daß er di sammlung nicht nothwendig finde, weil l ge, was gegen die JSraeliten gesagt werden könne, auf alle Weise schon wiederlegt sei, uüdwas die Dogmen betreffe, sie sich nichtvorschreiben lassen können. Die Gewissensfreiheit besteht aber auch in Baden als kostbares Recht und der Oberrath hat sich daher auch richtig ausgesprochen. Die Israeliten beschweren sich nicht über Unterdrückung, sondern sie wollen nur keine Scheidewand »wischen sichernd den Lhristen. Wenn «S sich von der Vertheiluug der Lasten handelt, so fragt man nicht, ob man Jude oder Christ sei: Blos wenn von Rechten die Rede ist, wird diese Frage ausgestellt, und dann erhalten die Juden Bedeutendes nicht, was den Lhristen zukommt. Wenn es sich um den Eintritt in das Militär handelt, fragt man die Juden nicht, ob sie ihren Sabbath feiern, und wen» sie Staatsdienst« erhielten, so würde ebenfalls niemand fragen, Wiste es am Samstag halten wollten. Ls versteht sich, daß sie sich der bürgerlichen Pflichten unterwerfen müssen. Ich sehe auch gar nicht ein, warum man kn einen Israeliten, der sich durch Gelehrsamkeit und Moral ausgezeichnet, so große- Mißtrauen setzen oder sich so sehr besinnen will, ihm ein Amt zu geben, oder warum von der staatsbürgerlichen Ausbildung und den Kräftta dieser Leute kein Gebrauch gemacht werden soll. Ls handelt sich eigentlich mehr um die Emanzipation der Christen als der Juden, denn die lc;- teren wissen gewißlich ihre Dienste gut zu versehen, sobald man sie ihnen nur gibt. Ich stimme also für die Emanzipation. — Welker: Nach meiner Religion stimme ich für die Emanzipation; denn dies« Religion sagt, man solle sichuntereinder lieben, wie Brüder; prüfet Alles, das Beste behaltet, und vervollkommnet euch. Diese Religion will keine inquisitorische Fragen, ob man ein Rationalist, ein Deist oder Atheist sei, sondern hat es blos mit dem Menschen zu thun. Ich huldige nicht dem Grundsätze, dt« Inder sollten erst besser werden und dann an der Gleich

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