Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 193 (15.12.1895)
- Date
- 1895-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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.freie» Blatt. Nr. 193 reite H. . zu revidircn und den Geschäftsgang zu controliren. Ich Hane schon früher die Behauplung ausgestellt, daß er bei dieser Gelegenheit für statnlenwidrige Geschäfte Tanti« men bekommen hat, die er nicht zu beanspruchen hatte. Er hat also die Gesellschaft geschädigt. Wenn ein solches Mitglied selbst die Easte schädigt, so wird mau wohl erkennen können, daß das ein Zustand ist, der nicht zu' segensreichen Folgerungen führt. Tie Bezüge, die Herr v. Hanimersteiii für die nur zweimalige Revision erhielt (dieselbe sollte jeden Monat stattsinden), 'ollen;’>000 Mark in einem Jahre betragen haben Wenn es wahr wäre, daß er nur Rapiere gegen Pfand hinterlegt hat, daß er also nur irrthüinlicherweise die Hagelversicherungsgesellschast, deren vorsilrendes BerwaltungSniitglied er war, für eine Mobiliarereditbank gehalten hak. würde nicht verständlich fein, weshalb er so plötzlich leinen Abschied hak nehme» müssen. Tie Gründe der; Entlassung, die vor jetzt fünf Jahren stattsand, find in einer vertraulichen Sitzung des AusfichksrakheS zur Sprache gekommen. Tie Borstandsmitglieder bat,eit beschlossen, einen solchen Mann, der seine Finger von fremdem nicht hatte la's.n können, tu bestimmen, sei» Amt niederznlegen. Einer von ihnen erhielt den Auftrag, sich ist die Höhle des Lrw.'i, tu begebe», rhm sein Sündenregister rorzuh.rltdn und ihn auftniotde'.n,. freiwillig auS seinem Amte zu scheiden, dstmit er nicht in ö'ienililster Sitzung, dazu gezwnnden werde. Al-' des Herk das vortrng, soll Hrr r H a in in er si e t n znnäch si nach der Pistole g? > ch i e l k und d . n' H e r r n gefragt haben, o b> d a s e t ro a c i n Angriff g-'gen leine Ehre sein solle. T^r Herr wird ein >e!n ernstes «Besicht gemacht haben, als er ihm erwiderte, ein Angriff auf 'Anne Ebre wurde damit nicht verbunden sein. .Rnn denn,' antneri.'e daraus v Haminerstein, .wenn ein Angriff aus meine Ebre damit n i di t verbunden i st, u n r e r s ch r g i b e ich meine Entia'fung' Taraus geht zur Geinige hervor, daß die ' E b a ra k: e r e i g e n s ch a f te n dieses Herrn, vier noch vier Iabr: an der Spitze der consrrvativen Partei blieb, n; di t g a n t unbelannt gewesen sein können." —-In der Sitzüng des deutschen Reichstages vom 1-'. d M. wurde eS von dem Führer der süddeutschen' BolkSpartei sowie von särialdeinokralischer Teile 'charf gerügt, daß die preußischen Gerichtsbehörden den Freiberrn v. Hainnierstein. diesen „rKitter ohne Furcht, aber nicht ohne Tadel", wie il n Eugen Richter nannte, laufen ließen. Man sprach 'von . Elafsenjustiz", wogegen Minister Schönstedt, selbstverständlich vroiestirte. Zur Rblvtbrbtwtstllllst in Hcslcll. Wie unseren Lesern Ivohlbe.'anni ist. hat der um die Abwehrbewegung in Hessen hochverdiente Archivar Tr. Winter schon vor längerer Zeit Marburg verlasien und w'rkt seither . int Interesse der Rechtsgleichheit , in Magdeburg. Run wurde Professor Tr. Stengel, der sich gleichfalls um die Bclämpsitng deS Antisemitismus sehr verdient gemacht i hat, von Marburg nach GreitSwald versetzt. Für Männer, wie Winter und Stengel :st ein Er''av nicht io leicht zu finden. Wen» wir trotzdem die Hoffnung hegen, daß der Antisemitismus in Hessen nicht wieder einen Aufschwung nehmen" werde, so beruht sie darauf, haß die Streber, ^welche den einstigen