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Freies Blatt · 1896-02-09 · 201 (9.2.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
201 (9.2.1896)
Date
1896-02-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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flbointmtnUptti«. f$tr Deflerreld).Ungarn: Saniilkrig ... 6 Kronen (fl. S.—) ßalblotoig .>...» Kronen 40 Heller (fl. 1.70) Sicrtelilkri) ... 1 Kronen (fl. 1.—) ftflr ko» gefammte Anslond: Qaniiltrig.6 Mark Hol»t»bri, .4 Mark Einzelne Nummern S kr. llnfronklrle Briefe werden nicht angenommen. Erscheint an jeden: Sonntage. Redactton und Administration: l. Ceilerslättr Iv. dnferate werden mit ro Heller (io kr.) iür die vier, mal gefpoltene Nonpareille,eile derechnet. Kleiner Anzeiger da» Wort 4 Heller (» kr.). Ansnahme von Inseraten in nuferer Administration sowie im Annoneendureau M. Luke». I. Wall,eile l>. Nummer 201. Wien, 9. /ebruar 1896. V. Jahrgang. Die Wiederzulassung der Juden nach England. Bon Karl Blind. ' Zur Erinnerung an die erste Wiederzulassung der Juden in England unter dem Cromwell'schen Freistaat sindet am 9. d. M. in London eine Versammlung deS „Jüdischen GeschichtS- VereineS" statt. Eine Ausstellung der auf dies Ereigniß bezüglichen Schriften ist dabei beabsichtigt. Zur Ehre der „(lommonrvealtk" spricht eS, daß unter ihrem Oberhaupte, nach mehrhundertjähriger Verbannung sämmtlicher Israeliten aus dem Gebiete des Königreiches, wenigstens eine Anzahl Leute des schwer verfolgten Stammes die Erlaubniß zur Niederlasiung wieder erhielten. Cromwell'S persönliches Eingreifen war dabei entscheidend. ' Mit den Normannen waren Juden zum ersten Male als eigentliche Ansiedler herübergekommen. Ihre Stellung glich derjenigen in manchen anderen Ländern: sie waren rechtlos vor den gewöhnlichen Gerichtshöfen, ausgeschlossen von den Wohlthaten des Gesetzes, nicht Bürger des Staates, in dem sie lebten. Der König schützte sie. In einem Saale deS Westminster-PalasteS wurden die in ihrem Besitze befindliche» Verschreibungen zur Sicherheit aufbewahrt. Gegen den von finsterem Pfaffenthum geschürten religiösen Pöbelhaß deckte sie die fürstliche Macht. Dafür waren sie aber des Königs Kammerknechte; ihr Leben und ihr Vermögen hing unbedingt von seiner Willkür und seiner Gnade ab. „Daß der Aufenthalt deS Juden" — schreibt Richard Green in seiner Geschichte deS englischen Volkes — „wenigstens in der frühen Zeit seiner Niederlasiung dem Reiche im Allgemeinen von großem Bortheil war, unterliegt keinem Zweifel. Seine Ankunft bedeutete die Ankunft eines Geldbesitzers; und obwohl der WucherzinS, den er bei der allgemeinen Unsicherheit der Zeiten nothwendiger Weise verlangen mußte, ein hoher war, so gaben seine Darlehen doch dem Gewerbfleiße einen Sporn, wie ihn England vorher nie gefühlt hatte. Daö auf die normannische Eroberung folgende Jahrhundert erlebte eine plötzliche Blüthe kräftiger Baukunst, die daS Land mit Schlössern und Kathedralen bedeckte; und beide verdankten ihr Dasein den Darlehen des Juden. Dem einfacheren Hausbau gab sein eigenes Beispiel eine neue Richtung. Die Gebäude, die noch heute, wie zum Beispiel in Lincoln und Edmundöbury, den Namen ,Inden-Häuser' führen, waren fast die ersten Gebäude auS Stein, die an die Stelle der bloßen Hütten englischer Bürger traten. Aber nicht bloS auf die Entwicklung deS GewerbfleißeS wirkten die Juden ein. Durch ihre Verbindung mit den jüdischen Schulen in Spanien und im Osten eröffneten sie den Weg für die Wiederbelebung der Naturwissenschaft. Eine jüdische Anstalt für Heranbildung von Aerzten scheint in Oxford vorhanden gewksen zu sein. Roger Bacon selbst studirte unter englischen RabbiS. Für die Könige freilich war der Jude einfach eine Finanzmaschine. Der durch seine Thätigkeit