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Freies Blatt · 1896-04-05 · 209 (5.4.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
209 (5.4.1896)
Date
1896-04-05
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 209. Freier sophischcn Facultät diejenigen Disciplincn christlichen Lehrern vorzubehalten seien, deren Auffassung und Darstellung durch die religiöse Ansicht bestimmt werde, und daß .man dahin alle Lehrfächer dieser Facultät außer den mathematischen und naturwissenschaftlichen zu rechnen habe. Man erfuhr endlich, daß die Prüfnngscommissionen, in welchen die preußischen Universitätslehrer verwendet werden, bei Abhaltung der Examina ganz besonders darauf hingewiesen seien, auf die christliche LcbenSanschauung und christliche Denkungsart der zu Examinirenden Rücksicht zu nehmen. Es war wohl von Interesse, eine Ansicht über den Berus der Universitäten, des letzten Sparpfennigs der ganz verarniten deutschen Ratio», eine Ansicht, die von allen für die Ehre des deutschen Namens Eifersüchtigen gebrandmarkt war, endlich einmal offen von der Regierung des seiner Intelligenz wegen gefeierten preußischen Staates verkündigt zu höre». Es war von Interesse, zu sehen, wie man das letzte Kleinod der deutschen Ehre, die freie Wissenschaft, die sich seit Jahre» gegen rohere und feinere Anfeindungen und Bevormundungen wehren mußte, endlich auch noch preisgab, um die Deutschen, soweit eS an der preußschen Regierung läge, auch noch zum Spott derer zu machen, die bisher ihr wissenschaftliches Leben noch geachtet hatten. Es war von besonderem Interesse, daß diese rcactionäre Tendenz gerade zu einer Zeit in ihrer Blöße hervortrat, wo in den Angelegenheiten von Strauß, Bruno Bauer, Bischer, Zeller und Anderen das Princip der freien Wissenschaft in weiteren Kreisen Gegenstand eines von der lebhaftesten Theilnahme der Besten begleiteten Streites geworden waw Was nun die Denkschrift angedeutct hatte, das wurde von der Äinistcrbank in beiden Curien aufs Breiteste ausgeführt. Mit einer Artvon Inbrunst wurden die mittelalterlichen Statuten der einzelnen Universitäten auscinaudergebreitet und der freie Geist, der bei Stiftung der Universität Berlin vorgewaltet hatte, mit einem überlegten Achselzucken abgefertigt. Die Canonisation der juristischen Facultät (d. h. die schwachsinnige Verdammung des Geistes unserer Zeit, der moralische und intellectuelle Selbstmord der preußischen Regierung) wurde feierlich proclamirt, und man scheute sich nicht einmal, zuzugeben, daß andere Universitäten, wie Heidelberg und Rostock, sich gehütet hatten, dieselbe Bornirthcit zu zeigen. Ueber die Philosophie wurde in einer Weise gesprochen, daß Man wünschen mußte, es möchte die Regierung die gänzliche Abschaffung dieser Wissenschaft decretiren. Das Aeußerstc des Hohnes lag aber darin, daß man sogar die Philologie, die Kenntniß des classifchen Alterthums unter die spccisisch christlichen Wissenschaften rubricirte. Es schien demnach auch angemessen, daß der erste Redner, welcher dem RegicrungScommissär zu seiner Unterstützung folgte, der schon ansonst bekannte unfreiwillige Hanswurst des preußischen Landtages mar, in dessen traurigem, mit verunglückten Witzen auf den verstorbenen Professor Gans gespicktem Galimathias die Weisheit der Regierung gleichsam sich selbst die Schellenkappe aufsetztc. In der Hcrrencurie gab die vorliegende Frage dem Cultusminister wieder die erwünschte Ge- Blatt. legcnheit, sein Steckenpferd, die „organischen Bildungen, die korporativen Verbünde" u. s. m. zu reiten. Er suchte geltend zu . machen, daß die deutschen Universitäten nicht bloße Unterrichtsanstaltcn, sondern „organische Ganze", geistige Bildungsanstalten überhaupt seien, die mit Recht von jeher besonderen Bezug auf das christliche Bekenntniß genommen und in dieser Beziehung nicht nur über die Schüler, sondern auch über die Lehrer eine gewisse Disciplin ausgeübt hätten. Er schämte sich nicht, auf die englischen Universitäten indirekt als Musteranstalteu zu verweisen; er deutelte wieder mit Lust an dem Edicte von 1812 und hatte sogar die Schwachheit, zu gestehen, daß er (der Unterrichts nliniftcr) nicht wagen würde, ein