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Freies Blatt · 1895-12-01 · 191 (1.12.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
191 (1.12.1895)
Date
1895-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt AbouiiemeutSpreiS. , Sitr Oeflerretch-Ungarn: Gauljäbrig ... 6 Kronen (fl. 3.—) HaldiSbrio.... 3 Kronen 40 Heller (fl. 1.70) Pienelfährig...» Kronen (fl. l.—) ftfir tat gefammle iluOIand: «SanifSIirig.. 6 Mark HalbiShrig .4 Mark Einzelne Wummern 6 kr. _ 'Jlcbiutioif mid SlDmiiuKratioit: I Lcilcrstiiitc 10. ^Srfd'joiut CUl jcÖCHt ^OllilkcJk^^. Ialerole werden ,»,I rv Heller I» kr - -Ur die vier mal gelpailene WoelUoieiileeeiie berechnet. Kleiner »ln,ei,er da» Wart > ^I'.er (» kr.), .lnln.idme va» ünferale» in unserer «denineslrolion Ic.'ji’ e: Unfranlirle Briefe werden nicht angenommen. Annoncendurea» l'£. Ju!<». I <äSo;u.iK- - Nummer 191. Wien, I. Örccmber 1895.- IV. ..chhrggi, i Die böhinischen Mahlen. Wieder einmal blickte ganz Oesterreich mit angehallenem Alhem »ach dem schönen, aber von unseligen Parteikämpfen zerrissenen Böhmerlande, wie so oft schon sollte sich jenseits deS Gesenkes ein Stück österreichischer Politik entscheiden. Diesmal war es aber nicht ein neues Treffen in dem alten, unversöhnlichen Krieg der beiden Böhmen bevölkernden Raren, was die Blicke Aller auf sich lenkte; die Deutschen besorgten auf eigene Faust das auferbauliche Schauspiel eines vom Feinde harlbedrängten Feldlagers, in welchem die Meuterei, der Ausstand auSgebrochen ist, dessen Führer und Mannschaften sich auf Leben und Tod befehden. Die Deutschen Böhmens, die Kcrntruppcn der großen freisinnigen und pcntsche» VerfassungSpa^tei unseres ReichSratheS, hatten sich in den langen, staatsrechtlichen und nationalen Kämpfen, denen gerade sie ausgesetzt waren, eine Organisation gegeben, welche sich durch Jahrzehnte im Interesse des DeulschihumS bewährte und geradezu muftergiltig und vorbildlich für ähnliche Parteiorganisationen wurde. Die Parteidisciplin der Deulschböhmen genoß etwas wie den Ruf der Römertugend, und gleichwohl war in ihren Reihen nichts von jenem Partei-Muflithum zu spüren, dem wir auf antisemitischer und socialistischer Seite heute so vielfach begegnen. War doch der verewigte Schmeykal zwar ein Herzog und begeisterter Führer, aber seiner ganzen Beranlagung nach nichts weniger als ein Diktator. Trotz alledem lhat sich »och zu Lebzeiten Schmeykal'S, besondirs seit dem durch die Wortbrüchigkeit der Tschechen verschuldeten Schiffbruch deö Ausgleiches, in den Reihen der dentschböhmischen Abgeordneten ein Häuflein auf, welches das Bedürfniß fühlte, die Welt von sich redeiz zu machen, undgleichwohl im Wege einer ersprießlichen Thätigkeit dies Ziel zu erreichen keine Aussicht hatte. So lange die Persönlichkeit Schmcykal's wie das gute Gewissen auf dieses Fähnlein von Strebern wirkte, brach es wenigstens nicht offen den Frieden im eigenen Lager, als aber Schmeykal dahingegangen war, konnte nichts mehr die Secession aufhalten. ES gab anfänglich i» dem Programme, daS die Meuterer bald verkündeten, kaum einen nationalen und wirthschaftlichen Punkt, der ihre Auflehnung gegen den angeblichen Parteiterroriömus der Casinoten gerechtfertigt hätte, und zu jeder anderen Zeit wäre es Leuten ihres Schlages unntöglich geworden, vor der öffentlichen Meinung zu bestehen. Heute gibt es aber ein unfehlbares Mittel, jedem, anch dem ver«" werflichsten, auch dem verwegensten Schritte einen Schimmer von Berechtigung zu. verleihen, und dieses Mittel ist die antisemitische Phrase. Die fünf Secessionisten bekleideten also ihres Geistes Nacktheit mit dem antisemitischen Modemäntelchen, und der Erfolg blieb nicht aus. Eine eigene Presse arbeitete »ach Wiener Muster in der bekannten, nichts weniger als wählerischen Planier, der deutsch-freisinnigen Parteiorganisation wurde ein Trutzbündniß cntgegengestellt, man trat in allen, auch