Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1896-05-17 · 215 (17.5.1896) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
215 (17.5.1896)
Date
1896-05-17
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4886575-5439173-5439295--2672-4889035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 215 Frei»» Statt Seite St. f vereinigten Landtage so unangenehnt auffiel. Der Bundestag selbst aber rührte sich in Beziehung auf die Juden gar nicht mehr» und der 16. Artikel der Bundesacte blieb ein Schaubrot wie alles Andere. Erst die volksthümliche Bewegung der Jahre 1848 und 184'.», sowie die nach einer kurzen ReactionSperiodc nicht mehr von der Hand zu weisende Reformthätigkcit in sämmtlichen deutschen Staaten machte die Emancipation der Juden in Deutschland zu einer vollständigen und ganzen Thatsache, an welche heute anch die conscrvativsten Kreise, wen» sie nur wirklich konservativ sind, zu rütteln nicht einmal gedenken. Die Entwicklung dieses, einem modernen StaatSwesen allein entsprechenden Zustandes war während eines Zeitraumes von einem guten halben Jahrhundert eine so natürliche und zugleich so »unabweisbare, daß der vielgeschmähtc DoctrinarismuS des BölkerfrühlingS zwar zeitigend, aber gewiß nicht anders hierin eingreifen konnte. Wie wir gesehen, war die Frage der vollständigen bürgerlichen Gleichstellung der Juden auch schon vor dem Jahre 1848 selbst auf gesetzgeberischem Wege nahezu gelöst, und wenn damals überhaupt noch etwas in der ganzen Angelegenheit controverS >var, so war eS die Frage, ob den Juden das volle Recht dcS Staatsbürgers sofort mit einem Schlage gewährt werden oder ob die Emancipation eine auf dem längst betretenen Boden progressiv fortschreitende sein sollte. Diese Angelegenheit rpurdc ans das Eingehendste diScntirt in der Presse, in Flugschriften, in den ständischen Versammlungen und in den Memoranden der Regierungen. ES gab keinen Grund für und widtr, der nicht herbeigezogen wurde; die wirthschaftliche» Borthcilc und Nachthcile, die in der obschwebendcn Frage in Betracht kamen, wurden in der schonungslosesten Weise zu Tage gelegt, und nichtsdestoweniger waren es gerade zwei deutsche Staaten, in-denen der Judenhaß traditionell gewesen, die eine Lösung der Judenfrage für ein unerläßliches Gebot einer durchaus conjervativen Staatspolitik hielten. Auch von der nationalen Seite konnte die Frage als vollständig erledigt gelten. Die Juden sowohl als die Deutschen sahen die einzige Mög lichkeit, die sogenannte Judenfrage aus der Welt verschwinden zu machen, in der Racenvermischung,- in der Assimilation bei vollständiger Bciscitesctzung jeglicher Rücksicht ans confrssiouclle Unterschiede. Wenn Häher heute der nencrwachte Judenhaß die längst zur That sachc gewordene Emancipation rückgängig zu machen trachtet, indem er sie als einen übereilten Schritt verdächtigt, der ohne Kcuntniß der wirthschaftlichcn und nationalen Tragweite desselben bloß eincm abstracten Principe zuliebe unternommen worden wäre, so sündigen jene klugen Politiker, welche das geistlose „Hepp, hepp" als einen vortrefflichen Ablcitcr für die allgemeine Unzufriedenheit benütze», anch hierin auf die Unwissenheit des von ihnen scheinbar hochverehrte», im Grunde des Herzens aber gründlich verachteten vuljrus profanitm. Bon allen Errungenschaften der politischen Bewegung in Deutschland während der Vierziger- und Fünfzigerjahre erscheint vielleicht keine (die Aufhebung der bäuerlichen