Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 177 (25.8.1895)
- Date
- 1895-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 177. Seite st. Freie» tember 1743 die Hof- und Wahlresolntio», worin für diejeS Lad die Taxe für eiiiniahl Bade» 12 kr. festgesetzt wurde. Dar ,Neubad' oder dar damablr sogenannte .Rohrbadel aw Anger' vor der Frauenkirche gehörte der Stadl Baden laut Pergleich mit den Augustinern. Denen Jude», sie möchten auch »och so vornehm sein, ist sonst in keinen ander» Bad zu baade» erlaubet und hat jeder Jud von einmahl Baden 6 kr. ei» Christ aber nnr 2 kr. ein Christenlind 1 kr. zu bezahle»! eS pflege» aber von denen Christen nur gemeine Leute und Herr schaflrbedienle i» diesem Bad zu baade»." Daran knüpsl der Bricsschreibcr die Beinerlnng: „Bor 15(1 Jahren waren also die Juden nur aus dieses eine ,Baad' beschränkt, auch wenn sie noch so vornehm und reich waren: in den andere» Bäder» war eS den Juden nicht erlaubt; ja damals hat man de» Nichtjude» den Aufeitthalt aiigenchmgemacht, inan -halte judenreiiie Bäder. Eine ähnliche Berordiiinig löunte heute auch bestehen, die f o g e n a n » l e Toleranz und H u in a » i t ä t braucht hier nicht i » S Spiel zu ko »i in e n, sonder» die Ltadträihe sollle» einfach von ihrem HauSrccht Gebrauch mache». Die Bäder gehöre» Golt sei Tank »och den Badener »ichtlüdischen Bürgern und Beivohnern. Wie die Grazer Geniciiidcvertretung hak wohl auch die Stadt Baden daS Recht, .mißliebige Zuzüglinge' — und daS stud die Zutcn bei der Mehrzahl unserer Einheimischen und Gäste — von ihrem Eigenihuiii sei »zuhalle»." Tollte Baden je von dem Mißgeschick betroffen werden, eine alstiseinitischk Getneindevenvallilug zu erhalte», dann ivür-de eS gar bald unter den Curstädle» denselben Rang einnchinc» wie die „Ostdeutsche Rundschau" unter den Togblätter». Wahrlich ei» tranriges LoS. (Auslösung einer Firma.» Sang- »nd tlanglo« hat sich die Firma der GcschästSantisemile» A h l w a r d t & Ä ö lk e l ansgetöst. DaS - „T e u I s ch c Bolksrccht" ist nicht mehr aus der erste» Teile mit dem Perinerk: „Begründet von H. Ahlwardt »»d Dr. Bocket" geziert. Tic Beiden scheine» sich wieder enlzweit zu habe» und Ahlwardt freiwillig oder in Folge einer Prelsion auSgeschieden zu sein. Als verantworllicher Redactenr der BlalleS zeichnet »och Böckcl, der aber jetzt nur seinen eigene» Rnhnr verkündigt und nicht mehr auch de» seiner früheren Compagno»» Ahlwardt. Letzterer dürste früher oderspäter die Geschichte der Firma von ihrer Gründung -an bis zur Auslösung in einem seiner Dreißig Pfennig.Borträge zuni Beste» gebe». <Bom „Häusliche» Rathgcber".) Gegen den Herausgeber des „Häuslichen Raihgeber-S", den antisemitische» BerlagSbnchhäudler Robert Schneeweiß i» Breslau, ist seitens der dortigen SiaatSanwallschaft die Anklage wegen Betruges, Unterschlagung, -Hehlerei, Berletzung deq BriefgeheiinnisscS n s. w. erhoben worden. Schneeweiß beabsichiigte zu Anfang des nächsten Jahres eine Filiale seines „Häuslichen Rathgebers" i» Wie» zu errichten. jfcunimni. In Aetit it n 6 7Ü ex n n. lionian aus Polens lUnjrit V0tt / > Earl Kriot. <i*. ^ctnV^uuj.) „Geht, ruft mir eiligst mciiicn Lohn.herbei, den Fürsten Mstislaw!" gebot der russische Großfürst, „sagt, ich Hab' Eile und Wichtiges mit ihm z» verhandeln!" Mil verdrießlichem Gesichte trat der junge Russe ein, und sich vor feinen Batcr hinstellcn-, sagte er mit schlecht verhehltem Acrgcr in der Stimme: „Du hast Wichtiges mit mir zu bcrathcn, ließest du mir sage» — waS könnt'S beim sei», das für u»S Beide so große Eile hält- und »ns so wichtig war ..." „Run, nun," schmunzelte JsacSlaw, „daS wirst du gleich hören und dann urthcile, ob für uns nichts Wichtiges mehr ist." MstiSlam horchte auf. „Ja, ja," lachte JsacSlaw in sich, hinein, „jetzt möchtest du mir wieder die Rcuigkcitcn von der Stirne lesen ..." „Mach schnell," unterbrach Mstislaw in seiner gewohnten Rohheit den Batcr. „Also schnell: die Polen, hörst du, unsere Feinde,, die Polen haben heut' Rächt die Stadt verlassen ..." „Was sagst du? Die Polen. Und BolcSlaw?" „Rein, nein, mein Junge, nur ein Thcil der Polen hat mit feinem reisigen Bolle und dem Troß Kiew verlosten; der König aber, der verhaßte BolcSlaw, ist hier geblieben und mit ihm nur ein kleiner Anhang." Mstislaw.war mit einem Schrei aufgcfahrcn. j,Sichst du nun," lachte heimtückisch der Alte, „hall' ich da nicht Recht, wenn ich dir von sehr Wichtigem sprach und dich zur größten' Eile antrieb?" „Ja, Eile! Du