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Freies Blatt · 1896-01-26 · 199 (26.1.1896) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
V (1896)
Issue
199 (26.1.1896)
Date
1896-01-26
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Frei«» Statt. Nr. 199. Seit« 10. geschichtlichen und raceneigenthümlichen Berechtigung zu verschaffen, haben entweder von den einst bestandenen wirklichen Verhältnissen keine Senntniß, oder wenn sie schon eine davon besitzen, verschweigen sie sie wohlweislich. E« ist albern und ungerecht zugleich, den Kindern die Sünden ihres BaterS entgelten ,U laffen, da» nicht-würdigste Vorgehen aber liegt darin, di« Juden in.deutschen Landen dasür zur Rechenschaft ziehen zu wolle», weil deren wirklich« oder gemuthinaßte Borfahren in Chaldäa oder Palästina vor drei oder gar vier Jahrtausenden — wie die« auS der sagenhaften Uebrlieferung zu schließen erlaubt jst — und Menschenopfer ihren Göttern darzubringen pflegten. Um mit wie viel gtößeier Berechtigung — wenn von einer solchen überhaupt die Rede sein dürste — könnten dieselben Hetzer und Racenbolde gegen sich selbst wüthe» und sich al« den Absckaum der Menschheit darstellen, wenn sie daraus hinwiesen, daß ihre eigene» — ich muß wieder sagen: wirklichen oder gemuthmaßten — Borsahren noch vor wenigen hundert Jahre» in einer noch greulicheren Weise, al« die» ,um Theil beim serbischen Bauernvolke heutigentags Vorkommen kan», de», abscheulichsten Cult ergeben waren, au» deffen Verworfenheit sie einzig und allein durch die jüdische, beziehungsweise christliche GotttSlehre gerettet wurden. Dr. DK Höfter, einer der namhaftesten Erforscher deutschen BolkSthum«, deffen nmfaffende U»tersuchungen über BolkSmedicin, Baum- und Feldculte und Wunderglauben der Bajuvaren zum Grundstock der Bibliothek eine« jeden deutschen BolkSforscher» gehören, veröffentlichte jüngsthin im „Correspondenz- Blatt der deutschen anthropologischenGesellschaft" (Braunschwe'g 1806, Nr. 1> eine Studie zur Opfer-Anatomie der Germanen, die für ■ die Kenntniß de« altgermanischen „BlutritualeS" (um im Antisemitenjargon zu reden), ungemein wichtig ist. Dr. M. Höfier bespricht daS Menschen- und Thieropter. die Ablösung der menschlichen, blutigen Opfer, sowie die Berwendung von Blut, der ^Bauchhöhle, der Eingeweide, der Milz, der Genitalien, de« Gehirnes und der Knochentheile im Culte. Wir entnehmen der Abhandlung ein Stück zur Belehrung unserer Leier: *) »Die Zeugnisse der allen Schriftsteller, die Gebräuche und Sitten de« Volke», seine Sagen und nicht zum geringsten die BolkSmedicin lasten keinen Zweifel mehr aufkommeu an der Thatsache, daß die Germanen blutige Menschen- und Thieropfer hatten, die sie ihrem höchsten Gotte an bestimmten Tagen (Eultzeiten) darbrachten; solche Opfer verschwanden gewiß nicht spurlos; mit der Klärung der Religiou»spsteme trat bei ihnen wie bei allen Völkern eine Tendenz zur Ablösung dieser Opserformen ein. Seßhastmachung, Ackerbau und Liebzucht hatten schon längst die' vollen blutigen Opfer eingeschränkt und da» Menschenopfer durch da» Tbieropfer zum Theil ersetzt; mit der zunehmenden Werthschätzung de» selbstgezüchteten Thiere«. aber wurde auch das HauSthier durch andere Tbiere und pars pro toto durch stellvertretende Theile der