hessischen „Bancrnkönig" entthront und deS '.Endes verwiesen haben, ' seine Findigkeit nicht besitzen und außer Staude sind, in gleicher Wei''e das Bolk zu verhetzenj 2lus antisemitischen Vereinen und l?ersannnluNaen. -Moderner Grschäfisschwindcl.' Ter Verein „Tewische Presse", an te'ü-n Svitze der zucker'üße B a r e >t i h e r sieht, hielt vor einigen Tage» Ver'äinmlnng ab, in welcher der aus Berlin verschriebene Schriftsteller vaoi T eb ».einen Vortrag über das Tbeina zum Besten gab, dar er schon Waneerredner ,n vielen Provinzialstädten behandelt hanle; er sprach über modernen «s>e'Pä-is'd»viiidel. Nack den in Äntisemiteublätterii vorliegenden Beilen unterließ es ,edoch Tebn, die Schwindeleien de» flüchtigen Freiherrn A i m m e r fte i » zu berühren, und erwähnte auch mit keiner Silbe des Fä-.les Wald,' der in Hamburg viel Aussehen erregt. Wald, welcher v.;' e :u Bertin Ni den antisemitischen Größen zählte, redigirte dann die Hamo.iraer Hetzblätter „Abwehr" und „Teut'che Reto-m": nun wird er steckbrieflich :'? .-(c..-,t. ix ei. er äautions'chwindeleien inid Wechielfälichungen verübt hat und außerdem verdacht!.: erscheint, mit einem SchwindlerconsortiAm in Verbindung ieüanken zu ''ein. welches bei Rennen Totali'ätenr-Tilkets fälschte. Nach dem voeiß-öche» Gaste ergrfsfen österreichische „Anti-Corruptiouisten" das Wort: Pä'.il b. P a ch.e r, vor nicht langer Zeit mehrfacher BerwaltvngSrath, Gründer und tt'nndator: Rudolf Polzhoser, der auf die Hebung her Bolksmoral beoa.ch'.e Brantweintchänker: der >'o sittenstrenge Lno S teinwender und der erste Publicin von .stlagensiirt, Ioief Wolsgang Tobernig. Sie fühlten eine so christlich-sociale Sprache, als ob sie zu den Zierden des „sdaiholisch-constitnlioneUen Vereines" ans der Wieden, des Scherzer-Vereines, gehören würden. Die Jiinglschechen lehne» eS freilich ab, der Führung eine» V u e g e r zu folgen. Aber deutschen Männern wie Pacher und Sleimveiider ziemt eS, sich vor dem Wiener Antisemitenhäuptling, den einst ihre l^enossen de» ^Wagen- Ihürtaufinacher" genannt haben, zu beuge». Pacher käme in Wien ohne Lueger nie zu einem Mandate, und Sleinwender ist für die schonungSvolle Bebandlung, welche 'einer Eigenart von sonst rücksichtSlo>er Seile zulheil wird, zu Tank verpflichtet. 'Tie Nclkrn-Tamcn.) Die diesjährige» Versauinilungen der Nellen-Damen solle» zwei Fliegen mit Einem Schlage lödleu, und zwar: I. vor Weihnachleu jüdische Geschäftsleute schädigen, 2 die am 28. November eingeleitete Heye gegen die liberale Presse fördern. Ain Tage Maiiä Empsänguiß wurden vier solcher Tainen-MeetingS abgebalte», nämlich in der Inneren Stadt, Margarelhen, Hernals und Währing. Der „F ü r I ch t", welcher »eben Lueger in den meisten Berfaininlungeu für die Erbauung der weiblichen Zuhörerichait Sorge trug, erhielt von einem antisemitischen MontagSblaite den Titel „Excellenz". Ma» dürfte jedoch nicht fehlgeben, wen» mau auniiuint, daß diese Tuelverleihung — nebenbei bemerkt, eine Albernheit, wie sie nur bei dem gemeine» Manne in Niederösterreich üblich ist — keineswegs mit „Nachsicht der Taren" erfolgt. In Hernals machte sich besonders eine Frau Lazniöka breit, die Gattin jene» 'Tischler», der unlängst wegen Entwendung von der Commune gehörigen Pflaster steinen angeklagt, in erster Instanz schuldig befunden, in zweiter jedoch sreigesvrochen worden war. D r. E b e n h o ch, der nach den Voranzeigen in Hernals ebenfalls austreten sollte, glänzte durch ft ine Abwesenheit. — Am 9. d. M.»versammelten sich die