Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 163 (19.5.1895)
- Date
- 1895-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441625--1987-4888401- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10. Nr. 16a. Freies ge'andtcu Deine Ansicht und Deinen weisen Rath schleunigst kund zu tfum." Minutenlange verharrte der König in Nachdenken, bis er -sich vlötzlici, besinnend, auSricf: „Ja! der ist's. Ich glaube den vertrauenswürdigsten Boten gefunden zu haben — man rufe mir Bogdan von Tswielice der," betahl er einem herbeigeeilten Diener. „Bogdan — M — fo war es gut; er ist meinem Hause treu ergeben, er ist zudem 'lug und verläßlich und wird mir über die Ereignisse in Prag genaue Auskunft bringen: ist noch nichts Entscheidendes geschehen, so wird er trachten, die Sache hinausznziehen, und daS ist für mich die Hauptsache — ja, Bogdan ist der Einzige, der diesen Auftrag ganz in meinem Sinne ausführen wird." War eS nur der Gedanke allein, in Bogdan von Oswielice einen gewiegten Diplomaten zu sehen, der ihn dem König tür diese Reise so sehr geeignet erscheinest ließ, oder erwachte in deS jungen Fürsten Herzen eine andere weichere Regung? Gedachte er jenes schönen WcibcS, das ihm damals auf ihrem Schlöffe zu ' C «Muielkc so scyr ■ tnf Sinn berückte, und das ihm jetzt wieder erschienen war. schöner, sinnverwirrender in ihrer madonnenhaften Schönheit :als je? Dies mochte es denn auch sein, weshalb er in tl'tem Gatten das richtige Werkzeug für die diplomatische Sendung >'ab, und dies mochte ihn anch in dem Entschlüsse bestärken, denselben ‘ für einige Zeit fortzuschickcn, um dann, nicht beobachtet von den eifernichtigen Blicken deS Gatten, ejnen Sturm auf FroSwithas Herz zu wagen, der, so hoffte er, nicht erfolglos sein und ihn endlich dem geliebten Weibe näher bringen sollte. «Fortsetzung folgt.) 3ofepbus Flcwius gegen Apion. Seit Jabrtausendcn bleibt sich die Kanipfweise der Judenhaffer im Großen und Ganzen so ziemlich gleich. „Absichtliche Lüge, berechnet, solche irre zu führen, welche die Wahrheit nicht zu erforschen vermochten", war schon zu Zeiten des Joscphus FlaviuS die Hauptwaffe der Judenfeinde, und feine nachstehenden Auslastungen gegen Apion konnten miitmk luutandis auch gegen einen der antisemitischen Wahrheitsfäli'cher in unseren Tagen verwendet werden. Josephus Flavius schreibt : Wir wollen nun sehen, was denn die argen Berbrechen sind, welche er Avion. den Inden in Aleratzdrien aufbürdet. Er sagt: ..Sie kamen aus Syrien und ließen sich an einem hafenlosen Meere nieder, in der Nähe der Brandung." 'Nun, wenn an dem Orte etwas ausxui'etzen ist, so fällt ja der Tadel auf seine (freilich nicht wirkliche, sondern nur. angebliche) Batcrstadt Alexandrien, wiewohl auch der unmittelbar am Meer liegende Theil derselben, wie Jedermann zu-- gibt, zur Ansiedlung ganz trefflich Ist. Wenn aber die Juden diesen Vlay mjt ls'cwalt einnahmcn und sich ihn auch späterhin nicht entreißen ließen, so ist daS ein Zeichen ihrer Tapferkeit. In der That aber bat Alerander ihnen jene Ocrtlichkeit zur Ricderlaffung angewiesen und ihnen den Rang der Macedonier verliehen. Hat Apion die Briete deS Königs Alexander und des Ptolemäus Lagos Sohn, tind der nachfolgenden egyptischen Könige gelesen sowie