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Freies Blatt · 1896-06-28 · 221 (28.6.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
221 (28.6.1896)
Date
1896-06-28
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Freie, schastsver bände gründen möge«. Sott segne daehrsame Handwerk, soweit tt auf reellem Boden stehet Das Bestehende erhalten, so weit es gut ist, confervativ sein und den Gewerbefland organisiren, dieallein könne den gefährdeten - Gewerbestand vor dem sonst unvermeidlichen Untergang retten. Schließlich er mahnte Stampfl/, bei den bevorstehenden Wahlen im Industrialwohlbezirke nur einen Gewerbetreibenden zu wählen und, wo dienicht möglich, sich mit derjenigen Partei zu coaliren, welche Beweise ihrer „Gewerbefreundlichkeit" gegeben hat. Wadiese Herren darunter verstehe«, ist bekannt; gewerbefreundlich ist ihnen nur derjenige, welcher eermöglicht, schlecht und theuer zu arbeiten, sie vor jeder Eoncu'rrenz zu bewahren sucht und daher in den Ruf einstimmt: „Juden hinaus!" « Mißgeschick der Feichtinger-Partki.) Der Einspruch der Grazer Gemeinde - rälhe Feichtinger, Starke! und Genossen gegen die wider sie eibobcne Anklage wurde vom dortigen Oberlondesgerichte verworfen. Die Slrafverbandlung gegen die Führer der Feichtinger Partei wird nun demnächst durchgeführt werden (Lueger - Medaille.) Georg Schönerer, der in einer Antisemiten versammlung zu £ b r a u sprach, meinte: „Wenn gewisse Christlich Sociale sich veranlaßt finden, Denuncianten au-zuzeichnen, und dies durch Medaillen zum Au-drucke bringen, dann sollen sie hiesür eine Lueger-Medaille präge» lassen, nicht aber mit der Salvator Medaille ein solches Spiel treiben." Schönerer unterließ es diesmal, sich dessen zu rühmen, daß die Ehristlich-Socialen nie so hoch gestiegen wären, .wenn er ihnen nicht vorgearbeitet hätte. «Antisemitische Lkbrnnd Wanderjadre.) Wer da glaubt, daß die antisemitischen Propagandisten immer und überall auf Rosen einherschreiten, be findet sich im Jrrthume. Für den zukünftigen Historiker der Ankisemiterei dülsten die Abenteuer de« anttsemilischen Agitators und RedacteurS R e u t b e r aus Karlsruhe zur Benrtheilung der Zeitstimmung werthvolles Urkundenmateriat darstellen. Wir können der Kürze halber von dem inleressomten Capitel nur die voraussichtliche» lleberschriste» hier anmerken: Ankunft inBoderSweier unter Stößen und Püssen. — Im Persammlung-local wird Reuther mit Wasser und Bier begossen und angebrüllt. — Glückliche Flucht nach L i n x e n. — Im Gasthaus sdird Reuther vom Stuhl hinabgerissen und lebensgefährlich mit Füßen getreten. — (Ein Schlachtgetümmel. — Rettung de« blutüberströmten Ren her durch die Gendarmerie ^u»d endlich gelungene Flucht nach Karlsruhe unter obrigkeitlicher. Bedeckung. ü. I. Aus antisemitischen Blättern. tlsiu „jüdischer" und ein „christlicher" Unfall.-, Bor einigen Tage» ereignete sich in Budapest, alS die von einem Bankette deinternationalen Journalisten Eongresse» heimkehrenden Theilnehmer die von der Ofener Burg herabsührende Drahtseilbahn benützen wollten, durch das Verschulden eine« mit der Hanlirung unvertraulen Bediensteten ein Unfall, indem zwei voll auswärtigen Journalisten besetzte Wagen mit äHbrWucht über die steile Fahrbahn binabstürzten. Der Journalist Balera au«Mailand und der Hosiecretär PrzileSk» haben dabei schwere, acht andere Personen leichtere Verletzungen erlitten. DaS „Deutsche Volk»- blatt" benützt, wie seine Concurrentin, die „Ostdeutsche Rundschau", cou> statirt, den gewiß ganz zufällige» Umstand, daß sich dieser Unfall just in Budapest ereignete, zu einer Agitation gegen da? Millennium und schließt seinen bezüglichen Bericht mit der kaum glaublichen, »och dazu gereimten Geschmacklosigkeit: „Trum geh' nicht nach Iudapest. wer dorthin gehr, holt sich den Rest." „In derselben