Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 185 (20.10.1895)
- Date
- 1895-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441684--2268-4888660- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
AbonnementSpreiS. Für Orstrrrrlch-Ungarn: SanUiürtg . . r. ftronen (fl. 3.—) fwlbiäbda .... 3 Kronen 40 Heller (fl. 1.7«) BirrtrljShrig... * Kronen (fl. 1.—) Für kal gelammte Hüllanb: GangLhrig..6 Mark rr tx. ■ . . H->b,Syrig .4 Mark „ Erschrlllt QII jedem Sonntage. Cinjelne Nummern 6 ft. Unfrantictc Briefe werden nicht angenommen. (Vrgan zur Abwehr des Antisemitismus. Rkdactio» und Admiiustration: i. Seilerstättc 10.' Qaferale werden mit 20 Heller (I0_fr.) für die vier, mal gespaltene Nonpareilleteile berechnet. Kleiner fln>eiger da» Wort 4 Heller (2 lr.). Auinabme von Inferalen in unserer Administration sowie im flnnoncenbureau M. Jute», 1. Aollseile n. Stummer 185. Wien, 20. Ortober I8S5. IV. Jahrgang. « Zur gefälligen Beachtung! Die stetige Vergrößerung unseres Blattes und die damit verbundenen namhaften Mehrkosten drängen nns die Stothwcndigkcit auf, die Abonnementspreise um ein Geringes zu erhöhen nnd dieselben vom 1. Oktober d. I. an folgendermaßc» sestznseyen: Ganzjährig .......... fl. 3.— (6 Krone») Halbjährig ..... fl. 1.70 (3 Kronen 10 Heller) Vierteljährig.fl. 1.— (2 Mroncn) Für das gesammte Ausland: Ganzjährig... . (i Mark Nachzahlungen aus die bis 1. Oktober d. I. bereits entrichteten Abounementsgcbühren sind nicht zu leisten. Tie Administration. Ein Magnat über die ^uden. Das „Vaterland", welches stets seine Aufgabe darin zu erblicken glaubt, nach der jeweiligen Strömung offen oder versteckt Juden oder Judenthum zu bekämpfen, halte wieder einipal einen Artikel gegen die Wiener Juden gebracht, worauf Graf NicolauS Bethlen, einer der ersten Cavaliere Ungarns, in seiner „Diplomatischen Wochenschrift" folgende Anlwort gab: Das „Vaterland" hat vor Kurzem über die Juden in Wien einen Artikel veröffentlicht, der von unserer Seite, die wir als Enkel der protestantischen "Rebellen denn doch keine Juden sind, eine Erwiderung verdient. DaS Blatt meint, auf jedem Gebiete (sei eS Politik, Literatur, Kunst, Handel oder Industrie) nehmen die Juden in Wien eine hervorragende Stellung ein, und ihr Einfluß ist in Wien überall maßgebend. „Man möge daher", sagt daS „Vaterland", „die Juden auS Wien hinauswerfen." Wenn die Partei des „Vaterland" je ans Ruder kommt und ihre Drohung ausführen wollte, so bitten wir,, alle auS Wien hinausgeworfenen Juden uns nach Pest zu übcrschicken. Die Juden sind durch ihr Talent und ihre Thätigkeit ein bedeutender Factor der Civilisation geworden, und wir können sie in Pest brauchen. In Pest elbst finden wir zwei Städte. Der eine Theil von Pest gleicht einer uropäischen Handelsstadt — es ist die Stadt, der Juden. Der andere gleicht einem großen Dorfe der Wüste — es ist die Stadt der Magyaren. Alles, was in Pest als ein Werk der Civilisation, als ein Zeichen der europäischen Cultur betrachtet werden kann, ist durch üdischen Geist oder jüdisches Geld zustande gebracht worden. Würde cs in Pest keine Juden geben, so würde die Landeshauptstadt auf dem Niveau des großen Debreczin stehen, und die reichen Grundbesitzer und Comitatshelden würden in ihrem eigenen Reichthum, ihrem eigenen -taub oder Koth ersticken. Noch vor zehn Jahren war die ungarische Presse beinahe frei von Juden, denn der Wirkungskreis der ungarischen Presse war so beschränkt, daß die paar Parteiblätter von ihren eigenen Parteianhängern mit Artikeln leicht