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Freies Blatt · 1895-10-13 · 184 (13.10.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
184 (13.10.1895)
Date
1895-10-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt AboniiementSpreiS. tzllr Oestrrrrich-lingarn: (SanULbrig . . . >! »ronrn <kl. —) Halbiiidrig .... 3 Hroncn 4» HcUrr ist. > •(>) Siicrltl|ä(|rig . . . 2 Sronon /st. I.—) tflir da» gtfamnite -I» »Iand: Sanjiäfirig.. « iliorf HaldiShrig .4 Marl Sin,«Ine Nummer» S kr. ilnsrankirle Briese werden nicht angenommen Organ zur Abwehr des Antisemitismus. Erscheint an jedem Sonntage. 'JtcöiKtioii miD Alniiiiiistralio»: i. Leilerstätte 10. 3nfcrat< werden mit SO Heller <10 kr.) litt die vier mol gespaltene Nonpareilleteilc derechnet. »leine Anzeiger da» Wort 4-Heller (r kr.). Auinadme von Inseraten in unserer Administration sowie ,,n Annoncenbnreau P! Duke». I. WollzeUe n. Nummer 184. Vien, 1 -5. (ftrtobcr 1895. IV. Jahrgang. Zur gefälligen Heachlung! Tic stetige Vergrößerung iiiiscrcs Blattes und die damit verbundenen namhajten Mehrkosten drängen uns die Lkothweiidig teil anf, die Aboiinciilcittsprcisc um rin Geistiges zu erhöhen und dieselben vom I. Lctober d. I. an folgendermaßen srstziisrtzeii: Ma»,jährig .fl. 3.— ,« »kroiieii» Halbjährig.fl. 1.70 (3 »iroiic» 40 Hrllrr) Birrtcliährig. fl. 1. Mronrm Für das gtsammtc Ausland: Ganzjährig...i; Mark Nachzahlungen ans die bis 1. Lctober d. I. bereits entrichteten AbonntmentSgebnhrrn sind nicht;n leisten. Tie Administration. Moher die ^eindsclMt? Unter Zeichen kaiserlicher Huld, wie sie im benachbarien Deutschland dem Fürsten BiSmarck von Seile Wilhelms I. »ach der siegreichen Bekämpfung des „Erbfeindes" auf dem Schlachtfelde zulhcil wurde», die aber in Lesterreich geradezu beispiellos dastehcn, trat Graf Badeni a» die Spitze der Eentralregicrung, in Wie». In seinem HeimalSlande, dessen oberster Berwaltungsbcamtcr er bisher war, wurden ihm bei diesem Anlässe die maiinigfachsten Ovationen bereitet. Diejenigen aber, die vor Jahr und 'Tag einen Gettzgenheitswitz eines polnischen Schauspielers sich angeeignet und dem Grafe» zur Kennzeichnung seiner autoritären Neigungen, nicht auf Grund der staatsrechtlichen Lerhältnisje Japans, wohl aber im Sinne eines bekannten Operettentextes den Spitznamen „Mikado" beigelegt hatten, verhielten sich bei der Ehrung des scheidenden Statthalters und Begrüßung des neue» Ministerpräsidenten bescheiden ruhig und störten nicht die Ber IrahenSkundgebungen, die den hochgestellten LandSman» auf seinem Wege nach Wien begleiteten. Außerhalb GalizienS wurde Graf Badeni von den ernst zu nehmenden Parteien höflich, aber mit einer gewissest Zurückhaltung empfangen. In dem neuen Ackerbauminister haben Die um Hohenwart zwar einen Mann nach ihrem Geschmacke, doch flößt ihnen der EabinetS-Ehef nicht ein gleiches Vertrauen ein wie Fürst Windischgrätz. Auch ist Graf GleiSpach ebensowenig dem Grafen Schönborn als Freiherr v. Glanz dem einstigen „Baker der Steiermark" gleichzustellen. Man müsse die Thaten deS Ministeriums Badeni abwarten, meinen daher die Organe, welche auS Allem i und somit auch aus den Wirren in Wien einen Prosit für die streitende Kirche herauSschlagen möchten, wie dies der Ausspruch eines Ordensgeistlichen verräth: „Antisemitisch — aquo; christlichsocial — per quem; katholisch — ad quem." Daß die Deutsch- Liberalen ebenfalls eine zuwartende Haltung einnehme», ist nach den traurigen Erfahrungen, die sie mit einem Cäbinete gemacht haben, dessen Finanzminister ihr ehemaliger Führer