die in Alexandrien stehende Säule, auf welcher die von dem großep Cäsar den Juden -verliehenen Gerechtsame verzeichnet sind — wenn er, sage ich, diese Urkunden kannte und das Gcgentheil von ihrem Inhalt in seiner Schrift zu behaupten sich erfrechte, so ist er ein schlechter, wenn er nichts davon wußte, ein unwiffender Mensch. Darüber Befremden äiißcrn. daß die Juden in Alexandrien Alexandriner genannt wurden, verräth gleiche Unbildung. Denn Alle, welche jemals in eine Colonie eingeladen wurden, erhielten, so verschieden auch ihre Herkunft sein, mochte, ihren Namen von den Gründern derselben. Ich habe nicht nöthig, Beispiele von auswärts anzuführen, und bleibe bei uns Juden. Die in Antiochien werden Antiochener genannt, denn der Gründerder Stadt, Selenkos, hatte ihnen das Bürgerrecht verliehen. Ebenso tragen die Juden in Ephesos und in anderen jonischen Städten den Namen der eingeborenen Bürger; die Tiadochen haben ihnen dies gestattet. Alerander hat nicht etwa, weil es ihm überhaupt an Ansiedlern für die' von ihm eifrig gegründete Stadt mangelte, Angehörige unseres Bolkcs in sie gesammelt, sondern weil er Alle in Hinsicht auf Tüchtigteit und Zuverläiffgkeit genau Prüfte, darum hat er meinen Landsleuten diesen Vorzug gegeben. Denn er ehrte unser Volk; wie auch HekatäoS bezeugt, daß er deck Juden wegen ihres rechtschaffenen, treuen Leirehmens gegen ihn Samarien, und zwar als steuerfreies Land, zu ihrem Gebiete hinrugeschenkt habe. Aehnüch wie Alerander war auch PtolemäuS (I. 323—285 v. Ehr.)) Lagos Sohn, gegen die in Alexandrien angcseffenen Juden gesinnt, l Tenn ihnen übergab er die Festungen in Egypten, überzeugt, daß sie s Blatt. dieselben treu und tapfer behaupten werden; und in der Absicht, seine Herrschaft in Kyrene und anderen Staaten LybienS zu befestigen, sandte er auch dahin eine Abtheilung Juden als Ansiedler. Sein Nachfolger Ptolemäus (II. 285—246 v. Ehr.), mit dem Beinamen Philadelphia, gab nicht allein die kriegsgefangenen Juden, deren er etliche in seinen Händen hatte, alle frei, sondern er machte ihnen auch häufig Schenkungen an Gild; und, was noch mehr heißen will als dies Alles, er wünschte unsere Gesetze kennen zu lernen und unsere heiligen Bücher zu lesen. In dieser Absicht beschick er Männe! sich, welche ihm daS Gesetz dolmetschen sollten, und damit dieses AAif gelingen möchte, übertrug er die Besorgung desselben nicht A-., nächsten besten Männern, sondern beauftragte damit den Tcmnrics von Phaleron, Andreas und Aristeas, von denen der Erstgenannte »vier seinen Zcitgenoffen durch Bildung hcrvorragte, die beiden Anderen nur Bewachung der Pevson des Königs betraut waren. Er wäre Y.;n>l nicht so begierig gewesen, unsere Gesetze und die bei unS cinheiimichc Weisheit kennen zu lernen, hätte er von den Männern, die in, tG.iit) derselben svaren, geringschätzig gedacht und sie nicht vielmehr hoch t-e» wundert. Aber auch von den übrigen macedonischen Königen seiner Vorfahren weiß Apion nicht, daß sie aufS Freundlichste gegen uns gesinnt waren. So hat der dritte Ptolemäus (246—221 v. (ihr mit dem Beiname« Eaergetes, nach der Eroberung von ganz S»rnn nicht den egyptischen Göttern Dankopfer für-den Sieg dargcbracht, sondern kam nach Jerusalem, brachte da eine Menge Opfer