versehen werden konnten. Es gab keine eigentliche Journalistik, nur eine Sammlung von Parieireden und Parteiäußerungen. Sobald man die ungarische Journalistik auf daS Niveau jener vyn anderen civilisirtcn Nationen erheben wollte, war man gezwungen, ein halbes Dutzend Juden zu importircn, damit die Trägheit in der Technik der Blätter theilweise beseitigt und. die journalistischen Formen entwickelt werden. Ten armen Juden von Pest verdanken wir unsere» schönsten Kampf bei. den letzte» Wahle», wo es hieß, einen großen nationalen Dichter zu ehren und die Macht der Kunst und Wissenschaft über die Macht dcS Geldes zu erhebe». Ein armer Poet wurde gewählt, und ein reicher Minister unterlag. Auf welches Gebiet des öffentlichen Lebens wir auch sehen, überall finde» wir die Juden emsig arbeiten und gegen den alte» Geist der Finsterniß im Kampfe begriffen. DaS „Vaterland" hat Recht, weim cs die Inden scheut, denn eS, sind die ärgste» Feinde der Thuns, ClamS. und ApponpiS. Wir kennen die Energie jenes ungarischen Ministerpräsidenten in der täglich auf den Knien durch die Zimmer rutscht, um seine Andacht . zu verrichten. Daß dieser Geist dcS Aberglaubens in Ungarn nicht Wurzel fassen kann, daS verdanken wir nur den Inden, die rastlos' daS Pfaffenthum belänipfen, während die Protestanten sich nur ui» ihre eigenen Angelegenheiten kümmern; sie können sich nicht aus den höheren Standpunkt der Gcsaiumtintcressen der Menschheit und des Fortschrittes emporschwingcn. Pest ist heute weder eine deutsche, »och eine ungarische, sondern eine jüdische^Stadt, und wir freuen uns dessen im Interesse der Magyaren und der Civilisation. Wir bitten das „Vaterland" um alle eventuell hinausgeworsencn Inden. „Mehr- Juden — mehr Licht." Graf Nicolaus Bclhlcn. Dieser iniercssante Brief ist zwar nicht von heute und nicht von gestern, er ist schon 25 Jahre alt und darin vom l'.>. August 1870, aber er könnte gleichwohl jetzt geschrieben sei» Wo ist denn die Wahrheit deö Sprichwortes, daß sich die Zestcn ändern und wir mit ihnen? U. K. Die Altersgliederung der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich. Die Altersgliederung eines socialen Körpers ist in iiitI;-. ■ Beziehung von großem Interesse, vor Allem jedoch mit Rücküeh: daran!, daß man aus ihr die ökonomische Leistungsfähigkeit und.Belastung der betreffenden Gruppe entnehmen kann. Während näinlicli alle i'stieder der Bevölkerung Consumcntcn sind, indem jeder Meinch -mindestens, die Bedürfnisse der.Nahrung, Kleidung und Wohnung befriedigen muß, wenn er nicht zugrunde gehen will, werden die dazu erforderliche» Mittel nur von eineni Eheste der Bevölkerung beschafft. Das Kind und der Greis sind in der Regel nicht imstande, sich durch Erwcichsthätigkeit den nothwendigen Lebensunterhalt zu verschaffen, sie müssen von denjenigen ernährt werden, welche durch ihre körperliche und geistige Ausbildung zur Production befähigt sind. Die Letzteren -stellen die wirthschaftlich leistungsfähige und auS dem angeführten Grunde die wirthschaftlich belastete BevölkerungSgruppc dar. Wie nun derjenige Familienvater, welcher sich einer zahlreichen Kinderschaar erfreut, größere sinanziellc Opfer bringen muß und deshalb sich selbst weniger Genüsse zuwenden kann als ein Anderer, der wenig oder keine Kinder hat, so wird auch ein Volk im Durchschnitt desto günstiger sitnirt sei», je geringer die Zahl der Erwerbsunfähigen ist. In dieser Hinsicht haben sich zwischen den einzelnen Ländern bemerkenSwerthe Unterschiede ergeben. L. B. tritt in Frankreich die