war, selbstverständlich. Selbst die sonst etwas unbedachtsam . v<<warts stürmenden Jungtschechen wollen sich über ihrkünftige» Bert,alte» noch besinnen und der neue» Regierung gegenüber, je nachdem sich diese benimmt, Stellung fassen. Rur die Antisemiten erkläre» dem neue» Eabincl» Ehef von vornherein ihre Feindschaft, und dies ist fast unbegreiflich. Graf Kietmanöegg hatte, als er provisorisch «die Leitung der Regierung» geschäfte übernahm, zum mindesten eine ebenso liberale Bergangcnheit wie der jetzige Ministerpräsident, und trotzdem war der Führer der Wiener Radautrupp» so nachsichtig, ihn vor die Wahl zu. stelle»: Krieg oder Frieden, und drohte mit dem ersteren nur für den Fall, daß Sc. Excctte»; de» „liberalen Herr'»" hervorkehren sollte. Hat sich Graf Badeni als Statthalter von Galizien etwa durch besondere Schncidigkeit gegen die Antisemiten oder gar durch „PhiloscmitiSnius" hcroorgethan? Es ist uns mich! bekannt, daß er in dem berüchtigten Falle von Sahbusch eine Probe vo» außer - gewöhnlicher Thatkraft gegeben und den ihm unterstchendfn Ber waltungSbeamten gemcssene Weisungen ertheili hätte, die Aä> tung vor dem Gesetze auch bei den Sahbuschern zu erzwingen und fürder Rechtsverletzungen zu t verhüte». Auch wissen wir nichts davon, baß Gras Badeni bei einem Mortarä Fakte, der sich diesen . Sommer in Lezajök abgespielt hatte, eingeschritte» wäre und dem dortigen Clerns beigebracht hätte, daß in einem RechtSsraaie die Proselytenmachcrei sich über die vom Gesetze zur Wahrung der Gewissensfreiheit erwähnten Schranken nicht hinwegsetzen dürfe. Beim Empfange einer Abordnung israelitischer Eultusgemeiuden Galiziens, welche zur Berabschicdung in Lemberg erschienen war. sagte'allerdings der neue Ministerprsindcnt: „Sic werden mir gewiß daS Zeugniß nicht versage», .daß ich während meine-; A»u» Wirksamkeit stets bestrebt war, Ihre berechtigten und mit dem Wohle deö Landes übereinstimmenden Interessen ^zn fördern. Ich muß indeß zugebc», daß Sie durch Ihr Beryaltcn rcdücti dazu beigetragen habe», damit in nnscrcm Lande jene Bewegung nicht ersiehe, weiche in anderen Ländern unseres Staates die Bürger verschiedener Confessioncn untereinander entzweit, während ich cS für meine Auf gäbe halte, dieselben im gemeinschaftliche» Wirten zum Wohle deö Landes zu vereinigen. Ich bin überzeugt, daß mein -Nachfolger sich dies ebenfalls zu seiner Aufgabe machen wird." ' Aber diese Aeußerung, deren übrigens bei einem ähnlichen Anlasse auch der sehr höflliche Graf Taaffe fähig gewesen wäre, erfolgte erst eine geraunte Weile, nachdem die Wiener Antisemiten sich bereits in eine kriegerische Positur gegen daö „polnische Regime" gesetzt hatte». . Für die feindselige Gesiiinung gegen den Grafen Badeni, über welche die antisemitischen Wortführer in der- Presse und in de» Bersammlungen keinen Moment einen Zweifel walten lassen, sind vielleicht folgende Umstände entscheidend: Dem Grasen Badeni ' geht der Ruf cineö guten österreichischen Patrioten und eines energische» Staatsmannes voran. So sehr haben die Siege in Wien die Antisemitenhäuptlingc doch nicht berauscht, als daß sic nicht wüßten, daß ihre ganze politische Herrlichkeit nur von der Regierung Gnaden abhängt. Ein Federstrich, und die Vereine zur Boycottirung von jüdischen und „juden-libcralen" Geschüflölcuten sind nicht mehr da, die Sudelpresse kann nicht mehr ungeahndet schmähen, verhetzen und anfreize»,' die ganze Organisation der Antisemiten stürzt wie ein Kartenhaus zusammen. Atl'lavit ot

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