Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- V (1896)
- Issue
- 205 (8.3.1896)
- Date
- 1896-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Freies Blatt. Seite 10. Ende dieser Erpeditiou ist bekannt. Spitzbergen wurde entdeckt, Novaja- ^cmlja umsegelt, aber die schiffe wurden im Eise zerdrückt, der Führer starb, und nur zwölf Manu kehrten nach Europa zurück Fast an allen amerikanischen Polarerpcditionen der Neuzeit haben bilden theilgenommen. Unter Kane's Begleitern im Smith-Sund 1853 befanden sich die Inden Gary und Becker. Letzterer war einer der Thcilnchmcr jener verunglückten Schlittenpartie, welche bei —35" K. tut. Schnee begraben, geschwollen und verstört, unfähig zu sprechen, erstarrt und verhungert am 20. Mär; liegen geblieben waren. Es wäre unmöglich gewesen, die Armen aufzufinden, wenn nicht eine kleine Ircimanrcrslagg'e die Stelle bezeichnet hätte, an welcher die Leute unter dem Schnee lebendig begraben waren. August Sontag, im Jahre 1859 zweiter Tircctor auf der Tudley- Slcrnwarte in Albany, opferte seine. Stellung, um sich dem Tr. I. Haycs auf seiner Fahrt zum Nordpol 1800 anzuschließen. Auf einer Schlittenfahrt mit einem Eskimo fand er im Teccmbcr desselben Jahres im Alker von 28 Jahren bei Sorfalik unterhalb Cap Aleraudcr seinen Tod. Tr. Hayes ehrte das Andenken seines Geführten in folgender Grabschrist: „In der traurigen Einsamkeit der arktischen Wüste schläft unser Kamerad den Schlaf, der in dieser geplagten Welt kein Erwachen kennt, hier, wo keine liebenden Hände Blumen auf sein Grab streuen und keine Augen von Thränen sich trüben. Aber die sanften Sterne, die er >», Leben so liebte, werden über ihn ewiges Todtcnamt halten, und die Winde werden über ihn jammern, und die Natur wird ihre gefrorenen Tbränen ewig auf sein Grab fallen lassen." Und weil hier schon von einer Grabschrift die Rede ist, so sei auch des Nachrufes gedacht, den Adolf Grcely dem Astronomc» der Lad» Franklin Bay-Erpedilion 1d81—1884 Eduard Israel widmete. Tiefe Polariahrt war eine der unglücklichsten, denn zwei Drittel der Theilnebmcr sind bei Eap Sabine elend verhungert, darunter auch Eduard Israel, lieber diesen schreibt Grcely wörtlich: „Israel war ein junger Mann von einigem Bcrmögcn, graduirt an der Ann Arbor-Universität, ein vielversprechender Astronom, der eine Zukunft vor sich hatte. Sein Tod ging mir sehr nahe, denn während der langen Monate, da er mein Schlafgcnoffe mar, hatten seine freundlichen Worte dazu bcigctragcn, mich zu crmuthigeu. Er hatte sich bei Jedermann beliebt Nr. LOS. gemacht, und bei Sabine nannten wir ihn oft unseren Benjamin. Seine Dienste waren sehr werthvoll für unsere wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungsreisen. Beim Lesen des Bcgrübnißformularcs ließ ich Alles weg, was seinen Neligionsgenoffen anstößig sein konnte." Taß der Arzt der österreichisch-ungarischen Polarcrpedition, 1872 bis 1874, Dr. Kepcs, ein Jude war, ist bekannt, lieber seine wichtigen und erfolgreichen Dienste als Arzt und Zoologe hat sich Payer in seinem populären Buche äußerst lobend ausgesprochen. Auch Hall und Nares zählten Juden zu ihren Begleitern, und wenn es unmöglich ist. Alle aufzuzählcn, die als Polarfahrer ihr Leben gewagt und dabei Inden gewesen sind, so hat dies wohl darin seinen Grund, daß