Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 210 (12.4.1896)
- Date
- 1896-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Nr. 210,___ __ JrjMt» müffe, daß die Versammlung sich vom christlichen Geiste „durchwehen" laffen möge. Gleichwohl lehnte man den Vorschlag der Abtheilung nur mit der Mehrheit von einer Stimme ('2'JO gegen 2 ID) ab. Indessen beschloß die Ständecunc, daß den jüdischen Patrimonialgcrichtohcrrcn die Präsentation ihrer Gcrichtshaltcr und Polizeibcamten gestattet sei und daß ihnen die Aufsicht über die Gcniemdeverwaltiliig überlasten bleiben solle. In der Hcrrencnric fand die freiere Ansicht, wie zu erwarten, nur sehr wenige Vertreter, wohl aber um so heftigere Gegner, namentlich unter den katholischen Mitgliedern, deren eines bei der Gelegenheit ganz eigenthnmliche Grundsätze über die ständische Vertretung preisgab, Grundsätze, wie man sic nur in deutschen Herren curien zu hören erwarten durfte. Jndcstcn wurde die Präsentatio» des GerichtShaltcrS und PolizcivcrwaltcrS durch den jüdischen Gerichtsherrn auch hier zugcstanden. Tic Gcstattnng der Civilehc zwischen den Inden unter sich wutde in beiden Curien zifi» Beschluß erhoben. Die Abthcilnng der Stände ruric hatte aber daneben noch die wichtige Frage angeregt, ob nicht auch die Ehe zwischen Juden und Christen frcizugcben sei? Ihre Mehrheit schlug die Bejahung dieser Frage vor. (Fortsetzung folgt.) I Literatur. Orientalische Bibliographie. (Begründet von August Mülle r.) linier Mitwirkung von G. Kal ein klar, Wien; E. Kuhn, München; H. Nütze l. Berlin: I. B. Prüöek, Kolin; L. S ot e m a n », Petersburg; H. L. Strack, Berlin;?). W i ch m a n n, HelsingforS; k. B. Zetter st r ü e n, Lund, u. A. bearbeitet und herauSgegebcn von Dr. Lucian Scherman, Privatdocenteu au der Universität.in München. Mit Unterstützung der „Deutschen Morgeuländischeu Gesellschaft". (Berlin 1896, Reuther & Reichard. Subscriptio-i-prei« 10 Mart.) In der umsaffendsten Weise, wie .man die« vor zwanzig Jahren kaum dichterisch zu schildern gewagt hätte, hat un« die moderne wiffenschastliche Forschung den Orient zu erschließen begonnen. Der Orient ist aber auch nicht mehr die asteinige Forschungsdomäne europäischer Gelehrten; e« be- Iheiligen sich daran in hervorragendem Maße auch die außereuropäischen Lullurvölker, und eS ist namentlich die aus die semitische Bölkergruppe bezügliche Literatur, vielleicht nicht wenig gerade durch de» iuternational wuchernden und künstlich gepflegten Judenhaß gefördert, inS Unübersehbare angeivachse». Selten vermag ein Specialist, gewiß aber nie ein Laie diese gewaltige literarische und rein fachwistenscheftliche Literatur stäudig zu verfolgen,, und so mancher fehnt sich nach einem bewährten und zuverlässigen Führer, um sich sowohl über die Fortschritte zu unterrichte» al« auch um Anschastungen »e»er, bemerkenSwerlher Erscheinungen aus dem Büchermärkte inacheu zu könucn. Wir glauben daher allen unseren Lesern einen Dienst zu erweisen, indem wir ihnen im Folgenden eine nähere Beschreibung einer für Jeden, der sich über den Orient informiren will, außerordentlich wichtige», oder bester ge sagt, unrmbehrlichen bibliographischen Fundstätte liefern. Er ist die« die .