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Freies Blatt · 1895-07-28 · 173 (28.7.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
173 (28.7.1895)
Date
1895-07-28
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Freies Blatt. Nr. 173. findichlcchlc Menschen und sagen: wir wollen nach Jerusalem, und sic wollen cs nicht, sondern sie.betteln nur und leben davon bester wie l-ci sich;u HauS: und die Reichen sind mißtrauisch geworden, inch sie geben wenig mehr, und das Wenige gebe» sic ärgerlich und mit ichlcchtcm Herzen. Und mich hat Niemand gekannt, und ich Hab' keinen BriE gehabt an die Reichen, und ich Hab' bekomnien sehr wenig und gehungert sehr viel. Gott weiß cs und wird mir's schon zahlen in 'einer Weit. Und dabei Hab' ich immer gespart und gespart und ge- ’inut. RnmUch, ich Hab' mir gedacht am Anfang: Was brauchst du viel? i;cu Sambor bis Wien bist du gegangen auf deinen Füßen, wirst du auch kommen auf deinen Füßen von Wien nach Triest. Juden gibt's Ö'onlob überall auf der Welt, und sie werden dich aufnehmen und speiieu und dir vielleicht noch etwas geben auf den Weg. Mußt du dir zahlen, von Triest übers Meer und mußt nur haben vom Meernach Jcru'alem, was du brauchst zum Leben. Und in Jerusalem hast du doch auSgcsorgt für iinmcr. Aber eS hat so lang gedauert, bis ich dafür genug gehabt Hab'. Und dann war ich zu alt, um allein zu geben einen io weilen Weg über hohe Berge und durch Länder, wo mich Niemand kennt und wo sie vielleicht nicht einmal verstehen, wenn ich zu ihnen rede in meinem Deutsch. Hab' ich müstcn an'ange» zu bitten um die Fahrt, und sic ist sehr lhcucr, goldener Herr Toctor. Und weil ach Hab' doch auch inüsten leben, so hat's sehr lang gedauert, e!>' ich bci'ammen gehabt io viel. Und ich kann auch noch immer nicht io betteln wie Einer, waS sein Leben lang nichts Anderes gcthan hat. Wenn man mir zeigt die Tbür, so kränk' ich mich und geh' — Kunst, ich Hab' doch auch spät gcikug angcsangcn damit und stärke doch nicht angesangcn für mich allein! Und io bin ich iuinier älter geworden und älter. Und Hab' gedarbt und bin schwächer geworden und hätte gebraucht Jemanden, der mich wartet und psiegen thut auf der Fahrt und dann auf dem großen, großen Meer. Und ich Hab.' mir vergönnt keinen Bisten und Hab' teinen ,Feiertag gekannt, keinen Sabbath Hab' ich mir gemacht, seit ich fort bin von Sambor, nur gehärmt Hab' ich mich und geweint zu Gott. Und jetzt, wo ich's beisammen hält' — jetzt," er brach ab und röchelte im Schmerz. .Weil ich aber nicht möcht', daß Sie sagen, Rabbi Abrahan: Kanarienvogel war auch so ein Schnorrer, der die Leute foppt, so bitte ich Sie, schicken Sie mein sauer erspartes-'Geld nach Sambor. Es sind viel arme Leut' dort, und sie werden mich segnen und für mich beten an meinem Sterbetag, weil ich sonst Niemanden Hab', der für mich betet auf der Welt. Und wenn sie am End' sagen: Avroinclc Narr — liegt mir heut'' auch nicht mehr ans!" ■* * j Rabbi Abraham Kanarienvogel hat sein Armcngrab auf dejüdischen Abtheilung des Wiener Eentralfricdhofes. In Sambor abe:! erzählen