in den von de» Tschechen am härtesten bedrohten Orten, den einzigen Verfechtern des DeutschthumS mit polternder Herausforderung entgegen und scheute dabei vpr Bündnissen mit den reaktionären Zünftlern und den klerikalen Myrmidonen deS famosen?. Opitz nicht zurück. Als für den eben verflossenen Monat die Landtagswahlen in Aussicht standen, glaubte sich die antisemitische Agitation stark genug, um, was bisher weder dem offenen Angrifi d. r. ..... n Gegners, noch den unvergessene i Schlichen und t n„e - T versuche» eines gewissen Satrapen gelungen, Bresche in ‘.'n der deutschen Partei zu schlagen. Die aulisemilischen ,ninf ,.u>V einen Wahlkampf, wie er anch in Böhmen » ■[; nuterie n wurde. Wiener Radaumeister wurden verschrieben,' die m mit so großem Erfolg betriebene Sprengung fv n'iniii - . v '^ 'v sainmlnngkn anch auf böhmischen Boden übenrage», di au°i semitischen Zeitungen arbeiteten mit den unlautersten Minem. ■>;,-. - wo Lüge und Terrorismus nicht ausreickten, grin in m, ’ eoinme die/, nqiis, keck in das Privatleben der .»• > •o'.’.:uibaten ein, besudelte die persönliche Ehre in anonnme» .y.n, tu i u und scheute sich nicht, mit dem Ehe- und Familienglück ■ t rmifgegner ein frivoles Spiel zu treiben. Bei dem/geradezu "-diu» zerreißenden und hirnbctänbendcn Lärm, den die anstüruninei, Korybanten schlugen, darf man sich nicht wundern, wenn nicht nur ihre Parteifreunde in Wien felsenfest daran giauble,,' und der Welt verkündete»^ die Tchückei.. und '1;.1/ . ,:.i November den Ossa auf den Pelio» lhürmen, wenn min stmst im Prager Easino sich über die Sitnalion etwas lauschen ließ und die braven Truppen mit mehr Todesverachtung und Vv» rmulh . als SiegeSgewißheit gegen den Feind führte. Die böhmischen Landlagswahlen sind vorüber, und seist. u^ der Schleier zerrissen, der wie bn einem mörderisch n .^chn-ll feuer das Schlachtfeld weithin dem Aiige verhüllte, j ist sieht man erstaunt, ^daß daS wahnsinnige'Fliniengeknauer das G.-si. ntimste an der ganzen Sache war. Es eroberten die Antlsemsien in den Landgemeinden zwei, in den Stadlgcmeinden drei Manda'e. io daß die Schückcr-Pradc Partei statt fünf jn Hinkitnfi. zelm Km--ü. zählen wird. Außerdem wurden drei Abgeordnete gewählt, zwar auf Grundlage deS deutsch nationalen Pi ogramme - e-u.u dirten, aber dem Elub der deutsch liberalen Partei bestreu' werden, und endlich sind in zwei deutschen Bezirken Böhm-ns Elerisale gewählt worden. Der feindliche Ansturin kann als mi - geschlagen betrachtet werden, und wenn anch einige wenige. ' das Walfeld decken, so bleibt unS doch der Trost, daß i-; :>h Sieg nicht ohne Opfer zu erkaufen ist. Das Hauvt k ’n ist das, daß der Gegner in kanm nennenswerlher W ' anvach°e„, dafür aber der ElericalismnS in Böhmen eilige zogen ist. Wir wissen nicht, ob wir gerade diesen cliarnfteitff'dv. u Nebenzng mehr beglückwünschen, als beklagen rollen. Sind.die beiden Frommen Opitz und Kletzenbauer doch ein nicht hinwegzndisputire»des Ar- ' gument dafür, daß auf den. Antisemitismus der Eleriealismus folgt, wie die Thräne auf den herben Zwiebel. Das würde für die hypcrdeutschen Herostraten von Reichenbcrg die Lehre sein, welche für sie aus den Wahlen folgte, vorunSgeset-b daß diese Leute wirklich die freien deutsckie» Männer wären, die sie heute den Liberalen gegenüber spielen. Es handelt sich in jenen zwei Bezirken, die sich den Schwarzen verschrieben, aber nicht bloß um- FreihcilSfragen, die heute ja leider Jedem um eine Pfeife Tabak. feil sind, sonder» auch um nationale Interessen: denn endlich' dürfte denn doch selbst der gewesene Bürgermeister von Reichenberg nicht so kindlich naiv sein, zu glaube», diese Leute, im Style Kaltcnegger'ö, würden festere Stützen des Deutsch thums sein als es z. B. der Abgeordnete Bendels gewesen. Allerdings im „Hepphepp"-Rufen werden die beiden E'leriealen

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