Leopoldstädter Anbeterinnen Luegers. Diesmal lief die Sache glatt ab. und es kam nicht zu Excesseu wie in der Vorwoche. Auch die Fünfhauier Nelken-Tame» hattenan diesem Tage ein Meeting, und-für deren Amüsement iorgte vorzugsweise ein Volkschntlehrer Nameus Paul Tonianek, ibelcheru. A. sagte: „Wenn Goethe beute in unterer Milte weilen würde, io würde er bei seiner Vielseitigkeit auch der größte Elektrotechniker und der größte Antisemit gewoiden sein." Tieier Paul Tomanek ist, wie eS scheint, nicht musikali'», denn sonst hätte er auch Beethoven'» erwähnt, ni» zu betheuern, derselbe hätte, wenn es ihm besthieden gewesen iväre, ei» Zeitgenosse des Mechanikers Schneider ja. sein, nicht nur eineu herrlichen Lueger Marsch componirt, sondern auch al» Stampiglie,ikünstler sich ausgezeichnet. — Im dritten und »eunten 'Bezirke fanden am 11. d. iT Frauenversammlungen statt. Am Alsergrund gedachte eine Rednerin Schönerer's, woraus mehrere Korn blumen'Iungfrauen zum Entsetzen der Mlken-Tameit in de» Ruf ansbrachen: „Heil Schönerer!" (Aus dkm Schkrzcr Vereine.» Ter „K a t h o l i i ch - c o n st i t u 11 o u e l l e Verein" »n IV. Bezirke, woselbst früher der „lustige Poldl" eine so große Rolle spielte, hielt am 10. d. M. eine Versammlung ab, in welcher Tr. Ebenst och zum erstenmale seit der Auslösung des Gemeinderalhes im Kreise der Wiener Antisemiten erschien und über die Bildung der „Katholischen Volksparteit sprach. Er erklärte, dieselbe sei durchaus keine neue Partei, sondern bestehe im Princip schon seit dem Jahre 1871, da damals die ersten Wahlsiege über die Liberalen erfochten worden seien. Nach der Rede des Tr. Ebenhoch wurde auf'Antrag deS Vorsitzenden de» Mitgliedern der „Katholischen Volkspartei" die Zustimmung der Versammlung zu chrem Vorgehen ausgesprochen, woraus Tr. Lueger das Wort ergriss und versicherte, daß sich die.Antisemiten von dem Grafen B aden i nicht inS Bockshorn jage» lassen werden. Geduld, meinte er, bringe Rosen. Za, hätte Lueger Geduld gehabt, so iväre er nicht von einer Partei zur anderen übergegangen und beiäße vielleicht schon die ersehnte goldene Kette. - .; < Verfälsche Milbe.) Wie auS Lemberg berichtet wird, sind die Bemühungen des PaterS StojalowSki, einen christlich-socialen Verein in Galizien zu gründen, erfolglos geblieben. Pater StojalowSki soll bereits entschlossen sein, Galizien zu verlassen. (Ahlwardk'S „TollarLurst".> Eine» Tag vor dem Wieterzusaminentritt deS deutschen Reichstages trat Ahlwardt von Bremerbaven aus seine Reise nach Amerika a», um dort eilte VorlragStournee abjubalten. Sein Impresario hatte schon vorher »ach amerikanischem Muster die nöthigen Vorkehrungen in New-Aork getrossen. In der ErössnungSfitzung de» Reichstages erregte e« stürmische Heitelkeit, alS der Präsident verkündete, daß mehreie Urlaubsgesuche eingelausen seien, unter Anderem eines von Ahlwardt auf zehn Wochen wegen einer „unaufschiebbaren Reise in» Ausland". Einige Antisemitenorgane finden den „Dollardurst" Ahlwardt'» nicht zeitgemäß. — Ein Kabeltelegramm deS „Herald" meldet die Ankunft Ahlwardt'S in New?) o r k mit dem Hinzufügen, er sei „nicht w i l l k o in m e n und nicht verlangt". 2lus antisemitischen Blättern. (Im Conflict mit den Strafgesetzen.) Da« Amtsblatt zur „Wiener Zeitung" Nr. 285 vom 8. December 1895 bringt folgende „Erkenntnisse": „Im Namen Seiner Majestät deS Kaisers! Da« k. k. Landesgericht Wien alS Preßgericht hat auf Antrag der k k. Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Inhalt der auS-