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Freies Blatt · 1895-08-11 · 175 (11.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
175 (11.8.1895)
Date
1895-08-11
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 175 Freie» Blatt. Bruder, der sich in den Docks Herumtrieb. Bei der Gerichtssitzung von Canning Town haben diese abscheulichen Kinder ihre (Geständnisse wiederholt, mit grauenhafter Kaltblütigkeit, ohne ein Erzittern, ohne Rührung, in der präciscstcn Form die Fragen des Richters und der Geschworenen beantwortend. Sie allein im ganzen Saale, sic, diese zwei kleinen Kinder, bewahrten ihre Ruhe. Der Richter war bleich, die Geschworenen sprachen leise, eS zog etwas wie cisigeS, lähmendes Entsetzen durch den Saal. Und wie die zwei auSsahcn! Man kann eS kaum denken: zwei reizende Kinder, hübsche, wohlgcpslcgte, gesunde Knäblein mit gutmüthigen, runde», lachenden (Gesichtern, mit blauen Äugen, mit einem Gehaben von Saustmuth und Zärtlichkeit. . . . Trotz des Geständnisses der jungen Scheusale trug der Borsitzcndc der Uiitersuchungsjury Bedenken, die Frage zu stellen, ob genug Verdachtsmomente vorliegc», um die Angeklagten der Straf Jury zu über' weisen. Er war der Meinung, daß die Kinder wahnsinnig seien. Auch For wird auf seinen Geisteszustand geprüft werden. Er ist glcichsalls in Haft. ES ist wenig wahrscheinlich, daß er am Morde theilgenommen, aber der Richter glaubt, daß er davon wissen nnd auch Borthcil ziehen mußte. Biele Wcrthgcgenstcinde fehlen, deren Spur hei beit Psandvcrlcihern des Bicrtcls nicht zu sindcn ist. Dann wartet man, tun die Untersuchung zu schließen, die Rückkehr dcS BatcrS ab. Er in jetzt auf beizt Rückwege von Amerika nach England, dicker Unglückliche, der an das kleine HauS in Plaistow denkt, an seine brave Frau, an seine vielgeliebten Kinder, die er sich sehnt, ans Her; zu drücken. — Robert und Rathanicl EoombcS sind keine Jude», keine Semiten. Hätten die im Boranstchendcn geschilderte Greuelthat Judenkinder an ihrer Mutter verübt, welche Anklagen wären dann von antisemitischer Seite gegen die „Talmud Moral" und die „semitische Rare" erhoben worden? Die Antisemitcnprcsse stellt ja schon alle Juden alS wahre Scheusale hi», wenn irgend ein jüdischer .(tränier EoneurS aniagt. ((iii! Bild des Zammers.» Aus Petersburg wird uns geschrieben : Wer da glaubt, daß die Hage der Inden in ganz elcnßland niit der Thronbesteigung Ri^olans' II. 'ich gebessert hätte, der irrt sich gewaltig. Ein orthodoxer russischer Pnblieist schreibt i» einem hicsigeit Blatte: „Die J»dcnausweis»ngeii an» den Dörfern »nd Marktflecken des Tanrischc» GonvernemeniS werde» mit Strenge und Unerbittlichkeit fortgesetzt Jüdische Hausirer, welche zusältig ei» Torf passirc», werden wie Bcrbrechcr angehaitcn und konimeii ans de» .Schub'. Für einen Aufenthalt, von wenige» Stunde» im Torfe, für das Recht, einen Gottesdienst abznhalten, muß der Jude den Behörden zahlen .. Ein junges Judenmädchen kam unlängst in ein Dorf, uni ihren alten Batcr zii besuchen; das Mädchen wurde aber gleich nach seiner Anlunst verhaltet. Erst nach vielem Bitten eines reichen orihodoren Kaufnianncs wurde dasselbe frcigelassen, mußte jedoch gleick, nach Siuiseropot znrückrcisen. Das ganze Unglück der Inden liegt in den', häufigen Wechsel der Bcauiten, denn jeder neue Beamte eröffnet seinen Amtsantritt mit der Berfolgnng der Inden, ohne dabei .Gcwtz »nd Menschlichkeit zu beachten. Rur reine Willkür spricht hier das große Wort, denn diese Peiniger wollen nur — GUd - o.nS den Inden hcransprcsscn." Cfficicllc Belobung jüdischer '.