nach den bei uns gütigen Vorschriften Gott dar, und stiftete in dem Tcmvel Weihegeschenke, wie sic seines Sieges würdig waren. Ptolemäus (VI. 181—146 v. Chr ), Philometor ferner und seine Gemahlin Klcopatra vertrauten die ganze Regierung Juden an; die Führer des gcsammten HccrcS waren die Juden Onias und Dositheos. Wir haben auf unserer Seite das gewichtige Zeugniß deS Caiar über die treue Hilfeleistung, welche wir ihm gegen die Egypter gewährten, 'sowie auch für uns der Senat und seine Beschlüffe sprechen, und die Briefe des Kaisers Augustus, in welchen unsere Verdienste gerühmt werden. Diese Briefe hätte Apion einschcn sollen, die Zeugniffe, welche uns von Geschlecht zu Geschlecht unter Alexander und allen Ptolemäern ausgestellt wurden, die Bestimmungen, welche der Senat und die größten römischen Feldherren zu unseren Gunsten getroffen haben. Dagegen wenn Germanicus nicht allen in Alexandrien lebenden Menschen Getreide anweisenkonnte, so bedeutet dies nur eine Unfruchtbarkeit und einen Ausfall in der Fruchterntc und ist kein Vorwurf für die Juden. Wie alle Imperatoren gegen die Juden in Alexandrien gesinnt waren, liegt am Tage. Die Getreideverwaltung aber ist ihnen so wenig als wie den Alexandrinern überhaupt abgenommen worden. Dagegen haben sie sehr gerne den Juden die von den ehemaligen Königeck ihnen abergebenen hohen Vertraucnsämter belassen, nämlich die Oberaufsicht über den Fluß und über die ganze Besatzung. Solcher Aemter hielten sie sie nicht für unwerth. WaS können wir also gegen Apion Anderes sagen, als er habe, ohne diese Thatsachcn zu prüfen, unglaubliches Gerede vorgebraäu? Es ist aber doch eine Schande, wenn ein Grammatiker so gar keine Vorstellung davon hat, was geschichtliche Wahrheit ist. Er kannte unseren Tempelgottesdienst, sagt aber davon kein Wort; dagegen erdichtet er die Aufsindung eines Griechen, eine unaussprechlich ekelhaste Nahrung, ein herrliches, üppiges Mahl und -ben Eintritt schlechter Menschen in einem Ort, welchen selbst die varnehmsten Juden, wenn sie keine Priester waren) nicht betreten durften. Es ist dies eine häßliche Gottlosigkeit und eine absichtliche Lüge, darauf berechnet, solche irrezuführen, welche die Wahrheit nicht erforschen mochten. Durch solche abscheuliche Uebelthaten, die man uns andichtet, sucht man uns in der Achtung der Welt herabzusetzen. Literatur. Tie Geschichte des Socialismus in,Einzeldarstellungen. Bon E. fteiu, 5. Hugo, K. Kamst», P. Lafargue, Franz Mehring und G. Plrckru. -- Stuttgart, Perlag von I. H. W. Dietz, 1895. Bon diesem vorzüglichen Werke sind soeben die Hefte 15, 16,. 17 u’:t 18 erschienen, welche den zweiten Theil de« ersten „die Borlänser ~ s neueren Socialismus" behandelnden Bandes eröffnen und aussiil»:. e Darstellungen der Anschauungen Thomas More'S (durch K. Kautsln) . Campanella'S (durch P. Lafargue) euthalten. Lesterreichischcs Rechtslexikon. Praktisches Handwörterbuch des öffeutu-i'U und privaten Rechtes der im ReichSrathe vertretenen Königreiche und 2anc. Herausgegeben und redigirt von Tr. Friedrich DuscheneS, Tr. Wenzel Ritter v. BvlSky, Advocaten in Prag, und CarlBaretta, LandeSaurschustro.h j in Prag, unter Mitwirkung zahlreicher Fachkräfte. Prag 1884. Berlag von .'.V'tr | & Klausel. 30. Lieferung.