Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 186 (27.10.1895)
- Date
- 1895-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441686--2281-4888672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
AdoiiuciiiriilspreiS. gttr Lksterreiä, Ungarns /TN < V ,v s°..,j»blig ...««»ne« (h. a.-) vl/r^an \uv ^Unrcnr des <lutitcmittsmus. tmlbiabrtq.... 3 «ronen 40 Heller .st. l.TOj > ~ a ' vierteljährig. . . L Kronen (st. i.—) Ür dagesamnite Ausland: H>»di<>hrig .i Mark (sr|d)tuit an ikdrm Lviintaat. Einzelne Nummern 6 kr. 4 . Unlrankirte Briefe werden nicht angenommen. tliedaction und Admiiintratio»: 1 Lkilersiätte ln. .f.rserate werden mit *0 Heller!l" kr.» für die vier n-.rl gest'altene vt'onvareiuezeit-' berechnet. Kleiner -inniger das Wort 1 .Heller (2 kr.-. Auniadme von' Inseraten in unsrer Adnun-strat:on sowie ,ni Annoneenbnrcan M. I n kr». I. Wollzeile Ruinmer 180. Wie», 2<. OVtübfr 1893. IV. Jahrgang. . Die Erklärungen des Grusen ^ndeni. Im August, alö die Berufung dcS Grafen (iafimir Badeui au die Spitze der Regierung bereits fcststaud, zogen wir feine Stellung zur Rechtsgleichheit in Erwägung und betonte», daß eS voreilig wäre, dieselbe näher zu bezeichnen. Wir müsscn warte», sagten wir damals. Ebenso erklärten wir nach dem Amtsantritte dcS Ministeriums Baden!, daß die Antisemiten, die sich sofort dem „polnischen Lagune" gegenüber in eine kriegerische Positur gesetzt halte», auö der Vergangenheit des Eabinclöchcfs, aus feinem Verhalle» als Statthalter von Galizini, yicfür keine» Eirunde schöpfe» konnten. Run liegen die Erklärungen vor, mit denen sich die neue Regierung dem Parlamente, welches am d. M. wieder zusammentrat, vorstellte, und sie rechtfertigen »ur-zu sehr die abwartende Haltung, welche wir einnehmen zu müssen glaubten. Wer Vieles bringt, wird Manchem . etwas bringe», ist auch ein politisches Rccept, und die Prozrammrede des Grafen Baden! ist reich an Verheißungen jeder Art. Sic versichert, daß nationale Ansprüche, die berechtigt, dem jeweiligen Zustande der Entwicklung entsprechend sind und in de» Eireuzen der staatsrechtlichen, finanziellen und wirlhschaftlichc» Zulässigkeit such bewegen, wenn sie aus gesetzlichem Wege geltend gemacht werden, eine vorurtheilslose, unparteiische und gerechte Würdigung finden solle». Zur Beruhigung der deutschen Linken wird jedoch hinzugefügt, dies könne und solle aber nur in der Art geschehe», daß die ans dem historischen Momente beruhende traditionelle Llellnng und die langjährig», allen anderen Völker» Oesterreichs voranleuchtende Eultne des deutschen Volkes stets die ihr gebührende Beachtung finden müsse. De» Tscheche», bei denen dieses Eompliment für die deutsche Eultur Mißfallen erregt, reicht der Ministerpräsident nnmitlllb'ar darauf die Hand zur Versöhnung. Er bringe ihnen, sagt er, volles Vertrauen entgegen, verzichte auf jede Rccrimination und betrachte daö Aufheben des AusnahinSzustandeS nicht alö eine Eoncejsiön, sondern als eine Basis zur Schaffung von normalen Zustände». Dann bereilet er den Elericalen die Freude, die Bedeutung, welche dem religiösen Momente im staatlichen Lebe» zukomme, hervorzuhcben, die Schonung der religiösen Gefühle und die Wahrung der sittlich-religiösen Grundlage bei der Erziehung der Kinder zu geloben. Auch der „breiten Volksschichten" wird in per Programmrcde gedacht und ihnen nicht nur eine parlamentarische Vertretung in Allssicht gestellt, sondern auch die Zu sage gemacht, daß die Regierung cs sich angelegen sein lassen werde, deren wirthschaftliche Lage thunlichst zu heben. Im Allgemeinen verspricht der Ministerpräsident, daß die Regierung in, ihrem Thun und Lassen jederzeit die Gerechtigkeit, alö unverrück bare Richtschnur betrachten werde. Die Art, wie daö Ministerium seine Versprechungen erfüllen, der