letzteren ersetzt, bi« da» Bild (an« Teig, Wach» oder Edelmetat. :c ) und zuletzt die Münze auch diese Opferform ablöste. Die Stufen dieser AblösungSvorgange» waren je nach dem wirthschasilichen Bedürfniffe verschieden rasch; ein vom Verkehr abgeschloffenere» Volk batte sicherlich auch zu TacituS' Zeit noch primitivere' Opserformen alS e n gleichzeitig lebendes, aber tvirthschaftlich verschieden gestellte« anderweitiges Volk; ein Aderlaß, der zur Lultzeit an einem Pferde vorgenommen wurde ersetzte z. B bei einem Volke bereits das Pferdeopfer, daS andere gleichzeitig lebende Völker noch in vollem Umfange darbrachte». Selbst unter den zum Christen thume bekebrren germanische» Stämmen dauerte der Gebrauch, Kriegsgefangene zu opfern, noch fort, da nian in Fällen der Noch immer wieder zu den allererbten, mit der ganzen Volksüberlieferung im Zusammenhang stehenden Opfermitteln, die schon de» Allvorderen sich bewährt batten, zurückkehrte, allerdings in immer abgeblaßterer und abgelöstererZForm. so daß >'elbst die Kriegsgefangenen, durch Wachsketten symbolisirt, in christlichen Zeilen nur mehr der Culistelle vorgestellt wurden, wie man beim Thiere bloß mehr die auSgeristenen Kopfhaare verbrannte: denn so lange diese Ablösung innerhalb der Lultzeit und am Cultorte sich vollzog, verlor selbst da« dürftigste Opfer Rudiment nichts an deinem Werth« als Cultheilmitiel. Ein Opfer nun, daS sich am längste» wohl in voller Fprm erhalten haben dürfte, war daS KindeSopfer, dessen Existenz bei "> Von einem Abdruck der Belegstellen wird hier Abstand genommen und die Leciüre de« ganzen Artikels im Correipondenz-Blatt hiemit empfohlen. denBermaaen'au« denBölkSsagen sich erschließen läßt und bei dev Nordgermanen sogar geschichtlich bezeugt ist. Da« KindeSopfe: war vielleicht das letzte blutige Menschenopfer unserer Ahnen, für die da« Leben eine» solchen unter Umständen weniger Werth hatte al« da» deS Erwachsene»; erstbie Capitularien Carl» deS @roßen und die Gesetzes dcr.Westgothen setzte« den Kindermord dem Menschen in.» r d e gleich. DaS Kindelopfer war aber auch vielleicht eine« der ersten Opfep, da! durch Stellvertretung (Thier, Kleid, Nachgeburt, Haar, Gebäcksiguren r(.) zur Ablösung gekommen war; die ungetauften, heidnischen Kinder aber bfieben noch lange, wenigsten» im Volksglauben, ein Opfer der kinderraubenden Dämonen. Mit dem Kindertode vollzog sich da»' der Gottheit gebührende volle Opfer; so erklärt sich auch die Umwandlung der nicht getaufte» Kinder in Kobolde, Bilwize und Heimchen, dir im Kinderzuge der Berchta-Stampa-Holda auftreten, und so erklären sich auch die Sonntag»-, Freitag»- und MoutagS-Kinder, die die Berchta-Sta'mpa in den Goeb-(Kinder-) Nächten oder in anderen unglücklichen (weil heidnischen Cult-)Tagen als Rache für da« versagte volle Opfer sich holte, nachdem sie sie vorher gekennzeichnet hatte; daher da« Hineinwerseu von Kinderteigfiguren in die Gluth deS als persönlich gedachten Feuer»; daher der Kindesvenvürger und Kindlifreffer al» Aratzengestalten auf Brunnensäulen; daher der Bubenschenkel am Rhein al« Cultgebäck, daher dzr Kindsfuß al« Opfcrgabe in den heiligen Winternächten (Stralsund); daher der Blutschinken al« kinderraubender, bluttrinkender Dämon in Tirol (oonl: Paedowantia — Divinatio in