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Freies Blatt · 1895-05-05 · 161 (5.5.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
161 (5.5.1895)
Date
1895-05-05
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ' Nr, 161. Blatt. Freies und fer Brauch. „Im politischen «Sinne »nd auch »ach der sprachlichen Seile bi» dal z. B. daS Judeuthum seil nahezu zwei Jahrtausende» ausgehörl, eine Nation zu bilden, es ist auch in geschlechlerrechllicher Beziehung in keiner Weile als eine solche hinzustelle», dagegen ist eS rmzweifelhafl und enlschieden ei» eidilcher Bund, der auf ungleich feineren Voraussetzungen süßt als die Begriffe Sraal und Nation. AuS der jüdischen Elhik entwickelten sich zwei weitdederrscheude Religionen, dar Thristenlhum lind der Islam, jedoch blieb das Judeiikhum in seiner Echtheit und Unversälschtheit trotz aller Widerwärtigleiken lind Anfeindungen bestehen und wird sich so lange in der Menschheit debauplen, alS seine Anhänger an der überlieferten Sittenlehre sesthalleu werden. ES verlohnt sich au« mehr denn einem Grunde, diele Lehren leimen zu lernen, nicht allein wegen ihre« hohen AlterthumS und ihrer Berbreiluug, sondern auch hauptsächlich darum, weil sie uns aus den ersten Blick zeigen, j das; der gegen sie herrschende Haß deS Pöbels aller Nationen und Zeiten lei,In erklärlich ist. Sie sind die Lehren einer soeialen und geistige» Aristokratie, die hockierbabeu über den Niederungen der Leidenschalten ans sonniger Höhe thront und aus die Verirrungen und Bergehe» der rohen Menge voll Mitleid berabsieht. Tie jüdische Sittenlehre in ihrer Bollkonimenheit duldet und verträgt keine Compromisse mit der Gewalt lilid dem Unrecht. Tie nalürliche Folge ist eine oiolirtbeit und die weitere, daß der vereinsamte» Haß und Verfolgung zmbeil werde». Nicht Jedem ist es möglich, auS dem Urquell der uueudlich reichen jüdischen Literatur die Belehrung über die jüdische Sitlenlehre zu schöv'eu oder in einer frommen jüdischen Familie heranzutvachsen, wo diele Lebre» durch Wort und Beispiel vorgeführt werden. Es - war darum ein glücklicher Gedanke, die Grundsätze dieser so bewährte», daS „Uideutbuiu zu einem Bunde unter de» Böllern der Erke einigenden Sikten- Irhien, von allen Zuthateu losgeschält, in größter Gedrängtheit und in einer geuieiuverstäudlicheu Sprache zu veröffentlichen. Ten ersten Herausgeber des Jlugblatles kenne ich nicht, aber die 250 Uulerschrislen reichsdeutscher und cstcircidu-di ungarischer Rabbiner, Hochschullehrer, Privatgelehrte», kur; lauter delvoiialzender, stiiiimberechtigter Vertreter, sowohl der jüdischen Religion als der Wissenschaft des Judeutbums, bürge» ausreichend für die Ambenliciiät der iil’dlvnni Lehren, die bier vorgetragen werde». Ter Inhalt der Truck fchrist wurde seinerzeit in diesen Blättern eingehend gewürdigt; wir begrüße,, aber die Idee, diesen Grundsätzen in Form einer neuen Flugschrift weiteste Berbreituug zu verschaffen, aus das Lebhasleste. Ii. S. Ter Hexenmeister. Eine Geschichte von Eduard Kulke. Sezjaraiabdruck au« der „Neuzeit". Wien 1895. Der Meister der Ghettouovelle hat diesmal eine» glücklichen Griff ins