Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 175 (11.8.1895)
- Date
- 1895-08-11
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 175. 'freies Statt. Seit« 9. falsche» Römlingen nnd Freund deS edlen Polacken von Lerona;» fdiimpfcii, 2) die Purzelbäume politischer Gaukler, die „um eine Zehnhcllerpsründe zehnmal ihr Genick um 180" drehen", uuterhältlich zu finden und 3) al« Beweis froher Slimmung den Borschlag zu veröffentlichen, man sollte statt der eingebürgerte» niundartlicheu Form „deutsch" richtig „deutisch" schreibe». Gut Ding braucht Äeilc, und in einigen Wochen wird schon ei» deutisch volklicher Fmharker dein AechinngSurtheil eine deutliche Snipfangsbcflä'igung folge» lafie» (Tic Mutter Gottes im Wiener Wahlkampfe.) Tie „O st d e»t i ch c >k u n d s ch a n" macht u»S mit einem Flugblattc bekannt, welches gegenwärtig in Wien verbreitet wird. Dasselbe führt de» Titel: „GolteSstnrin zu Ehren Mariens, der Mutter von der immerwährende» Hilfe, um de» Sieg der katholische» Sache über da- Anlichristenlhnm in der Raihrstube der .stuisersladt Wie» zu erflehen " Rach einem Vergleiche der gegenwärtigen Lage mit jener lur Zeit der Befreiung Wiens aus der Turkennoth heißt eS in dem Flug Wattfi „Wien hat eine große Wahlichlacht zu schlage», die entscheide» wird, ob ne Eapitole (aio!) Oesterreich« und mit ihr der allehrwürdige .staiserslaat christlich oder antichristlich regiert werden soll.... Wie unsere katholischen B.jier vor 200 Jahren, bevor sie in die Schlacht stürmte», sich dem Schube -er hehren Mutter Gölteempkahlcn, so stellen auch wir diese entscheidende Geisterschlacht unter de» mächtigen Schutz der heiligsten Mutter, deren Hilfe unmer währt! Mögen die 20.000 Abonnenten und die Hundertlausende von Veitli, der Zeitschlist .Maria Hits' sich zu einem geivaltige» GebctSsturme-aus \i« Herz unserer himmlische» Mutter eine», al« eine Armee von Bel r», damit Maria den Wunsch erfülle: Unsern edle» Vorkämpser Tr Lueger;>»» Siege führe...., daß er durch Gotte« Gnade und die Hilfe Mariä als anderer »ebenberg auf de» Ehrcnstnhl der «iaiserstadt erhoben werde." Ta« Flugblatt »i anscheinend in Münster gedruckt, der Styl aber verräih die — Weina u s e r P r o v e » i e » z. („Jüdische Frechheit.") Man schreibt »»«: In .stissinge» Hane ein . merikaiiischer Staatsangehöriger Namens Ster» wegen der Theilnahme »-ine« Sohne«, eines sünfzehnjährigen .stnabeii, an einer Reunion einen Eonfliet mit dem stellvertretende» Badecommissär, einem Herr» v. T h ü n g e n I» Folge desien ninßle dann Stern unter Gendarmcriebeglciinng zum Bezirk«, .»nie gehe», wo ihm eröffnet wurde, er werde gegen ihn wegen seine« Per baliens gegenüber einem königliche» Beamte» eine Untersuchung eingeteitet ivorden, doch würde er gegen eine Caulio» von 80.000 Mark von der Unter. »chungShast verschont bleiben. Stern erlegte diesen Betrag, trotzdem aber hielt man ih» — ein juristisches Unicum — iuternirt. . lieber' diesen Borsall de- >,ch>ete» antisemitische Schandblätter unter der Ueberschrist: „Jüdische Frechheit". Ster» wurde zwar wegen Beleidigung eine» Beamten zu vierzehn Tagen Geangniß verurtheilt. ES ist aber »och sehr fraglich, ob man eS hier nicht neben ■ .jüdischer Frechheit" auch mit junkerliche» Uebergriffen zu thuil hat. Eine geuane oberbehördliche Untersuchung würde bald den wahren Sachverhalt klarhelle». („Socialikäre" gegen einige Hilfsarbeiter der Firma Ahlwardt & Böckel. Sie Tühringianer oder „Socialitärcn" laffen sich in der Augustuummer de» Modernen Völkergeiste»" gegen einige HilsSarbeiter der auiisemitischen >eschäslSsirma also Vernehmens Ter organisirte freiheitliche AnlisemitiSibuS »aarl sich um die beiden Männer Ahlwardt und Tr. Böckel, deren Namen ja »ich dem „D e n I s ch e'n B o l k S r e ch l" an der Stirn stehen, welches zwar »Np von dem Letzteren redigirt wird. -Beide haben Beldienste UNI den Racen- .luiiscmitiSmus. So viel