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Freies Blatt · 1896-05-24 · 216 (24.5.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
216 (24.5.1896)
Date
1896-05-24
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 216. i f Fr«««» „Eine sehr gute Partie, Herr vün Mannheimerleben," sagte der Mann, während er das Wtlb cinstrich. „Soll ich leben und gesund sein, mein,Sch»väh'r' (Schlviegervater) ist ein großer.Ehochcm' (Weiser). Er hat »och eine Tochter, und .efschcr' (möglich) verspricht er'bei der zweiten Tochter noch eine größere .Rcdann' (Mitgift). Germanische Schmöckerei. Ich pflege sonst jenes antisemitische Blatt, welches einen Adler an der Spitze trägt und deshalb wohl von seiner antisemitischen Eon currcntin „Spatzcnblatt" genannt wird, nicht zu lesen. Sah ich da neulich aber unter dem Striche Persc, und Verse wirken suggestiv ans mich, obendrein waren es Bcrse eines gute», alte» freundes, Ühiibo V i ft. Ich nah», also das Ding zur Hand, cö war eine Mpthcndich tung, „Ostaras Einzug", welche, wie eine Fußnote der Welt vcrkiindct, demnächst auch vertont erscheint. Nun gcsegnc's Gott! Ich hatte Blühe, das Zeug beim langsame» Lesen zn cnträthscl», ich bin nämlich »nr Deutscher und von Hans auS Germanist, aber was hier an Urdcutfch heit geleistet wird, geht über die Fassungskraft der gewöhnlichen „Nach kommen HeimdoldS". In musikalischer Form dürfte die.Dichtnng einem schwedischen Liede sehr ähnlich klingen. Die Geschichte, welche sic bc handelt, ist das alte in de» ältesten deutsche» Bolkspocsicn sich bis zum Ueberdruffc wiederholende Motiv von dem Sieg der Lcnzessonnc über des Winters Gewalt; die Göttin Ostara erscheint diesmal am Hcrmannskogcl und segnet von hier aus „ihr" Land Oesterreich: -Mein Ostarland, mein arme-, wie gleicht dir wohl ein Land!? Der grimme Zote Neiding die Ernte dir entwaiid; Er brachte gefräßige Wölfe an- Osten in dein Geheg, Die haben die Ernte ertragen sainmt Saat und sammt Geleg; Ihr armen Ostarlenle, erstrebet beffere» Stand! Mein Ostarland, mein arme-, »ich segnet meine Hand! Mein Ostarland, mein starke-, wie gleicht dir wohl "ein Land!? Wo.stehen deine Männer, die einst kein Feind bestand!? Sind Alle schon vergiftet, vom Wuchergeist entehrt. Weil sie da- Eisen tragen al- Kette statt als Schwert? Doch nein! ES tönt ei» Trutzchor: „Durch Stammeseiuheit siegt!' Mein Ostarland, mein starte», mein Segen z» dir fliegt! Die Mythcndichtnng schließt mit eincr Rcclamirnnq dieses „Ostac landcS" als „Alldeutschlands Erbantheil". Wenn man diese Schmöckerei liest und Guido List nicht zn kennen das Bcrgnügen hat, würde man einen körperlichen Eid schwöre», der Dichter komme direct von Island, wo er einst vor tausend Jahren als Skalde gewirkt und durch einen wunderbaren Präparirungsproceß sich bis heute frisch und ungclcckt wie ein Bär erhalten habe. Die Sache ist aber gar nicht so. Guido List'S Urgermanenthuin ist eine ncolithische Erschcinnng. Es ist »och lange nicht tausend Jahre her, daß Guido List eincr Gesellschaft angchörtc, »velche ganz international und intcrconscssioncU ist und in jedem Menschen nur den Bruder sieht. Guido List war ein Fanatiker dieser Gesellschaft und suchte dieselbe zu allerlei m>)stischcn Thorheitcn zu verleiten; er war damals ein ebenso geschwollener internationaler Schmock, wie er heute germanische