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Freies Blatt · 1895-10-20 · 185 (20.10.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
185 (20.10.1895)
Date
1895-10-20
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Freies Blatt. Nr. 185. Seite 10. setzte er fort, indem er sich an die Umstehenden wandte, .ich will nicht länger zaudern; eS ziemt mir nicht, erst den Beistand deS UngarkönigS abzuwarten. Ich allein werde mir mein Recht verschaffen und den Bischof zum Nachgeben zwingen!" Und schleunigst ließ er sich seinen Helm geben und mit dem Schwerte umgürten. „WaS trollt Ihr thun, Herr König?" frug Graf Spitihnew als er den König so gerüstet sah. „Nichts, nichts," sagte beschwichtigend der König, „das Euch zur Unehre gereichen würde und das sich nicht mit Polens Ehre vertrüge!" „So gestattet, daß ich Euch geleite," nahm jetzt Graf Jaromir das Wort, „es ziemt sich nicht der Würde eines Königs, allein und unbeschützt durch die Straßen zu wandeln." „Unbeschützt, sagt Ihr?" rief Boleslaw, indem er mit der Hand an sein Schwert schlug. „Nein! Unbeschützt bin ich nicht, wenn ich mein Schwert an der Seite trage, doch will ich's Euch zuliebe thun," fuhr er fort, „und ich bitt' Euch, Ritter Wladiwoj, .ruft vier von meinen Reisigen auf, daß sie mir folgen." Einige Äugenblicke später trat König Boleslaw, gefolgt von vier Mannen, aus dem Thore der Burg. Die Zurückgebliebenen aber verharrten in dumpfem Schweigen. Graf Jaromir war an das Fenster hingetreten und folgte mit den Blicken dem rasch dahinschreitenden König, während der alte. Kanzler sich zu dem Altar hinbegab, der in einer Ecke des Gemaches stand, und seine Augen mit inbrünstig flehendem Ausdrucke erhebend, bewegte er die Rippen zu heißem Gebete. „Herr Jesu Christ, laß gnädig dein Antlitz leuchten meinem König und Herrn und erbarme dich seiner und sei ihm gnädig, indem du von seinem Herzen die schwere Pein hinwegnimmst, die ihn bedrückt! O, mein Heiland!" flehte der Kanzler, und in glühender Erregung faltete er die Hände zusammen, „erhöre das Flehen eines Greises! Tu weißt, mein Gott, ich flehe nicht für mich, waS verlange ich denn noch vom Leben? Ich bin alt und hinfällig, und meine Tage sind nur mehr wenige auf dieser Erde, aber für meinen König erflehe ich deine Hilfe, o Herr! Erbar-me dich seiner und erleuchte ihn!' Und erweiche das harte Herz deines Dieners, deS Bischofs Stanislaus, auf daß endlich Friede werde im Polcnreiche und Heil unserem Könige!" Unterdesieu war Boleslaw vor der Kirche zum heiligen Michael angclangt; er wollte einlrcten, allein die Thüre war verschloffen. „Eilt zum Meßner," gebot er einem der Knechte, „daß er die Kirche öffne: sag' ihm, der König sei da und wolle die Meffe hören!" Nach einer Weile hörte man aus deui Innern der Kirche Schritte, die sich dem Eingänge näherten, und im nächsten Augenblicke Ihat sich die Kirchenpsortc weit aus. „Sage dem Bischof," rief Boleslaw dem Meßner zu, der bei dem Anblick des Königsentsetzt zurückgewichen war, „der König sei da und verlange, die heilige Meffe zu hören!" Der Meßner hatte sich mehrcremale bekreuzigt, dann gyrg er in daS Innere der Kirche zurück, aus dem man leise gemurmeltes Gebet vernahm. „Ihr möget cintretcn, Herr König, so vermeldet Euch der Bischof, sofern Ihr gesonnen seid, Buße zu thun." „Was Buße thun? Wer soll Buße thun? Ich, der König von Polen?!" schrie BoleSlaw grimmig auf; dann wandte er sich an einen der Knechte: „Geh' in die Kirche und sag' dem Bischof, der König der Polen sei gekommen, um die Meffe zu hören!" „Herr König," kam es bebend von den Lippen deS Reisigen, „der Bischof steht vor dem Altäre, ich wag' eS nicht!" „Höll' und