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Das Füllhorn · 1835-03-19 · 12 (19.3.1835) · p. Spalte 95-96

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Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
12 (19.3.1835)
Date
1835-03-19
Page
Spalte 95-96 (sequence 4)
Language
German
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deaur wurde eiire arme Frau angemeldet, die seine Güte «Anspruch nehmen wolle. „Wiealt ,,«st sie? fragte er. — Srebenzjg Jahre. — Ist „sie wirklich ^n einer bedrängten Lage? — Sie „sagt eS. Nun, so gebt ihr 2» Franken." 25 Tranken, gnädiger Herr! die Frau ist eine Jüdin. — Eine Jüdin? Nun daändert allerdings die Sache, gebt ihr 50 Franken, uad dankt ihr für ihr Zutrauen. Der weise Rgthgeber. In einem Artikel aus München in dem fränk. Merkur wird den bayerischen Landtagsabgeordueten bei Entscheidung der Frage über die Emanzipation der Israeliten Behutsamkeit anempfohlcu. Res. meint, die Frage könnte erst nach einem hqlben Jahrhundert zu Gunsten der Bittenden entschieden werden. — Wir müssen in der Tbat den prophetischen Scharfblik des Berichtersiatters bewundern, der so weit hinaus sehen kann. Wie, wenn die Vorsehung das Leben dieses Edlen schützen und es bis dahin erhalten würde, würde er nicht dann abermals seinen Weisheitsruf: Seid behutsam! wiederholen? — doch zu fünfzig Jahren, sagt die Mischna, kommt vernünftige Ucberlegung. — R—d. Fük Landwirt he. Ulm. Gegenwärtig, wo der Futtermangel groß ist, und immer noch größer und einpfindlicher zu werden droht, muß es Jedem, der Vieh hält, sehr erwünscht sein, wenn er auf Dinge aufmerksam gemacht wird, die er bisher gar nicht achtete, und die er doch als gutes Futter benuzcn könnte. Dies ist auch der Fall mit den Quecken, die man auf uuscrn Aeckern häufig findet, sie unter dem Namen Schnüren kennt, und die der Landmann als lästigis Unkraut verwünscht und wenn er sie auch durch ein Kind sammeln läßt, nur in den Weg wirst, daß sie zertreten werden^ Nicht so machen es die Einwohner ins nördlichen Frankreich. Diese sammeln die Qlleken, d»e Schnüren, mit allem Fleiße auf ihren Aeckern, trocknen sic an der Sonne, und pflegen sie dann wie das Getreide zu dreschen, damit die daran befindliche Erde ganz absalle. Sie schütteln solche noch einmal mit der Gabel, daß sich aller Staub verliere und geben sie nun dem Rindvieh zu fressen, das sehr begierig darnach ist. Dieses Futter ist nicht nur gesund, erfrischend und schmeckt süß, sondern es gibt auch reichliche Milch. — In unserer Gegend haben dies bereits mehrere Leute nachgeahmt, und gefunden, daß die bisher verachteten Schnüren wirklch ein Wittes Viehfutter geben, und sie daher Anderen, die nicht viel Viehfutter haben, wohs empfohlen werden können. Nachgeahmte Champagner. . Die Verfertigung desLHampagncrweinS macht in Würtemverg große Fortschritte, und von der berühmten Fabrik von Keßler und. Georgi in Eßlingen ist ein Betriebskapital von 150 - bis 160,000 Gulden angelegt, daß sich kaum "in drei Jahren umsetzen läßt, da die mouffirenden Weine «ne Behandlung von l§ bis 2 Jahren erfordern. Keßler war vyn 1807 bis 1825 in der Champagne, stellte 1826 den ersten Versuch an, würtembergischcn Most wie den Champagner zu behandeln (mit 4000 Flaschen), 1827 machte er 30,000, 1828 : 54,000, (182S war der Most zu gering)» 1830 : 30,000, 1831: 72,000, 1832: 44,000, 1833: 57,000 Flaschen. Die Gebäude und Keller dieses Hauses fassen 130- bis 150,000 Flaschen. Der Preis der Flasche ist in Partien nur 1 fl. 24 kr. Der Absaz geht außerhalb Teutschland, besonders nach Rußland. Line ähnliche Fabrik haben Zeller und Rauch 'in Heilbronn, die 1832, 80,000 Flaschen zogen; eine andere hat CH. Dfüller in Berg. Die Bereitungsart ist ganz wie in der Champagne, mit wenigen Abänderungen, welche die Natur des Mostes erfordert. __ Geistesblüthen. Die Natur muß lange arbeiten, bis sie ander Menge ihrer abgenuzten, verunevelten Menschenformen einmal eine große, edle »m schönsten Ebenmaaß bildet, bis Zeit und Umstände sich vereinen, die schlummernde Kräfte eines großen Geistes zu wekcn. — Nichts bildet den Menschen mehr als Druk und Leiden. ._ Mittel gegen Magenkrampf. Es werden 3 bis 4 Tropfen ächtes ätherisches Kümmelöl (01 aetlinsr Osrvi genuin) in einem Eßlöffel voll Arak, oder Rum, oder auch Kirschgeist, oder starken Branntwein, aufEinmalwährend des KrampfübclS eingenommen. Es ist nur selten, daß man ein zweites oder drittes Mal dieses Mittel zu wiederholen hat; das Nebel istmehrentheils auf viele Jahre oder gänzlich gehoben Nedigirt von Rabbiner S. W. Nosenfeld. - Verlegt von Fr. Walthr in Dinke^Sbühl.

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