Rümmer," so fährt die „Ruudschau" fort, „berichtet aber dasselbe Blatt, das seinen Lesern derartige Kost vorzusetzen wagt, von einem Unfälle, dem bei Aunaberg nächst Mariazell einige Wallfahrer zum Opfer fielen. Ei» Stellwagen mit zwölf weiblichen Theilnehmer» aus Währing wurde durch die Schuld de« betrunkenen Kutscher» umgeworsen, und auch hier erlitten mehrere der Betrossenen Verletzungen. Wenn er nun etwa einem Jndenblatie eingesallei, wäre, mit Hinweis aus diese» Unfall vor Wallfahrten überhaupt zu warnen, dann hätte sich wahrscheinlich dar .Deutsche Volk-blatt' höchlich über eine solche .Rohheit' entrüstet. Und in der Sache gewiß nicht mit Unrecht. Denn betrunkene Kutscher haben nicht nur vor Mariazell, sondern auch schon wo anders mnge schmissen, gerade so wie eine Drahtseilbahn nicht bloß in .Iudapest' sondern \ auch schon auf dem Kahlenberge verunglückt ist." Tie „jüdische MillenniumSseier", meint die „Rundschau", sei gewiß zu bekämpfen, aber in der Wahl der Kampfesmittel werde ei» Blatt, welche« vor dem UrtheilSvermögen seiner Leser Achtung hat, deshalb noch lange nicht zu den Geschossen von Gassenjungen greifen. Man muß es anerkennen, manchmal leistet daS „reut ch volkliche" Organ der Abwehrbewegung ganz gute Dienste. «Zur Geschichte des Nikderösterreichischen Bolkrbildungsvereines.) Man schreibt unS: Die sogenannte „Deutsche Zeitung", daS Organ der Deutsch Rationalen, Ehristlich-Socialen und weiß Gott welcher Partei, äußerte sich in ihrem Leitaussatze vom 20. d. M. über den Riederösterreichischen Volk» bildungsverein ungefähr also: „Volksbildung ist recht schön. Der Lollrbildungsverein ist aber verjudet. Seine Ausgabe, Borträge zu halten und Bibliotheken zu errichten, hat einerseits der Staat bereit« (!) überuoinmen, andererseits werden die Bibliothekew^von der Lueger-Gemeinde errichtet werden. Danach ist ' der Riederösterreichische Bolksbildungsverein ganz überflüssig und soll aufgelöst Blatt. Nr. 221. werden. Qiiod erat demonstrandum I" Wir sehen, daß dieselbe deutsch-volkliche Theorie, welche beim Deutschen Schulverei» bijetzt noch nicht in« Praktische umgcsetzt wurde, aber umzusetzen gesucht wird, hier Leben und Gestaltung erhält. Nach der Logik der sogenannten „Deutschen Zeitung" könnte» überhaupt alle Vereine al« überflüssig aufgelöst weiden, so ,. K. gleich sämmtliche antisemitischen Studentenvereine. Die Begründung ist sehr einfach'. Die Hausknechte triuken ohnehin über da» Maß, raufen nnd prügeln sich, <-r»o, hinweg mit de» Studentenverbindungen. Heiterkeit muß es erwecke», daß die« confuse Blatt steif und ernst behanptet, daß an der Ueberstüssigkeit deS Riederösterreichischen Volksbildungsvereine» die — Jude» Schuld trügen. Der Schreiber dieser Zeilen war Mitbegründer der Riederösterreichischen VolksbildnugSvereineS und Mitglied , deS auS zwölf Männer» bestehende» Eomilö» Unter denselben war Niemand, der nach der Coii'eifioti deS Anderen gefragt hätte. Tharlache ist e»-aber, daß da« Eomit« keinen Anhänger Schönerer'-, der zur Zeit der Gründung deS Vereine« noch nicht Antisemit war, aber sich in allerlei politische» Ertravaganze» gefiel, in die Liste der Vertrauensmänner ausnahm. ES ist sonach eine kühne Verdrehung der Wahrheit, wenn die sogenannte „Deutsche Zeitung" behauptet, der VolksbildnngSverein war danial; kräftig, als er „judenreiil" war. Ter eigentliche Anreger, Förderer und Unterstützer d'S VollSbildung-vereineS war Baron Schwarz. Er war cs, der in Amerika, England, Frankreich, Belgien rc da» BolksbildungSwese» a»S „Passion" studirt hatte und in-Oesterreich seine reichen Erfabrnnge» selbstlos »litthcille, jede volksbildungssrenndliche Unternehmung unterstützte und förderte. Welcher Eonsessio» Baron Schwarz angehört, weiß ich nicht. Ta« weiß ich aber, daß er ein edier Men'ch war, kessen Ge dächtniß in der