•Irtcrümicr.) Man ichreibt uns aus T des ja': Tie im Bezirke Mclilopol, Gouvernement Eherio», liegenden lüdischcu Ackerbancolonicn wurden vor einigen Monaici» im Anstrage des Ackerbanniinifteriums von einer dreigliedrigen Eoniniissio», ans. Petersburg inspirirt. Schon damals sprachen sich die Mitglieder der Eomniission über den Fleiß, die Tüchtigkeit und Arbeitianilcit der silbischen Ackerbauer höchst lobend aus. Auf t^rnud des von der" Eonimlssivn an daö Ackerbanniinisteriui» erstattete» Berichtes hak nun der Ackerbanininister Gchcimraih Jcrinolow durch den Go>:vcrueur von Ehcrjon an die Leitung der Eolonicn ein Schreiben richten lassen, in welchem er den jüdischcii^ Eolonistc» seinen Tank ansdriickke nnd ihnen die von ihnen Erbetene Erweiterung des Areals znficher te. (Gleich zeitig hat Jcrinolow das Gesuch mehrerer jüdischer Familien um Errichtung von »nie» jüdischen Ackerbäueolonien im Bezirke Mclilopol bewilligt und ihnen in der Dorsgcmeinde Scrogosk ärarische» l^rnnd und Boden, nnd zwar sieben Tessjatincn per-»Kops angeiyiese». (Tic Chiuescn gegen „mißliebige <,ii;iigliiigc".> Tic englischen Blätter bringen ausführliche Mittheilnngen - über ein Blutbad, welches fanatische Ehincsc» ans englischen und amerikanischen Missionsstationcii angcrichtct haben. Die Greuelthaten haben im Sanatoriuni der englische» Mission Wha-sa»g (bei Ku-tscheng) und in Kn ticheng selbst stattgefunden. Das Sanatoriunr wurde angegrisscir-, in Brand gesteckt, zehn britische Untcrthancn wurden ermordet. Ter Miskionär Stewart nebst Frau und Kind kamen in den Flammen um, sieben Frauen wurden mit Sperren und Säbeln getödtet, eine Misstonäri» und zwei Kinder sind schwer verletzt, einem Atinbc wurden die Angen ausgcstochen. Tic Missionäre Bi>ß Hartford entkamen Dr. Gregory'sowie letztere Beide», die Philipps und nach Fu-tichau Amerikaner sind, wurden verspundet. Mach anderen Meldungen haben die Uebcrlcbcnden Entsetzliche durchgcmacht. Tic-Ermordeten winden vor dem Tode furchtbaren Marter» unterworfen. Ranicntlich ' an Frauen nnd Kindern wurdea unsagbare Scheußlichleiten verübt. Tie Mandarine» sind bemüht, di: Bcrantwortung 'ür die begangenen U» thatc» de» (Vcheimgcsetlschafti» zuzuschieben. Auch dies», l verhielte» sich die chinesischen Behörden wehrlosen Fremden, Weiber schlimmcv als vor einige» W zerstört wurde», diese selbst -jüngst cingclangte diaimmer die gegen die Fremden in richt, dessen.Wiedergabe jetzt lautet: Ein in Tsche»g-tu hatte an einer Ehincsi», die genommen. Das Kind kam Mutter wurde von Tag -eite passiv, als der chinesische Blob über die tnd Kinder, hersiel. Tiesnial war cs viel ichen in Ticheng tu, Kia sing »nd Jochon, wo bloß die Göbäude der katholische» und protenaniische» Missionäre aber mit de», Heben davonkainen. Tie deS „Dltasiati'chni Bond" entbält über Ttchcng-tu gerichteten Nnrnhen einen Bcvo» besonderem Interesse in Derselbe thätigcr protestantischer M'.isivnsdoeior im Wochenbette lag,, eine si peraiion vor als kräftiger Knabe zur Welt, doch die Beide» doch gelang es dem Ar zre. das e vom Manne tKvf ersiorbeuc n -.eriolgr. >eS Vevlerc» bl achic ehr bald NI e große Einer ans d cm . Hansen ve '-'k dein ag, woraufhin der -Angegt.''