Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 162 (12.5.1895)
- Date
- 1895-05-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ttlumiiciuciiievm«. z»rOrsterreich-Ung-r^: »„„„abriq.. 5 «rontn (ff. S.50) "‘Km.* *«"«» >». >•«*) .iür »<>» gtfommlt Ausland: Mdr,/.* Mark 50 Pf. - jitiKlHt dlummern 6 tc. * Umranlirie Briese werden nicht angenommen. Organ zur Abwehr des Antisemitismus. Erscheint an jedem Sonntage. 'Ju&.ictioii und ilSmiiiiitranou: I. Stilcrftäftt 10. Inlerale werden mit SO Heller!>« fr.) iitr Mt vier mal gelvallene Nouvareillcreile berechnet. Kleiner An,e,ger da» Wort « Heller (S fr.). Ausnadlne von Inseraten in unlerer.Administration sowie im Annoncenbureau M. Dufe«. l. wollzeile ». Nummer 162. Ulien, 12. Mai 1895. IV. Jahrgang. Neues über die katholische Universität. (Origiiial-Millhkilling der „Freie» PlalleS".) Salzburg, «!. Maj. In der Generalversammlung deS Vereines zur Errichtung und Eihalluug einer katholischen Universität in Salzburg, welcher auch der Biirgcrmcister beiwohnte, predigte der Jesuit Max Limburg ans iiMcit. Nach einem in > dex Zeitschrift deS „katholischen Uiiiv.rsiialövereineö" (II. Lluartalsheft, Salzburg 1695») enthaltenen Berichte sagte der Kanzelrcdner u. A.: „Was will man mit dieser Gründung? Man will der Wahrheit eine Heimstätte bauen und der Wissenschaft rechte, richtige Bahnen breche», die sie zu wirklichen Triiiliiphcn des menschlichen Geschlechtes führe». Man will eine Hochschule errichten, die eine Pflegcstätte aller Zweige menschlichen Wissens sein soll. Man will der Wissenschaft eine Heim- und Pflegenätte erbauen, auS welcher das Sonnenlicht des Glaubens leuchte, daß sie sicheren Ganges alle dem Menschengeiste zugänglichen WahrheitSgebicte durchforsche." Mit Slaunen hörte die leichtgläubige Menge diese kühnen Versprechungen. Die. Jesuiten wissen sehr gut, warum sie ihren Verein nach Salzburg verlegt haben, „daß-möglichst bald über Salzburg jene Sonne aufgehe, deren vereinter Strahl, Glaube und Wissen hier auöleuchte über die Lande, für Wahrheit zum Siege, gegen den Jrrlhum zur Wehr" :c. Mit solchen und anderen Phrasen werden die VercinSmilglieder abgespeist. Wir kennen ja die Beweisführung dieser Sorte von Forschern, die in der That dort Halt mache», wo der Katechismus anfängt, vorgeblich aber den Mulh haben, „alle dem Mcnschengeiste zugänglichen Wahrhcitsgebiele zu durchforschen"! Im Geschäftsberichte wird der Gemeinde für ihre „günstige Slellung zum Uniyersilätsvereine" und für die Spende von 30.000 fl. das Lob ausgesprochen. Natürlich heißt es im Berichte. eS sei mit dem Beschlüsse der Gemeindevertretung „sicherlich von Seile der Intelligenz und deS Volkes von Salzburg ein günstiges Urtheil über das UniversitätSproject zum Ausdrucke gekommen". Das ist eine herausfordernde Behauptung; denn erst vor kurzer Zeit wurden für eine aristokratische WohlthätigkeitSvorstellung Karten auSgegebcn und nicht nach Wunsch an de» Mann gebracht, da man gehört hatte, mit dem Erträgnisse werde auch der katholische Uuiversilälsverein bedacht werden. Erst als öffentlich erklärt worden war, nur der „VincentiuS-Verein" werde betheiligt, schloffen sich die Zögernden an. Diese Vorsichtige» gehörte» sicher wohl auch zur Intelligenz, obwohl sie sich für eine künstlich gezogene I’niveisitas catholica — diese Salzburger.ultramontane TreibhauSspccialilät — nicht begeistern können. Natürlich sind die Frauen stark hinter dem Sammeln her, und so sind die 50.000 fl. von 188«; auf 258.243 fl. 63 kr. angewachsen. Bis zur Million ist aber noch weit hi», - und die Errichtung einer „katholischen Universität" (besser Fachschule für Demonstrationen gegen die freie Forschung) bedarf einer solchen Summe, wen» sic „eine Pflegestälie aller Zweige des menschlichen Wissens" werden soll. Zudem fragen wir uns, ob nach dem