Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 218 (7.6.1896)
- Date
- 1896-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abon»ement-preiS. Kllr Oesterreich-Ungarn: Sanijidrig . . . « Kronen (st. ) Haltliidrig . . . . 3 Kronen 40 Heller (fl. 1.70) vierteljährig. . . s Kronen (ff. l.—) (für ha» gefommte Ansland: Banijährig.9 Mark Haldjiihrig .. 4 Mark Clnjelue Klammern 6 kr. - Unlrankirle Briefe werden nicht anaenommen. Erscheint an jedem Sonntage. Nedaetio» und Admiiiistraliou; I. Sellerstiitte 1». Inserat« werden mit 90 Heller (10 kr.) sür die vier» mal gespaltene Stonpareillezeile berechnet. Kleiner Anzeiger dag Wort 4 Heller (9 kr.). Ausnahme oJn Inseraten in unserer Administration sowie im Annoncenbureau M. Dukes, l. Wollzeile n. Kummer 218. Wien, 7. Juni 1890. t . V. Jahrgang. — --■■ — ——— .— — - --- ..—— ■ - . Oerein zur Abwehr desAntisemitismus. VI. ordentliche Gen eral versank ml 11 itg. Der Lerein zur Abwehr deS Antisemitismus hielt SainSlag den 30. Mai Abends i» dem Festsaale des Kaufmännischeu Vereines seine VI. ordentliche Generalversammlung ab, welcher auch die Ehrenpräsidenten deS Bereit,es, Herrenhausmitglied Friedrich Freiherr v. Leitenberger und Hosrath Professor Dr. Nothnagel, beiwohnten. Der Präsident A. G. Freiherr v. Suttner cröffnkle die Versammlung mit der Begrüßung der erschieneneil Mitglieder und warf einen Rückblick auf die Thäligkeit des Vereines seit seinem Bestände. Er betonte hierbei, daß der Verein nur ans seine eigene Kraft angewiesen sei, da er bisher von den maßgebenden Factoren nicht die geringste Unterstützung, ja nicht einmal ein Wort der Aufmunterung gefunden habe. Als Graf Badeni a»S Ruder kam, da hoffte man, daß endlich ei» entschiedener Zug in die Politik Oesterreichs kommen und ti,„ kräftiges Auftreten gegen die antisemitische Hetze erfolgen werde. ES kam da daS Aufsehen erregende Wort-von der „Führung", dann die Nichtbestätigung der Wahl Dr. Lueger'S zum Bürgermeister. Aber wenige Monate darauf wurde derselbe Dr. Lueger, den man früher als Unberufenen, als Agitator erklärt hatte, mit den größten LobcSbezeigungen überhäuft und mit dem Pflaster „dermalen" auS der Audienz entlassen. Dieses „dermalen" bedeute w»hl so viel als „Heute nicht, aber morgen!" und so müsse es auch aufgefaßt werden. Nachdem nun Dr. Lueger und seine Gesellschaft das städtische Regime an sich gebracht, habe.der Verein die wichtige Aufgabe, ein wachsames Auge zu behalten, um jeder Verletzung der Staatsgrundgesetze durch die antisemitische Gemeinderathsmajorität sofort zu begegnen. Wenn auch der Verein nur auf sich selbst vertrauen müsse, so sei ja doch die Hoffnung berechtigt, daß endlich einmal die Pest des Antisemitismus aufhören und Friede und Ruhe wieder einkehren werden in unser Reich und unsere Stadt. (Beifall.) Der Präsident schilderte hierauf die Thätigkeit des Vereines, die größtentheils in der Publication aufklärender Schriften bestand. Während deS abgelaufenen JahreS führte er aus, sind 38.280 Schriftstücke durch daS Bureau expedirt worden. Namentlich der vom Verein herausgegebene Kalender hat sich rasch beim Publicum eingeführt, und sei die ganze Auflage vergriffen. Propaganda der That konnte der Verein nicht betreiben, da er bei seinen diesbezüglichen Versuche nicht die erforderliche Unterstützung bei den competenten Factoren fand, und ihm auch nicht die Mittel der Gegner zu Gebote stehen, die über riesige Capitalien verfügen, aus denen die Reisen der Emissäre des Antisemitismus, wie der Herren Dr. Lueger und Schneider, bestritten werden. (Beifall.) ES wäre für diese Herren fast einträglicher, ihren bürgerlichen Beruf aufzugeben, da sie ja ganz gut vom Geschäfte des Antisemitismus leben können. (Heiterkeit.) Der Verein Hai, wie der Präsident ferner mittheilte, im verflossenem Jahre 200 