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Freies Blatt · 1895-08-11 · 175 (11.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
175 (11.8.1895)
Date
1895-08-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt AboinirmrnISpreis. ffllr Lesterrcich-Ungarn: '«auzjsbrig.5 Sroiitn (fl. S M») Haibialirig.S Sronttt (fl. 1.50) rfiir tat gtfammK Ausland: iDaiujülirifl ..6 ®larf Haib>äi>rig .;.3 Mark 50 Pf. Ifimelu« Nummern 6 kr. Uufrankirte Briefe werden nicht angenommen. Oruran zur 2lbwehr des Antisemitismus. r Erscheint a» jrdrm Sonntage. tlikda(tioil »iiü Vltmiiuiftratioii: i. Scilcrfiartc m. tlnferal« werden mit so Hel:, inr oiirnwl geipallene SIoi,varciIIe(ei!: deeernnei. .»Keiner «n,e,ger da» Wort 4 Heller (J kr.). S.iciubm ooli Inferaien in unserer Stdmiiusiralio-, i»n>,. »» Slnnoncenbnrean M. Lute». I. i0o:i(.il« ». Kummer lto. Wien, II. ^ugull 1895. IV. Jahrgang. <j)u den Geuwinderathswal^len. Das antisemitische Lager besteht auS so verschiedenartige» Elemente», daß sich dsc Gegensätze bei jeder Wahlbewegung 'gellend machen müssen. Neben eifrigen Elcricale», denen die Stärkung kirchlicher Einflüsse als erstes, wenn nicht ausschließliches Ziel der Stümpfe gegen die Juden vorschwcbt, sinde» sich Leute, die in der römischen Kirche selbst nichts Anderes als eine Schöpfnng des palästinensischen Geistes erblicken. Deutsch yalivnale Ehauvinisten sind als Antisemiten Genossen von Personen, die in nationaler Hinsicht indifferent sind, oder gar von Slaven, die in daö Hep! Hep! nur kiiistiinnikii, weil ihnen die Judenhetze als ei» probates Mittel zur Spaltung der Deutschen und zur Schwächung ihrer Machtstellung in Oesterreich erscheint. Individuen, welche Loyalität zur Schau trage», sich der schwarzgelbcn Farbe ihrer Gesinnung rühme», stehen in Reihe und Glied mit Laudcspreisgcbcr», deren Einer öffentlich die Bundcstreue Oesterreich Ungarns verdächtigte und als deulzcher Mann die Besorgniß äußerte, daß >>n Ernstfälle unsere Armee die des Deutschen Reiches im Stiche lassen könnte. Moralprediger, deren Licblingsthcma die Reinigung des Erwerbslebens bildet, habe» Lpcculantcn zu Wasfengcsährtcn,' die fast gar kein Hehl daraus machen, daß sie die wirkliche und vermcintliche Eorruption nur bekämpfen, um die eigenen Eliinahme» zu vermehren , daß sic Andere verdrängen wollen, um selbst deren Stelle einzunrhmr». Ote-toi de In, qiie je m'y mette! Stärker als sonst trete» die Gegensätze diesmal hervor und spotten der Perkliisterungskunst deS Herrn Lueger. Man kann sich nicht ans den Auticorruplioniste» hinausspielen und di/ Enthüllungen über daS wirthschaflliche Gebühren deS früheren Gemeindevorstehers von Mühldorf ignoriren. Man kann nicht den Deutzch-Liberalen Perrath am Dcutschthum vorwerfe», weil sic nicht trotz der Annahme der Budgctpost für slovenische Parallelclasscn am Eillier Gymnasiui» gegen daS ganze Budget gestimmt habe», und zugleich für die Forderungen der Tschechen des X.. Wiener Bezirkes cinlreteu. Lueger , versucht abei« auch niemals das Unmögliche. Als er Beginn der antisemitischen Bewegung in Wien sich außer Stande sah, die Führung der Judeilhetzcr zu behalten und gleichzeitig das frühere FreundschaftSvcrhältniß zu einem „Ausnahmsjuden" fortzusrtzcn, opferte er Letzteren ohnewciters. Ebenso gab erjetzt den Deutsch-Nationalen den Tschechen Jedliöka preis, und er würde um der lieben Einigkeit willen auch das Opfer bringen, den ehemaligen Gemeindevorsteher von Mühldorf aus der antisemitischen Gemeinschaft auszuschließen, wenn dieser nicht gegenwärtig im Besitze des am meiste» verbreiteten Anlisemitenblaltes wäre. Georg Schönerer Halle einst viele Anhänger, aber er ist jetzt ein General ohne Soldaten, und für das Gewesene gibt auch ein praktischer Antisemitenführer nichts. Ernst Bergani verfügt dagegen durch das „Deutsche PolkSblatt" über Hafer und Peitsche. Und so zog es denn Lueger vor, Schönerer vor den Kopf zu stoßen und ihn, als derselbe dann seinem Anhänge die Fernhaltung von den Wahlkänipfen vorschrieb, ächten zu lassen.. Es ist möglich, daß die Perstimmung der slavischen BundeSgeiivssen sich den Wiener Antisemiten bei den nächsten Gemeinde- Wahlen fühlbar machen werde. Die in einem Ukas Schönerer'S verfügte Abstinenzpolilik dürfte aber für Lueger und Genossen kaum »cnnenswerthe Folgen haben. Wie politisch herabgekonnnen der Mann ist, der sich als de» Besten der Ostmark preisen ließ, ist auch aus einem Artikel der „Ostdeutschen Rnndschan" zu ersthe». Da wird zwar Lueger angcsahrcn, weil er gegen Schönerer grob war, aber zur Beruhigung der Ehristlich Socialen bemerkt, rueger selbst wisse ganz gut, „daß die Dentsch-Nalionalen in ihrer ioa wiegende» Mehrheit ihrem Rufe als erbittertste und verläßlichste Gegner des Judenlhumö auch bei den bevorstehenden Walde» Ehre machen und, wenn auch manchmal mit einiger Ueberwiiidnng', angesichts des gemeinsamen, jetzt zu vernichreiidc» . Feindes' geschlossen für die geschlossene anliscmilische Bcwerberliste stimmen werden." Jedenfallö thätey die Liberalen gut, ans den Zwist i»r antisemitischen Lager nicht! allzu große Hofsnnngen zu bauen. Auch wäre es rin bedauerlicher Fehler, wenn sie etwa ans die Gunst der Regierung zählen würden. Das Eabinel Windischgrätz hat trotz der einer Abordnung deö Wiener Abwehrveremes ertyeiltcn Zusage, „erforderlichen Falles" die A»t"/i:.'t>!i in - e „--»»"'fr?:- Schranke» zu weisen, sie zur Freude des Dr. Ebrnhoch und anderer Evalitionsniitglieher nach Herzenslust wirihichastcn lassen und nicht einmal Persammlungen zur Ävyeottirnng jüdischer Ge schäftslcute untersagt. Daß das provisorische Ministerin»! sich ver anlaßl sehen sollte, im Interesse des Gemeinwohls dem Anti semilismus gegenüber entschieden Stellung zu nehmen, die Anti semitenhäuptlinge in ihren terroristische» Umtrieben zu bchinderii, dafür liegt zum Mindesten kein Anzeichen vor. Die Liberalen, zu denen »och immer dlc Mehrheit der Wiener Wahlberechtigten gehört, bedürfen aber gar keiner Beihilfe, um von der Nerihe hauplstadt die Gefahr abzuwende», daß ihre Pcrwallung i» anti - semitische Hände gcralhe. Sie müsse» nur am Wahltage Man» für Mann an der Urne erscheinen und ihre Bürgerpflicht ersni.e». - Pas Alartyriuin der spanischen Puden. (Aach einem unge^ruckie» Aussätze Df3 Te. >'■( U. , „Diese vom Eoncil sauetionirten und-vom König. Liicnand pro mulgirten Gesetze galten fortan als Grundnori» für die Bcbandlnng der jüdischen Eonvertitc» rnd bildeten, so lange sich der weligoihlsche Staat behauptete, eine bc ondere Elasie und eine stehende Nnbrit für die canonischc und politische Gesetzgebung. Es ist schwer, für djese eigcnthümliche Erscheinung^ eine de» Begriff vollständig deckende Be^ Zeichnung zu siudcii. I» her osficielle» Sprache dcr.Westgvlhen wurden sie bald ^getaufte Juden' <d».i:a-i ImptUnti) oder .zur» Ehristcnlhuin geführte Hebräer' (llobrnei nel lickchu eliristinnnm trnuslnti, r.uinrli., bald schlechtweg .Juden' ^genannt. Man könnte sic .Judcnchristen' nennen, wenn dieses Wort nicht in der Kirchengeschichte das bestimmte Gepräge erhallen hätte llür Juden der Abstammung nach, die am Judenthuine fcsthalten und doch dabei an JcsuS, als den erschienenen Messias glaubten. Aber gerade diesen Glauben hatten die gewatlsam Bekehrten nicht, und man kann nicht behaupten, daß die gegen sie erlasiencn Gesetze, wie wir sie eben kennen gelernt haben, geeignet waren, ihnen diesen Gläubcn beizubringcn und ihnen daS Ehristcnthum lieb und bcgehrcnStverth zu machen. Tie^an so vielen Punttc» Gekränkten waren also! vollkommen im Rechte, wenn sie eine tiefe l

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