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Freies Blatt · 1895-06-02 · 165 (2.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
165 (2.6.1895)
Date
1895-06-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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AtnninementSpreiS. Für Oesterreich.Ungarn: (ManMÜbrifl.5 «rontn (fl. *.SO) HUd,ädrig:.* «tonnt (fl. l.so) Aflr da» grsammte Ausland: Aintiährig.6 Mart Haldiäbrig .. 3 Mark SV Ps. Einzelne Nummern « Ir. ((»lranfirte Briese werden nicht angenommen. Organ zur Abwehr des Antisemitismus. Erscheint an jedem Sonntage/ Nedäetion und Administration: r. Seilerstätte 10. Inserate werden mit 20 Heller (10 fr.) für die viermal gelpallene Nondarcillezeile berechnet. Kleiner An,eiger da» Wort < Heller (r fr.). Aulnodme von Inseraten in unserer Administration sowie im Annoncenbureau M. Dufe». I. Aollzeile 8. Nummer 165. Wien, 2. Juni 1895. >. IV, Jahrgang. Pfingsten. Bo» Bertha v. Suttner. DaS Fest des heiligen Geistes, der in Gestalt feuriger Zungen hernieder leuchtet — und diesem Feste soll auch in einem Blatte ein Weiheartikcl gewidmet werden, daS der Abwehr dcS unhciligen Geistes der Verfolgung gilt? Und inmitten einer Episode unserer politischen Geschichte, wo dieser unheilige. Geist gesagt hat? So wäre denn zu Klagen und Jammern Anlaß —;ii tiefer Trauer während dieser Tage des Lichtes und des LenzeS? Boi» Himmel herab wird Mts das Leuchten der- Wahrheit verkündet, und die Erde rings schmückt sich so üppig mit blühender -Herrlichkeit; heiliges Feuer ober uns, glühender Rosenzauber um uns . . . und doch sollte es in uns, in unserem Gemüthe fröstelnd und dunkel werden, weil ein paar giftige Dünste sich verdichtet und momentan das Licht deS Himmels und die Schönheit der Erde unserem Blick entrückt haben? Nimmermehr! Gerade zu solchen Zeiten gilt eö, laut seinen Glauben an deil kommenden Sieg deS heiligen Geistes zu be kemicn. Er kommt, der Parallel! Indem Christus die Ankunft dieses. Trösters vorhergcsagt, verkündete er eine immerwährende Ausgießung des Lichts, ein nimmerinnehaltendes Fortschreiten auf dem Wege zur Vollkommenheit/ Eine stillstehende Erkenntniß — nichts mochte ihm ferner liegen als dieser Gedanke, denn daS ist der heilige Geist, der einen Schleier nach dem andern durchdringt, der die Universumwunder' umhüllt.' „Es gibt nichts Unwandelbares," sägt Lamennais, „ausgenommen das Gesetz des Lebens, das Gesetz des Rechts, dieses erste und grundlegende Gesetz aller Existenzen, welcher Ordnung diese auch angehören mögen, denn für die Geringsten wie für die Höchsten ist eS dasselbe, nur in seinen äußeren Erscheinungen wechselnde Gesetz. Darum höret auf den heiligen Geist, aber glaubet Jenen nicht, die da sagen: der Geist habe AlleS gelehrt und werde nicht mehr sprechen — denn der , >Nist lehrt und spricht unaufhörlich. Wandelt in seinem Licht, wandelt ohne Unterlaß; nur, sterbliche Reisende, setzt euch nicht um Wege nieder, welcher zu jener Quelle führt, die den Durst nach dem Wahren und Guten löschen wird, jene geheimnißvolle Quelle, zu der ein göttlicher Jnstinct unwiderstehlich alle Wesen drängt, welche fähig sind, zu erkennen und zu lieben." Trennen wir unS also von Jenen, welche weiterer