Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 207 (22.3.1896)
- Date
- 1896-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Lb«>»r«e»1Sprkl». Klle Oesterreich-U» Dien: ««»tiistrist ...» streue» ist. S-—) Sanftstri, . . . . » «IM» 40 Heller (st. 1.70) vierteltsthrig. . . I Croacn (st. >.—) 8»r k«4 ie>,»»te K»«l«nk: •aniUrig.6 Merl HeWftNg .4 Werk /K (H»|cbu MuniKtii 4 ft. I»lre»klrl« »ries« Werke, »ich! e»ge»»«»>eo 1 - Erscheint an jedem Sonntage. Redaktion und Administration: i.'Ceiltrftütlt 10. Ieserale «erden mit 10 Heller (10 ft.) für die vier, mal gelpeltene Ronp»reilir;eil« berechnet. Meiner stnzeiger »es Werl « Heller (» ft.), »uinehrne von Inserelen in unserer >d»ii»iftr«li»a s»«i« im »»»»»cenbnreeu M. Tule». 1. welljeUe 0. No«»er 207. tvien, 22. März 1896. V. Jahrgang. "* Eisern Merk und eisern ^tirn. Bon Dr. Philipp Kroner (Berlin). Zürn 80. Gr-NriStag deS Altreichskanzlers ist in de» Straßen * Berlin« ein antisemitisches Flugblatt vertheilt worden, ausgezeichnet dadurch,' daß i« zur Abwechslung einmal den Talmud beiseite läßt, dagegen >4».e Bibelstelle als Beweisstück für die Minderwerttziglert der Jaden heranzieht. So unglaublich es nun auch klingt — Jedermann kann sich auS seiner deutschen Bibel davon überzeugen: die tägliche Bibelstelle ist in der Wiedergabe durch da» Flugblatt avrS Gröbste gefälscht! DieS öffentlich frstzustellen hat m r, feitderi ich das Blatt zu Gesicht bekam, am Herzen gelegen; bisher v »hindert, glaube ich eS auch jetzt noch zur Steuer der Wahret nachhol-n zu solle», umsomehr, da zum kommenden 1. April eine neue Massenverbreitung deS Blattes zu erwarten ist. A »knüpfend ’i'i die alte Behauptung, daß eS keine jüdischen 4>tst«i vx; ZinM'e'VN^, Schmiede u. s. w. gebe, daß man über» haup hej der « -mtl»^ Arbeit die Juden niemals finde, sagt d^k o^ugblatt: .Die, ,st „jcht erst seit neuerer Zeit, sondern i« Lande Kanaa,, Fast gewesen: denn I. Samuel, 13, heißt SC, »e.rd göcr kein Schmied im ganzen Lande Israel gefst :<n, and » Irland eine Hacke, Beil oder Sense zu schärfen ■jtOttf, mußten qmabzichen zu den Philistern." — Ich bitte jeden < ffuch SamueliS, 13. Capitel, aufzuschlagen. Wie - . IV und 20, wörtlich? „Und ein Schmied ward / nzen Lande Israels; denn die Philister hatten i[ . *n sonst die Jbrim Schwert oder Lanze hinab ganz Israel zu den Philistern, zu (< e Pflugschar und seine Hacke und sein Beil ' r übersetzt: „ES ward aber kein Schmied r'l' ’ . erfunden; denn die Philister gedachten, 1 ' ' . vert und Spieß machen. Und mußte ganz *\l .en Philistern, wenn Jemand hatte eine E ';f ,’CI Kr der Sense zu schärfen." ch'i..^.')!. . *>. (.lugblatteS hat also einen ganzen Satz, t.r „<n, der den Mangel an Schmieden begründet, weggewffeu, ein lach deshalb, weil sonst schon die Logik eines Schulkindes da« Gegnitheil dessen, was daS Flugblatt behauptet, auS unserer SchriftstUle entnommen hätte: wenn nämlich die Philister besagten, die Israeliten möchten Schwert und Lanze machen, so ist ja sonrrnklar, daß unter den Israeliten etwelche tüchtig und bereit ge mg waren, Schwert und Lanze zu fertige». Ken :r de« Hel äischen wissen, daß das im Urtext deS Verses 1 sich»«)e Bindewort „pen" (= daß nicht, daß nur ja nicht — fiiE - abwendcn, nämlich ein Uebel) die Besorgniß Wlifler und damit die Tüchtigkeit und Arbeitslust der isrtlirlilischen Waffenschmiede noch weit augenfälliger hervortreten läßt abS die deutsche Urbrrsetzung. Und auch ohne in den Geist der Bibelsprache mit ihrem kindlich-anmuthigen Wechsel von Weitläufipkrit und Brachylogie tiefer eingedrungen zu sein, wird man ' ohnsweiter« er).