Gesetz für die Aufhebung der mittelalterlichen Statutenbcstimmungen der Universitäten anzurathen, wenn nicht die Universitäten selbst „als Corporationen" zustimmten. Indessen hatte die Mehrheit der Ständecurie kein Ohr für die csothcrische Weisheit des Regicrungscomissärs. Der Abgeordnete Mevissen protestirte dagegen im Namen der freien Wissenschaft, die sich nicht zwingen lasse, nur diejenigen Offenbarungen des christlichen Geistes für wahr zu halten, welche dem christlichen Staate genehm seien, dagegen andere Offenbarungen desselben Geistes, welche das weite Feld der Geschichte berge, zu verwerfen. „Ich glaubte," sagte er, „daß es einer der größten Acte der neueren Geschichte gewesen ist, als sich die deutsche Wissenschaft selbst und aus eigenem Rechte für absolut frei erklärt hat. Meines Wissens ist die Zeit in unserem Vaterlandc noch nicht lange her, wo es gerade in der Anerkennung dieser Freiheit seinen Ruhm und seine Ehre suchte. Leider ist mau in den letzten Jahren von jener Auffassung zurückgegangen, man ist heute sogar im Begriffe, wieder zu dem in blutigen Schlachten überwundenen confessionellen Standpunkte früherer Jahrhunderte übcrzugehcn. Es zeigen sich auch sofort Bewegungen und Spaltungen auf dem confessionellen Gebiete. Diese Spaltungen .sind nur die nothwcndigsten Früchte des Geistes der neuerdings in den höheren Regionen unseres Staatslcbcns zur Herrschaft gelangt ist. Ich glaube nicht, daß wir cs, nachdem wir das confessionellc Element überwunden hatten, als einen Fortschritt bezeichnen dürfen, wenn dieses Element in der Scharfe, in der Starrheit wiedcrkehrt, wie cs jetzt geschieht; ich glaube vielmehr, daß diese Erscheinung die unerfreulichste und bcklagenSwcrtheste, die der nationalen Entwicklung feindlichste ist. Wenn zugegeben werden sollte, auch nur einen Moment lang, daß ein bestimmter Geist als christlicher Geist vom Staate dcclarirt werden könnte im Gegensätze zu dem wahrhaft -freien christlichen Geist, der in keinem Jahrhundert in seiner Form, stets aber in seinem Wesen derselbe, der in jedem Moment sich selbst bestimmt und im Laufe der Zeit noch unendlich wmer bestimmen wird, wenn zugegeben werden sollte, daß ein solcher Geist statutarisch durch den Staat festgehalten werden könnte, so wäre cs mit der freien Wissenschaft, mit der freien Entwicklung unseres Volkes, ja der ganzen christlichen Menschheit zu Ende." _ (Fo.tsetzuug foljt.) Nnlnmdignngen des „Freien Vlaltes". gtT Inserate werde» augenommen, sowohl iu unserer Administration, als auch im Auuonceu-Bureau Jtt. Duüe». Verzeichnis christlicher Gewerbetreibender» weiche stch znr Sache des Freisinns und der Rechtsgleichheit bekennen. (Für die Einschaltung in diese Rnbrit ist nicht«;u bezahlen.) freisinnige steht zn Knren Hefinnungsgenc>ssen Josef Steindavher Lau-, psital- und Möbeltischler III i. 8. Georg Schneidens Witwe V o s cr rn e n t i r e r VII S. vurggasse G.\ Atsstemnzsmd VertaifstalJe der weiaiüten KleiDsewerbetreibeoden Wiens VIII/l. Älscrftraße 67. freisinnige steht zu zKesinnungsgenessen. Anton Raab ■3Roöcrrtifc6tcr III J. Richardgasse 1. Ignatz Bernhard Splelivaarknuub - Carlouaze Sr;kuger VII 3. Neudaugaffe 76. Viktor Winter flöbettischler VII 1. 3eibengaffe 35. Josef Kolarz Schnhrnacherrneister X/i. Larenburgerstraße 18. Eduard Ross Wikdhaner n.Hischser XIV/*. Taodgosse II. Johann Svatek 5 d? rt c t 6 c v nt c t ft c v III 1. Uogargafse 4. M. Gibian Ä a n 6 schrr ß:A et ßr i K VII,I. MariaHilferstraße 87. Joh. fcatecky Sdiitfi»« snrIameu-,Amazone»-, fiiqf. LoNnme, Zacken Und Äanlel VII/i. Siedensterngasie 58. Rudolf Stadler ‘j£if{ßrer«tctfjer X I. Eckertgasse *1. b Franz Feine'« Glnvier-fabriK iLchülcr BSseudorfer'«) XIV/». Dreihaubjage dir. 7. Franz Eder Tapezierer und Decoraleur IN,'4. Boerbavegaffe I. Johann Kantner bülgeri. öfaftr, ttfo- »nt?«• zellankandlei VII,1. MariatzUserftrabe loi. Josef Hajek q»«l,zt>la»inllr»menlen - Erzeuger, Äpcciaüll für Äitber-Flole» VIII/l.?crche»selderfiratze 1*1. Eeo Onderka Khstogrnph Xiv/i. Cchönbrunnerfiraße 58. Josef Sehuranzar Anstreicher nreister XV/i. SchAnbruunerstraße 48.

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