man auch an Jedem anSzusehen habe» mag, lo würden Bride an rechter Stelle auch seruerhi» für die freiheitliche und zugleich autiniuische Sache Gutes wirken können, ivenn sie eben nicht Feinde im eigenen zager Kälten. Diese Feinde hegen z. B gegen die sreihcitlicheu Wettdungen de» .'errn Tr. Böckel eine» ingrimmigen Haß, weil sic selbst innerlich reaetionär sind, heftig sie eS auch ableugne». Schon in der vorige» Nl»»»ier wurde da» . ractionäre Triumvirat der Herren v. M o s L, Witte und G r ü n e w a l d ekennzeichnet. Inzwischen ist nun zwischen dieie» drei Herren und de» So-> ialilären ein Bruch geschehen, der beiden Richtung«» angenehm sei», der aber ier ein wenig der Oeffentlichkcit mitgetheilt werden muß Herr v. Mosch ist u»« schon seit dem vorigen Jahr als Redacleur des jetzt eingegangeneu Wochenlaues „B u » d s ch u h" bekannt, das bekanntlieb von Ahlwardt „herauSgegeben" »>urdt, an dem dieser aber nicht viel mehr arbeitete als jetzt am „Bolksrechl". Ter Redacteur machte durch seine dichtelnden lind prosaisch pomphafte», gut kaiierjich und christig gehalteneu Beiträge da« Blatt jedem wirklich sreiheitichen Leser ganz »»genießbar. Aber dar. Rcaetionäre der Mosch'schen Arbeit war »och i.icht daS Schlimmste. Ter .stampf der „W estsälischcn Resor >»" »ege» de» Herrn, der sich Ahlwardt'« Freund nannte, aber sich mindestens zweideutig benahm, weist schon auf Schlimmere» hin. Ter sich, wo möglich, mit eulscher Gewiffenhasligkeit brüstende Herr schrieb auch über den „Socialitären Bund" einige Unwahrheiten. Er nannie den „Socialitären Bund" einen »ur in Berlin bestehenden winzige» Verein von.antisemitisch gesonnenen Atheisten und Anarchisten/ Hätte er die schon vom Februar 1894 an erschienenen Artikel im ..Moderuen Bölkergeist" über „Geistesführuiig" gelesen, so hätte er, wen» er Überhaupt unterscheiden könnte und wollte, doch wohl de» Unterschied heranSsinden muffen zwischen u»S, die wir einen Ersatz der Religio» dnrch Voll koinmenereS vertrete», und den bloße» Atheisten, die ineist weder Wissen, noch Tcnken, noch Vertrauen in sich haben. Wir scheue» da» Scheltwort „Atheisten" aus dem Mund« eines Herrn allerdings nicht, der Theosoph, Spiritist und der gleichen ist, aber auch zugleich den Muffen' sich als Thrist vorstellt, während er doch unter seinein Christcnlhlim sicher etwa« ganz Andere« versteht al» die christliche» Maffcn. Ten Eindruck mache», al» ob man ebenso denke wie Andere wenn ma» weiß, daß die« nicht wahr m — das nennt man miiidestenS zwei deutig. Dieselbe Eigenschaft bekundet der Herr v. Molich i» der Politik; er. will in der Theorie Republikaner sein,' aber in der Praxi» Monarchist Auch nennt er sich gelegentlich mit dem Herr» v. E g i d », den er nie den etelsteil Mann hält, „Edel-Anarchist". Aber nn« will-er mit dein 'Namen „AnarchiSinuS" bei de» Massen diScreditiren, al-o in üble» R»f bringen . . Mil de» beiden anderen, oben genaiiilic» Herren, den Freunde» de? Herr» v. Mo-'ch, »»« hier weiter zu ' beschäftige», »nie:lassen wir noch. Aehnliche« über ihre Vergangenbeit ivuide unS auch bekannt. Ter persönliche Verkehr schärfte untere Beobachtung. Tie Wahl im .strciie Colberg stosli» wurde die äußere Veranlassung zum Bruch zwischen den reactionären ..Führern" und den ihnen blindlings 'olgeuden An Hänger» eine,seil« und de» „Loeialiiäre»" »nd den wirklich 'Hlheiui.li sein wollenden Aiili'emilcn a»dere>scit«, Tie besonderen Vorgänge weiden bei iveiterer. Veranlassung enthülll werden. — Daß AKlivardt bei den von ihm „heraus" gegebenen" Blättchen nur al« Strobmanu sungiri, war schoii trüber belannt. T »bring'« Abneigung gegen Alle«, Iva« „gilt kaiserlich" und „christig" gehglie». ist ebenfall« nicht« 'Neuer. Von de» voranstehende» AliSIassungc» nebmeu wir auch nur deshalb Notiz, iveil sie ein sehr gute« Signalement'de« Hern, v. Moffch enthalten. Dieser dürfte wohl .im Lause der ,4m noch Earn-'re machen >i»d die bescheidene Stellung eine« Gelüsten der Firma Ahlwardt .V Böckel ansgeben »in ei» eigene« Geschält zur pronipten Bedienung tauski atiiger Amiieinisten zu etabliren. Nach einer Hamburger Meldung ist da« Avanceinenl be« zu Allein sähigen Moich sogar »nininelbar bevorstehend, und er >oll schon Ende September dorthin übeisiedel», um den Verlag eine« Hei.