Erkenntniß einen Riegel vorschieben'wollen — von Jenen besonders, die ihr ganzes Thun nicht auf ihre Fähigkeit, zu lieben, stützen, sondern auf ihre Fähigkeit, zu hassen. Und mit „feuriger Zunge" soll Jeder daS sagen, was der „Geist" ihm eingibt, daS ist die zweite Lehre, welche in den Symbolen des heutigen Festes enthalten ist; das will heißen, daß den Worten glühende Ueberzeugung zugrunde liegen muß, und daß sie mit flammendei» Muthe hinauSgerufen werden mögen. Kein Winkelzug, kein Doppelsinn, kein Schleichgcdankc mit einem Wort (da wir ja gewohnt sind, in diesen Blättern dir actucllen Ereignisse der antiscmilischc» Bewegung heraiizuziehe»): keine ministeriellen Beantwortungen von Decken'Interpellationen! Der- Math der Ueberzeugung, ja, das ist's, was mit den fenrigen Zungen gemeint ist.. Und nur durch diesen läßt sich eine Idee verwirklichen, eine Bewegung durchsetzen. Das Negative bleibt immer wirkungslos. Bei einer bösen Sache einfach nicht milthun, abseits bleiben, von »veilem auch flüstern, daß man sie bedauere und mißbillige: das benimmt ihr . gar nichts von ihrer schädlichen Kraft. Nur Ein redliches Mittel gibt cS, Verfolgte vor Verfolgung zu schützen: sich »eben sie zu stellen. Dort, wo die Steine Hin- Fliegen, die ein verblendeter Hansen >ch'"id-r^ do't »w. sich hin: „Nur zu — ihr trefft auch mich!" Wenn daun um das eine hilflose gesteinigte Geschöpf — sci'ö nun ei» armer Hund oder „bestimmte, individuell bczeichucte Theile der Gesellschaft" eine Schaar von Wesen sich sammelt, die weder wulhverdächtig noch „individuell bezeichnet" sind, Gesalbte und Hohe und Prächtige darunter, dann senkten sich gleich alle steinwersendc» Hände. Ueberhaupt, ihr Mensche», werft nicht Steine auf euere Brüder und Schwestern; und heute schon ^>ar nicht: streuet nur Pfingst rosen! r Vlutzauber und 21Icn)d?encipfcv in Serbien. Ein Bericht von Tr. Friedrich S. »iraus;. Am 31. März 1892 fand mau unweit des Fcstungöwallcs von Semendrija an der Donau die Leiche des Artillerie-llnterofficierS Ilija K o n fl a »t i n o B i C, der der Kehlkopf hcranSgcschnittcn und daS Her; aus der Brusthöhle hcrausgcrissc» war. Der Artillerist Basilije Ra d u l o v i c, ein Freund deS Ermordeten, meldete sich freiwillig als Thäter. Er gab an, der Bcrblichcne habe ihn zu der Mordthat bestimmt. . Diesem habe nämlich durch fünf Nächte geträumt, außerhalb deS FcstungSwalleS sei an einer gewissen Stelle ein großer Schatz zu heben, doch müffe er für eine kurze Spanne- Zeit sein Leben jnut Opfer bringen. > Tie Erzählung von diesem Fall machte die Runde durch die gesammte europäische Presie. Sie stand ebenso in meiner Monatsschrift für Volkskunde „Am Urquell" als im „Freien Blatte" zu lesen und findet sich auch bei H. L. Strack in seinem Werke „Der Blntaberglaube in der Menschheit, Mutmorde und BlutrituS", München 1892, S. 55 ff., ausführlich verzeichnet. .Die Literatur über Menschenopfer und BlutrituS gibt Strack auf S. 07 an, doch auf die specielle Art dcS Menschenopfers, desien Grundursachen und Formen, unter welchen sich obgedachter Fall abgespijctt hat, geht Strack in seinem Werke nicht ein. Diese bedeutsame und wichtige Arbeit hat erst

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