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Freies Blatt · 1895-08-04 · 174 (4.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
174 (4.8.1895)
Date
1895-08-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt Abonnement-Preis. Kür Oesterreich-Ungarn: IstanzjSdrig.5 Kronen (fl- *.501 Halbjährig.3 Kronen (fl. 1.50) Kür da» gefammtc 1lu»Iand: Ganzjährig.. . . . 6 Mark H.,Ib,ährig .. . . S Ltark 50 Pf. Einzeln« Wummern 8 (c. Unfranfiete Brief« werden nicht angenommen. t Ncdactioil nnb Adiiiiiiistratioii: zur ^Ibwehr dös ^lutisemitismus. i sciierftötte i«. --- Inserate werden mit 20 Heller (io fr ) sür die vier. mal gespaltene ^onpareille;eile berechnet. Kleiner (krschcittt an jedem Sonntage. «»Zeiger da» Wort 4 Heller (r fr.,. Ausnahme VON . Inseraten in unserer ridministraNon sowie im Annoncenbnrean M. Tute», I. WollzeNe 8. Nummer 174. Wien, 4. Äugn/l 1895. IV. Jahrgang. / Der ^all Hammerstein. (Triginal-Mittheilung de» „Freien Blatte»".) L. W. Hannover, Ende Juli. Der gewesene Redacteur der „Kreuzzeitung", Abgeordneter Freiherr v. Hammerstein, ist bei Nacht und Nebel durchgebrannt und hat außer enormen Schulden eine Menge schmutziger Affairen zurückgelassen. Man erinnert sich jetzt in Deutschland, daß dieser selbe Herr v. Hammexstein der Erste war, der im deutschen Reichstage „mauschelte", um den Abgeordneten Dr. Stern, de» Redacleur der „Frankfurter Zeitung", zu verspotten. Im „Vorwärts" wurde damals „nachgewiesen", daß v. Hammerstein eigentlich Ehammerstein heiße. Der „Vorwärts" hatte nicht ganz Unrecht. Ein eigenes Walten der Nemesis aber ist es, daß gerade von der „Frankfurter Zeitung", respcctive der „Kleinen Presse", jetzt der Sturz Hammerstein'S ausgegangen ist. Das „Woßu", daö er seinerzeit dem Abgeordneten Dr. Stern zugerufe»,' erschallt jetzt in seinen Ohren! Allein er wahrte seine raccnrcine, adelige Abstammung. Freiherr v. Hammrrstein war einer der Führer der Eonservativen, er hat sie zum antisemitischen Tivoli-Programm fortgerissen und in der „Kreuzzeitung" die crassesten antisemitischen Ausschreitungen begangen. Noch ehe Stöcker, Henrici und Eonsorten ihre Hetzthätigkeit begannen, hat er schon mit vollen Backen in das Horn der Judenhetze geblasen, und bis in die jüngste Gegenwart hinein war er eS, der die wüthigsten, in der Rohheit der Form wie deS Inhaltes verletzendsten Angriffe auf den jüdischen Stamm und daS jüdische Bekcnntniß richtete. Braucht an den Antheil, den die „Kreuzzeitung" an der Xantener Asfaire genommen, an die schamlosen Ausfälle gegen die jüdischen Religionslehrbücher, welche ihre staatliche Prüfung zur Folge hatten, erst erinnert zu ryerden? Man müßte die ganze Geschichte der schmachvollen Bewegung, auf deren Blätteri) jedesmal obenan sein Name prangt, analysiren, um den vergiftenden Einfluß, den Freiherr v. Hammerstein auf dieselbe seit Jahr und Tag geübt, erschöpfend darzustellen. Vor zwei Jahren ließ Herr Stöcker ein Buch erscheinen unter dem Titel: „Wach' auf, evangelisches Volk", und widmete dieses 624 Seiten starke Werk unter Anderem seinem „lieben Freunde und Mitstreiter, Chesredacteur Freiherrn von Hammerstein, in treuer Bundeögenossenschaft". Der gute Mann hat inzwischen Berlin den Rücken gekehrt. Die Gründe, welche seine „SuSpendirnng" zur Folge hatten, sind bekannt. Die Gerichte hätten sich demnächst bamit zu beschäftigen und festzustellen gehabt, ob es wirklich wahr ist, daß dieser lungenkräftigste Polterer gegen „jüdische Unmoral", „jüdischen Betrug" rc. sein Mandat zu diesem Splitterrichterthum durch Intimitäten mit einer jüdischen „Dame", durch widerrechtliche Verwendung von Pensionsgeldern und sonderbare Papierlieferungsgeschäfte dargethan hat. Ueber den AuSgang dieses ProcesseS war er wohl nicht im Zweifel und konnte nach der „Suspendirung" auch