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Freies Blatt · 1895-11-10 · 188 (10.11.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
188 (10.11.1895)
Date
1895-11-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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. AdonnrnicntSprclS. Für Oesterreich-Ungarn: Ganjiäbrig . . . c, Kronen (fl. ».—) Halbiäbriq . . . . 3 sronen 40 Heller <fl. 1.70) Bicrtcljührig... 2 Kronen (fl. l.—) Für dagesammt« Ausland: Ganzjährig ........ ... 6 Mark Halbjährig . . /.4 Mark Einzelne Nummern ti kr Unsrankirle Briese werden nicht angenommen Vedactio» »uv Adimulslrolioir: (Vrcrcm zur Abwehr des ^intisenlitismus. i «fUcrftänc m. Erscheint a» jedem Sonntage. Inserate werden mit 20 Heller t l" fr.) für die vier, ma.l grkvallene NonpareiUezeile berechnet. Kieiner Unzeiger da- Wort 4 Heller <2 kr.). Unlnadme von stnseratcn in unserer Adnun'flrartott sowie im Uitnoncenbureau M. 5nkeS. l. 'Irollzeite H. 4tummer 188. Wien, 10. November 1895. IV. Jahrgang. Die Entscheidung der Arsne. Am 6. November wurde vom Rathhause ei» amtliches Commuuiqm'- nusgcgeben, welches besagte, daß der Kaiser mit allerhöchster Entschließung vom 5. November der Wahl des Hof- und GerichtSadvocaten Dr. Carl Lueger zum Bürgermeister der RnchShaupt- und Residenzstadt Wien die allerhöchste Bcstäligung nicht zu erthcilen geruht habe. Wir haben uiiserer Ansicht in der BestälignngSfrage in vollkommen unzweideutiger Weise Ausdruck gegeben; um unserer ohnedies schwer bedrängten Sache nicht auch noch durch eine illiberale Haltung unsererseits Abbruch zu thu», haben wir uno bereit erklärt, die Confegitenzen a»S der augenblicklichen'Nieder läge zu tragen, die Grundsätze deS Liberalismus, mit dem unsere Sache steht und fällt, auch im tollste» Wirbel hochzuhalte». Die Krone hat sich indessen entschieden, und sie hat sich gegen die Person. in welcher sich der Wiener Antisemitismus förmlich objcclivirt hat, cutschirdc». Wir nehmen eine aus de» Prärogatiocu der Krone hervorgegangcne Dhalsachc um >o vereilwiltiger hin, als wir keinen Anlaß habe», die einer solchen Entscheidung etwa zu gründe liegenden Erwägunge» als ungünstige Auspicien für die Sache der Freiheit und Rechtsgleichheit zu deute». Wir wollen im Uebrigc» der naheliegenden Bersuchung widerstehen und b;eft'n Gründen nicht weiter nachgchen, a» der vollständig unabhängigen und »»verantwortlichen Entschließung der Krone nicht deuteln, allein der eine Gedanke liegt zu sehr nuf der Hand, als daß man ihn mit offene» Augen übersehen könnte. Die Krone handelte »ach vorhergegangencr Beralhung und, so viel unS wenigstens bekannt, nicht gegen die Anschauung und die Disposition deS Chefs der' Negierung, und so sind wir den» gern bereit, die allerhöchste Entscheidung in der Wiener Bürgermeistcrfrage, ohne daß wir sie bejubeln, doch als einen werkihätigen Commentar zu gewissen, ehedem etwas dunklen Stellen in dem Regierungsprogramm des Grafen Badeni hinzunehmen. So stehen wir denn abermals vollkommen ruhige» Blutes vor dem veränderten Bilde der Lage. Der moralische Esfeet der SanctionSverweigerung besonders auf jene Kreise der Gesellschaft, die sich jederzeit ängstlich »ach de» von obenhcr wehenden Luftströmungen zu richten pflegen, soll nicht geleugnet werden. An der politischen Situation ist natürlich durch die endgiltige Erledigung Luegcrö wenig zu unseren Gunsten geändert. Den Bösen sind wir loS, das Böse ist geblieben. Wie sich die Antisemiten zu der geänderten Sachlage verhalte», ob sie — wie sie wenigstens auch > jetzt noch behaupten — ein zwciteömal de» Lueger wähle» und sich damit in offene Opposition zur Krone stellen oder ob sie eine» Ströhmann auf den Bürgermeisterstuhl setzen werde», darüber lasse» wir die