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Freies Blatt · 1895-08-04 · 174 (4.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
174 (4.8.1895)
Date
1895-08-04
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Freies Blatt. Nr, 171. das Weite gesucht und waren den Blicken entschwunden, sobald Neuland aus der Burg sich ihnen näherte; zuweilen hatte er auch zwei Eitler gesehen, die sich auf eine gewiffe Entfernung der Burg näherten, und da hatte Eusebius der Herrin seine Wahrnehmungen mitgetheilt und war zu dem Schluffe gekommen, daß es Bewaffnete seien, die sich in feindlicher Absicht der Burg zu uähern suchten — und heute mußte es ihnen nun gelungen fein, in das Innere der Burg einzudringen. ' Mit erschreckender'Klarheit tauchte dieser Gedanke in ihrem Kopfe ans, und ein Gefühl namenloser Angst lähmte ihre Glieder — aber da stürzte schreckensbleich Gertrude herein. „Rettet Euch, Herrin, wir sind verloren!" „IesuS! Maria!" schrie Froswitha auf, „waö droht uns?" ..Der Tod, Herrin, wenn nicht AergereS . . ." „Wir sind überfallen? Das Schloß in Gefahr?" frng FroSwitha Hebend, „rnfe Eusebius, daß er alles Bolk bewaffne, die Sclaven und die . . ." „Sh, Herrin," rief das Mädchen, indem sie in Berzweiflung die Hände rang. „Herrin! Wir haben Niemand zu rufen -— die Sclaven haben sich empört — Aufruhr und Rebellion. Tie Srlaven haben sich ausgelehnt und versagen dem Eusebius den Gehorsam..." „Hilf Himmel!" schrie Froswitha auf, „aber jetzt heißt eS bandeln," setzte sie, sich zusammenraffend, hinzu, „geh, Gertrud, eile;n Euiebius, daß er die Reisigen bewaffne gegen die Rebellen. Wir wollen doch sehen, ob unsere wackeru Knechte..." „Herrin! Ihr unterschätzt diese Rebellen! Unser sind nur wenige »nt gegen diese Rotte— Jesus!" kreischte sie auf, „da kommen sie — sie nähern sich Eurem (Gemache. Gott und die heilige Jungfrau beschützen uns — da stürmen sie schon die Thüre — ich höre sie schon auf der Trevpe — Jei'uS! verlaß uns nicht . . ." Und sie kauerte sich i» wahnsinniger Angst in einen Winkel des Gemaches. froswitha aber stand hochaufgerichtet da und sah festen Blickes den Einstürmenden entgegen. Sie hatte all ihren Muth wieder gesunden und so wollte sie den Rebellen entgegentreten und ihnen die Achtung einflößen, die sie ihrer Herrin schuldeten. Im nächsten Allgenblicke wurde mit einem Kolbenschlage die Thüre aurgeiroßen, und die Rotte stürmte herein in das Schlafgemach ihrer Herrin. Mil hocherhobenen Fäusten, die Rechte mit schweren Aexten und Kolben weit vorgestreckr, waren sie in das Gemach gestürzt, mit wilde» Geberden und haßerfüllten Augen wollten sie aus Froswitha losstürmen — aber, wie gebannt blieben sie an der Schwelle stehen und ließen die ksdcherbobene Rechte niedersinken. Bei dem Altar, auf dem das ewige Licht ruhig leuchtete, lag vor dem Bilde des Gekreuzigten, umwallt von weißem, faltigem Nachtgewande, umfluthet von den Wellen des goldigen Haares — Froswitba. Sie hatte sich, als die Thüre mit dröhnendem Getöse aufging. bieher geflüchtet und sich in den Schutz ihres Heilands begeben. Einen Moment verharrte die tosende Menge lautlos, so sehr harte der Anblick dieser in tiefes Gebet versunkenen Gestalt auf sie gewirkt, dann aber kam das Thier in ihnen wieder zum Borschein, und jede weichere Regnng niederkäinpfend, die sie beim Anblick Froswithas bcsckil.ichen, gewann die wilde Begierde wieder die Sberhand. Jetzt war Einer aus der Rotte getreten, und sich knapp vor Froswilba hinstellend, rief er: .,Jetzt isl's genug gebetet! Jetzt hört'mich an!" Froswitha halte sich aus ihrer knienden Stellung emporgerichlet und ffand jetzt mit hocherhobenem Kopfe dem Sclaven gegenüber. „Und was begehrt Ihr'?." sagte sie auf des Sclaven Rede. „Euch, schöne froswitha!" sagte frech der Sclave und wollte sich der Herrin nähern. .„Hinweg, Unverschämter!" ries diese, entsetzt vor der Berührung des Sclaven zurückweichend. „Sträubt Euch nicht lange, Püppchen!" sagte mit rohem Aachen der Sclave. „Tie Zeiten, wo Ihr uns befehlen konntet und uns wie die Hunde davonjagen, die sind vorbei, jetzt sind wir die Herren, und wir werden Euch Befehle geben ..." „Ja!" schrie-ein Anderer, die Rede ihres Anführers unterbrechend, „und wir sind nicht die Einzigen. Hättet Ihr nur Eure Augen offengehalten, dann hättet Ihr erfahren, daß sich ringsum im ganzen Lande säst Ikie Unseligen die Herrschaftangeeignet über Euch/edles Gelichter!" „Und da hättet Ihr auch gehört, schöne Froswitha," nahm der Anführer der Rotte jetzt wieder das Wort, „da hättet Ihr auch gehört, daß so manche Edelfrau und so manch adelig Fräulein es nicht verschmäht bat, einem Sclaven ihre Lieb' und Gunst zu schenken. Drum seid vernünslig und folgt mir. Euer