^Orientalische Bibliographie", »ine periodische Schrift, von der uns da« jüngsthin erschienene erste Halbjahrhest des IX. Jahrganges vorliegt. Aus 156 Seiten in Großoctav bringt der Halbband über 8000 Titel von neuen Büchern und Aussätzen. Band I—V (1. Hälfte) gab der Arabist Professor A. Müller herau», die weiteren Bände Profestor Kuh», unter Haupt, sächlicher Mitwirkung S ch e r m a n'S, der mit dem vorliegenden Bande al« alleiniger Rcdacteur unter Mithilfe namhafter Specialisten da« Werk sördert. Welche Unsumme regsten Fleiße« und sachwiffenschastlicher Gründlichkeit in diesem bibliographische» Sammelwerke aus jeder Seile steckt, kan» nur Einer gebührend würdigen, der e« selber einmal versucht hat, eiue derartige Arbeit zu leiste», umsomehr, al« bei sehr vielen Titelcitate» in knapper, doch stet« ausreichend deutlicher Weise der Werth einer Arbeit besonder« angedeutet wird, ein Beweis mehr, daß der Herausgeber auf der Höhe seiner bibliographischen Arbeit steht. Die« und die Mittheilung aller sachlich erwähnen»- werthen Referate, die Uber jede der in der Bibliographie angeführten Schriften erschienen sind, erleichtern jedem Arbeiter die Beschaffung sämmtlicher Behelfe für etwaige Sonderuntersuchungen und zeigen zugleich an, ob und wie weit ein Werk in der Welt Anklang und Beachtung gefunden. Der Eulturhistoriler und der Ethnograph zieht nächst dem Sprachforscher au« diesen Literaturnachweise» den allergrößte» Nutzen. Hervorgehoben inuß werden, daß namentlich die jüngste DiScipli» unter den GeisteSwifseiischaflcn, die VolkSkuude, in dieser Bibliographie wie sonst leider »och nirgend« eine erschöpfende Berücksichtigung findet. Diese« Werk ist in seiner Art unzweifelhast eine eigenartige internationale Statistik der geistigen, wisienschastlichen Bewegung der Gegenwart, eine Registratur und dabei zugleich eine Pfadwcisung, nützlich, belehrend und zur productiven Arbeit mittelbar anregend. ES sei hier bloß die Jnhaltangabe de« eine» Hefte« wiederholt, um genauer zu zeige», worüber man sich'Rath und Auskunft darau« holt: I. Allgemeines. 1. Bibliographie, Handschristenkataloge, Sammlungen u. Ae.; 2. Zeitschriften, Sammel- »latt. Seit» 9. werke, BermischteS; ."!. Geschichte der Wissenschaft, Persönliche«, Biographie» und Nekrologe; 4. Geographie und Geschichte; 5. Volkskunde, Kunst, Recht; 6. Schristkunde, Numismatik; 7. Sprachwisienschaft; 8. Literaturgeschichte; Rccensionen zu I. — I I. U r a l > A l t a i s ch e Völker. 1. Geographie. Ethnographie und Geschichte; 2. Sprache und Literatur; Receusionen zu II. — III, Ostasie» und Oceanie» l. Ehiua: 2. Judo Ehina (A»«am, Kambodscha, Tschampa; Siam, Shan: Barma, Assam :c.>. Anhang: Anda inaiien und Nikobaren: 8. Tibet und Verwaudle«; 4. Korea; 5. Japan. Anhang: Ainu, Kamtschatka, Amurland: 6. Oceanie» (Australien und Nen- Guinea; Poltziiesie», Melanesien, Mikronesien); 7. Malaie» u. s. >v. (Philippitttii, Formoi'a: Niederländisch Indien); 8. Madagaskar; Rccensionen zu III. — IV. Indogerinane n. 1. Allgemeine«; 2. Indien. Anhang: Zigeuner, Recensione» zu IV', 1—2; 3. Iran zAlt-Jran; Neu-Jra»; Asghänistan, Balüöistau, Kurdistan, Pamir, Ossete»; 4. Armenien und Kaukasurländer: 5. Kleinasie» und Eypern. Anhang: Hittitc»; Recensionen zu I V, 3—5. — V. Semiten. 1. Allgemeines; 2. Affyrisch-BabylonischeS: 3. Syrien und Mesopotamien; Recensionen zu V. 1—3; 4. Palästina, Israel, Juden (Palästinatunde: althebräische Sprache; alttestameniliche Literatur und Geschichte; nachbiblische» Jndenthum); 5. Phöuicie» mit Nebenländeru; Recensionen zu V; 4—5; 6. Arabien und der Islam. Anhang: Sabäisches und Verwandte«; Recensionen zu V, 6. —: VI. A s.r i la. 1. Egypten (Neu- Egypten: Aü-Egypteu); 2. da» übrige Nordost.Asrila; 3. sttordivest-Asrika; 4. daS übrige Afrika (Sprache und-Literatur); Recensionen zu VI. — Bon 5. 