Schmöckerei cultivirt, hängte sich Amulette um und erklärte tut Besitze ganz nncntdcckter Geheimnisse >zn sei». Weil aber die „Ioten" für diese seine Narrheiten kein Bcrständniß hatten, zog er schmollend seine Straße, die ihn direct nach Ascnheim und in die „Ostdeutsche Rundschau" führte. Soviel »nr zur Biographie Guido List's für ein künftiges Geschlecht von Literaturhistorikern. Nun nur noch einige Worte für den Philologen. List ist nämlich der Urdeutschcstcn cincr, für den jedes Frcmdivort ein Greuel ist. Das behindert ihn nicht, in seine stabgercimtcn Verse mitunter ganz neue Fremdwörter einznführen, »velche bisher ganz ungebräuchlich ivarcn. So spricht er von dem „Kulm" eines Berges; »vciß der Germane in seiner Urwaldsnaivität nicht, daß das Wort direct das spütlateinischc cnlim.ni ist und — wenn auch in der Schiveiz aus der Rönicrzcit her für Berggipfel gebräuchlich — unserem Volke ganz unverständlich ist? Auch „uinzirkeln" ist ein ganz überflüssiges Fremdivort für das schöne deutsche Wort „umkreisen." Dafür »vcndct Guido List deutsche Worte an, welche nur ihm verständlich sind, »veil er sie selbst fabricirt hat, sie sind wohl daS Gcheininiß, das er einst zn »viffcn vorgab und um besten Mitwisserschaft die „Joten" nicht standen. Was ist z. B. „Ostarland"? Oesterreich? Mit »lichten! Das Wort kommt, »vic jeder Schulbub »veiß, von Ostirichi, bedeutet das Ostreich, hat mit der Göttin Ostara rein nichts zu thun. Eine ebenso räthselhaftc Bildung ist cS, »vcnn Guido List erzählt, daß „karfunkelnd die Traube erglüht". Karfunkelnd, daS soll offenbar heißen, wie Karfunkel glänzend. Der deutsche Mann hält also offenbar dieses Wort für ein Composituin auS kar und Blatt. _^_ S«it* 9. funkeln; in Wirklichkeit zeigt die richtige Form Earbnnkel, daS alte lateinische Wort curdo, die Kohle. < 'urliumulus ist ein Stein, der cincr feurigen Kohle ähnelt. In einem alten, deutschen Bolkslicdc heißt cs von Liebchens Auge» scherzhaft, daß sic leuchten „»vic der Karfunkel im Ofenloch". Hier hat daS Wort seine alte cigenthümlichc Bedeutung. Hütte der nrgcrinanischc Dichter Guido List statt die nordischen Skalden zu imitirc», das deutsche Volkslied studirt, so hätte er gctviß nicht die Lächerlichkeit begangen, von eurlinnenlus ein Particip „karfunkelnd" zu bilden. Auf Wiedersehen, Bruderherz! . Must>. Literatur. Die österreichisch-ungarische Monarchie, Geographisch statistische» Handbuch süc Leser aller Stände von Professor Dr. Friedrich N in laust.' Dritte umgcarbrilctc und erweiterte Auslage. Mit 200 Illustrationen und 15 Kartenbeilagen. 3» 25 Lieferungen ü -'(0 fr. --- 60 Pf. ---- IO Eis. .'JO Kop. Lieferung 1 soeben au-gegeben. (A. Hartleben'S Berlag i» Wien.) Pros. Dr. Fr. Umlauft'» geographisch-statistische» Handbuch „Die österreichisch-ungarische Monarchie" erscheint nun bereit» in dritter Auslage, gewiß ei» Zeichen, daß dasselbe sich eine» festen Boden errungen.' Neben dem so großartig angelegte» Sammelwerke „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild" besteht nnzweiselhaft da« allgemeine Bedürsniß »ach einem handlichen Buche, »velche» eine umfassende Uebersicht über die physikalischen und statistischen Berhältniffe sowie Liber die Topographie, der österreichisch-nngarischen Monarchie enlhält. Daß diesem Bcdürsniffe in vollem Maße zu entsprechen Umlaust'» Handbuch