Herrschaften sich selbst den Kopf zerbrechen. Jedenfalls b> finden sie sich augenblicklich trotz aller Erfolge in keiner beneidcnSwerthen Situation. Aber auch wir dürfe» den Ernst des Augenblickes nicht verkennen; eS ist keine, Zeit, Hosianah zu rufen und Palmenzweige zu streuen. Ruhige» BluteS heißt cS der Gefahr ins Auge sehen und sich rüsten für alle Fälle, mag nun der Gegner sich noihgedrungen vor den Prärogativen der Krone beuge», oder mag er daS Würfelspiel um die Gunst des BolkeS aufs Neue beginnen. e. v. z. y , * * * Pom Peecinc zur Abwehr des Anlisciuilism». crha.lrii -wir folgende, auch »ach der Entscheidung i» der Bm.^-rmmkersrage sehr bcachlkiiSwerthe Kundgebung: An unsere GcsinnniigSgcnossen! Unsere Anhä ger — und wir schmeicheln »ns, ir > ich',,, bare» Ungunst der Zeit deren viele zu best den - e.amu-n ohne Zweifel von nnS, daß wir zur Situation des Aug.» >uck,- Sl'.Unng - nehnicn und auch unser Wort niilsprcche». In :>ickr Erwartung sollen sich unsere Freunde, nicht getäuscht sehen: äe -sollen wme», daß wir ans dein Posten sind, daß wir i», Dienste der Meii'chlich keil nnd Gerechtigkeit anSharre», komme was da wolle, ,ind »ns nicht bange machen lasse». Niemals! Auch dann nicht, wen» kpl)ft das Unerhörte zur Wahrheit werde» sollte, »äiulich daß sich auch jene Factorc» in den autiscmiiischc» Taumel milreißen lasse»-,. von - denen inan »nt Berechtigung erwancu lönnre, daß sie ruhiges, kaltes Blut bewahren, daß sie ihre Stellung über du Pa-leien behaupte» „in daß sic jene», tollen Bürgerkrieg, den inan in ganz Üfftcudd) zu entfachen sucht, fcurtft >i» ei'l'chicdrn.,' ,..»>»-.11!" ' Ende bereiten werden. So erheben wir denn auch' s.-vl liniere Stiinnic zu lautem Protest und rufen Allen, die -mit un>: üvcr ' cinsliniinen, zu, sich um nnS zu schaaren. F» ojeier Zeit deS Kanipfcö ist eö Bürgerpflicht, sich offen zur guten Sache zu be kennen nnd unerschrocken seiner Ansicht Ausdruck zu gebe» ' 'Aach wie vor soll unser Verein der Saniinclpnnkt' für alle Eene se:n,' die bereit sind, für' Gleichberechtigung und wahre Freiheit;!’r' Kräfte cinzuscpcn. Dort, wo flagrante Neck>tsvcrlcdn»gen im Nam , des Antisemitismus begangen werden, iü die rkrechtsschutzal'kb-.e unseres BercineS jederzeit gerüstet, t-vstenloS die Vcrtreuuu. ' Beschädigten zu - übernehmen. Für den Berci» zur Abwehr de/ Anüseiiulism»'.' A. G. Frei,h c r r v. S u t k n e r. Ein nntisemitisci^er Mnblnuirm. (Original Millheitung de» „Freien^ -. Ac- > »der. Ai» 1.;»., 14., 15). und 16 d Msinden hierorls du-Gemeindewähle» statt, und die hiesige durchwegs ami'cmttiichi- Tichecheuvartei. gibt sich der sicheren Erwartung, hin, die altehnüürdigc, allzeit deutsche königliche Stadl Ga»a zu erobern. Zu.diesem Zwecke wurde ein Wahlaufruf erlasie», iu dein cs buchstäblich heißt: „Jeder, per einer tschechischen Mutter entsprosicn, der von seinem Mütterchen tschechisch das ' .Vaterunser' beten gelernt hat, der erscheine bei der Wahl. Am Tage der Wahl werden wir unsere Feinde uild Freunde erkennen, diejenigen, die ihr Vaterland und ihr Volk liebe», und diejenigen?, die ihren Glaube» und ihre Helkunst verleugnen.und unseren und ihren Feinden ihr Hab und Gut vcrrathen. Unsere Feinde, das sind die Fremdlinge, haben keine Liebe, weder zu unserer Stadt »och zu »nserei» . Glauben und zu unserem Volke, sic, die Fremdlinge, erhalten ans unserem Gelbe ihre Schulen, in denen sie um unser theuereS Geld den Schülern , - Haß und Feindschaft gegen unser slovakischeS Volk cinprägcn, gegen jenes Volk, das hier autochrhon ist." Und so geht eS in diesem Aufrufe mit Grazie löeitcr. DaS verschweigen aber die tschechischen Antisemiten ganz, daß die hiesigen Deutschen über zwei Drittel säiumr

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