Das Füllhorn
- Journal
- Das Füllhorn
- Volume
- I (1835)
- Issue
- 14 (2.4.1835)
- Date
- 1835-04-02
- Page
- Spalte 111-112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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112 111 H» Korrespondent. Zu Ltt vVtzL g, im Großherzogthum Baden, bestehen Mlge sehr nachahmenswertht'Anstalten, unter demn sich besonders ein milder Frauenverein höchst koohlthätig auszeichnet. Derselbe wurde voll dem dortigen Rabbinatsverweser Herrn Schott ins Leben gerufen, und zählt fast sämmtliche gottesfürchtige Frauen dieser Gemeinde, als ^keine Mitglieder. Eben so rühmenswerth ist eine vaselbst bestehende Stiftung vom verstorbenen K. K. Hofagenten Herrn Michael Levi, welcher drei tausend Gulden in Kapital angelegt hat, von dessen Zinsen 1/3 zur Holzvertheilung, unter die Armen, t/3 zur Unterstüzung ebendcrsen an ihren Festen, und 1/3 zur Verbesserung der Ortsrabbinats-Besoldung bestimmtist. ,,Der Gerechte stirbt n i§," bewährt sich an diesem Frommen, dann er lebt fort im heiligen Andenken Derer, welche noch oft um seinen ewigen Frieden Gott anbeten. Möchten dergleichen treffliche Beispiele noch viele Nachahmungen in Israel finden! - .. Notiz für Mütter. Wie zieht man in der Walachei die Kinder ohne Mutter- oder Ammenmilch auf? Man gibt den Kindern, welche keine Brust haben können, blos Mehren (gelbe Rüben) zur Nahrung. Man reibt diese klein und kocht fie in Wasser, bisweilen auch in Milch und reicht sie den Kindern als Nahrung. Selbst die Erwachsenen essen die lcztere Speise häufig, und man schreibt ihr die Stärke und Kraft zu, durch welche sich die Walachei, auszeichnen. Literatur. Rabbnische Anthologie. Ein unterhaltendes und zugleich belehrendes Buch für Jedermann, vom R. I. Fürstcnthal. Breslau 1634. 382 S. g. 8. Wenn Eisenmenger gefliessentlich einen Doruenkranz aus den rabbischen Schriften gesammelt hat, und dabei Alles überging, was einer Blüthc oder Frucht ähnlich sah; so bietet der rühmlich bekannte Verfasser der vorliegeilden Anthologie den Freunden der hebräischen Literatur und jedem Liebhaber siundreicher Lektüre eine Blumen - und Fruchtlese aus dem Schaze thalmudischcr und rabbinischcr Schriftwerke dar, und legt darin einen erfreulichen Beweis von gründlicher Sachkunde ab. Das Buch enthält über 500 Stellen aus dem Gebiete der Lebensweisheit und Sittcnlehre. Sie sind meistens ganz, bisweilen auch nur andeutcnd im Originale angeführt, treu übersezt und in Erläuterungen oder darauf bezüglichen Erzählungen nach morgenländischer Weise ausgeführt. Ohne apologetische Absicht ist das Buch wohl geeignet, eine richtige Ansicht von der geltenden Moral des thalmudischcn Judenthums zu gebn und wird gewiß auch den Zwek einer belehrenden Unterhaltung erreichen. Es verdient die Theilnahme, die es bei den zahlreichen Subskribenten gefunden hat und darf besonders der reiferen Jugend empfohlen werden. l)r. Fr. Die erschrokenen Bäu me. (Fabel aus dem Midrasch.) Als das Eisen erschaffen wurde, da erschraken die Bäume gar sehr und sprachen in voller Angst: Nun ist es um uns geschehen: Dieser fürchterliche Feind — wer von uns vermag ihm zu widerstehen? — Eine Stimme erscholl: Seid unbekümmert, ihr Erschrokenen! Leihet dem Eisen, eurem Feinde, keinen Stiel, und — ihr seid geborgen. » » » Willst du vor Feinden sicher sein — so liefere ihnen nicht selbst die Mittel zu deiner Besiegung. _- R-d. Vergleichung. Kein besserer Moralprediger als das Alter. Kein helleres Licht, als das des Verstandes. Keine größere Sklaverei, als die der Leidenschaften. Kein größeres Leidwesen, als das, böser mitten. Geistesblüthen. Unglaube ist die Quelle -er Zernichtung aller innern Baude der Gesellschaft. — Wissenschaft und Weisheit iene ist Mittel, diese Zwek. — Nur dek Geist ist ewig, alles Andere wandelbar; die Materie ist stetem Wechsel unterworfen. Der Mensch fängt damit an, in die Welt gestellt zu werden, und hört damit auf, da zu stehen, wohin er sich stellt. — Nedigirt von Rabbiner S. W. Rosenselb. -- Verlegt ^von Fr. Walthr in Dinkels bühl.