viSceribus p'uerorum, weyssagung in adern der Kinder); daher die Berchta, sdie den Kindern den Bauch anfschneidet mit dem Eisenmeffer u. s. f. Wenn derartige LolkSsagen deutlich genug die Existenz de« KindeSopfer» bekundeten, sq ist die» noch niehr gegeben durch dir auS dem Eultopfer sich ergebenden Bolkrsiiittel: Das blutige Cultopfer, da« vor Allem der unsichtbaren Gottheit gehört«, mußte iin Volksglauben zum unsichtbarmachenden Zanbermittel werden; daher soll nach heute noch bestehendem Volksglauben der Kinderfinger (pars pro toto) unsichtbar machen oder da» Kinderherz, oder dar Armesünderfett, oder die geräucherten Abschnitte au» Herz, Lunge, Leber oder Niere rc. So wurden die Rudimente de» Menschen-, Kinde«- uud Thieropfer« volkSmedicinische Mittel; e» ist hier nur zu erinnern an daS Blut der Hingerichtete», an die Knochen dieser Sühnopfer, an die pnlverisirten Kindesbeine, an die Todlenknochen, die „im Loh" gefunden werden rc., an die abgeschnittenen thierischen Genitalien (auch par» pro toto), die alle einen hohen votk«medici»ischen Werth haben Die Ablösung der menschlichen blutigen Opfer vollzog sich durch da; (volle und theilweise) Opfer de« HauSthiereS und sank zur Frosch-, Maulwurf-, Fischrc. Tödtnng, die al» Heilmittel ihr Vorbild nur im Cultopfer der HauSthiere haben konnte, herab; selbst die Knochen, die beim späteren Culteffen abfielen und im Tischtuch« an die Obstbäume auSgeschüttet wurden, sind nur -Ablösungen der Tcdlenkuochen innerhalb der Thierhaut rc. Wie daS volle Cultopfer die Gottheit versöhnen und die Dämonen ferne halten sollte, so übertrug sich dieser Volksglaube im Laufe der Generationen auch auf daS Opfermeffer, da« al« eisernes Messer, al» geschliffene- Beil, al« Sense oder Sichel Dämonen vertreibt, namentlich wenn er mit Blut oder Fett befleckt, mit drei Kreuze» versehen und vererbt, nicht verschenkt ist. In der BolkSmedicin erinnert jede« solche Mittel ganz deutlich a» seine Abkunft vom vollen blutigen Cultopfer, und wir dürfen mit aller Bestimmtheit auS dem Rudimente auf da« volle ursprün^iche Opfer zurückschließe»." Dr. P. 8. K. Briefkasten. 8. P., XVIII. Nein, eine „musikalische Abwehraclion" von anderthalb Spalten gegen einen „Liechtenstein-Marsch" ist weit mehr, al» unsere Raumverhältniffe un» gestatten. Einsrndrr von Drckcrt-Artilcln und -Notizen. Wir haben Ihre Zuschriften mit lebhafter Befriedigung gelesen, können sie aber leider nicht zum Abdruck bringen, da wir keine Lust verspüren „für« LandeSgericht zu arbeiten". I., Baden. Flora Gaß ist ebensotvenig Jüdiu al» Frau Friedmann. Dagegen gehört Frau Philippine sammt ihre» Neste- Inhalt zur Nachkommenschaft deS Herrn Schmuel Leeb Kohn au« Pohrlitz. Nach Brünn. Kommt in nächster Nummer. Adolf <8., Berlin. Einverstanden. Nnkttndigungen des „Freien Blattes". IS" Inserate werte» angenommen, sowohl in unserer Administration, alauch im Annoncen-Bureau M. Duke«. Etablissement ONACHER. _ T;"iglich ausserordentlich reichhaltiges Programm. Dasa.sejr's Qrpb,@vt:«a. Direction: F. Krlebwum. Rossan, Wasagasse Nr. 33. — Telephon 636. TjlglicH: Internationale Künstler - Vorstellung. Heues Programm. CaMa-Eröffntjng Ubr. hivITuudk 7 I br. H«ginn prifcci»e Uhr. Anfang ‘/«& Ubr.

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