die Wissenschaft mit Recht nicht nach dem .Glaubcnsbekcnntuisse fragt, sondern die Tüchtigkeit nimmt, wo sie zu finden ist. Soweit unsere Berllncr Abwchrcollcgin. Jedoch ungleich wichtiger und in der Wissenschaft von bedeutenderem Werthe als alle die eben angeführten Bemühungen der gedachten Nordpolrriscuden sind die Forschungsergebnisse eines aus Berlin stammcndcu jüdischen Ethnographen und Sprachforschers, Tr. F. Boas, der gegenwärtig Professor der Elark Universität zu Worcestcr, Mast., ist und eine ungewöhnlich umfangreiche wissenschaftliche Thätigkeit im Dienste des „Onreau ok American iitimoloof) " entfaltet. Boas verweilte drei volle Jahre unter den nördlichsten Eskimostämmcn Amerikas und den Ehinook- Indianern,^) ergründete deren Sprachen, Sitten und Gebräuche und beschreibt sie wie noch Niemand vorher gründlichst mit einer Sach kcnntniß und Wissenschaftlichkeit, die unter allen Ethnographen der Welt nngethcilte Anerkennung findet. Die gewaltigen physischen Beschwerden seiner Reisen schilderte er nur einmal, kurz und trocken. Für seine außerordentlichen Erfolge zeugt auch der Umstand, daß Tank seinen Forschungen die Eskimos in den Bordcrgrnnd ethnographischer Behandlung gerückt erscheinen. 1'. 8. K. I Sorben ist vo» der Smithsonian Jttstilnlio» ZN Washiligion ei» Band „Chinook Texts Oy Franz Boas“, 278 ®. und zwei Photographien, Gr.-8", herauSgegrbe» worden, ein Werk, das für die Erkennlniß der priniiiive» religiöse» Mache» »ordamerikanischer Indianer äußerst schätzbar genannt werden muß. Nnkündigungen des „Freien Vlattes". Inserate werden angenommen, sowohl in nm'erer Administration, als auch im Annoncen-Bureau §kt. 5 alte«. Etablissement ONACHER. ~ Tiiglich ~ ausserordentlich reichhaltiges Programm. I ‘aa>a>KroflFnung 7 Uhr. Beginn präcite 8 Uhr. Soeben erschienen: Collection de-„Ireien Wtcrttes . Sand III. Hkiimch geitte und ber Küblii uonßndjorart). Bon Gustad ttarpelcs In einer geringen Anzahl find noch vorräihig: Sand II. üliMlisiniis, pirtirinns, Jlittifcmilisnuts am (Lnde Ses XIX. Jahrhunderts. Bon Ernst Victor Denker. Prri» für jeden Band der Collection: sür Oesterreich-Ungarn ö. M. ft. 1.—, für daS gesammte Ausland 2 Mark. Band I der Collection: . A. £erat)-0eattliett: Die Juden und der Antisenntisniu- — Israel unter den Nationen -ist beinahe gan; vergriffen. - 's Qrpb.e-u.33a Direetion: F. Kriebaum. Rossan, Wasagasse Nr. 33. — Telephon 636. Täglich.: Internationale Künstler-Vorstellung. Neues Programm« -WM .Anfang s/s8 Uhr. Caa«a-KrfitFnnDg > ,7 Uhr. Musikinstrumente und Saite» vielfach prämiier, empfiehlt unter vollständiger Garantie, feinster Qualität und Ausführung zu billigsten Preise» sie Musikinstrumenten- und Saiten-Jubrik Josef Sieherihiiner IN Zchönbsch ä3r. 372 bet Lgcr (tvöliinen). Schnigeige« (ohne Bogen) liefere von fl. 250, 3, 4, 5 bis fl. 10 Orchester- Lanrert-UioUnen von st. 10. 12, 15, 20 bis fl. 100. Zither« von fl. 6, 7 10. 12, 15 bis fl. 100. glluftrirte Preiscourante gratis und srauco. — Bedienung prompt und reell. Unzählige Anerkennungsschreiden stehen mir zur Seite. Volksfreibibüotbeken erhalten über Verlangen eine Anzahl des Wertteilen» : Wiener Geschichten von Adalbert Haffner M»««. (1 SM_ ,4. Diesbezügliche Zuschriften sind zu richten an A. Haffner, X. Himbergerstrasse 22.