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Freies Blatt · 1895-07-14 · 171 (14.7.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
171 (14.7.1895)
Date
1895-07-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Freies Blatt AbonnementS-reiS. Kür Oesterreich-Nugorn: (Ganzjährig.5 Kronen (fl. 2.50) Halbjährig.3 Kronen (fl. 1.50) Kür da» gefammte Jintlanb: Ganzjährig.6 Mark Halbjährig .3 Mark 50 Ps. Einzelne Nummer» » kr. Unsrankirle Briese werden nicht angenommen. Organ zur Abwehr des Antisemitismus. Erscheint an jedem Sonntage. Redaktion und Administration: I. Zeilerstiitte 10. Inserate werden mit 20 Heller (io kr.) sür die vier, mal gespaltene 'Nonpareille,eile berechnet. Kleiner Ilnzeiger da» Wort 4 Heller (2 kr.). Ausnahme von Inseraten ln unserer Admiiuftraiion sowie im Annoneenbureau M. Duke». I. Aollzeile 8.. Nummer 171. Wien, 14. Juli 1895. IV. Jahrgang. Zur gefälligen Beachtung! ' Wir ersuchen diejenigen unserer?. 7. Abonnenten, welche nach einem Somincraufenthalt übcrsicdcln, »nö die Adrcsscniinderung ehestens anznzeigen, damit in der Zusendung des „Freien Blattes" keine Unterbrechung cintritt. Die Administration des „Areien Blattes". Serien! (Zuschrisl »ine« MilielschllllehrerS.) Die goldene Ferienzeit ist gekommen: Schüler und Lehrer werden den (schulstanb vom Leibe schülteln und die Einen auf diese, die Anderen auf jene Weise sich von des Jahres Müh' und Sorgen zu erholen trachten. „Hinaus in die Ferne mit lautem Hörnerklang!" wird es aus hundert und aberhundert Kehlen ertönen, Wald und Flur, Berg und Thal werden ertönen vom Gesänge „freier" Jünglinge und Männer. Die Zeit der „Muße" wird der Tourist weidlich ausnützen, uni die ersehnten Hochtouren zu machen, der Gelehrte, um in einem stillen.Walddörflein ober eilte dunkle Stelle auS Hora; nachzusinnen, und der Bruder Studio, um — nationale Arbeit zu verrichten. So lese ich in einem Antisemitenblatte, das einen geharnischten Aufruf an die deutsch-nationale Studentenschaft der Ostmark bringt, der in dem Satze endigt: „Auf zur nationalen Arbeit in de» Ferien!" Jünglinge von 15 bis 20 Jahren, die »ach langer Abwesenheit vom heimatlichen Herde im heiligen Stillleben der Familie mit Bater, Mutter und Geschwistern verkehren und am hellen Born der Natur sich letzen sollte», diese Jünglinge werden berufen, die nationale Arbeit in den Ferien zu hegen und zu pflegen. Nationale Arbeit von halbwüchsigen Jungen! Was ist das? Der Aufruf sagt es allerdings nur verblümt und verschämt: „Wahrung der Reinheit unserer nationalen Stammesgüter! Ehre, Freiheit und Vaterland!" Wer zwischen den Zeilen zu lesen weiß, die himmelstürmerische Jugend kennt und zugleich die nationale Wühlarbeit der das „Linzer Programm" verbreitenden Agitatoren vor sich sieht, der wird das Postulat von der „Wahrung der Reinheit unserer nationalen Stammesgüter" vollends erfassen. Auf gut deutsch heißt der Aufruf: „Schlagt die Juden todt!" Nun, so weit entsittlicht und verroht ist glücklicherweise unsere deutsche Jugend noch nicht, aber zu einer ausgiebigen Judenhatz kann sie eS in den „goldenen" Ferien doch bringen. Die Meister, das ist gewiß, werden ihre Schüler loben, auch wenn cS nur einen winzig kleinen Judenscandal gibt. Die deutsch-nationale Jugend muß eben erst national erzogen werden, und dies muß systematisch geschehen: Vor Allem reinliche Scheidung, d. h. alle / grünen Jungen, die auf Schönerer und Bismarck stramm und fest schwören, müssen trachten, bei jeglicher Gelegenheit