96 bis zum Schluß läuft nur die Literatur über semitische Sprachen und Völker, d. i. von Nr. 1733 bi« Ende, also fast die Hälfte des Heftes betrifft da« jüdische »nd dar ihm zunächst verwandte Schristthnm. Man darf angesichi« diese« ReichthumS.von Werken und, Studie», die nur in der ersten Hälfte des Jahre« 1895 veröffentlicht worden sind, ruhig behaupten, daß trotz aller Bedrückung und Verfolgung, denen die Jude» derzeit unterworfen werde», ihre Geschichte und Literatur, wie vielleicht niemals vorher, im Vordergründe wiffcnschasllicher Thäligkeit stehen Um jedem Mißverständniß vorzubeugen, soll überdies ausdrücklich bemerkt werden, daß die' Elucubralionen aniiiemitischcr Geistesgröße» so gut wie ganz iu dieser Bibliographie fehle». Da» ist leicht verständlich; denn von de» für die TurchschnittSdummheit eiue» gedankenarme» PülelS berechnete» Erzengniffen der Druckerschwärze spricht ei». Forscher nicht. Dr. F. S. Kraus«. Ter Stein der Weisen. JUustrirte Halbmonalschrisl für Hau» und Familie. Unterhaltung und Belehrung aus allen Gebiete» der Wisse»«." A. Hartleben'» Verlag in Wie». VIII. Jahrgang 1896. DaS kürzlich erschienene achte Hcst dieser populär-wiffenschastlichen Revue hat nachstehenden Inhalt: Genossenschastliche Beziehungen zwischen pflanz lichen Individuen. Die großen Fälle von Labrador (2 Bilder). Tie künst- - lerische Ausübung der Taxidermie (3 Bilder). Von de» Bronzen der Neuzeit. Geschichtliche« Über Wagenbäu «II Bilder). Ruhe und Bewegung. Ta« Geincingesühl. Außerdem die kleineren Beiträge t»iit 12 Abbildungen): Ein almo'phärische« Phänomen, Fahrradlaterncu, Vergleichende Uebersicht räuinlicher Größen von Gasbehältern, Elektro. autoinaiiicheS Elavier, Waffervelociped ». A. Schließlich: Mitiheilnngen für Ha,,s und Hof, Tie Katakomben von Pari« (illustrirt), Literaiurbericht, Briefkasten >.i. s. >v. „Ter Stein der Weisen" erscheint in reichillnstrirte» halbmonatliche» Heften znm Preise von 30 kr. <50 Pf.) und ist tu' jeder Buchhandlung erhältlich. EoSmopdli«. Internationale Revue. HerauSgegebe» von F. Ort >» a n «. London: T. Fisher Uuwin: Berlin: Rosenbaum Se Hart; Wien: A. Hartleben. 1896. DaS III. (März-) Hcst dieser vorzügliche,, dreisprachigen Revue, welche« zugleich den ersten Band' complet macht, hat wieder eine:, überart» reichen Inhalt. I» englischer Sprache finden wir nebst der Fortsetzung von R. L. S I e v e « f o »’« Weir of lienuiston: The press as an International Ageney von T. H. S. Escott; 8>>aiu at lüs Xe» tlallery von Lh. Wh i bley; A l’eace Missiou to Amcri>» von H. 9! ormau; Paul Verlaine von Mlle. Blaze de B ury und I.»r>I l.oighton von G. Moore. - In französischer Sprache enthält da» r>or>irgende Heft: I.a l’arietaire von P. MarguerilIeZola et I»umas von L. Tolstoi: Le Journal ä un Sou von Jule« Simon: Xapoleou et l Lrz-eJiiiou ffe!a »ackeleins von A. E h n q u c t und Mahomet » Paris von HugueS le R o u x. Besoüder« inteceffant für uns wird der deutsche Theil der Revue durch eine Novelle „Requiem der Liebe" von »nserem vaterländischen Dichter F. v. Saar; daneben sinden wir einen Artikel über Kaiser Wilhelm I. und die denffche Social-Dcmokratie von dem bekannte» sreisinuigcn Abgeordnete» Th. B a cth, ein Essay über Lord Leighlon von H. H e l s e r i ch sowie zahlreiche andere Artikel und Notizen ptber Literatur »nd Politik aui der Feder hervorragender deutscher, französischer und englischer Schriftsteller. ' Briefkasten der Administration. Herrn Franz Poor: Ihr Abonnement endet am 31. Marz 181*7. /