Gatte, kehrt nicht mehr zurück, und wenn er käm', dann wollten wir ihn mit Hunden vom Schlöffe jagen!" „Schweige, Frecher!" entfuhr es jetzt dem Munde Gertrudens. „Ah, da ist ja noch ein Zuckerpüppchen und dünkt sich wohl auch zu gut für unseresgleichen! Nun, komm' nur; auch du bist gute Beute ..." Angstvoll und an allen Gliedern bebend hatte sich Gertrud in eine Zimmepecke gekauert, aber da'fiel auch schon die wilde Rotte her über das unglückliche Mädchen und zerrte es aus ihrem Verstecke hervor. „Geht," herrschte der Anführer ihnen zu, „lhut mit dem zarte» Jüngferchen, was ihr wollt, ich aber," fuhr er mit rohem Gelächter sich an Froswitha wendend fort, „ich will mit dir Hochzeit halten, mein Liebchen." Und dabei näherte er sich mit frechen Geberden der Schloßfrau und wollte sie an sich reiße». Schreckensbleich war Froswitha bei dem Nahen deS entmenschten Sclaven zurückgewichen; mit einem Satze war sie bei dem Altäre, nud die Arme krampfhaft um die Madonna schlingend, verharrte sie in tödtlicher Angst. „Ha! ha!" rief der Sclave, „du meinst also, ich kann dich von dorther nicht holen? Weshalb verkrochst du dich denn nicht hinter der Mutter Gottes, als dich der König zu sich holte? Heut' bin ich der König, und da will ich einmal sehen, wie so ein Liebchen ist mit deinen weißen Händen und deinem gelben Haar," und dabei faßte er sie, die sich in wahnsinniger Angst zur. Wehre setzte, in seine Arme ... „JesuS Maria! Laßt mich sterbe»!" entrang es sich verzweifelt ihrem gequälten Herzen. I» demselben Augenblicke erhob sich plötzlich ein betäubendes Getöse im Hofe: Pferdegetrappel, wildes Geschrei, Stöhnen und Aechzen, ängstliche Hilferufe und wildes, wüthiges Toben. Erschrocken hatte der lüsterne Sclave seine schöne Beute fahren lassen. Was hatte dieser Lärm zu bedeuten? Hatten sie doch die paar bewaffnete» Knechte bald unterjocht gehabt, was also gab's von Weitem zu lärmen? Den Hunden wollte er aber jetzt de» Garaus machen, die ihm die schöne Stunde verderben wollten. Mit einem wilden Fluche war er aufgesprungen und wollte auf die Thüre zueilen, aber da besann er sich/ und zu Froswitha zurückkehrend, beugte er sich über sie, um ihren rosigen Mund zn küssen; aber da wurde mit einem gewaltsamen Mick sein Arm von FroSwithas bleicher Gestalt hinweggerissen, und im nächsten Augenblicke taumelte er von einem wuchtigen Schwerthiebe getroffen blutüberströmt auf den Estrich hin. „Fahr' in die Hölle, Hund!" Froswitha hatte die Augen geöffnet, die sie vorhin bei dem Gräßlichen, das sie erwartet, geschloffen hatte, und mit einem lauten Freudenschrei sprang sie empor, und sich ihrem Retter zu Füßen werfend, umklammerte sie seine .Knie in heißer, überströmender Dankbarkeit. „Tank, edler Ritter!" entrang es sich ihren bebenden Lippen, „Ihr habt mich vor der Schande bewahrt, vor entsetzlicher Schmach gerettet. Tank, Dank, mein Retter! Doch gewährt mir nun auch, edler Held, die Gunst Eures Anblickes." * Der Ritter hatte das Bisir gelüftet, und Froswitha blickte in — Eonrads Züge. „Conrad, Ihr!" rief Froswitha, indem ein leichter Schauer durch ihre Glieder führ, „Ihr mein Retter? Ihr verachtet mich nicht mehr?" „An mir ist s nicht, Euch zu richten, FroSwitha," gab Coiffad ernst ^zur Antwort, „richtet Euren Blick nach oben und sehet, wie Ihr mit Eurem Gotte fertig werdet. Doch/' fügte er hastig hinzu, „jetzt ist nicht Zeit zu rechten, kommt, Ihr müßt fliehen, ein treuer Freund -mit seinen Kriegern, durch den eö mir gelungen, die aufständischen Hunde zu bewältigen, harret unser. Eilt, nehmt eine schützende Hülle, die Nacht ist kalt und schaurig, und folget mir. Wir müffen noch, so lange die Nacht ihre dichten Schleier senkt, aus dieser Gegend fort, denn überall ertönt jetzt die Stimme des Aufruhrs; die empörten Sclaven morden und plündern, sengen und brandschatzen und wüthen auf den eroberten Burgen wie losgelaffene Bestien." Eiligst hatte sich Froswitha erhoben, und einen dunkeln Mantel um ihre nur mit dem losen Nachtgewande bedeckten Schultern werfend, folgte sie Conrad aus dem Gemache, Noch einen schaudernden Blick warf sie auf den blutigen Leichnam des Sclaven, den Conrad mit seinem Fuße verächtlich bei Seite stieß, dann flog sie in eiliger Hast die Treppe hinab, in den von bewaffnete» Reisigen gefüllten Hof. Conrad hatte die zarte Gestalt erfaßt, und sich mit ihr auf sein Roß schwingend, jagte er an der Spitze seiner Schaar über die Zugbrücke hin zum Burgthore hinaus. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Wie wir vernehmen, bereitet die bekannte VerlagSfirina Jacob B. B r a n d e i s in Prag ein groß angelegtes literarisches Unternehmen unter dein Titel

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