bei minder Kundigen kein Zweifel sein. Er scheint es also vorgezogen zu habe», das Weite zu suche», um die Sorge für christliche Moral und Sittlichkeit dem Freunde Stöcker zu überlassen. Wer von dem Walten einer höheren Gerechtigkeit noch nicht durchdrungen ist, dem müßte allein schon durch die unerbittliche Sicherheit, mit der die Tageöhelden der Judenhetze, die Abgötter der Antisemiten, Einer . nach dem Anderen, von ihrem selbstbereiteten Schicksal ereilt werden/ den Glauben beibringen jene „furchtbare Macht, die richtend im Verborgenen wacht". Sieg reich und unwiderstehlich schreitet sie von Stadt zu Stadt, von Land zu Land und reißt den Elenden der Reihe nach die Maske vom Antlitz, welche unter dem Hasse gegen die Juden und ihre Religion die sittlichen Defecte des eigene» Eharaklerü eine Zeitlang heuchlerisch zu verhüllen verstanden. Wer zahlt sie alle, die Namen der Hetzkumpane, welche, zuvor die lautesten Rufer im antisemitischen Streit, mit dem Stigma richterlicher Bcrurtheilung und öffentlicher Verachtung unauslöschlich gezeichnet, von der Bild fläche verschwanden? Die Weltgeschichte ist das Weltgericht! Das Martyrium der spanischen Juden. (Aach einem uiigcdruckte» Änssavc de» Tr. H. Grätz.) l. In einer Zeit, da der rüde AutiscinitiSmuS bereits SiegeSgcsängc anstiimiit, ist cs wohl angczeigt, zur.ßerechtcn Abwehr der brutale» Angriffe eincrjcitS und zur Aufinunlerung andererseits auS der. Rüst' ° kammer wohl erprobte, schneidige,Waffen hcrvorzuholen. Solche Waisen liegen aufgcspeichert wie in.'einem großen, unerschöpflichen Arsenal in der nahezu scchStauscndjährigcn Geschichte de» jüdischen BolkeS. Leider wurden bis jetzt wenige der stahlfcstcn Waffen ins Treffen griilut. Wäre dies in ausgiebiger Weife geschehen, so hätte so mancher aini scniitischc Schreier seinen drohenden Hnnppel zur Erde sinken lassen müssen, und gar viele Juden, welche, durch das wüste Gegrollte Antisemitismus eingeschttchtert, über die Roth der Zeiten klagen, uytvcai frischen MuthcS und ruhigen Blutes den antiseinirischen Eapriolc» zu sehen. Das jüdische Volk hat viel ärgere Wetlerstürine über sich ergehen laffcn müssest, als cS die Wettcrstürme von heute sind,, und Hai, trotz alledem feine Kraft, Ausdauer und Widerstandsfähigkeit ans das Heldenhafteste in tausend und abertausend Fällen erwiesen. Wir wollenhier auf eine geradezu heroische Periode deS jüdischen ÄarliiriumS hinweisen, auf einen hundertjährigen Kampf, welchen daS Inden thum gegen übermächtige Gegner führte, und auS dem cS schließlich trotz aller Roth und Gefahr als Sieger Hervorging: eS lind dies die Kämpfe der Inden im westgolhischen Reiche gegen ihre wrannischen Unterdrücker. Bekanntlich war die weslgothische Gesetzgebung eine der härtesten für die Inden, welche in so früher Zeit entstanden war, und die weit über die Härten der im Codex TheodosianuS .enthaltenen und im christlich römischen Kaiserreiche geltenden Gesetze hinauSging. „ DaS Ringen und Kämpfen, Dulden und Leiden der spanischen Juden in der Zeitepoche deS westgolhischen Regimentes Hat im Jahre IsnjS. Dr. H. Grätz im Jahresberichte deS jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau unter dem Titel: „Die westgothischc Gesetzgebung betreffs der Juden" in anschaulicher Weise dargestellt. Bei dem Umstande, daß dieser hochbedcutsame, ungemein antcgerche „Jahresbericht" nicht im Buchhandel erschien und weiteren Kreisen unbekannt ist, dürfte eS angezeigt sein, einzelne Proben auS demselben zu bringen. „Mit den römischen Rittern, Ackerpächtern und Kaufleutcn," schreibt Tr. Grätz, „hatten auch die Juden in Spanien und Süd gallien festen. Fuß gefaßt. Die dreimalige Niederlage der jüdischen Waffen gegen die Flavier Trajan und Hadrian hatte die Zahl der

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