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Freies Blatt · 1896-06-14 · 219 (14.6.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
219 (14.6.1896)
Date
1896-06-14
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Freier Blatt. Nr. 219. Seite 10. Mil unglaublichem Eifer bewältigte der uunmehr fünfzehnjährige auch diese Schwierigkeit: seine Freude jedoch blieb die Musik. di ein Zabr verging, und Engen batte bei Professor V., der icden 'Winter größere Eonecrtk, mein claimche Musik, veranstaltete, solche Fortschritte gemacht, daß sein Lehrer ib» dem -großen Publicum vor führen konnte. Engen spielte wirklich gut und wurde mit Beifall über schüttet; allein er selbst war niemals mit sich znsriedcn.?a fam ein Abend, der sein Lcbcnsschifslein hinaus in die Wogen des großen Dccans trieb. Etz nvar im Anfänge des Faschings. Eugen batte in cincm der Eonecrte, die Professor L. in (Gemeinschaft nnt einer bcrübmten Diva arrangirte, ein Biolinsolo prächtig gespielt. Dobald er jedoch sein 0'»- strument sinken ließ, kam die alte Dchüchterirbcit, die ibm sonst eigen, wieder über ihn, er verbeugte sich linkisch und stolperte wohl hie und da über die Dtufcn der Estrade oder gar über seine eigenen Beine. Jetzt legte sich der Beifall, aber man begehrte stürmisch cinc^Zu gäbe zu dem vorgezcichnctcn Brogramm. „Dviclc doch cninial etwas Eigenes! Du improvisirst ja vorzüglich, Engen! - versuche es — ich werde dich ans dem Flügel begleiten." Der junge Mann stockte, verlegen und wie lsilfesnelsend sah er zu dem Lehrer cnzvor. Da schlug ein leises Lachen an sein C(>i\ Madame ., die damals im Zenith ibrcs strubmes stgiid, war kizigetretcn. Die batte die Bicrzig wobl längst passirt, neigte zur Ucvpigtcii, und verstand cs meistcibasr. mit ihren' Angen zu kokeitircn. Wie sic so dastand, die bobc, volle (''malt, von den Wellen der goldgelben Broeatschlcppc nnisloncii, siegesgcwiß im Daalc »inberblickend, glichne einer Menalina. Die lachte leise über Eugens Ungeschicklichkeit und Zaghaftigkeit und 'chien ihrem ordeiisgc'chniücklcn Begleiter eine paar spöttische Worte ztiznflüllern. Endlich traf ihr fascinircnder Blick Eugens Auge, ohnf spar cs. als stiegen ibm beiße Wellen nach Hals und Antlitz.. „fast »och ein di nabe — —" io hörte er deutlich die diüiistlcrin sprechen. Da hob er seine l^eige, drückte die Angen fest zu, und so iibcrkam ilitt das (''cfiilil, als fei er mnllcrseclenalleiu. Anfangs erlang cs lcife, ivie wenn der Estkos, der braune Dobn der Haide, aus blniuigem Rasen seine Fiedel probirt, dann einzelne, abgebrochene Däne, als wollte er das Instrument wecken Dann wirbelten die Melodien il» Walzertakte und Fragmenten von 'Liedern durch einander — Profenor V harte Mühe, sibnen zn folgen — jcpl kam ein süßes Adagio, dann klang cs wie Dchlachlgcsang. ein wilder diampf wurde borbar^ kleine schwarze di obolde viitcit und zerrten ein Dvfcr iimber. in fieberbafiem Eifer rasten die Döne nach oben, dann eine Dist'onan;. grell, absurd, ein Denfzcr, und wir sic begonnen, lcife, ganz leise erstarben -die Döne. Alles im Daale albmcic auf. 'Jicdi einen Momcnl dauerte die Dvannniig, dann brich.ein nie gebörkcr Beifall los. Engen erwachte ans feinen Drännien und blickte verstört nach dem Lebrer und der Diva. Die >ab ibn nni großen glänzenden klugen an. dann trat sie vor allem Publicum auf ibn zu, reichte ibm die brillaiiieiigeschmückke Hand und >agie laut: ' „ Die find ein dinnstler. mein kleiner freund!" D as war der Wendepiintl in Engen Wildcnstein's '.'eben L i t c r a t u r. dirapotki» s l'iorallcbrt uns deren Beziebuiigen zu Nietzsche Bon Dr. a » i c h 11 li {. Dresden und Leipzig E. PicrionS Verlag. I>!n;. «Preis Mark. > DaS vorliegende Däiriiiänn zerfallt in zwei ron einander ziemlich selbstständige Tbeile: in eine Ucberscpuuz der dtropoilin i'ebcn kleinen Däirist . I.;, ni"r;i!