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Das Füllhorn · 1835-01-01 · 1 (1.1.1835) · p. Spalte 5-6

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Journal
Das Füllhorn
Volume
I (1835)
Issue
1 (1.1.1835)
Date
1835-01-01
Page
Spalte 5-6 (sequence 3)
Language
German
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2 -4 Die Geschichte Josephs '). (Vom hochsei. Hrn. Bischof v. Sailer.) - ' , l- . Der Jüngling Joseph verklagte seine Brüder wegen eines großen Verbrechens: Jakob liebte ihn auch wirklich mehr als seine übrigen Kinder, lveik er ihn im Alter erzeugt hatte, und ließ ihm einen bunten Rock machen: die Brüder beneideten Joseph deshalb und konnten ihm kein gutes Wort geben (1. B. Mos. xxxyn. 1 — 5.). 1) Es ist eine Probe deS zarten Sinnes für Tugend und Unschuld, daß Joseph eine böse That bemerkte, und dem Vater Jakob, der Pflicht und Recht hatte, sie zu bestrafen, hinterbrachte. Das gehört in die Geschichte der Moralität. Denn es hat ja jeder Mensch Pflicht, so viel Böses zu hindern, als er kann; daher die Pflicht, das fremde Unrecht denen anzuzeigen, die das Recht und die Pflicht haben, selbes zu strafen, zu hindern. Wer das Böse, das er hindern kann und soll, nicht hindert, hat das Böse gefördert. Wenn dein Nachbar seine Pflicht nicht gethan hat, so thue du die deine — sonst hat die Sünde schon 2 Männer für sich. 2) Daß in einer großen Familie viele Kinder böse sind,-wenige gut, und der gute Sohn seine schlimmem Brüder bei dem Vater berklaget, ist ein treffender Zug aus der Familien- und Menschen-Geschichte. Ueberall Gutes - und Böses untereinander — und nie ohne Streit gegen einander. 3) Jakob liebte den Joseph mehr als seine 4 K? « übrigen Söhne wohl auch deshalb, weil jener tugendhafter war, alS diese. Aber der Vorzug der-Tugend war. nicht die einzige Ursache der' ausgezeichneten VaterSliebe..- Er hatte ihn im Alter erzeugt, und Rach el hatte ihm seinen Sohn Joseph geboren; beides ein starke- Gewicht für die größere. Zuneigung auf der Wage de- Herzens. . DaS gehört so recht m die Geschichte der Menschen. Denn was ist menschlicher, natürlicher, als daß die Kinder im Älter von der geliebten Frau erzeugt, dem alten Vater die liebst?n seyn müssen? Das gibt denn auch der biblischen Geschichte Glaubwürdigkeit, daß-sie die Menschen bei allem Außerordentlichen, das sie von ihnen erzählt, als Menschen schildert. 4) Daß der Vater seine Vorliebe zu Joseph durch ein schönere- Kleid, daer ihm machen läßt, offenbaret, und in dem bunten Röckchen, den der Knabe am Leibe trägt, die Liebe des alten Vaters sich täglich erneuet, ist ein Familienstück, nach dem Leben gezeichnet. Der Vater will dem geliebten Sohn seine Zuneigung zu erkennen geben, die Liebe will thätig und gekannt seyn, und mischt sich überall in's Spiel. Vielleicht hätte wohl auch der Vater vermuthen können, daß das vielfarbige Kleid am Leibe Josephs die Flamme des Neides in dessen Brüdern nur noch mehr anfachen würde: aber es ist menschlich und gehört zur Natur der Liebe, daß sie nicht immer so kalt und vorsichtig seyn kann *), alder kalte Verstand der Rezensenten nach tausend Jahren. (Fortsetzung folgt.) *) Die Geschichte Josephs lst eine der schönsten und lehr« reichsten, die je unter der Sonne sich ereigneten; eine Geschichte, der selbst Doltaire seine Bewunderung nicht versagen konnte. Herr Bischof v. Sailer verfolgt fle ln ihren einzelnen Augen und stellt fle in ihrer Natürlichkeit dar, wodurch ihre Schönheit nur noch klarer wird. Diese vortreffliche Würdigung verdient bekannter zu werden, als fle ist, und wir liefern fle jezt, da diese Geschichte in den Synagogen vorgetragen wird, als «in Wort-zu seiner Zelt. D. Red.'* Literatur. Gallerie der ausgezeichnetsten Israeliten aller Jahrhunderte, ihre Portraiks und Biographien, herausgegeben von Lugen Grafen Brega, *) Wer deshalb den Vater Jakob zu tadeln Lust haben kann, muß wobl nicht daran denken, daß er viel sere Dinge thun könnte, z. B. in sein eigene« htneinschauen.

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