deutschen Cnltur die ihr gebührende Beachtung schenken, den Tschechen genehme Zustände schaffen, im staatlichen Leben daö religiöse Moment zur Geltung bringen, den „breiten Volksschichten" Rechnung tragen und Allen gegenüber Gerechtigkeit üben wird, läßt sich nicht vorhersehe». Es ist dies umsoweniger möglich, als der Ministerpräsident nachdrücklich betont, daß die Regierung den Parteien gegenüber vollkommen frei dastche und auch'weiter so zu bleiben gedenke, daß sie die Absicht habe, zu führen und nicht sich führen zu lassen. Den Versprechungen werden .iuinvti folgen müssen, bevor sich die dunkle Lage klären and man . wißheit erlangen wird, nach welcher Richtung hm -'vt! V >d»> das Staatsschiff steuert. ' Insbesondere müssen wir, deren unverrückbare R chn-pnur ...» Wahrung der Rechtsgleichheit bildet, uns »och ein wenig g.onld.ii.' Woran wir sind, werde» wir erst erfahre», wenn wir d..-? Ministerium an der Arbeit sehen. Am Ll! Rovemlnr iverkündigte Fürst Windischgrätz als einen der Prögrammpuntte d. Eoalitiouseabinetes die „cntjchiedene Abwehr alter' den Frieden' d<- Slaaies und die allgemeine Wohlfahrt störende» Elemente". Graf Badeäi sagt daö Rämliche, nur mit ein bischen andere»'Woplen. Er wendet sich wesentlich an Parteien, die auf ethischer Grundlage gebildet sind, und ist der Ueberzeugung, „daß eine ernste und ehrliche Regierung unfruchtbare, von der..Eioilisalion ablenkende, zur Vernichtung der menschlichen Gesellschaft führende Wege nicht nur nicht betreten darf, sondern auch den Zittrill zu denselben Anderen mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln abznschneide".' oder mindestens zu erschweren bemüht sein muß". Wie vor zwei Jahren Fürst Windischgrätz. unterläßt es jetzt Graf Baden!, das Kind beim rechten 'Rainen zu nenne». Die „citlschiedcne Abwehr" der destruetive» Elemente seitens des Eoalitionseabinetes haben wir zur Genüge kennen gelernt. Wir sind nun gespannt darauf, zu erfahre»,, welche Wege daö Ministeriums Badem so gefährlich findet und ans welche Weile es den Zutritt zu denselben abschneiden oder wenigstens erschweren wird.. Im anlifemitischen Lager, wo man noch am Vürabendc der Parlanienlseröfsuung äußerst kampflustig fich geberdete und heftige Drohungen gegen das Ministeriuni aussprach, legt' man seil hergroße Friedfertigkeit an den Tag Die Programmrede des Minister Präsidenten ist eben stellenweise vieldeutig, insbesondere jener Passus, welcher von den zur Vernichtung der menschlichen Gesellschaft führenden Wegen handcll. Die Aulisemilen legen ihn zn ihren Gunsten aus, und sie lassen, wie eines ihrer Orgmie. sich,aus drückt, das schußbereite Gewehr sinke» und stellen cs bei Fiiß Eine Klärung der Situation wird aber nicht lange mehr aüs bleiben können. Schon die.Reuwahl des Wiener Büraerineisters, welche für den -’i). d. LR. anbcrauml ist, durfte einen honen gemeinverständlichen Eommentar zur Programmreöe oe-> Grafen Baden! bringe». . ' l el paftor 33rofc. Es hat uns oft gewundert, daß eine GeifleSrichlung wie der Anti semitiSiuuS, welche sich so gerne an die problcinatischen Eharaktcre hängt, so schneidende Eontrastc liebt und oft so tragisch in das Leben , der Gesellschaft, der Familie und deS Einzelnen eingreift, nicht schon lange, verkörpert in tragischen und komischen Gestalten, unS auf der Bühne begegnete. Für eine» cchltn Dichter mit Muth und Geschick ist hier eine reiche Fundgrube, denn die bühnenreifen Vorbilder lausen ja in Schaarcn auf der Straße herum, tummeln sich in allen Localen, vom feinen Restaurant herab biszum Beißel, treiben sich durch all« Gesellschaftskreise. Ein vor einigen Jahre» von dem bekannten Wiener Volksdramatiker Wimmer gemachter Versuch war nicht gerade von Erfolg gekrönt. Der glückliche Verfasser der „Gigerln von Wien" halte