Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 221 (28.6.1896)
- Date
- 1896-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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AdonnementSpreiS. Kür Orstcrrrich-Nngarn: Saiiuibrig . . . « Kronen (fl. 3.—) Öulbjabrig.... 3 Kronen 40 Heller (fl. 1.70) rNerteljihrig... * Kronen (fl. l.—) Kür Lo» gelammte «n»Iand: GonijShrig.6 Mark palbiäbrig .4 Mark Cinielue Nummern 6 kr. llnlrontitle Briete werden nidit angenommen.;__ 'Jlfbnclioi! und Admuiistration: ’ I Seilcrstättt 10. ^rfd^cillt CUl icöcill ^OHlltCUV* V Zrlerate werden mit W Heller <10 kt.> für die vier. ~ mal gespaltene Nonpareillezeile berechnet, «keiner «n^iger das Wort 4 Heller (i kr ). Ausnahme von Inseraten in unserer Administration sowie im Annonöendureau M. Duke-, I. Wollfette u. Nummer 221.. Wien, 28. 3«ni 1896. V. Jahrgang. An unsere Leser! Das „7v v c i c Blat t" geht mit Ende Juni ein und c r s ch eint sonach h c n l c z u in letzt e n in a l e. Unscrc Administration hat schon vorige Woche dir nöthigen Schritte gethan, nm allen Jenen, deren Abonnement nicht ohnehin in diesem Monate ablänst, die vorbezahlten Bezugs kosten zuriickznerstatten. sollte inmitten der Viguidations gesrl)äste nach dieser Richtung' hin irgend ein Berschen unter laufen sein, oder sollte einer nnsercr Abonnenten oder Inserenten sonst irgendwie noch mit einer Forderung...an nnS hcranzntretcn beabsichtigen, so steht ihm das Bureau deS „Freien Blattes" bis inclusive 3. Inli d.js.J. zu Reklamationen jeder Art in den BormittagSstnNden von 10—12 Uhr offen. Allen jenen Freunden der Abwehr bcivegung, welche uns in der letzten Woche so zahlreiche und herzliche Beweise ihrer Sympathie mit dem bisherigen Wirken des „Freien Blattes" zukommcn ließen, danken wir hiemit ans daö Wärmste. Mas ist ^>as Ende? ' ' (Zuschrift an ^5 „Freie Blatt".! — e!iide (l»»i. Wirn hat beschämende Tage hinter sich. Jetzt ist es klar, die Parole lautet: Nieder mit den Früchten jahrhundertelangen geistigen Kampfesnieder mit den Männer», welche dem Vatcrlandc segensreiche Arbeit geweiht! Der communale Eäsarenwahnsiim hat die dort oben auf den curulischcn Stühlen gepackt. Hinter ihnen steht der schwarze Mephisto und raunt ihnen zu: Blendet das Volk, dann werdet ihr eS beherrschen! Einer der wohlthätigstcn Vereine, der dem Volke den Aberglauben nehmen, cS bilden soll, die Wissenschaft populär macht, wird öffentlich beschimpft, sein Präsident, eine Koryphäe der patriotischen Geschichtsforschung, die Zierde deS Reiches, ausgezeichnet vom Monarchen durch Titel und Ehren, zugleich der höchste wissenschaftliche Funktionär, Präsident der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Alfred Ritter v. Arnelh, wird durch diese Jnvectiven persönlich tangirt. Der autononie Eäsarenwahusinn kennt ja keine Unterschiede in der Person. Künstliche Versumpfung der Massen will er, die Mittelmäßigkeit soll hinauf, alles Bedeutende soll nichts sei», denn eS ist für die Ziele deS Antisemitismus zu gefährlich! Die höchste Auszeichnung, welche die Stadt Wien für die erhabensten Bürgertugenden zu verleihen in der Lage ist, wird, hingrgtben als Partei Spielzeug, um Einen, der schon alö Unwürdiger gcbrandmarkt worden, auözuzcichne». Uebcrmuth biö zum Exceß! „Wir dürfen ja Alles thun, wir dürfen uns Alles erlauben," heißt cS, „nicht die Besten, sondern die unS anhüngen, sind die Würdigsten. Wir befehle»! Nieder mit der Bildung! Nieder mit der Moral!" Wie» gleicht dem antiken Nom zur Zeit der Barbareneinfällc: Die.Cultur soll zertreten werden in ihren äußeren Zeichen. Alle Ausflüsse befreiender Geister sind die Gegner der finsteren Reactio». WaS ist daö Ende? Verthicrung der Massen! Und die weiteren Folgen sind Angriffe auf Jeden, der-etwas ^besitzt, ob geistige, ob materielle Güter. Ein Verbrechen wird eS fein, etwas zu wissen, Der Gebildete wird zuletzt sich mit den Waffe» gegen die Ucberfälle der christlich-socialen Meute schützen müssen, wenn gewissen Leuten nicht in »ctzlec Stunde die Auge.. ü'..r die Sprünge der vom Cäsarenwahnsinn ergriffenen Lenker der Geschicke unserer Vaterstadt, in der geboren zu sein bald eine Schande fürt den Edeldenkendcn sein muß. Die Culturstätte mögen sie beschmutzen, die Cultur aber wird bestehe», trotz deö Wahnwitzes der GcisteSbarbaren, wenn nicht hüben m Oesterreich, so doch, jenseits der Leitha im Ungarlande, wo sic das Kleinod besser hüten! ' >>., Arieg und Frieden. TaS endlose Hetzen nnd Schimpfen gegen Ungarn, welches seil längerer Zeit in Wien znm guten politischen Ton gcliört und in den antisemitischen Kreisen als wirksamer-Ersatz für das schon etwas verbrauchte „Hcpp! Hcpp!" betrieben wird, scheint endlich Erfolg haben;n sollen, freilich kaum jenen Erfolg, den sich so mancher im (Geistes -banne der Lueger und Schneider stehende Handivcrtsmann träumen dürfte. In Budapest ist man müde, sich zur regungslosen Zielscheibe der' wahnwitzigen Wiener-Agitation hersugcbcn; so lange noch ein Zweifel bestehen konnte, ob wirklich die Mehrzahl der politisch bcrcch tigten Bevölkerungselasscn Wiens hinter jenem Rowdhlhnm stehe, welches frevlcrisch die Hand an die Freiheit eines uns vollständig nebcngcordncten Staates lcgc.i möchte, so lange igliorirle man in Ungarn die Delirien/ der' Wiener Vorstadtpolitiker. In dem Momente aber, wo diese Partei in Wien zn unbestrittener Herrschaft gelangt ist nnd selbst ans die RcichSangclcgcnheitcn, wenn auch nicht durch ihre Stärke, so doch Umsomehr-, durch ihre Maß nnd Rücksichtslosigkeit einen fühlbaren Einfluß übt, in diesem Momente niüsscn auch die Ungarn die KampfcSpositioncn beziehen, wollen sic nicht einen schweren takti scheu Fehler begehen. Gerade der ÄntiscmitiSmuS hat gezeigt-, daß die Wiener nicht ohne agitatorisches Talent und Temperament sind; die Agitationskraft der Ungarn aber hat eine viel ältere und auch ehrenvollere Geschichte, und cS steht sehr zn befürchten, daß, wenn man jenseits der Leitha den von Wien hinübergeschlendcrten Fehdehandschuh anfhebt, der endliche Sieg kaum ans unserer Seite sein werde. Man begnügt sich in Ungarn