Gesetze die Sanclionirung eine^ solchen tendenziösen Institutes möglich sei oder nicht? Nu», den Elericalen ist ja Alles möglich: der Nuntius Agliardi durfte ja auch thun, was ein fremder Diplomat nicht gewagt hätte. Welche Stellung Pater Limburg zur Wissenschaft einnimmt, läßt sich denken„Die/Wissenschaft'," sagte er, kann nicht absehrn von der Eonfession", und „eine Wissenschaft, die absieht van der Eonfession, geht a priori in die Irre": ferner: „Wäre sie dem GlaubenSlichtc gefolgt, sie Hütte Größeres und Höheres geleistet." Die Erfolge der modernen Wissenschaft nennt er „Rakete»,, die für eine» Augenblick ihr Licht leuchten lassen . und als Jrrlhnm zur Erde fallen". Pater Limburg scheint,also niemals auf der Eisenbahn gefahren zu sein, scheint niemals einen Arzt gerufen zu haben, scheint niemals in. die Gehejnniiffe der praktischen Ehemie eingedrungen zu sein. Er beweist mit seinem Vergleiche, daß seine Phrasen nur „Rakelcu" sind, welche den Zweck habe», alS Irrlichter die große Masse vom Wege der Aufklärung ab;» bringefl. Der Darwinismus, der ist ihm auch ei» wahres Schreck bild; fast erheiternd liest eS sich, daß bei dem Rufe: „Der reinste Darwuiisnitts!" rauschender Beifall gezollt wurde! Diese fromme Elaqüe hat wohl Darwin studirt? Rein, sie kennt denselben nur auS de» Angriffen von der Kanzel! lieber eine» Professor ereiferte sich der feurige Jesuit ebenfalls, weil jener ei» Menschengcrivpe auf vier Exlremikälcn aufstellte. „Dieser Professor," heißt cs mit falschem PathoS, „Gott wird ihn zur Verantiborlung ziehen', wie viel hat er' geschadet. ES mag so dumm sein, wie eS will, ein Professor sagt eS, und eS wird geglaubt!" ('Natürlich „Bravo!" im Publicum.) Wir könulen den Spieß umdreht» gegen Salz bürg und sagen, ein Jesuit sagt eS, und cö wird geglaubt: aber wir find nicht so grob wie der feine, glatte Jesuit ,u»d verschweigen den Anfang deS Satzes. In einer Zeit, in welcher eine „Umsturzvorlage" zur Unterdrückung der freien Bewegung des' geistigen Lebens auf den Tisch dcö Parlamentes-in Bctliu gelegt werden kann, muß den Finsterlingen der Kamm steigen; ffie wären Narre», wenn sie die Situalio» für ihre Sonderzwecke nicht auSnützen würden. Aber dieser Jesuit Halle de» Mulh, zu sagen: „Ich war gezwungen, durch mehr alS dreißig Jahre die Wege der moderne» Wissenschaft zu tvandclu" , und weil er nicht ein einzigeSmal den Namen Ehristuö gehört haben will, verdammt er die freie Forschung. Er hat wahrscheinlich jene philosophischen Eollegie» und jene Seminare nicht besucht, in denen auch auf. den modernen Universitäten der Name Ehristuö genannt, wird, .und hat sich absichtlich besonders jene ausgesucht,' in welche» er nicht Vorkommen — konnte. DaS ist Tendenz, und eine fo abgeschmackte Darstcllungsweisc mag den „verbetctcn" Salzburgern gefallen, feinergebildcte Katholiken wissen wohl, waö sie von solchen Effect bombe» (sagen wir lieber mit dem Jesuiten: „Raketen") zu er warten haben. „Der 'Name Ehristus — die Wissenschaft kennt ihn nicht," jammert er, „und ist hcilloS und muß so sein in ihrem Wirken!" — Also wird der Name Ehristuö auf der katholische» Universität wohl in jedem Vorträge, auch bei medicini scheu Demonstrationen, bei Beschreibung der Dampfmaschine, bei Darstellung chemischer Präparate,! in der Statistik, in der Volkskunde, in der Finanzwiffenschaft, im Römischen Rechte, in der Paläontologie, der Stratographie rc. immer genannt werde»? DaS ist Alles Wissenschaft. „Non est in ul io tilhjuo sulns!u Hätte dieser Jesuitenpater gewollt, im Kirchenrechte, in der Weltgeschichte, in der Philosophie, in der Literatur-, Kunst- und Eulturgeschichte hätte er den Namen Christns täglich auch in den dreißig verlorenen Jahren, alS er die „Wege moderner Wissenschaft wandeln mußte", auf den Universitäten hören können. Wo es bequem ist, da wird