Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 36 (3.9.1835)
- Date
- 1835-09-03
- Page
- Spalte 283-284 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SOI Eist unbemittelter JSraelit tn Frankfurt, Samuel Levi, hatte mehrere Kinder, unter denen ein Sohn Jakob Levi, seine Vaterstadt verließ, um in der Ferne sein Fortkommen zu suchen. Nach manchfach wechselnden Schicksalen kam er nach Kopenhagen, wo er es durch Fleiß und Sparsamkeit dahin brachte, einen nicht unbedeutenden Kleinhandel anlegcn zu können. Dieser wurde mit jedem Tage ergiebiger und erregte den Neid seiner Glaubensgenossen. Sie durften das Recht ausüben, jeden fremden Handelsmann ihrer Nation aus Kopenhagen zu verweisen und verlangten deshalb von der Polizei die Entfernung deS Jakob Levi. Nur mit Mühe erhielt er die Erlaubniß, sich zur Einziehung seiner Schulden noch 4 Wochen aufhalten zu dürfen. In einem rührenden Briefe klagte der Verfolgte den Eltern, die er schon oft mit namhaften Summen unterstüzt hatte, seine Noth und schloß sein Schreiben mit folgenden Worten: „Es gibt nur noch ein Mittel, mich und meinen Handel in Kopenhagen zu sichern. Es ist freilich unfehlbar, aber ich darf wohl auf eine so große Gnade nicht rechnen. Die Königin von Dänemark ist die Tante ihres menschenfreundlichen Herzogs Leopold. Könnte ich von diesem huldreichen Fürsten eine Fürbitte erhalten, so würde ich wohl gegen die Verfolgungen unserer Glaubensgenossen geschüzt werden." DcrtrauungSvoll geht der Vater, ein ehrwürdiger Greis, mit diesem Schreiben zum Herzog, wird sogleich vorgelassen und schüttet sein bekümmertes Herz vor dem theilnehmenden Menschenfreunde aus. Dieser ertheilte die Antwort: „Ich werde ihm daS Empfehlungsschreiben eigenhändig ^anfsetzen; nur heute ist e^rnir nicht mögt lich, da ich dringende Regierungsgeschäfte abzumachen habe:" Hocherfreut kehrtr^fHeträstete Vater zurück und kann seiner Frau von der Leutseligkeit des Fürsten nicht genug erzählen. In der Abenddämmerung klopfte eS an-die Thür der armem Familie. Der Alte öffnet und erblickt mit frcu- 302 digem Erstaunen den Herzog Leopold, der zu ihm sagt: „Ich bringe euch, mein lieber Mann, den Brief noch heute, da meine Geschäfte früher beendet worden stnd, als Ich glaubte. Schreibt eurem Sohn noch heute, und sagt ihm, er möchte diesen Brief ja selbst der Königin überreichen." „Edelster Fürst/s erwiederte der hocherfreute Greis, „Gott mags Ihnen lohnen, was Sie an mir armen Manne und meinem Kinde thun, allein für heute ist eS zu spät, an memen Sohn zu schreiben. In einer halben Stunde geht die Post ab, und man nimmt jezt schon keine Briefe mehr an." „Seid außer Sorge, lieber AMh von mir nehmen sie ihn noch; schreibt nur geschwind. Ich will ihn selbst abgeben, mein Weg führt mich bei der Post vorbei." Der Alte mußte sich setzen und schreiben. Während der Zeit unterhielt sich der Fürst auf die Leutseligste Weise mit der Frau und trug dann den Brief selbst zur Post. Man öffnete hier recht gerne daS geschlossene Felleisen. Der. Brief gelangte glücklich an den jungen Levin, der sogleich auf das Schloß eilte, sein Empfehlungsschreiben in tiefer Demuth überreichte und seine Bitte mit dem besten Erfolge gekrönt sah. (Bayer. Landbötin.) Zur CHIronik des Mittelalters. Herr G. B. Depping schreibt in seinem Werke: „Die Juden im Mittelalter:" Um diese Zeit (12S4) erließ der Herzog Boleslav von Polen für die Juden seiner Staaten ein Reglement, welches das umfassendste von allen im Mittelalter aufgestellten ist, und worin alle ihre Privilegien und Verbindlichkeiten so, genau . bestimmt sind, daß. dasselbe der Willkühr durchaus keinen Spielraum ließ. DaS Gesetzgebungswerk des BoleSlav hätte in allen übrigen christlichen Staaten zum Muster dienen können; allein eS ist denselben wahrscheinlich nicht einmal bekannt geworden. Erft vor einigen Jahren wurde cs wieder aufgefunden und dem Drucke