erworbene Wohlstand würde ihm entrissen, so oft die Krone desien bedurfte; und Folter und Gefängniß wurden angewandt, wenn milderes Ansuchen mißlang." Entsetzliche, durch Pöbelaufstände begangene Riedermetzelungen und Ausplünderungen von Juden erfolgten im späteren Mittelalter. Eine Zeitlang suchte die königliche Gewalt diesen, ihrem eigenen Vortheile schädlichen Ausschreitungen Einhalt zu thun. Doch zuletzt wurde eine Verordnung nach der anderen zu Ungunsten der Gehetzten erlassen. Der Erwerb von Grundeigeulhum war ihnen verboten. Christliche Dienstboten durfte» nicht in ihren Häusern weilen. Auf der Straße mußten die Juden mit weißwollenen Abzeichen auf der Brust erscheinen. Es wurde ihnen nicht gestattet, neue Synagogen zu bauen, mit Christen zusainmen zu speisen oder den ärztlichen Beruf bei Christen auSzuüben. Warfen sie sich, von allen Seiten eingeengt, auf den Geldwucher, so drohte ihnen die Todesstrafe. Zuletzt, im Jahre 1290, ließ sich Eduard I., am Vorabend eines Krieges gegen Schottland, dazu herbei, gegen die Gewähriing einer von der Geistlichkeit und der Laienschaft aufgebrachten hohen Geldsumme zur Bestreitung der Kriegskosten die Juden sogar sammt und sonders auSzutreiben. Die dabei vorgekommenen Scheußlichkeiten, für die der König übrigens nicht verantwortlich zu machen war, da er die Missethäter mit dem Strick bestrafte, spotten aller Beschreibung. „Von den sechözehntausend Juden," schreibt Green, „welche die Verbannung dem Abfall von ihrem Glauben vorzogen, erreichten nur Wenige die Ufer Frankreichs. Viele erlitten Schisibruch; Andere wurden beraubt und über Bord geworfen. Ci» Schiffshcrr warf eine Anzahl wohlhabender Kaufleute auf eine Sandbank und.hieß sie einen neuen MoseS anrufen, der sie auS dem Meere erretten solle. Von Eduard'S Zeiten bis auf die von Cromwell setzte kein Jude mehr den Fuß auf englischen Boden." Diese Austreibung hatte am Ende deS dreizehnten Jahrhunderts staltgefunden. Nicht ganz genau ist cS wohl, zu sagen, daß kein Jude mehr in dieser langen Zeit den Fuß aus englische» Boden setzte; denn man weiß, daß die Königin Elisabeth einen jüdischen Arzt, Rodrigo Lopez, herüberkommen ließ — wie ja damals Israeliten als Aerzte auch von anderen Fürsten, ihrer Geschicklichkeit halber, oft berufen wurden. Indessen wurde Lopez unter der Anklage eines angeblich gegen die Königin gemachten VergiftungSverfucheS, der nach heutigen RechtSbegriffen nicht im Mindesten erwiesen war, schuldig gesprochen und hingerichtet. Außer Lopez kamen auch in jenen Tagen hie und da noch ein paar andere Juden in England zum vorübergehenden Besuche an. Ihr ständiger Aufenthalt niar indessen nicht erlaubt. Nachdem Karl Stuart als „meineidiger Tyrann, Mörder und öffentlicher Feind der Nation" gerichtet war, brach für die das Recht der Rückkehr »ach England erstrebenden Juden eine besiere Zeit an. Von Holland her, wo die Israeliten spanischer und portugiesischer Abkunft eine Zufluchtsstätte gefunden hatten, wandten sie sich mit einer Zuschrift an das Haupt des englischen Freistaates. Crom well gewährte ihnen die Erlaubniß, einen Bevollmächtigten nach London zu schicke», um ihre Wünsche geltend zu machen. -Er selbst war aus menschlichen, religiösen und staatlichen Gründen von vornherein ihrer Wiederzulassung geneigt. Als Fürsprecher der Juden in Holland kam der, 1604 in Portugal geborene, mit Mühe den Klauen der Inquisition entronnene Menasseh ben Joseph den Israel auS Amsterdam »ach London. Er hatte damals bereits nahezu sechzig Werke jn hebräischer, spanischer und englischer Sprache verfaßt und war ebenso in der Gesetzeskunde seines Volkes, wie in der Heilkunst bewandert. An Glücksgütern war er wenig gesegnet. Da die heilige

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