hast Recht! Handeln wir!" rief mit heiserer, wutherstickter Stimme der Junge, „aber," fügte er hinzu, „können Blatt. wir u»S auch auf die Kiewer verlassen? Bist du ihrer, die uns schon einmal so schnöde behandelt, so sicher?" ^1 „Da, wo eS sich gegen die Pole» handelt, ja! Und wo eS gilt, ihr verhaßtes Joch abzuschüttcln — heute schon beginnen wir mit nnsercm Werke, ich will nicht lange zögern ..." „Du vergissest, Bater," wars hier Mstislaw ein, „daß eS unS an Biclcm gebricht: wir habe» nicht viel Wasicn und auch nicht allzuviel Geld ..." „Beides werden wir u»S »och heul' verschaffen," eutgcgnctc Jsaeslaw, sich vergnügt die Hände reibend, „heut' nach Sonnenuntergang gehe» wir zu dem Juden Salomo»; das ist ein steinreicher Mann, der Jude, und der wird uns helfen." „Und wenn nicht?" warf Mstislaw ein. „Er wird, er wird," lachte der Großsürft, „last' mich nur machen, und du wirst sehen, daß JsacSlaw von Kiew den Feinden schon den Herr» zeigen .kann, komm', du sollst meine»-Plan-auch gleich vernehmen." Lange und eindringlich unterhielten sich dann die beiden Rüsten, und eS mußte wahrlich nichts Gnies sein, daS sie im Schilde führte», denn auf ihren Gcsichlern glühte heimtückische Freude. Während BolcSlaw und Lea in'Dcborahü Hänschen sich.-ihrer jungen Liebe freuten, betraten JsacSlaw und sein Sohn die Schwelle von SalomonS Wohnung. Der' Jude cmpsing die beiden Großfürsten unter tiefen Bücklingen und geleitete sie in die Wohnstube, wo er sic Platz zu nchnicn ersuchte. „Rein, nicht hier," sagte JsacSlaw, „wir habe» Wichtiges mit dir zu reden, Salomon. und deshalb führe'uns an einen Srt, wo wir nicht belauscht werden können.'" „Seid ohne Sorge, griädigcr Großfürst, .in mcineni Hanse gibl'eS keine Spione . . ." ' j „Und Euere Hausgenossen?'.' srug Mstislaw. „Ich Hab' Ricmand im Hause als meine Tochter," gab Salomon zur Antwort, „und diese ist'mit ihrer Magd auSgegangcn." Bei Rcnnnng der Tochter flog ein Lächeln nm die Lippen MstiS lawS, während auf den Zügen seines BatcrS ein hämischer,Züg erschien, der sei» vcrknisscneS Gesicht fratzenhaft entstellte. „'Wenn eS auch," sagte er zu dem Juden gcwendcl, „hier bei dir sicher ist, so ist eS immerhin »och sicherer und mir darnm auch vielerwünschter, wen» wir unS in daS Gewölbe begeben, wo ichschon cinigeiyale mit dir gesprochen." „Wcöhalb, Herr Großfürst?" wagte der Jude. „Aha!" rief Mstislaw dazwischen, „du fürchtest, Jude, das; wir da drinnen deine Schätze sehen und lüstern danach werden'" „Kur; und gut," entschied der Großfürst, ,,'ühre »ns in das Gewölbe." Und sofort begann er dem etwas scheu blickenden Inden sein Anliegen vorzutragen. - . „Denn, sieh' Salomon,". redete er auf den Inden ein, „on bist. stclS ein guter Untcrlhan gewesen, und ich mag euch Inden gern, ihr habt euch nicht zu beklagen gehabt bisher »»lei meiner Herrschaft — ja, daS hat freilich ein Ende, genommen, seildem die Bolen hier hausen mit ihrem verbrecherische» König — da ist ans Kiew eine mörderisch verwilderte Stadt geworden — und schon gar ihr Inden habl's nicht gut: die Polen drücken und knechten euch, wie sie cs nur vermögen, ich freilich Hab' euch Jude» stets geschützt und mit meiner väterlichen Hand jede Unbill von eurem Haupte gewendet, wenn der elende Pole euch ncncrdings treffen wollte — und hauptsächlich dich, Salomon, Hab' ich beschützt vor alle» Anderen, denn dir bin ich von deinen (Glaubens-, genossen zumeist gewogen; und darum komm' ich auch zu dir, wo jeder deiner Glanbcnsgenossen glücklich wäre, mir zu diene», weil ich dir gut bin und dich den anderen Inden in Kiew weit vorziehe." „Und waö begehrt der gnädige Großfürst von mir?" fragte mit leisem Zagen der Jude, „welchen Dienst könnte der arme Salomon dem hohe», mächtigen Großfürsten erweise»'?" „Der arme Salomon!" lachte Mstislaw, „dem Genkache da kann man die Arninth gerade nicht anschcn!" „DaS, edler Herr, sind zumeist anvertraute Waarc», für die ich den Besitzern hasten muß' ..." „Schon gut," unterbrach ihn etwas heftig Jsaeslaw, - „du hast aber auch noch eigen Gut genug — und davon — um kurz zur Sache zu kommen, sollst du mir vorstrcckeli, ich brauche Waffen, viele und gute Waffe» — und dann auch Geld . .." „BiclcS und gutes Geld." witzelte der Junge. JsaxSlaw warf ihm einen strafenden Blick zu, und sich dann wieder an den Juden wendend, fuhr er fort: „Es ist nicht zu viel, was ich begehre, wahrlich nicht zu viel für deinen Rcichlhnm und schon gar nicht zu viel für den edlen Zweck, dem cö dienen soll."