Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 187 (3.11.1895)
- Date
- 1895-11-03
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10. Freies Blatt. Nr. 187. aber io gro^war heule die Freude in dem Schlosse, daß selbstder sonst allzeit höchst gestrenge Küchenchef heute in gnädiger Laune war. Es galt einem Kreudenfeste, denn der Schloßherr, dem nach langen!, mühevolleni Kampfe endlich daS Glück zugefallen, und der jetzt ein reicher, mächtiger Ritter geworden, feierte heute seine Bermählung. Bon Rah und Kern' waren Gäste gekommen, stolze kriegerische Ritter - und reichgeschmückte Krauen. Jetzt waren die Neuvermählten in den Saal getreten, wo sie Heller Jubel empfing und sie mit freudigem Jauchzen begrüßt wurden. Beim Eintritte der jungen Gatten hatten die Spielleute ihre Instrumente ergriffen, und unter den Klängen rauschender Musik gingen der Ritter und seine angetraute Gattin zu ihrem Platze hin. Tie erlesenste Gesellschaft halte sich heute auf ihrem Schlöffe ciugcfuüden. um ihr Gast zu sein an ihrem Kreudcntagc. Reich . geschmückte Evelfrauen saßen an der Seite von stolzen Kriegern und wechselten fröhliche Reden mit ihnen und lachten und scherzten. Das Brautpaar selbst gab sich dem Taumel der Kreudc hin und genoß in vollen Zügen daS Glück seiner Bereinigung und die freudige Liiü des Iicutigen Tages. Tie Augen des Ritters leuchteten im feurigen Glanze, und die rosigen Langen der jungen Gattinglühten vor Lust und Liebe. KroheS Lachen ertönte ringSumher und vermengte seinen Klang mir dem Klirren der Pokale und mit dem Klappern der Teller. Tazwischen durchiönte der Schall der Trompeten, schwirrte der Ton der Geigen und vermählte sich sanfter melodischer Harsenklang mit dem Blasen der Schalmeien und mit dem schwcrmüthigen Tone Jlöte. Jetzt waren auch Gaukler angckommen, die von dem Kreudcnscste ge! ört Hallen und ren'ch hcrbcigeeilt waren. T ie Neuvermählte» begaben iich...jctzt, einem alten Brauche ihrer Heimat felgend, in die Gesindcstube hinab. -Aus der Treppe streifteihr ran'chendes Gewand einen Mann, der im Klar am Absatz der Treppe stand. Tiei'er batte ihr Kommen zuerst nicht gewahrt, da er mit dem Rücken zur Treppe hin stand; aber jetzt wendete er sich und blickte nach dem Paare hin, und izun traf sein Blick die Augen der Hingen Iran, und er -taumelte entsetzt zurück. „Jeius, Maria!" schrie diese aus, und ein Laut wahnwitziger Äugst entrang sich ihrem Munde. Ter Gatte halte ihr sein Gesicht »gewandt, und in ihr verstörtes, mit TodtcnVIässe bedecktes Antlitz i.lckend, fnlir er erschrocken zurück. „Mein Gott! Kroswilha! was ist dir?" Jene aber ankwonetc nicht. Tie Augen weit aufgcriiseu, todtcn- K.id), mit verzerrtem Gesicht stand sie da. und ihre Hände zeigten wie abwebreud nach jener Richtung hin, in welcher sich die Erscheinung befand, vor der ne, wie vor einem graulen Gespenstcrangesicht zuriickgewichen war. Und jetzt folgte auch ihr (Perlte Eourad der Bewegung ihrer ausgestreckten Hand, und da, die Ursache des Entsetzens gewahr ir erdend, das seine Kroswilha erfaßt, lohte wilder Zorn aus in seinem ] Gesichte, und mir einem Kluche .fuhr er auf den Kremdcn V», der in : seinem zerrinenen Pilgcrmantel,. mit dem leichenfahlen Angesichte und.! dem verwilderten Haar und Bart wahrlich Schrecken cinflößcn konnte! „Las wagt Ihr?" fuhr ihn Conrad an, „und ihr, ihr faulen Knechte, könnt ihr nicht besser Acht haben, und laffet allerlei verkomineues Gelichter in die Burg? Werft ihn . . “ Aber da traf sein Blick das auf ihn gerichtete Auge des Pilgers, und cS mußte etwas in diesen Augen liegen, das seinen Mund verstummen und sein Herz erbeben machte, denn