. n' kich 'zu war da S Sigi rtl de»t W INI- : „Er D a er - sein Vcb in n-.ll r iah. übrig. als - n ::t il in d CI Flucht zu Tag schwächer. T vgl. ich >i-- in ihrer Krankheit von dem Mijsionc arzte behandelt wurde, starb »•■ doch bald daraus. Ter Mann-der Beistorbcnen sendete nach kein A-.ue nnd io. bald dieser die Frau sür tot t erklärte, sprang er an' >bn los und klagte ihn an, am Tod feiner Frau schuld zu sein. E,n .>t7Nr.ps entspann sich zwischen de» Freie zu erreichen: er wur! >und daS laute Geschrei Menschenmenge zusammen. Donor eine» heftigen Sch verihcidigen begann. T ies mordet den Fremden!" blieb ihm nichts Anderes zu suchen. - Es gelang ihm auch, von nun» großen Bobelh.in'/» verfolgt, sein Hospital z» erreichen. Ein Theil des Hausen's drang nnu in den Hof des (Gebäudes ein, doch wurde e: wiekei rou dem Arzte hinausgelrieben, der daran'' den Thorweg ickslosi To einzwischen '.h'acht geworden war, zerstreute sich der Hanse wsid.i Ti: . Sach: wurdeden Bcainien gemeldet, die eine H :ch-»>chan an k-.-r kodien Fran anordneten, »nd zwei Tage lang d , . B, .1 - war der ganze Stadtbezirk in Aufruhr: Jc'erm.inn g-ng, »in o - Berstorbene, welch-:, wie das Bolk behauvi.te, tnrckt den h "1 ningebrachl worden war. zu sehe». . Täglich p.t'sirten gioß M->i>ch » mengen daS, Wohnhaus des Arztes, 'itideni sie laisi anstiefkn Bi.e, nr die Häuier der Fremde» nieder!" Dieser Bo"'all, d - im Mnride e .' Volles ieln bald mit nngeheneisicher Ait-dichi>l„cknv.z -sicie Rnne-.- »lachtc, fachte die - nnreren Eiassen der Bev-dlketung io sehr an. daß sich Hansen bildeten, die Endj: Mai die verschiedenen dort ö-.si,i.bi.ch» Mtssiansaustalicu angritten nnd demolii: a. Wahrend de: Teniotining der französische» - Miisiousgcbüpde in T'cheng tu erorach die ‘AU'erl.;.- 1 das nsiab des vor 7t> Jahren von den Elnnetz-n eiiibanvie: » Bisib, Tnfreise, welches sich im t^arien der Msi'sionsan'iatt besinver, und nahm das i'si'aippe des Märthrcrs heraus. Tasielv-, wurde.darin ' -. Hau'en durch die Straßen Ticheng ins g.-nagen, und dal"' .' eliufe, cs wären das in den KeUerrä.imen der Auttat: >- . Nsi'beine vo» Ehtiie>'.-ii, welche vo» den Missionaren " seien Dies trug nicht wenig dazu bei, die ■'«"cmutlvv ", - , noch inehr gegen die Missionare an'znreiren Mn A- •; Ticheng tn residireiiten römisch ka:holi'chen Bi'-bo-'.- Tn.-:-- -- glücklicherweise keinezder Bkiisianäre karrerlich * '''': : Thütigkeii der chinesischen „Gelieiiniecien" gegen d:. -au-: so - geht ' aus -Mittheiltmgen der „Times „Begelaiianer" ichon in den letzten Monate.-, -e—I :>!rcs -n Kn t'cheng eine gewisse Gährnng bc-rr-orgeui'--» t ' '.I»»to.::d. daß Ehina in Krieg mit Java» begriffen war. kam :i:t-.» Wnbl.ie-.e-n sehrzu statten. Im August grisfen sie d,e rdbrnien '.n> er'- Aden bang an, schlugen sie mit Stöcken tu-d , künd.-rron sie Roch im Februar lschrieb der jetzt io gransaiii-ermordete sii-verend Stewart 'Über diese Seele: „Seil Anglist vo-eige» Jahres hat die Anzahl ihrer Mitglieder rapid zngsuomme» 'Wir erhielie» ''ehr bennrnlngende Rachrichle.» über ihr Treibe». Unsere.Eonvermen drangen in mich, si-';u organisiren n»d mit Watten zu versehe».?lv-e: ich mochte Lolches »ichl thnn »nd. legte ihnen auch das Unnütze eines 'olchen Borgehens dar. Am l'.i. Deeember fand ei» Monsirc-Meeitug der Ehiue'c» in Ku-ticheng statt, aber eS fiel »ichiS Lchllinmes vor." s

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