Unterthänigkeit, die Einführung der repräsentativen Verfassung nicht ausgenommen) so wohl vorbereitet, wie die bürgerliche Gleichstellung der Juden, und so wenig eS möglich sein wird, den seither durchgemachtcn Proccß in der WirthschaftS ordnung unserer Gesellschaft rückgängig zu »lachen oder 'die alte ständische oder persönliche Herrschaft in der politischen Verfassung wieder hcrznstellc», so wenig wird eS irgend welcher Macht gelingen, die gesetzgeberische Arbeit eines vollen Jahrhunderts ignorircnd, die Juden wieder in das Ghetto und auf den gelben Fleck zu bringen. § i t e r a t u r. Das hohe HauS, ParlameutSbilder aus Oesterreich. Verlag der „Vene» Revue", Wien. Ein kleine- Büchlein, da» durch seine gefällige Form;»>» Lesen aus. fordert und durch seinen Inhalt zum Weilerlese» zwingt. Eine Galerie von Porträlskizzen unserer parlamentarischen „Blößen", die allerdings eine» traurigen Einblick in die Kleinheit unserer Heerführer gewährt. Aber inan merkt dem Büchlein seinen Ernst gar nicht an. Die Eharakierzeichnung ist contourenhast kurz, aber scharf und sicher, die Sprache keck und srisch, mit kaustischem Witz gewürzt. Der Autor ivird alle seine Modelle ärger», ivährend er sich selbst und seine Leser erfreut. Post-, Telegraphen-undTrlephou-Tariftabrlle, verfaßt vonM.Fleisch m a n n, k. Y! Post-RechnungSasststeat. 3. Jahrgang. Diese Tabelle, welch« einem längst gefühlten Bedürfnisse emspricht und sich rasch in,allen jenen Kreisen eingebürgert hat, die sich uuserer weitverzweigten .BerkehrSinstuute bedienen, erscheint Heuer bedeutend erweitert und sollte in keinem Eomptoir fehlen. Der Preis der Tabelle beträgt bloß 30 kr., der Bezug kann durch die Buchdruckerei und Verlagshandlung Earl Schneid, Wie», VIII., Lerchenfelderstraße 146, bewirkt werden. W. Frevtag's A - B 15 für Touristen und Radfahrer vo» E. L. 'Mit - drei Tafeln. Wien, Perlag der kartographischen Anstalt G- Freiflag & Berndl. Diese» Büchlein behandelt in knapper, dabei aber klarer und auschaulicher Form eine Menge interessanter, für Touristen und Radfahrer nothwendiger Dinge. Wir finden zunächst eine Skizzirung der verschie denen TerrainNipen, da»» eine eingehende Belehrung über rasche Orieiuirung nach Karte, Sonne, Mond, Uhr, Boussole »nd Roihbehelse». hieran schließt ^ich eine genaue Beschreibung der Kariendarstelluiig und dadurch gegebene Aulkilung zum richiige» Kartenlesen, sodann eine Erklärung und Besprechung der wichtigste» Tomisten »nd Radfahrerkarten. Ein sehr interessantes Capiiel, da» dem Büchlein viele Freunde zusühren wird, ist die WetieiPrognose. Ter Verfasser gibt hier die.' wichtigsten allgemeinen Regel», »ach deiic» jeder Laie sich über da» Weiler de» koinmende» Tage» ungefähr orienliren ka»u — für projcrtirle TageSlonren eine sehr angenehnie Sache! Verhaltungen vor und während der Tour sowie in besondere» Fälle» sür Touristen und Radfahrer; Winke für ent sprechende Vorkehrungen bei eveiituelle» UnglückSsäUeii; Raihschläge sür In standhallung de» Stahlrosses rc.: ferner drei Tafel»: Orie»l>ru»g, Terraindarstelluiig, convenlionelle Zeichen, ergänze» das Werkchc» i» zivectennprecheuder Weife. Ter gediegene Inhalt i» Verbindung mit der hübschen AnSstalinng bei »läßigem Preise (t>0kr. --»-1 Marks machen uuS<die wärmste Einpsehlnng de» nette» Büchlein» zur angenehnie» Pflicht. EvSmopoliS. Internationale Revue. HerauSgegkben vo» g. Ort in a » ». London: T. Fisher Unwin; Berlin: Rosenbauin Sc Hart; Wien: A. Hartlebcn. 