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Freies Blatt · 1896-04-26 · 212 (26.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
212 (26.4.1896)
Date
1896-04-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt Aboniiement-prei». Für Oesterreich-Ungarn: Saxtjddrig ...» Kronen (fl. 3.—) Saldldbrig .... 3 JTronen 40 Heller (fl. 1.70) BierteljLfjrig... 3 Krönt» (fl. 1.—) Für da» »flammte fluflanb: Sanijühriü.8 Mark HaldiLdrig .4 Siatt Cinjelne Nummern 6 kr. Unfrantirte Briefe werden nicht angenommen. Erscheint an jedem Sonntage. Redaktion und Administration: I. Leilerstätte 10. Inserate werden mir SV Heller lo!r.) kür die viermal gehaltene ylonpareillelrile dereLnct. kleiner Anzeiger da- Wort 4 Heller fjt kr ). Aufnahme von Inseraten in unserer Administration sowie im Annoncenbureau M. Duke», l. LüollzeLle 8. Nummer 212. Wien, 2(>. Äpril 18%. V. Jahrgang. Dom Deutschen Schulverein. Schaffend und zeugend hat sich die Kraft de» Antisemitismus noch an keinem Punkte bewährt, aber zerstörend wirkt er, wo er auftritt. Diese Eigenschaft des Alles zersetzende» FünlnißcrregcrS wird ihm nicht leicht Jemand absprechcn können, und kein Kreis ent zieht sich heute dieser Wirkung, er möge nun dem Antisemitismus Einlaß gewähren oder nicht. Dafür gibt der Deutsche Schulvercin ein sprechendes Beispiel. Bei der in der vergangenen Woche abgchaltencn Jahresversammlung der vereinigten Herren und Damcnortsgruppc Margarethen mußte ein bedeutender Rückgang des einst so mächtigen Vereines constatirt werden. Während das Jahr 18!>4 noch einen lieberschuß von 21.000 fl. ergab, wird daö abgelaufene Jahr mit einem Desicit von beiläusig Z000 fl. abschließcn. Tie Einnahmen sind gegen über dem Borjahre um circa 40.000 fl. znrückgegange». Ein Redner erörterte die Ursachen dieser traurigen Erscheinung und hob hervor, daß einerseits die antisemitische Strömung und andererseits'wieder die unrichtige Ansicht seitens vieler nichtantisemitischer Kreise, daß der Deutsche Schnlverein antisemitisch sei, bcigctragcn hätten, denselben empfindlich zu schädigen. Die Leitung des SchulvcrcinS habe mit Rücksicht auf den Rückgang den Versuch gemacht, die radical nationalen Kreise von ihrem Jrrthum, daß der Deutsche Schulvercin jüdische oder liberale Interessen unterstütze, abzubringen, indem sie deren Wortführer einlud, an den Sitzungen theilznuehmcn, um von der Gebahrung eine richtige Ansicht gewinnen zu können. Diese Herren hätten zwar, nachdem sie von der Einladung Gebrauch gemacht habe», ihren Jrrthum cingcstanden, aber erklärt, zu der nun gewonucnen Ueberzcugung ihre Kreise nicht mehr bekehren zu können. Während die Leiter des Schulvereincs "auü ihrer Hilf »nd Rath losigkeit dem Antisemitiömns gegenüber kein Hehl mache», drängen sich die Antisemiten mit neuen Forderungen, aber auch mit den bekannten wohlgemeinten Rathschlägen an das Krankenlager dcö darnicderlicgcndcn Vereines heran. In mehreren während der letzte» Tage stattgehabten Ortsgruppen-Versammlungcn iii der Provinz wurde nicht nur die Forderung nach jener Ortsgruppen Autonomie, welche die Bildung judenrciner Gruppen ermöglichen würde, erneuert, es wurde diesmal auch offen der Rücktritt jenes Mannes von der Leitung gefordert, mit deffcn Namen die Geschichte des Deutschen SchnlvereincS aufö Innigste verwachsen ist, und dessen conciliantem Wesen allein vielleicht noch der moralisch intacte Zustand des BercineS zu danken ist. Eonscguent hat eS bisher die Leitung des Schulvereines abgclchnt, die Entscheidung über die Aufnahme neuer Mitglieder den Ortsgruppen anSzuliefcrn; und was immer sic durch allzu große Schwäche oder Opportunismus verschuldet haben mag, so hat sic durch diese eine entschiedene Haltung doch immer den Schulvercin vor der dircctcn Invasion de« Raccn und Glaubenshasses zu bewahren gewußt. Mit dem richtigen Erpresser instinct benützen die in dem Vereine verbliebenen Feinde der Ordnung und des Friedens den Augenblick cinbckannter Schwäche, um die bc drängte Leitung zu anioviren und den Deutschen Schulvercin zu einer