erschreckt wich er vor dem übernatürlich Hohen zurück, das ihm aus jenem Auge entgegen schien, und wie suchend, lastend, fuhr er sich an den Kopf — plötzlich aber übermannte ihn ein Gedanke, und mit einem Entsetzensschrei taumelte er zurück, „Galt und alle Heiligen stehen mir bei! Kroswilha, es ist ..." Aber da hatten sich auch schon die Knechte, die inzwischen herbeigekommcn waren, dem Pilger genähert,, und ihn mit rohen Worten anfahrend, wollten sie ihn ergreifen und Hinausweisen. „Hinweg! Hinweg! Um GottcSwillen!" schrie Conrad auf, „hinweg! Bergreift euch nicht an diesem Manne, denn eS ist . . ." Aber ein Blick auf dcS Pilgers Gestalt machte seine Rede verstummen. Wohl Schweres mußte cs sein. daS dem Manne da vor ihm widerfahren, und ihn in eine solche Lage gebracht, aber Niemand sollte es ahnen, welch grauscS Geschick sich da erfüllt, und welch hoher Glanz sich unter dem braunen Pilgermantcl barg. Leise zog er die »och wie leblos dastehende -Kroswitha mit sich fort, während die Knechte scheu zur Seite wichen und voll Grauen auf die Gestalt dcö Kremden hinsahen. Jener aber war aus dem Hause gestürzt und czltc im rasende» Laufe vorwärts dem Walde zu. Bon seinem Haupte war die Kapuze herabgesunken, das Haar siel ihm in die Augen und peitschte ihn mit seinen nassen Strähnen die fahlen Wangen, die Augen stierten wie leblos vor sich hin, die Kpie wankten, und die schlotternden Küßc versagten ihm den Dienst, mehr als einmal drohte er umzusinken, aber er raffle sich wieder empor — wie von Kurien gepeitscht eilte er vorwärts, immer weiter, weiter im rasenden Laufe, nur fort'von jenem Tchloffc, fort von jenen Glücklichen, die zurückgeschaudert waren vor seinem Anblick, fort immer weiter, rastlos, -jagend, keuchend vor Angst und wahnwitzigem Entsetzen, der kalten rauhen Nachtlust die erhitzte Stirne, die brennenden Augen darbictcnd, fort aus der Rühe jenes WeibeS, das er einst geliebt und daS er dann vcrlaffcn hatte. Und wie ein drohendes Gespenst tauchte vor seinen Augen daS Schrcckbild . aller Jener.äuf, di: er einst zu lieben geglaubt, und die er dann vcrlaffcn, vergesse» halte, und all die blutigen Schatten der. Gciuordctcil, all die Thränen, die über sic geweint und über die zahllosen Opfer vergaffen wurden, die er in seinen Schlachten zu Tausenden hatte hinmorden lasse», all Jene erhoben sich drohend vor ihm und streckten die Hände gegen ihn aus und jagten ihn mit wildem tollem Spuk vor sich her, immer weiter, weiter. Tie Schatten der hohen Bäumetauchten riesengroß vor ihm auf und erhoben ihre Häupter gen Himmel, sein Kuß ritzte sich an de» Dornen beim Gestrüppe des Waldes, er achtete des Blutes nicht, das an seinen Gewändern klebte, unaushaltsam stürmte er weiter durch die schaurige Kinstcrniß, von fern her aber ertönte Spiel und Sang auS dem Schlöffe Conrads und KroswithaS. - (Korlsetziuig folgt.) Nnlumdilunilien des „Freien Mattes". Inserate u-: vti aiuj.'iioinmrn, sowohl tu uw'ercr Administration, als auch im Annoncen Bnrean |tl. I)ult ca. "MW Etablissement ONÄCHER. .Vu>---r--räo„rI---Ii z’eiolitialtig'es Programm u-it -len G / - 'S Xccalvczane czimcf. itscchzc mich die Sliittheilunq zu machen, m _ m .. dass mein cTilial - Geschäft (I. Siethen* - tfiuzmstzasse Stz. /?) sich reut Stevemfes /S?5 ah I. Staben Sit. 10 im neueztauten Shihcz=&'atais befindet. 3. cY. SchmeiStfz ti. u. i:. cHcf.Sumnti. und Ecflufoiduaaicn- {FaCiihant. Il«*»rinn prHrfffe ä l'hr. Daaaer?s Orph.eia.xM. IMi-ct.-.n: F. KrleUailiii. Itnssau. Wa»aara>se Xr. — Tefephuu tJ.'W. Täglicii: Internationale kirnstler- Vorstellung. Pani Meinbold, Charles Trelle, Gisela Konrady. ' '•* - 1 Lr- Anfang ' Ubr.