1396. Die soeben erschienene Mai Nummer (Nr. V) dieser Revue enthält: „The Notary’s I<ove Store“ von Maarten M a a r l e u S. — A Note on „Weir of Hermiston“ von Siduei) C o l v i». — Pierre Lassitte von F. H a r r i s o >>. — The. Safeguards of I'oaco Oousidcred von F.Greenwood — Barthelemi) St. Hilaire von MrS. Roß. — Old l.omberd and Venetian Villas (Schluß) von Verno» Lee. l.iterary Chrouiele vo» Andrew Lang. — The 1-Iohe and the Ulaud von H N o r in a n. Ferner in französischer Sprache: Voyagenses: I. Charite de Kemme von Paul Bo» rget — La Veritable Histoire de „Klle et Lui“ von Vicomte Spoelberch de Love n jo ul. — l'ue Voii d'Alsace von „I gu o t i s s i m n »". — :Y Stamboal von E. G e b h a r t. — Chronigiie. Litteraire von E. Faguet und Uevne d» .Yloiz von F. de Pressense. Endlich iu deutscher Sprache: „Fritzchen", Drama in einem Act vo» H. S u d e r m a n ». — Die Selbstständigkeit, eine Skizze auS dem innere» Leben de» deutsche» Heere« von A. v. BoguSlawSki. — Da« bürger liche Gesetzbuch in Deutschland, von Al. Me per. — Ausstellungen i» Berlin von H. H e l f e r i ch. — Streiszüge durch Spanien vo» S. Sa m ö s ch. — Literarische Ehronik von A. Bettelheim »nd politische Chronik von „I g n o t u »". Jeder Band der Revue „CoSmopoliS" kostet 1, fl. 50 lr. österr. Währ. ' ~ Der Stein der Weisen. Jllnstrirte.Halbmoiiatichrist sür HanS »nd Familie. Unterhaltung und Belehrung au» allen Gebieten des Wissen«. A. Hartleben'» Verlag in Wien. VIII. Jahrgang 1696. / Da« lrtzterschienene Heft (Rr. 10) dieser populär wissensd)astlid>tn Halb mouatschrist enthält; Organe und Orgaiiirnien: Die Rcpctirgewehrsrage <15 Bilder); Untersiichungen über die Spectra der Planeten; Charakteristik und Priisung de« Papiere» <19 Bilder): Im Luftballon nach dem Roidpol: Im Urwald (2 Bilder); Eine chinesische Sternwarte (l Bilder) Außerdem. int Notizentheil („Kleine Mappe" mit 18 Abbildungen): Da» Bleitöihen mittelst de» elektrischen Lichtbogen», D»4 neue Brockeii-Obiervatorinui, Rormalien sür Straßenbahnen, Zeichnen von Körpernetzen sür Blecharbeiteu, Moderne Goldgewinnung. Sd)ließlich den astronomischen Kalender sür den Monat Mai (mit Sternkarte), Notizen sür HauS und Hof tt. s. w. Mode-Literatur aus dem Berlage von John Schwerin, Berlin W 35. Vertretung für Wien: Rudolf L e ch n e'r & Sohn, 1., Jasomirgottstraße 6. Die eben erschienene Nr. 9 der „G r o ß e n M o d e » w e l t" zeichnet sich wie immer durch einen reichen, wechselvollen Inhalt und zahlreiche Illustrationen au»; sie enthält außerdem ein colorirteS Modebild, einen Schnittmusterboge», eine Handarbeiten- und eine Unterhaltungsbeilage. In demselben Berlage erscheinen ein vortrefflich redigirteS Handarbeiteudlatt für' die Familie, „F r a u e u f l e i ß" betitelt, monatlich in einer starken Nummer mit zahlreiche» Beilagen (AbonnementSprei» vierteljährlich bloß 50 kr.) und eine „I l l u st r i r t e W-ä s ch e - Z e i t u » g" (monatlich einmal. Abonnement 4b kr. vierteljährlich). Besondere Beachtung verdient die von dem gleichen rührigen Berlage herauSgegebene „Kindergarderob e", eine illustrirte Monatsschrift mit Zuschneidebogen zur Selbstansertigung der Kinderbekleidung und Zeitschrift zur handarbeitlichen Beschästigung und Unterhaltung der Kleinen, mit der Beilage „Für die Jugend". Auch diese Monatsschrift aboiinirt man vierteljährlich um den Betrog von 45 kr. ö. W.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.