-' nnnrehi.'tt'•" mit in einen rc'uini.cnden und kcilvchen Eoinmentar ca d-eier Schrift, welcher auch nkion durch den Druck sich von der lieber icvang als etwas ganz Selbstständiges abdebi. Der Uebersetzung kann inan alles Gute uach-age», dem Eommentar dcnür umioiveniger. Man kann - Krovoilin uninöglich aus die>er kleinen Schein allein beuriheilen, denn diestlbe ist keineswegs, wie Dr. Laurentius ineint, das Hauptwerk des Füisten Pcier: dies ist .--»ngii-'-:-- -In; nin. welches der Verfasser unter den Schrinen Krovotkiu S gar nicht ansübrt, also auch nicht zu kennen scheint, Kropolkin lmifc aber iiberhaupl im Zusammenbange mit der Gesamintentivilklni'g der anarchisiischen Theorie betrachtet und benrtheilt werden, dann wird er sich weitaus nicht io originell und epochal anSnehmen, wie er in dem Tchriflchen des Lr. Laurentius erscheint. Die Grundlage der Kropotkin'fchen Moral, kaS - allen Menschen immanente SolidarilätSgefühl, ist ein alter Jnventarstüci der anarchistischen Philosophie, und schon von Proudhon und Bakunin als letzter ZufluchtSanker benützt worden; ebenso ist die Ausfassung, als ob der Kamps umS Dasein nicht ein Kamps zwischen gleichgearteten Wesen, sondern ein solidarisches Kämpfen der gleichgearteten Wesen gegen die Natur (?) wäre, ein allen Anarchisten gemeinsamer und von Proudhon schon in seinem Zugendwerk vertretener Zrrthum. Selbst der Einfluß der Guyau'schen Anschauungen aus die anarchistische Ethik ist viel älter alS Kropotkin'S ganze Thätigkeit mit weist auf den deutschen Anarchisten Heß zurück, der auch eine Uebersetzung von Guyan ansertigte und notorisch Kropolkin stark beeinflußt bat. Bon einer Kropolkiu'schen Morallehre kann man also gar nicht sprechen. ~ Dies nicht gewußt zu haben, ist der größte Fehler in dem Schriftchcn des Dr.- Laurentius. Die Beziehungen Kropotkin'S zu Nietzsche sind die, welche zwischen polaren Gegensätzen überhaupt bestehen lönnen. E» ist eine höchst geschmacklose Eouceision an den Geschmack eines gewissen deutschen Leserkreises, überall den verdorbenen Phitologieprofessor Nietzsche hineiiiforciren zu wollen, ivo von Philosophie n. dgl. die Rede ist. Schließlich möchten wir noch wißen, warum auch Tr. Laurentius der Unsitte so vieler deutscher Schriftsteller folgt und den Namen deS fürstlichen Anarchisten „Krapolkin" schrekbt, während dieser selbst sich immer „Kropolkin" schreibt. o. v. /.. Handbuch der englischen Geschichte von den Uraiisängkn bi« zur Gegenwart. Nach bewährten historischen Hilfsquellen bearbeitet von Blanche von X ü b e cl. Wien, Pest, Leipzig. A. Hartleben'S Berlag, 1896. Dieses Wcrkchen will ei» Handbuch sein, also ein Buch, welches in erster Linie der kurzen Lrientirung, der übersichtlichen Zusammcnfasinug, dem eneyklopädischen Gebrauche dienen soll, und in diesem Sinne benrtheilt, ist ihm Lob nicht zu veriagen, ja ein geivisscs Berdicnst nicht adzusprechen.