- men, daß der Bericht in BerS 19 abgekürzt und etwa folgende»»laßen zu ergänzen ist: „ES ward kein Schmied im Land« Israeli gefunden; denn di« Philister hatten die Schmiede weggeführt; denn sie hatten sich gesagt rc." Daß die Wegführung der Schiniede iin Alterthum zur Politik der Sieger gehörte, dafür bietet ein ausdrückliches Beispiel II. Könige, 24,14: „Ncbukadnezar führte weg-alle Zimmerleute und alle Schmiede und ließ nichts übrig denn gering Volk des Landes" — ein Bericht, der auch deswegen bemerkenSwerth ist, weil hier die jüdischen Schmiede von dem „geringen Volk des Lande«" ausgenommen werden. In/ der eben entwickelten Auffassung von Vers 19 und 29, Samuel I, 13, stimmen alle Erläutrrer überein. So bemerkt daö »Theologisch-homiletische Bibelwerk", herausgegeben von I. P.Lange, VI. Theil von Dr. Erdmann (Bielefeld und Leipzig, Velhagen und Klasing, 1873), zu unserer Stelle: Hier waren die Israeliten durch sie (die Philister) wehrlos gemacht; denn es ward hier „im ganzen Land kein Schmied gefunden". Die Philister hatten die Schmiedewerkstätten aufgehoben; denn sie dachten: „die Hebräer »nöchten sich sonst Schwert und Spieß machen." Nur die zuin Ackerbau nöthigen Werkzeuge wurden ihnen gestattet, zu deren Schärfung sie zu dr» Philister» sich begebe» luußte». I» gleicher Weise schrieb Porsenna den Römern vor, Eisengeräthe nur zum Ackerbau anzutvende». Das „Alte Testament mit in den Text eingeschalteter Auslegung", herauSgegebe» von August Dächscl (dritte Auflage, Leipzig, Paumann, 1885), hat die Stelle in folgender Form: ES ward aber (seit der Zeit, wo die Philister wieder mächtig geworden waren) kein Schmied im ganzen Lande Israel erfunden; dmn die Philister gedachten, die Ebräer möchten (wenn wir ihnen ihre Schmiede lassen) Schwert und Spieß machen )um den Kampf mit uns aufzunehmen) :c. 'Der „Kurzgefaßte Eommentar zu den heiligen Schriften Alten undNcuenTestainents", herausgegeben von den Professoren der Theologie Dr. Strack und Eonsistorialrath Dr. Zöckler (Nördlingen, Beck, 1887), läßt sich über BerS 19 und 20 also aus: Eine ZustandSschilderung, welche unS zeigt, »vie entblößt von Mitteln der Gegenwehr der israelitische Bauer den brandschatzenden Horden dazumal gegenübergcstanden hat. Dieser Zustand BerS 19 ff., verbunden mit der BerS 17, 18 berichteten Thatsache, thut die Nothwendigkeit und die unvergleichliche Bedeutung deS Heldenstückes Jonathans und der daran angeschloffenen Kampfesarbeit, des Saulischen Israels dar, mit welcher der Unerträglichen Roth ein Ende bereitet »vurde. In demselben Sinne hat auch die Geschichtsschreibung unsere Quellenstelle verstanden und zugrunde gelegt. So heißt eS in der Darstellung von Georg Weber (Allgem. Weltgeschichte, Leipzig, Wilh. Engelmann,. 1882, Bd. I, S. 624):' Und diese Entwaffnung wurde von den Philistäern mit solcher Vorsicht durchgcführt, daß sie nicht einmal Schmiede in dem unterworfeneil Landstriche duldeten, so daß jeder Hebräer in die Städte der Philistäer hinabgehen mußte, um seine Pflugschar und seine Hacke und sein Beil uud seinen Spate» zu schärfe». Also mit der Bibel als Belegbuch für die Behauptung de« fehlenden Handwerkes in Israel ist iS nichts! WaS eS überhaupt mit diesem Vorwurf auf sich hat, kann im „Antisemitrn- Spiegel" (Danzig, Kafeman», 1892) nachgelesen werden, wo in dem Capitel über die Juden als Handwerker und Ackerbauer (S. 99—108) erwähnt ist, daß Deutschland die Juden vom Handwerk ansschloß, daß es in Deutschland — nicht ohne die