jeden nnd selbst den bravsten Juden abzufangcn und ihn zum Spielball ihrer nationalen Witze zu machen. Goldene Ferienzeit! Der Urquell seelischer, geistiger und körperlicher Freuden, die alma mater natura, fließt vergebens. Die nationale Arbeit ruft: Bei wüsten Kneipereien heißt es für und für Schönerer und Bismarck ehren und die Jude», wenn nicht schon hauen, so doch wenigstens beschimpfen. Welch ein herrliches Programm! Wie cö sich mit „Ehre, Freiheit und Vaterland" verträgt, daö wissen nicht einmal die urgermanischen Götter. Doch genüg der Jronje! Niemand ist, dem es ciilnelc, der überquellenden Ferienfreude der studirenden Jugend Einhalt zu Ihn», so länge sie lhatsächlich dem Leitspruche: „-Freiheit, Ehre und Vaterland" Folge leistet. In demselben Augenblicke aber, wo die Freiheit zur Frechheit wird und sich so z» bethätigen 'sucht, daß Jeder, der.nicht auf Schönerer und Bismarck schwört, für vogelfrei erklärt und auch dementsprechend behandelt wird, in demselben Augenblicke, als die studirenoe Jugend ihre Ehre darin erblickt, die Staffage einer national und politisch-social wüsten und destructiven Partei abzugeben und ein willenloses Werkzeug gewissenloser Streber zu sein, in demselben Augenblicke endlich^ da der Begriff des „Vaterlandes" eine geradezu hochvcrräthcrijche Deutung nicht bloß zuläßt, sondern lhatsächlich erführt, da gilt es, ein kräftiges. <juos ego der verführten Jugend entgegen zuschleudern und sie auf die Bahnen zurückzuweisew, welche einzig zur Ehre, zur Freiheit und zum Vaterlande führen. I!. 2\us dem Gespräche mit einem _ Aeactioiiär. . .'. . DaS Gespräch drehte sich nm die Protcstantcnauöttcibling durch Erzbischof Finnian, und es wurde chcrvorgchoben, daß bis zum Toleranzcdicte Kaiser Josefs II. die Schladmingcr Protrstaute» ver borgen wie die ersten Christen leben mußten aus Furcht vor den Katholiken. In folgender Weise setzte es sich fort: A.: Ihr Liberalen urtheilt stets oberflächlich über jene bcdcutungS volle Zeit. Die Bertreibimg war ein» Rothwendigkeit, sollte das Erzbisthnm Salzburg nicht Zusammenstürzen. Die Zeilen Firmian's muß man verstehen, objcctiv erfassen, ehe man des Erzbischofs Thaten ver dämmt... 1t.:- Ich sehe n»r, daß Christen von Christen verfolgt wurde», um einiger rcfornilrender Aendcrungcn willen, welche 'Rom nicht bequem fand. Diese erzwungene Emigration bleibt immer ein dunkler Fleck in der Geschichte des Landes. A.: Sie wollen also Nicht erkennen? Sehen Sic sich doch unsere Zeit an: Wie viel Judenhaß steckt in den Leuten. Auch die Jud/nvertreibung ist eine Rothwendigkeit wie die Protestantenvertreibung des XVIII. Jahrhunderts. 15.: Wie viel Judenhaß? Er wurde ja erst genährt durch die 'passive Haltung der Regierungen! Hätten diese sofort kategorisch die StaatSgrundgesctze betont und unnachsichtlich jeden Ucbergriff bestraft, auch bei Beamten und Lehrern, hätten sie' daS Schielen über die Grenze bei den Deutsch-Nationalen gerügt, eS wäre nicht zu solchen Zu-, stünden gekommen. So lange wir Liberale, die gebildetste Partei, welche Oesterreich je hatte — daS können Sie nicht, leugnen — die Oberhand hatten, war ja Alles gut. Wagte eS damals Einer, wie jetzt gewisse „BolkSbcglücker", sich mit dem Mangel an Erziehung und Bildung zu brüsten? Wagte eS Jemand, GemüthSrohheit bei Parteimanövcrn, gehässige Prediger ä la Dcckcrt zu preisen? Gab cS andere Zwischenrufe im Parlamente als das „Pfui" des Pater Grcuker? Daß'solche

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