^ Driginelle wisienschaftliche Gesichtspunkte darf man in einem solchen Buche nicht suchen, es hat seine Aufgabe vollständig erfüllt, wenn er dar vorhandene und unangezweifelte Tksaliachenmaierial in klarer, gemeinverständlicher Darstellung dem Bolke vermittelt. .TaS ist im Großen und Ganzen der Berfasicrin gelungen, wenn man auch hier oder dort eine etwa« eingehendere Behandlung der culturellen und socialen Phbsiognomie einzelner Epochen mit Necht vermißt. Zudeß muß man der Bersafferin für daS Büchlein auch so dankbar sein, wie es in, denn cs ist daS erste zusaininensafluide populäre . Handbuch der engli'cheu Geschichte in deutscher Sprache, und daS ist wahrlich an und für sich ein nicht zu uiitccichLtzeiideS Verdienst. Schließlich sei noch der liebevollen AuSslallnng gedacht, welche die bewährte VerlagSfiema iA. HartlebciO dem Werkchrn gab, eine handliche und gefällige Form, die ibm im 'Vereine mit dem billigen Preise hofscntlich rasche und weite Verbreitung verschasien wird. o. v. /.. Der «teilt Ser Weisen. ZUustrirle Halbmonatschrist für HauL und Familie. Uulerdaltung und Belehrung an« allen- Gebieten der Wisiens. A. Hartleben'» Verlag in Wien. VIII. Jahrgang 1896. DaS vorliegende 12. Heft dieser Zeitschrift, welche» zugleich da« Schlußhcsl des cksten Semestcrbandcs 1896 ist, zeichnet sich wieder durch abwechslungsreichen Znbalt und viele Bilder au». Der Inhalt ist folgender: Das Lt. Elmsfeuer von Tr. A. v. Urban itzkp; Pauzerschutz der Landbesestigungen von Ingenieur M Buchwald; lieber Eii'enbahnunsälle; Tie Römer in Afrika: Ter Kinematograph. Ferner: Zimmcrfcnerwerk, Riesenbäume. Die Bewegung der Gestirne nach der Zengtr'schen Hypothese, Das Zeichnen voii Körpernetzen fiir Blcchardeiten, Salut in See. Der „Stein der 'Weisen" ist in jeder Buchhandlung erhältlich und kostet das reich illustrirte Heft nur 30 kr. (50 Pfg.) Der Wctterbkricht ist jetzt, wenn er „schön" prophezeit, die beliebteste und meistgelesene Rubrik der Zeitungen, denn Zeder trachtet, seine freie Zeit draußen in der Soipmerfrische oder aus Landpartien zuzubriugcn — ein an und für sich >'ebr natürliches Bestreben, da es Körper und Geist stäikl und erfrischt. Unsere vielen touristischen Vereinigungen kommen diesen Wünschen durch Veranstaltungen unzähliger ganz oderchalbtägiger Ausflüge entgegen und werden Ihatkrästigst unterstützt durch die heute schon so reichhaltig und billig zur Versügung stehenden Karlen und Führer, in erster" Linie jene der kartographischen Anstalt G. Freulag är Bern dt, Wien,. VITl. Diese fleißige Verlagshandlung, deren Erzeugnisie auf kartographi'chem Gebiete als mustergiltig anerkannt find, ergänzt ihre vor zwei Zähren erschienenen Wiener AusflugSkarten durch eine Reihe neuer Nummern, von denen bisher vorliegen: Wachau (Touauthal v»u KrcmS bis Melk, Zauerling, Burg Aggstein, Dürnstein :c), Kampthal (Horn, Rosenburg. GarS re.», KremSlhal iKrem», Dürnstein, Gsöhl, Spitz, GöNweig re.), Admont ^Hallermanern, Sparfeld, Reichenstein rc.i. Ferner wurden den „Wiener AuSslug-karle'u" in gleicher Art gearbeitete AuSflugskartti: der Umgebung von Salzburg und Klagensurk angegliedert. Für den Spottpreis von 20 kr. per Blatt werden schön ausgeführte Karten mit Wegmarkirungen geboten, die durch die aus der Rückseite befindlichen eingehenden Beschreibungen aller im Bereiche der jeweiligen Karte gelegenen Spaziergänge und Touren von zwei Stunden bis zu ganzen Tagen da« Vollkommenste bieten, wa» sich sowohl der einfache Sonntags-Spaziergänger und Sommerfrischler wie der Tourist nur wünschen kann. Wir empfehlen . die prächtigen Karten Jedermann zur eisrizen Benützung. . _

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