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Freies Blatt · 1895-09-08 · 179 (8.9.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
179 (8.9.1895)
Date
1895-09-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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* f Freies Blatt AdoiiiikmciitSvrkis. Für Oesterreich-»»za rn: Galizjabrig.5 Kronen (fl. 2.50) Halbjährig.3 Kronen ist. 1.50) ftöt das gelammte Ausland: Ganzjährig .6 Mark Halbjährig .3 Mark 50 Pf. Einzelne Nummern V kr. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen Organ zur Abwehr des Antisemitismus Erscheint a» jedem Sonntage. Ätcd.iclio» ii»d 'iUtuiiniftratioii: l Lcilcrslältc 10. Jckserake trabui mit ller N' kr f für tfu vier mal acivaireite AonpareiUe^it« dere^net. Kleiner Anzeiger das Wort i Heller (2 fr.). Aufnahme von Jairfatfu in unsrer Admuusttaiion sowie im Annoucendureau M. Tufes.!. ^ottzeile h. diummer 179. J Wien, 8. September 1895. IV. Jahrgang. Die ^uden in den bnltijchen Provinzen. >Original Ullillheiluiig des „Freien Blaues".) Petersburg. I. Lepiember. Ein Jahrzehnt ist bereits verflossen, seitdem das russische Ministerium des Innern nngeordncl Halle, die Thäligkeit der Jude» in den baltischen Provinze» auf dem Gebiete der Industrie und des Handels zu slndlren, um die Frage über die freie Ansiedlung von Juden im Gebiete endgiltig lösen zu können. DaS Njeder lassungsrecht der Juden in den Ostseeprovinzen, welches unter Alexander II. von Niemandem bestritten wurde, wurde nämlich mit der Thronbesteigung Alexanders III. gänzlich in Frage gestellt, so daß die in den baltischen Provinzen seil einem Menschen alter lebenden Inden mit banger Zorge und gerechten Befurch tungen der Lösung der Frage entgegensetze». Obzwar der Petersburger ReichSralh am 1U. Juli 181)4: beschlossen hatte, den einer Gemeinde in den baltischen Provinzen angehörenden Juden das Recht ta freist „..d ..„beschrankten Niederlassung im Gebiete cinznräunien, so wird dieser Beschluß dennoch durch die Willkür der Behörden zunichte gemacht, so daß die unsichere Gegenwart und noch mehr die unsichere Zukunft auf dem Geiste und Leben der Inden wie ein Alp lastet. Aber u»S interessirt im gegenwärtigen Augenblicke nicht die Lösung der Frage von der freien Niedcrlassnng der Juden in den baltischen Provinzen, da diese Lösung, welche vom Ministerium des Innern abhängl, bei dem in diesem Ressort herrschenden antihuinanrn Geiste gewiß'zu Ungunste» der Inden auSfallcn dürfte. Unser Interesse erwecken aber die Gutachten, 'welche viele Städte der Ostseeprovinzen über die Thäligkeit der Juden auf de», Gebiete des Handels und der Industrie abgegeben haben. Trotzdem diese Gutachten nnlcr Aufsicht der russischen Behörde» verfaßt und zusaininrngcstcllt wurden, fiele» sie dennoch derart zu Gunsten der Juden aus, daß man sich mit Recht fragen darf, a»S welchen Quellen die Judenfeinde ihre Anschuldigungen gegen die Juden in den baltischen Provinzen schöpfen und m>k welchem Rechte sie behaupten, die Juden schädige» de» Handel und die Industrie? In diesen Gutachten, welche lauter nichtjüdische Gemeinderäthe und Handelskammern abgegeben haben, ist unwiderleglich dargclhan, daß die Berdienste der Juden um die Hebung und Entwicklung deS Handels und der Industrie in den Provinzen so groß sind, daß die christliche Bevölkerung ihnen eher zu großer Dankbarkeit verpflichtet ist. Ja wir könne» sogar eonstatire», daß die Städte, welche diese Gutachten abgegeben haben, durch Judcnfreundlichkeit sich niemals ausgezeichnet haben und der „Judcnknechlschaft" nicht geziehen werden können. I» erster Reihe steht ii» dieser Hinsicht das Gutachten über die Wirksamkeit der Juden auf dem Gebiete des Handels und der Industrie in den Ostseeprovinzen, welches die Stadt Riga abgegeben hat. Mit ziffermäßigcn