Erinnerung guter dankbarer Mensch'» viel länger währen wird als daS de« mit imitirle» Stuiver-Rakelen daS „Wiener Volk' berückenden ersten VicebürgermeisterS von Wie» Herr Hans H ü t t e r in Krem», ehemaliger Proponent de« VolksbilduvgSvereineS, wird meinen AnSsührungen vollinhaltlich beistimme». «.Pom Rathhauskellcr in Korneuburg) Die Leser de» i» der Linke» Bahngaffe sein Unwesxn treibenden V e r ga n i - B l a I te s halten dieser Tage wieder einmal Gelegenheit, die Gewissenhasiigleil der anliscmili'chen Bericht erstatlinigskunst kennen zu lernen. Am 21. d. M. brachte da« genannte Blatt folgende Roliz: „Man schreibt unS au« Korneuburg, den 20 d M.: Gestern hat die Herrlichkeit de« RaihhauSkeller» in Korneuburg ihr Ende gesunde». AlS Früh die wenige» Stammgäste sich in ihr Tnsci.liim begebe» wollte», fanden sie Keller und Küche gesperrt, und der Vogel war ausgefloge», denn der Restaurateur Ludwig W e n » k n hat ü b e r R a ch t d a S W e i t e g es u ch t. M a n ch e Tbräne wird ihm nachgewei n t, denn e S sind diverse Geschäftsleute in K p r n e u b u r g um eine Erfahrung reiche.r. Was sagt nun der Herr Bürgermeister Schau mann zu tie'em srübzeitige» Ende'? War er »olbwendig, daß Korneuburg sei» .Gmoauwiltbshaur' braucht'? Die Antwort gibt sich von selbst. Frcilid) wird Herr Bürgermeister Schaumann wieder eine» saine» Restaurateur zu ködern suchen, und er wird vielleicht wieder Einer hineinspringen, der um etliche tausend Gulden zu viel im Sacke hat. Aber daS macht nicht», Korneuburg muß seinen RalhSkeller haben. Gerade so wie man biS heute »och nicht weiß, wie hoch sich der RathbauSbau beläuft. Dieser Punkt liegt heute noch im Dunkeln. Ter Schlußstein ist wobl schon längere Zeit mit pompöser Einleitung — gelegt, aber die Schlußrechnung mit ihren pompösen — Zisser» läßt vielleicht noch längere Zeit ans sich warten." Am solgeudc» Tage sah sich dasselbe Blatt gezwungen, seine Miltheilung al» vollständig erlogen zu er klären und 'Nachstehendes zu verässentlichen : „Wie uns aus Korneuburg von verläßlicher Seite mitgetheili wird, enthält die in unserein gestrigen Morgenblatte enthaltene Lorre'ponde»; auS Korneuburg i n s o s e r it e (!) eine Unrichtigkeit, al» der Restaurateur der dortigen RalhhauS kcller», Herr Ludwig W e n » k keineswegs d u r ch g e b r a n n t ist, sondern n o ch h e u t e d a S G e s ch ä f t s ü h r t u n d iv e i i e r f ü h r e n w'i rch. Selbstverständlich ist eS demnach auch nicht wahr, daß Küche und Keller gesperrt ist Wir müssen diesen Thatsadien gemäß auf da» Bestimmteste an nehmen, daß jene Roliz von einem Gegner de» genannten Herrn stammt und persönlicher Gehäisigkeit ent'prnngen ist." Sich deswegen zu entschuldigen, daß er sich zum Werkzeuge „persönlicher Gebä'sigkeit" bergab und in frevclhafter Weise die Ehre einer Gewerbelreibeuden anlasten half, um nur dem Nicht »nlisemiten Schanmann Ein» am Zeuge sticken zu können, da» bat daS Bergani- Blatt nicht nothweudig, «o lange man cs nidn vor Gericht zur Veraulwortung zieht.*) Geradezu ein'Muster von Frechheit und Verlogenheit ist da« „inioserne" in der Berichtigung. Es -soll durch daS'elbe der Anschein geweckt werden, alS ob die erste Roti; doch etwa» Wahres enthalten hätte. (Der „Jude" Bajdjord.) Tie reichSdenischen Antisemiten wollten einen Eonftict zwischen dein englischen Journalisten Mr. B a i h s o r d und einem deutschen Telegraphenbeamte» zu einer nationalen Frage ausbauschen. Dieser Versuch mißlang vollständig, nnd in eingeweihte» Kreisen lachte man herzlich *> Am 25. d. M. wußte da» Bergani Blatt, welcheinjuriöse Behauptungen gegen den Advocale» Tr. Fcigl sich balle zu Schulden kommen lassen, in Folge einer Ehrenbeleidigungsllage de» Letzteren sich zu einer de- und wehmüchigen Abbitte bequemen.

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