berufe» ist, haben die beiden ersten Auslagen desselben dargethan. Die neue Auslage wird wohl ihrer Ausgabe in noch höherem Grade gerecht werden, da der Verfasser sein Weck nicht »nr der gründlichste» zeitgemäße» Neubearbeitung unterzogen, sonder» auch dessen Umfang ansehnlich erweitert hat. Soviel inan schon an» der vorliegenden ersten Lieferung zu erkennen vermag, »vnrdcn in der dritten Auslage die Ergebnisse »viffeiischastlicher Untersuchung und Forschung sachkundig verwerlhet; dergleichen siild jämmtliche Areal- und Höhenangabcn und statistischen Zahlen revidirt und nach Bedarf erneuert. War dem Werke Umlaust'ö bisher eine» so ausgedehnte» Leserkreis gelvonnen, die angenehm lesbare Sprache, die fesselnde Darstellung und die äußerst übersichtliche Anordnung, sind demselben erhalte» geblieben. Auch die Verlag-Handlung A. Hartlebe,i hat ihren rühmlichen Antheil an der neuen Ausgabe, indem sic da» Werk fast durchgehends mit neuen und tresslich gelungenen Bildern auSgestattet hat und demselben 15 vorzügliche Karten beigibt, welche einen complcten AtlaS der Monarchie repräsentire». Der ersten^ Liescrung liegt eine' große Karte der Alpen bei. Schule und Hauö. Elleruzeitung zur Förderung der Erziehung und de« Unterrichte«. HerauSgegebe» unter Mitwirkung hervorragender Fachleute von Eduard Jordan. 1H96. XIII. Jahrgang. Leitung und Verwaltung Wien, 111/1., Llreichergasse Nr. 10 Preis 2 fl. jährlich, einzelne Hefte 50 kr. Die eben erschienene Mai-Nnminer dieser vom freisinnigen und fortschrittlichen Standpunkte höchst empsehlenSiverlhe» Zeitschrift bietet folgenden Inhalt: Bille, eS sind Kinder da! Von Josef Jahn. — Entsagung. Von Anton Wei». — Etwa» über daS Alhmen. Von Dr. Rudolf H a n g. — Au» der Kindcrivelt: Kinderworte. — Gesetzliche Btstimmungen: Die Volksschule. — Beurthcilungen: Der Ulmenhof. Von F. CzckanSky. — Deutsches Lesebuch. Von A. S. Fischer und Joses Kraft."— Meyer'» EonversationS-Leziko». — Da» Nervenleden de» Menschen. Bon Dr. I. L. Ä. Koch. — Sprechhalle: Miltheilungen und Auskünfte. — Allerlei Wissensiverthc». — Erzählungen: Burgl. Bon A. Bogner. — De» Großen sür die Kleinen: Windröschen. Bon Franz Czech. — Böglein ii» Ban. Von H. B e h r) n g e r. Ter Stem der Weisen. Jllnstrirte Halbmonatschrift sür Haus und Familie. Uiiterhallnng und Belehrung au» allen Gebieten des Wissen». A. Hartleben'S Verlag in Wien. VIII. Jahrgang W!l6. Der Inhalt des kürzlich erschieneuen 11. Hefte» ist folgender: Da» Go^ im Allerthum. — lieber Bacterie»; mit 12 Abbildungen. — Edison'S Kinetpskop (mit 4 Abbildungen, eine eingehende Beschreibung des sogenannten photographischen SchnellseherS, durch »velchen den Beschauer Scencn der Wirklichkeit i» lebendiger Bewegung vorgesührt werden). — Da« Alsöld (mit 5 Abbildungen, eine hydrographisch-geologische Schilderung der großen ungarischen Tiefebene). — Technische Mittheilunge», Elektro-pneumatische Tactnren, Gewinnung de» Kochsalze» u. s. tu., letztere Aussätze zusammen mit 12 Abbildungen. Außerdem: Notizen sür HauS und Hos, Astronomischer Kalender sür den Monat Juni, Brieskasien u. A. Die beliebte populärwissenschaftliche Halbmonatschrisl leistet neuerdings »vieder sehr Erfreuliche», »vaS von den Freunden derselben gewiß niit Genugthuung begrüßt werden »vird.

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