die Leute immer »och von ihm, und wozu es ein jüdische,! Kind in der Welt bringen könne, wenn cs nur, und sei cs noch s, spät, die Heimat verlaste ... I. I. D a v i d. Literatur. Sachvcrstäudigcii-Schiedsgerichte für Handel und Gewerbe. Ein Mahnri:- an die erwerbenden Bürgerkreise in Oesterreich von E. M. A 1 e x a n d e. Wie» 1S'J5, Perlag von Lehmann und Wenvel, I. .Närnlnerstraßc 31. Ei» praklischer Vorschlag zur Hebung der Erwerbskraft n»d Co,-, enrrenzfähigkeit der Kleingewerbclrcibeilde», welcher nicht aus der politischen, socialen und consessionelle'n Verhetzung derselben ansbaut, sonder» a» derci. freies intelligentes Urtheil und altruistischen Sinn appellirt. TaS instruciive Schriftchen gewinnt besonders angesichts der Civilproeeßresorm actucUc Be denlung. Tic Staatslehre Spinozas mit besonderer Berücksichtigung der einzelnen Regiernngsforme» und der Frage »ach dein besten Staate, von Tr. Joses Hofs. Berlin, 1635. Verlag von S. Ealvary & Üo iHnftünimutmu'it des „Freien Rlattes". Inserate werden angenoniinen, sowohl in uiiwrer Administration, als auch im Annonce» Bureau M. Nultes. "MH Zur Nachricht! ~\m Porlauf,' nädifton U\>;tvit erscheint eine :uva F?ruchl'oczeit starke Broschüre unter dein Eitel: Antisemitennoth in Mien oder: l EronrpNrr . i * * ErerirpUr ve .;•) ."»(> lrr. ö. 713. i iHclHfioe [ 100 .ft. 10.—ö. ^3.1 inclusive > . fl. t — ,, ,, , Postvcriendnug. l »liöcr tt00 Dis 500 ^xcmpIVtr«.* ä 8 ftv. „ „ / Postversendiing. Äils (OrfÜUighrit übernimmt Borbcstellungen zu den obigen Bedingnissen die Administration des „Freien Älattes^, IDicii, I. ScilcrftatU Zlv. \0. Sdilul; kr llorklklliingni am 1. IXuguft d. 3. aus denr AntisemiteuLager. iloit filtern christlichen lUiciter. cs einmal eine ^iirkennoth in Wion gegeben hat, so gibt es henlzntage in unserer Stadl eine Ä»tiscuiite»»oih, »nr *+■ lUIJJl.l.i.115 . obwaUcl da der Unterschied, daß die Türkennolh die dainaligen Wiener zu Helden und geschichtlich nnsterblich gemacht, —während die Aiiti'cmitciiiioh einem »amhaiien Theile der steuligen Wiener de» Ttcmvcl der Gefühlsroheit und Verwilderung : ";. i:ctt i.it. Ter Verfasser dieser Broschüre will NN» mit seiner Schritt die Agitation der fortschritilichen Partei des Wiener GkiiieinderathkS;n 'diderii versuchen. als er in vovnlärer Weise die Art und das Wesen der das Polksgeinüth vergistenden Heber wahrheitsgetreu schildern -.Hit? dcm reichhaltigen Jnbali.- sind solgendc Eapitel hervorznhebcn: I Oirchsläschchen für Antisemiten. 2. Der OLrgrrmeiftrr non 1.', Olinnte» 3 Oie tsofe mit »mei Sache» oder: Oan Oerganem, der Oauschälirn-OIarder. 4. Ernst Ktampigliu». politische» Fumpenthum. 3. Fälschung de» Ehristenthums. 7. Oraintr und Lehrer, habt-Acht! etc. ■luAgiiaiidus'chri't wird all,» fortschrittlichen Oereinen. d7r»o>frnsll>aftrn und für Freiheit und Fortschritt lämpscnden . .'. . rie :» Freunden der Abmehrbemegnng bestens empfohlen. Bei porbrstrUnng mit yleillkteitiyer Einsendung des Delenges treten nachstehende ermäßigte Preise ein: r

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