dem Selbstmorde glcichkommendcn Conccssion zn bewegen. Der geringe Erfolg, den diese Revolvcrmcnschen bisher mit ihrer Methode hatten, mag Andere belehrt haben, klüger zn sei» und das Geschäft mit dem Hute in der Hand zu versuchen. Wenn das Organ der nationalen Intransigenten „Ein Wort zur Verständigung" schreibt, darf man überzeugt sein, daß cs sich um ein schlechtes Geschäft für die Deutsch-Freisinnigen handelt. Mit jener Gleißnerci, welche sich gewisse deutsche Biedermänner in den testen Jahren durch häusigcn Vor kehr mit den Jesuiten angccignct haben, werden die „deutsch nationalen" Kreise und ihre gegen die alte Organisation des DentschthnniS ins Leben gerufenen Trntzvcrcine aufgcrnfcn, dem darnicdcrtiegcndcn, aber immer noch über „ein ganz bedeutendes Vermögen verfügenden" Schul verein zu Hilfe zu kommen und eine Art Verjüngung nnd Blut erneuernng desselben vorzunchincn. Die -Methode, welche sich der groß müthige Duisco ausgcdacht batte, wäre folgende: Die in den weitesten Kreisen unbekannten- „Schutzvercinc"- der Antisemiten hätten den Schul verein zn „entlasten", indem sie von ihm „erprobte Schulen" saniint der Sorge für deren Zukunft übernehmen: weiters hätten sic ihm Geldmittel zn beschaffen durch llebcrweisnng von 10 oder 20 Pcrcent ihrer angeblichen Einkünfte, und endlich . sollten sic „ihre moralische Unterstützung" zur Wiederbelebung verstorbener und halbtodtc« Ortsgruppen anfbieten. Dieser in Anbetracht des vorhandenen materiellen' und moralischen Fonds sehr prccären Unterstützung gegenüber hätte der Schulvercin Folgendes zu conccdircn: 1. Die Ortsgruppen entscheiden über die Mitgliedcroufnahme vollkommen frei. 2. Die Ortsgruppen haben weitestgehenden Einfluß bei Verwendung der von ihnen aufgebrachten Gelder. 8. Schnlc», ivelche Überwiegend von Inden bc sucht sind, sind anfznlasscn: die Unterstützung confessioncller (jüdischer) Schulen hört auf; die Zahl der jüdischen .Kinder in den Vereins schulen ist zn beschränken. 4. Die Leitung des Schnlvercines bewilligt den Schntzvercincn die Entsendung von Vertreter», - welche den Ans schußmitgliedern des Schnlvercines gleichgestellt sind. Wir würden cs für eine Geringschätzung aller Vernünftigen halten, die wahre Absicht dieses Vorickilages zur Gute erst klar zn legen. Es ist höchst drollig,-wenn der feine Kops, der diesen. Weg ersonnen, be schwichtigcnd binzufügt, cs bandle' sich nicht etwa.darum, den Schul verein in einen-antisemitische» Partcivcrcin nmznwaifdeln. Die Dcnt scheu sind noch Neulinge in. politische» .Schwindeleien' und benehme» sich dabei darum noch etwas plump: indes: scheint Dalcnt vorhanden zn sein, und bei längerem Verkehr mit der schwarzen Affiliation des Antiscmitismns wird sich auch mit der Zeit die.- nöthigc Technik cinstellcn. Einstweilen werden die im Deutschen Schnlverein noch immer maßgeblichen Factoren die ibncn so gebotene Verständigung dankend abtehnen nnd lieber trachten, die etwas kopsscheu gewordenen liberale» Mitglieder des Vereines wieder für denselben zn intcrcssire», statt ihre Organisation zn prostitniren und mit ibrem „ganzen bedcntendcn Vcr mögen" die leeren Säckel der antisemitischen Schntzvereinc zn füllen. Sollte der Schnlverein aber wirtlich sein Ende nahen fühlen nnd das selbe zn beschleunigen wünschen,-dann wäre cs im Interesse der. histori scheu Rolle des DcntschchnmS in Oesterreich besser, wenn er daS Harikiri mit eigener ''Hand vörnchmcn nnd lieber einen schönen Heldentod sterben würde, statt sich den hnckgrigcn Bestien des Antiscmitismns znm Fräße vorzuwerfen. ' Albert v. Dcrögcr. Milhelin tx liammcrftein’s Endo. Vor der zweiten Strafkammer des Berliner Landgerichtes l fand am 22. d. M. die Verhandlung gegen den früheren Chef Rcdactcnr der „Kreuzzritnng" und conscrvativen Abgeordneten Wilhelm Freiherrn v. H a in i» erste in wegen Urkundenfälschung, Betruges nnd Unter sch leise« statt. Die Verhandlung schloß mit der Vcrurthcilung des berüchtigten Antiscmitenhünptlingö zn einer dreijährigen Zucht-

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