Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 33 (11.8.1835)
- Date
- 1835-08-11
- Page
- Spalte 263-264 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachschrift. Wer nur ein menschlich fühlendes Herz hat, mochte weinen bei Durchlesung dieses Briefes. Es ist unglaublich, waS jett in den israelitischen Schulen geschiehet, um die Reste des alten Religion-haffeS zu vertilgen. Die Lehrer wetteifern in berLehrevo« der allgem einen Menschenliebe, sie machen diesegleichsam jum Hauptziele ihrer Bemühungen. Ein Gleiches geschiehet auch in den Synagogen durch Vorträge derRabbiner. Die harmlose Jugend faßt diese Lehre mit vieler Empfänglichkeit auf, und gehet mit ihr in den schönsten Hoffnungen und Vorsätzen hinaus ins Leben. Wie schrecklich aber muß die Täuschung, wie schädlich die Wirkung sein, wenn solche junge Leute bei ihrer Unschuld sogar g esedliche Mißhandlungen erfahren müssen! — Wenn dem Juden, da wo er sich in seiner Schattenseite reißt, Hemmungen entgegengesezt werden, wer kann die/eS mißbilligen? Wenn ihm aber auch da HindernW in den Weg gelegt werden, wo er schuldlos wandelt und sich den allgemeinen StaatSjwecken und socialen Verhältnissen anschließt — wer vermag daS ru billigen? Wird dadurch der Verbürgerlichung der Juden, der man doch überall auf die Beine helfen will, nicht gerade zu entgegen gewirkt^ Und werden hiedurch nicht alle bessern Gefühle gleichsam mit Gewalt aus dem Herzen der Jugend gerissen? — Und wenn nun alle Staaten dieselbe Maaßreael in Absicht auf die wandernden israelitischen Handwerker geltend machten, waS müßten die Folgen . Ich dächte, meine Brüder, das wäre eine Sache, die würdig wäre, dem hohen wutschen Bundestage vorgelegt zu werden. LS dürfte vielleicht nur eineleise Anregung kosten, um solche hemmende Geseje zu vernichten. Die RegierungenDeutschlandS die jert allermeist durch denZollvrrem einander näher getreten sind, werden noch weniger als eine Waannsperre eine Persoualsperre billigen. Und so möchte eS denn eine oder einige der großem israelitischen Gemeinden Deutschlands unternehmen, deshalbige Vorstellungen beim hohen Bundestage ju machen! - Die Red. des Füllhorns. r«n im Luft, - Sonnen« und Thaugenuß an der Erde: sie wissen nicht, wie glücklich sie sind. Ihnen ist noch nicht, wie dem hohem Me die Thätigkeit rum Genuß geworden. tenschen. Der Genuss an sich ist nicht mehr die Sphäre unseres Lebens, sondern daS Streben die Thätigkeit. Wir sind nicht hier, bloS um Früchte ru ge« ' Br' messen, sondern um auch Samen m den ru legen. Zoden Der gute Wille und die gute That ist der Same, den dtt Erdboden von uns erwartet; wie er gesegnet werde, das steht be» dem, der im Himmel thronet. ' Die Partheieu in Israel. Fr«-w»tt «>n«r in Hi»»»ur,h«us«n geholttnin Predigt. Geistesblütheu. De «ländlichen Menschen, deren Beschäftigungen der Sommer begünstigt geht eS wie den Pflaa- E« läßt sich nicht läagnen, dain Eschen der Religion jezt i» Israel eine große Meinungsverschiedenheit herrscht; eben so wenig läßt es sich läugoev, daß diese Verschiedenheit der Ansichten einen höchst verderblichen Einfluß äußert. E« sind besonder« drei Ansichten, die jejt aZng und gilbe sind, und nach denen sich Israel in drei Pattheien spaltet. Die eine Patthel «eiset, ohne Rücksicht auf da« Wesen der Religion und der Menschlichen Natur und die drin« genden Forderungen der Zeit, alles Bessere, das neu ist, zurück, bloß darum, weil es neu ist. Dies« Ansicht kayn nicht di« rechte sein. Eine andere Patthei, die sich ausgektätt nennt, geht in ihrem thörichten Eifer -egen da« Alte so «eit, daß sie alle« Heilige mit Füssen tritt, «el l e< «ttt ist. Eie lagen sich los von allem Glauben, und sezt de» Unglaube» an feine Stelle. Diese Ansicht iß »och weniger die rechte. Da« iß eine falsch« Aufklärung. Wo liegt nun da« Siechtet — Wo ander«, als da» «o e« immer liegt, in der Mittek Die goldene Mittelftraße ist der Weg de» Leben« und de« Guten.— Schllm« wäre e«, wenn nicht B tele diese Straße wandelten, »enn nicht d i e Parthei auch eine zahlreiche wäre, die mit wahrhaft religiösem Sin» fest hält an Allem, «a< heilig und e«ig ist, am Wesen der Religion, aber auch nicht verkennt, daß da« Gebäude im Laufe der Jahrhunderte hie und da schadhaft -eworden iß, und sich bestrebt, e« au<- ,»bessern. Da« ist die rechte Ansicht. Da« lg die wahre Aufklärung. O, möchte doch ganz Israel zu dieser Ansicht sich bekennen! möchten wir doch Alle in diesem Sinne aufgeklärt sein, «nb möchte so die unzählige Spaltung verschwinden. die Israel »»» 3«rael trennt! — S. Stelnhard.- Redigirt von Rabbiner S. W. Rofenfelb. — Verlegt von Fr. Dalthr in Dinkelsbühl.