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Das Füllhorn · 1835-08-25 · 35 (25.8.1835) · p. Spalte 275-276

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Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
35 (25.8.1835)
Date
1835-08-25
Page
Spalte 275-276 (sequence 2)
Language
German
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folgungen der Juden, welche sie vorzüglich durch Christen, dutch alle Jahrhunderte erduldeten. Und was^war da- Verbrechen der Unglücklichen? Daß sie der ältesten Religion deS Menschengeschlechts, dem Glauben ihrer Väter, getreu blieben, ohne andere zwingen zu wollen, diesen Glauben anzunehmen, daß in ihrer Hauptstadt einst, durch den Richterspruch eines Fremden, der Stifter des ChristenthumS zum Tode verurtheiltward; eine That, an der das ganze jüdische Volk, damals aus wenigstens sechs Millionen Seelen bestehend, weder Theil nahm, noch Theil nehmen konnte;— däß"sichdieS Volk nicht unter RomS Weitherrnjoch, sklavisch beugen wollte, sondern für seine Freiheit so lange mitheldenmüthiger Verzweiflung kämpfte,biseine meistenStädte und das ewige Jerusalem selbst in Schutthaufen verwundest, und dil Einwohner derselben aufdrn Marktplätzen von Therebinth und Gaza um den Preis wie Pferde in alle Welt verkauft wareu. Ueberwinden ließ sich dieß kleine Volknicht von den damaligen Welteroberern, den Römern; — es mußte zerstreut, es mußte gleichsam mit den Wurzeln auseinem vaterländischen Boden gerissen und in alle Welt auseinander geworfen werden. Und doch ward«- nicht vernichtet. Ls blieb ein Volk, ohne Vaterland, ohne Oberhaupt und Staatsgesetz: lebte Jahrtausende alS Fremdling unter den verschiedensten Nationen, ohne sein Blut mit denselben, ohne Sitte, Sprache und Glauben mit ihnen zu vermengen, rein, selbstständig, standhaft. Alle Schandflecken der europäischen Völkergeschichte, alle Gräuel der Religion- - und Bürgerkriege/ Bluthochzeiten, Dragonaden, sizilianische Vesper«, Fästladen, Noyaden, Guillotinaden, findet man in der Geschichte dewehrlosen jüdischen Volk-unter andern Namen wieder beisammen. Und doch bestand dies Dolk unaustilgbar, einzig in seine». Art, biauf den heutigen Tag. Die ganze AAtzzeschichte kennet kein Beispiel diese« Völker »Münder gleich. In jenem Zeitpunkte, da dajüdische Volk im Orient den Gipfel seiner Größe erreicht hatte, unter David und Salomo; in jener Zeit, da eS erobernde Heere bi- Aegypten sandte, Ligenthümer aller Keyntniß der unbekannten ältesten Welt war, also, wie Schlözer eS hieß, ein mächtige-, ein kultivirteS, ein Hauptvolk der Welt war, bestand es aunicht mehr denn etwa 5 Millionen Seelen. Die jezt unter mancherlei Druck in vier Welttheilen zerstreuten Juden machen gewiß zusammen eine Bevölkerung von beinahe acht Millionen Seelen au-, u. s. w." (Es thut den Gebeugten und Duldenden wohl, wenn je zuweilen ein Edler und Weiser, der sich über das Vorurtheil erhebt, ein Wort zu ihren Gunsten spricht.) Geschichte der Juden in Nürnberg *) Der immer höher steigende Wohlstand der Bewohner Nürnbergreizte vielleicht auch Juden, ihre Wohnungen hier aufzuschlagen, jedoch ist die Zeit, wann sie hieher gekommen, unbekannt. So viel weiß mag^iudeß, daß, als unter Rudoph im Jahre 1146 am Rheinstrom und in andern Gegenden die Verfolgungen derselben begannen, sich viele hieher geflüchtet. Zuverläßigere Nachrichten über deren Existenz in Nürnberg, gibt dadreizehnte Jahrhundert. Wie die Lhronikenschreiber berichten, so waren zwischen dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert die Juden in dem Besitze der schönsten Häuser auf dem Platze dejetzigen Markte-, und ihre Synagoge stand da, wo jezt die Frauenkirche (Marienkirche) steht. Die NSmen der Strassen und Plätze, die nach ihnen benannt wurden, sind noch nicht erloschen, so gibt eS z. B. gegenwärtig noch eine Judeugasse, Judenhöfchen, Yudenkirchhof, Judenbühl. Unter den Verfolgungen der Juden in Teutsch- ») Au« Heinrich Pfiger« „Handbuch der vorzüglichsten Denk» und Merkwürdigkeiten der Stadt Nürnberg ,c. L8S0."

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