Belegen und statistischen Date» weist der Gcineinderalh der soeben genannten Stadt, in dein Juden niemals gesessen, nach, daß die Enlwicklüng des Handels und der Industrie, welche im Rigaer Bezirke seit den. letzten zwei Decennie» zu beobachten war, größtentheils dem wohlthätigen Einflüsse der Inden zuzuschreiben sei Während früher, schreibt der Rigaer Gemcinderath in seinem Gutachten, die Arbeiter in Fabriken und in industriellen Etablissements um Hungerlöhne arbeiten mußte», stiegen die Löhne der Arbeiter, seitdem Juden zur Errichtung von Fabriken zugelassen worden sind, aus das Dreifache, io daß jetzt iclre» ein Fall zu verzeichnen wäre, wo ein Arbeiter sich über Ausbeulung - .zu beklagen Hütte. Andererseits, führt das Gulachjen fori, haben die Juden auf dem flachen Lande eine Erwerbsguelle ins Le. en gerufen, welche der bäuerlichen Bevölkerung große Hilfe erivent, indem sie die materielle Jmpolenz deS Dorfes bcdculcnd ab schwächt. „Will man," schließt das Gnlachlcn worll'.eb,- „pa Stimme der Wahrheit folgen/ so muß man offen erklären, daß. die Wirksamkeit der Juden auf dem Gebiete deS.Handels lind der Industrie in den Ostseeprovinzen für das allgemeine- Wohl von großem ersprießlichen Nutzen war und ist." Mil ebensolcher Präeision spricht sich das Gutachten der Stadt Miiau über die ökonomisch-industrielle Thäligkeit der Juden in den Provinzen aus. „Wir," schreibt der Gemeiuderath von Milan, , „wir, die Gelegenheit genug halten, die Wirksamkeit der Inden auf alten Gebieten des Handels.und der Industrie zu beobachte», müssen rückhaltlos, zugebe», daß das jüdische Element ein nützlicher Fa.'.or ist, der die Hebung des Handels und des Gewerbes fördert." Der uns knapp zngcmessene Raum gestaltet uns' nicht, die Gülachlen vieler anderer Städte i» den Ostseeprovinzen anzn führen; die von uns bereits citirlen genügen jedoch vollkommen, nni die Grundlosigkeit der abgedroschenen Behauptungen der rns fischen Judenfeinde über die angebliche ökonomische Schädlichkeit der Juden zu begreifen. Es fragt sich nur, ob das Ministerium des Innern angesichts dieser Gülachlen sich bekehren wird, um den Juden in den baltischen Provinzen das- Recht -der freien Niederlassung cinzuränmc». Wir halten hiezu, ossen gesagt,'Herrn Dnrnowo für zu wenig gcrcchugkeitsiiebend. Die 'Jaden der bal tischen Provinzen werden wahrscheinlich ihre Hennstalleii verlassen müssen, trotz aller Gutachten, welche ihre wirih'chaftliche Beden tulig für diese Gebiete beweisen: Mau wird sie in Roth üud Elend hinchlsstoßcn, nnd das Eiide vom Liede wird dasselbe wie bei allen bisherigen Judenansiveijungen sein. Dieselbe nichisüdische Bevölkerung, zu deren wirlhschafllichein Schutz angeblich die Juden auSweijungen erfolgen, biuel um Widerruf dieser Maßregeln, eben auS —: nsirlhschaftlichen - Gründen, ^o sind kürzlich, erst beim Generalgonvernenr von Warschau zahlreiche Petitionen orlho , doxer Gemeinde» der Westgrenze eingelausen, i» welchen ansgeführl wird, daß seit der Ausiveisnng der Inden ans ihre» Grenzwohn orten die materielle Lage der Orthodoxen sich bedeutend ver schliniinert habe, da viele jüdische Unternehmungen, bei welchen die christliche Bevölkerung 'früher reichlichen Erwerb fand, nicht mehr bestehen. Das Generalguberniickn von Warschau hat an gcsichtS dieser Petitionen in Petersburg den Vorschlag gemacht, die i» einer Eulscrnnng von fünfzig Werst von der Westgrenze noch lebenden'Juden in ihren Wohnorten zu belassen. Argus. 3clbftHIfc. , Juichrsit an ba-J „Freie Plan" ) AuS Piähre», -t. Leplember. Unter den Kronlündcrn Oesterreichs kann sich die Markgrasschaft Mähren mit Fug und Recht rühiuen, ein Land zu sei», welches seil den ältesten Zeiten in religiösen Dingen einen freiheitlichen Standpunkt

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