Mitglieder, die für den Verein von unwesentlicher Bedeutung waren, verloren, dafür aber 250 tüchtige Mitglieder gewonnen, wobei sich der Secrelär des Vereines Herr Am st er sowie die Herren Doctorcn Hammerschlag, Eichhorn und Fleischnev besonders verdient gemacht haben. (Beifall.) Der Präsident brachte sodann der Versammlung zur Kenntniß, daß daS um den Verein hochverdiente Vorstandsmitglied, der frühere Viccpräfidcnt General Mingazzi de Modigliano, sich ge- »ölhigt sah, seine Stelle niederzulcgen und aus dem Vereine auszutreten, weil er als Präsident des Peteranen-Reichsbundes nach den Statuten desselben keinem nichlmilitärischen Vereine angehören dürfe. Der Austritt des allverehrten und für den Verein rastlos thätig gewesenen Vicepräsidenlen Generals lllkingazzi müsse mit lebhaftestem Bedauern ausgenommen werden, und Redner glaube^ nur im Sinne der ganzen Versammlung zu sprechen, wenn er dem AuSgeschiedenen für - seine unermüdliche und ersprießliche Thätigkeit den innigsten Dank sage. (Allgemeiner Beifall.) Schließlich erinnerte der Präsident »och an die ins Leben gerufene Rechtsschutzablhcilung, welcher die Advöcaten Dr. Alfred Schmidt und Dr. Benedict mit besonderer Thatkraft sich widmen, und sordete die Mitglieder deS Vereines, aber auch außerhalb desselben stehende Personen auf, antisemitische Insulten nicht stillschweigend über sich ergehen zu lassen, sondern die Rechtshilfe dieser Jnftilution .4 Anspruch zu nehmen. (Lebhafter, allgemeiner Beifall.) Consistorialrath Dr. Schöpf in Gnggcnthal und der gewesene ReichsrathSabgeordnete Ritter v. C a r n e r i in Marburg entschuldigten brieflich ihre Abwesenheit. Dr. Schöpf gibt in seinem Schreiben auch dem Wunsche Ausdruck, die Geistlichkeit möge sich auf die Seite der Freiheit stellen und. die Regierung den obersten Grundsatz der Verfassung, die Gleichberechtigung, energisch durch führen. Der Brief Carneri'S lautet: ' , Diesmal bedauere ich ganz besonders, der Einladung zur General versainnilung nicht Folge leisten;» können. Halte io gern mein Herz ausgcschnUet! Ein unglückseligeres Erpcrimeiik, als mit welchem unsere Regiernng meinem geliebten Wien emporlieticn will, kann ich mir gar nicht vorstcllen. Im Name» der Religion werden die Grundlagen nicht nur der Freiheit und Gerechtigkeit, sondern auch dessen, was ich als Christlichkeit zu verehren gelernt habe, in Frage gestellt. Es ist dies eine Ungeheuerlichkeit, die ich nicht mehr für möglich gehalten hätte: Allein gerade einer solchen Ungeheuerlichkeit gegenüber, die. wie doch - auch der Preis sein mag, schließlich zu Schanden iverden muß, bat unser Verein nicht Ursache,, zu verzagen. Was wir;u lbnn baden, laßt in ein einziges Wort sich zniammensanen. und tie'es Wort ist Ars daner. Unter diesem Zeichen werden wir siegen. Der VcreinScassicr Herr August -Heiling erstattete den Cassabericht. Derselbe wurde einhellig genehmigt. -Es folgte die Neuwahl deS Vorstandes. Auf Vorschlag deS VereinsmilgliedeS Störk wurden gewählt: zum Präsidenten A. G. Freiherr vor Suttner; zu Vicepräsidenten ReichSrathSabgcordncter Profeffoi Dr. Eduard Sueß und Dr. Earl Reichsritter v. Kißling zum Cassier Herr August B e i l i n g; zu Schriftführern die Schrift steller Ernst Victor Zenker und Balduin Groller: weitere zu VorstandSmstgliedern die Herren Ludwig Hellen, ReichsralhS abgeordnetcr Dr. Ferdinand K r o n a w e t t e r, Schriftsteller Vincenz Chiavacci, RcichSrathSabgeordnetcr Wrabetz und Dr. Earj Z i in m e r m a n n. In das Schiedsgericht wurden berufen: Reichs i rathöabgeordneter Hosrath Professor Dr. Exncr, Frauen) berger und Gemeinderath Leopold Seiler. Universitätsdocent Dr. Feilbogcn hielt hierauf einen intevi essanten, wissenschaftlich durchdachten Vortrag, welcher mit lautem Beifall ausgenommen wurde. Der Vortragende erklärte, er wolle