volle Volksleben gethau. Er schildert in humoristischer Weise eine» durch all eingewurzelten Aberglauben verzwickt gestalteten Rechtssall. Eine reiche Lah» bäueriii in Mähren uölhigt einem Juden ihre jiuh auf, die von ihm an geblich behext worden sei. Der jüdische Liehhändler setzt sich mit dem Cd? Pfarrer in« Eiovernehme» und heilt die Frau von ihrem Köhlerglaube» zu», Gaudium de« ganzen Dorfe«. h' Tie letzten Reden des verklärten Predigers Dr. Adolf Jellinek, gehalleii an den Freitagabenden de« abgelauseneu Winters im Tempel der Seiteustelle». gaffe in Wien. Bon D. Löwy, Prediger. Mit dem Bilde Tr. Jellinek's. Preis 40 kr. Wien 1894. Im Selbstverlag des Herausgebers. Ter Prediger D. Löwtz ist einer von den Jüngern Jellinek's, des be rühmten .stauzelrednerS der israelitischen CuItuSgemeinde zu Wie». Er ist ihm vielfach geistig verwandt. Ein BewlZiiderer und Nachfolger zugleich, ein Verehrer und Nachfchreiber der Reden de« Verewigten, stiftete er ihm „», diesem Werkcheu ein Denkmal freundschaftlicher Treue überS Grab hinaus. Ter Referent, der selten Zeit und Lust hat. Predigte» anzuhöreu, Hai'die acht Exhorteu durchgelese». Sie sind sprachlich vollendet und inhalllich gedaule,, lies. Auch Jemand, der jüdischer Religion ferne steht, kann aus ihnen Weilte und erhebende Slimmung gewinnen. Die Ausstattung des WerkchenS ist sehr gefällig.,_‘ r. s. Briefkasten. Abwehrfremid, Horn. Nachdem daS Schaudblatt der Beschlagnahme ve, fallen ist, können wir auS preßgefetzliche» Gründe» auf die Tendenz seine, schamlosen Auslassungen nicht näher eiugehen. L-, Pörtschach. Ja, ja, Steiuweiider ist eben in sittlicher Leziehuug sehr streng. G. Czkruowllt. Für u»S nicht-verwendbar. Änlrnndigungen des „Freien Vlattes". Inserate werde,, augeuommen, sowohl in uvierer Admiuiktration, alS auch im Aunonceii-Bureau M. Duke». Goldman & Salatsch Tailors, I. Graben 20 ihr l>ei der vornehmen Herrenwelt so l-elii-I't tu..i.l.Ahonnemeut-System für Herrenbekleidung 'nach englischem Muster. ■ Hektograph! LI ektograph-IVIasse. ■ Hektograph-Tinte. , * ™ Brief-, Facturen-Ordner und Biblioharptes. | Illustrirte Frcisoourante, hektographirte Abdrücke gratis und franco. Joseph Lewitus, Vien, I. Franzensring 20. Oesterreichische Gesellschaft der Friedensfreunde : I.'Dorotheergasse 12. t __sy .rar.>•—*—^ . .—... — •m'-J. U Welt-Friedens-Confress am 5. August : i in,.' Wuclic vi»r der iu Brüssel 7,u.«ammeiitivt,|iden IiiterinH'lameiitaiisdien Couferenz) in LUXEMBURG t wird. Anmrldwiureii zur Thciluuhiuc und allfulliurc Anträge bitten wir rechtzeitig an das Vereinsbureau zu richten. Der Vorstand der Oesterreictiisclieii Gesellschaft Ger Frieöensfreuufle. Soeben erschienen: , (golteef ion freien ~%YCatte&\ \ band II. |li)fiitismii5, yiciisiiuis, Autlsrmitisiliiis am Ende des XIX. Jahrhunderts. Bon I Lrnst Victor Lenker. Drei» für jede» Band der Collection: für Cesterreich-Nngaru ö. Dl. ft. 1.—. für daS 'gefammte Ausland!i Mark. Band I der (Collection: A. Leroif-Srantte«: Die Juden und der Antiseinilisinu- Isrnel unter den Nationen ist beinahe ganz vergriffen.

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