-blalte« z-.i nbcrnebuieii. (TaS siinfiuidzwoiizigjiibrigc Iiibiliii»» Der Siegesiogc vo» 1870 71 ■ Ter Urgermane - Sedlavek brachte iu seinem Schandblalte nachstehende» Ausruf: „Deutsches Volk, wach aus! Ihr Soldaten, die Ihr auf Frankreichs Auen gekäinp't und geblutet habt - kür's heilige Vaterland, schließt Euch zu sainmen zum .stampf gegen da« zersetzende Judeiithum, dem nicht« "heilig ist Protestanten »»d statholikeu begrabt die Streitaxt, vereinigt Euch,, der Feind steht vor de» Thoren, und dieser Feind ist dar Iiidenthui», die goldene Inter. »ationale, kämpfet gegen die semitisch.' Frechheit, Erbärmlichkeit und Vater landSlostgkeit. An deu Gräber» der gesallenen Helden, beim Anblick der von den stngeln zerfetzte» Fahne» und Standaiten gelobt treu zu stehen zur .Teulich sociale» Resormpariei', unterstützt die aniiskiniliichc Presse., lest keine ha« Volksleben vergiftende Indenzeilnng, dazu uiakne unS die «miiiuidzivanzigjährige Wiederkehr der SiegeSlage vo» 1870 7k, und wen» wir Alle Mann für Mann in diesem Sinne die ruhmreichen Tage feiern, dann werde» auch nn« mm . unsere Enkel segnen! Aus zum .stampf! Tie Waffen hoch! Deutsche« Volk; werde hart und wahre dein HauSrecht! v. Gerhard»." So wird, bemerkt hiezu, treffend uiiiere Berliner Abwehrcollegin, da« Andenken an die große Zeit be' ’ sudelt durch einen rohen, pöbelhafte» Ton, durch eine Beschimpfung der Dem. scheu jüdischen Glauben«, deren Angehörige an der Seite ihrer christlichen .stainerade» den, Tode in« Angesicht ge-cham haben. HPelch ichwerzliche« Geinhl muß sich der südffcheil Beleranen bemächtigen! Aber zugleich wird die Ge saminiheit de» deutschen Volke« am« Tiefste gckräult und. beleidigt durch die unverschämte -fiiinulkung, a» den.Gräbern der gefallenen Helden die aniisemitische Fahne aufzupslanze» Wer hätte da« vor 2> Jahren iür möglich gehalten! . Ter Brätid in Brotterode.) Au» S ch in a i l a l d e ». o. '.-lngnst, »'irr , nn« geichrieben: Während anständige Blauer angesichts des, schrecklichen V. an' »ngl'lck« in Broiterotc der Wodllhätigteil ikre Mitwirkung liehen, v-s;el auch die amiiemililche Lchaudpresic ihre Spallcii, ui» den ihr iinnier irobllbncneeii Schiniptereien und Lügen Raum zu gebe». Alle» voran »la.jchni naluüich wieder der „Bad iiche Volkobolc". Ta« Blau, an denen Spive die Devise steht l „Für Teuischthuin, Thron und Altar", schreibt: „Bei dein giast l;che» Branduuglück, welcheda» sriedliche Städtchen Brouerode am Harz ver nichiere, hat sich ei» überaus charakteristische» Vorkommuiß abgespielt: Wie die Hyänen de» Schlachlsclde« habe» sich die iüdiiche» Viehhändler kingesnudcu, ui» die Nolh der Arme» auSzubcuien. die noch ei»'Stück sich au« den Flainme» gereuet habe». Einer dieser dunkle» Ehrenmal,»er bol, für eine stütz, die gewiß 240 bis 280 Mail werlh iff, ff0 Mark Sollte mall da« wohl für möglich Hallen? Freilich hal der Bürgermeister den schmutzige» GeieUc» das Handwerk gelegt, den» er hat ihnen den Handel mit Vieh einfach verbolt». Recht >o." - Tie a»s Anlaß diele, Eorie-'pondc»; a» zuständiger Stelle eingezogenen Ertmidigungcn habe» d'i, a in l l i ch e » Beicheid zur Folge gehabt, Pen wir hiev ivörilich wiedergebe»; „E« ist hier nicht bekannt, daß gerade jüdische Händler die Nothlage der Abgebrannte» haben auSnützen wollen, im G e g e » t l) (i 1 haben die bclannten jüdische» HandelSleme de» ibneu bekannte» Nolhleiteiitcn «»geboten, ihr Vieh unentgeltlich für den Winter in Fnuer zu nehme». Von anderen Händler» sind allerdings so niedrige Gelüste gestellt worden, daß von