Teufel," fluchte der König, „geh' und vollführe meinen Auftrag!" Zitternd gehorchte der Krieger, und mit verstörtem Antlitze und schlotternden Knien kam er auS der Kirchenpsortc^ „Wenn Ihr Buße thun wollt und Euch in Dcmuth neigen, so mögt Ihr eintreten." „Geh' du hinein," unterbrach ihn Boleslaw, sich an einen Anderen wendend, „und sage dem Bischof: König Boleslaw sei nicht gekommen, um Buße zu thun und sich in Demuth zu neigen. Er sei da, um die heilige Messe zu hören." , „Herr, ich fürchte den Zorn des Himmels!" stammelte der Diener. Boleslaw hatte den Arm erhoben, und mit einer gebietenden Bewegung zeigte er nach der Kirche hin. Bleich vor Angst war der Knecht hineingegangrn; aber als er zurückkam, da schien alles Leben von ihm gewichen, und kalter Angstschweiß bedeckte seine Stirne. „Herr König," kam es stockend aus seinem Munde, „der Hochwürdige läßt Euch sagen, er lese für Euch keine Meffe, denn Ihr seih «in Ketzer!" 'Mit einem Rucke hatte der König die Knechte hinweggcstoßen. „So will ich mir selbst Recht verschaffen, und er soll mir Rede stehen!" Und den rechten Arm mit dem breiten Königsschwerte hoch emporgehobcn, stürzte er in die Kirche hinein. „Hebe dich hinweg, Satan!" schrie der Bischof, als er den König gewahrte, der da gleich einem Racheengcl mit dem flammenden Schwerte vor ihm erschien, „weiche, Belzebub!" „Schweig', verruchter Pfaffe!" schrie der König. „Hinweg, hinweg!" rief der Bischof, indem er sich mit auszcbreitcten Armen vor den Altar hinstelltc, „hinweg, und schände nicht daS Gottgcweihtc durch deinen ketzerische» Anblick, Verruchter!" „So will ich e« denn mit deinem Blute schänden!" schrie in wilder Raserei der König und bohrte sein Schwert tief in das Herz des Bischofs. Hochauf spritzte ein Blutstrahl, aus dem Munde deS zu Tode Getroffenen und färbte die Stufen des Altars. (Fortsetzung folgt.) lieber einen, KhrMtich-Socinten. Wer ist denn noch liberal? Solche, welche Juden brauchen: Also Judcnknechte, Sclavcn Soll'» die Friedenspfeife schmauchen. Also sprach er gestern hitzig, Glaubte mich auch überwiesen, Hielt sich selbst für schrecklich witzig, Weil vom Anhang stets gepriesen. Und wer glaubt den Judenblättern'? Thoren, unvernünfl'ge Leute: Christen sind wir, wollen nimmer Bleiben der Semiten Beute. Aber er, in Tiefen kriechend, Hat vom Aufschwung nie gehört, Ucberall nur judenriechcnd, Längst den Gott in sich zerstört. 1)—f. Briefkasten. Einsender detz offenen Brieses. Meidling. Bor Allem müßten Sie, um n, u-'crcin Blatte zu> Worte kommen zu könne», Ihren wahren Namen nennen, kenn der von Ihnen angegebene findet sich im Lehmann aus bene, -.ffichen Gründen nicht. Vernünftigen und ruhigen Auseinandersetzungen auch grgueri'cher Natur würden wir gerne Raum geben, »ur muffen Sie sich nicht einb>:nr». daß Ihr „Sffener Brief", der von persönlichen Ausfallen und Unter tchieb.ingen aller Art wimmelt, auch ein Schritt zur ruhigen AuSeinanderietzung ist „TaS hierin Gebotene find Flintenkugeln," sagen Sie, „das schwere Gelchütz steht im Hintergründe " Nun. wir wollen de» Donner des schweren Geschützes abwacten: wir stellen uns getrost vor Ihr Kanonenrohr, wenn Sie »ur auch den Mulh hätte», den Kopf über die Brustwehr der Pseudonymität herauSzustecken. M. R., Neubau. Nein! Ti« Vorgänge i»< jener Versammlung sind zu unerfreulicher Natur. Wir halten den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für den richtigen, in dem sich Männer von gleich freisinnige» Principie» untereinander bekämpfen sollten, und wollen wenigstens nicht auch noch in der blutende» Wunde wühle». Vergraben Sie einstweilen Ihre Streitaxt.

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